Berlin sagt danke – wir auch!

In der kommenden Ferienwoche bieten wir aus Anlass der Aktion „Berlin sagt danke“  einige zusätzliche Besichtigungs-Führungen durch unsere beiden großen Häuser an. Neben den Lesesälen können Sie bei diesen Terminen auch einen Blick in unsere sonst nicht öffentlich zugänglichen Magazine werfen. Bitte besuchen Sie bei Interesse unsere Webseite und melden sich dort unkompliziert an.

Wir freuen uns über Ihr Interesse!

 

Hanns Zischler liest Reisetexte am 30.1., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung ein:

Hanns Zischler liest am Samstag, dem 30. Januar 2016 um 16 Uhr aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso und Ulrike Ottinger.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Ich habe schon oft Gelegenheit gehabt, jüngeren Freunden einen Rat zu erteilen, den noch keiner befolgen mochte. Ich würde, sagte ich ihnen, wenn ich von einer wissenschaftlichen Reise zurückkehrte, über die ich berichten müßte, in der Erzählung derselben den Gelehrten ganz verleugnen und nur das fremde Land und die fremden Menschen, oder vielmehr nur mich selbst in der fremden Umgebung dem theilnehmenden Leser zu vergegenwärtigen trachten; und entspräche der Erfolg dem Willen, so müßte sich jeder mit mir hinträumen, woeben uns die Reise hinführte.“ Adelbert von Chamisso

5 Mio. Begriffe aus dem DDR-Presseportal der SBB für die Digital Humanities

Im Rahmen eines DFG-Projekts wurden an der SBB die drei DDR-Tageszeitungen „Neues Deutschland“, „Berliner Zeitung“ und „ Neue Zeit“ von 1945/46 bis 1990/94, also für einen Erscheinungszeitraum von fast 50 Jahren, digitalisiert. Seit Juni 2013 können im Portal „DDR-Presse“ ca. 4 Millionen Artikel nach Anmeldung weltweit und kostenfrei recherchiert werden.

Die Textkorpora dieser Tageszeitungen werden jetzt in einem weiteren Projekt als Datenbasis für computerlinguistische Untersuchungen genutzt. Kooperationspartner sind die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW), das Institut für Geschichtswissenschaften – Bereich Historische Fachinformatik der Humboldt-Universität zu Berlin und das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF). Das an der BBAW angesiedelte CLARIN-D-Zentrum wird die Zeitungsdaten als CLARIN-Ressource aufwerten und in die entsprechende Infrastruktur integrieren. CLARIN-D (Common Language Resources and Technology Infrastructure in Deutschland)  ist die deutsche Sektion des europaweiten CLARIN-Netzwerks, dessen Ziel der Aufbau einer nachhaltigen webbasierten Forschungsinfrastruktur insbesondere für die Geistes- und Sozialwissenschaften ist.

Die drei Zeitungen werden als erste Zeitungskorpora der DDR und als erste deutsche Tageszeitungen für den Zeitraum 1945 – 1994 überhaupt in die Korpora des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache (DWDS) eingehen. Mit dem computerlinguistischen Tool von CLARIN-D werden Analysen zur Charakteristik des Sprachgebrauchs und zum Sprachwandel in der DDR-Presse durchgeführt, so z.B. zum Wertewandel in der Sprache und zu Sprache als Kampfmittel. Ziel des neuen Projektes ist es, dieses Tool in seiner Anwendung auf zeitgeschichtliche Korpora zu evaluieren.

 

 

 

 

Mendelssohn Bartholdy-Autograph erworben

Zum Ende des Jahres 2015 gelang es der Staatsbibliothek zu Berlin, unterstützt durch die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, ein Autograph von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erwerben, das der Wissenschaft bislang unbekannt ist: Es handelt sich um ein Autograph mit 4 Skizzenblättern, also 8 beschriebenen Seiten, mit der Niederschrift eines Partiturfragments zum Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll (MWV O 7) und zur Kantate „Die erste Walpurgisnacht“ (MWV D 3).

Die Skizzen waren der Forschung bisher noch nie zugänglich, weil sie sich in Privatbesitz befanden. Sie passen ausgezeichnet in den Sammlungszusammenhang des Mendelssohn-Archivs der Staatsbibliothek zu Berlin, das den größten Kompositionsschatz Felix Mendelssohn Bartholdys und seiner Familie weltweit verwahrt.

Die bislang nicht bekannten Fragmente sowohl des Klavierkonzerts als auch der Walpurgisnacht sind für die Forschung von größtem Wert, da sie den Entstehungsprozess der Werke sowie die Arbeit des Komponisten erhellen. Die Skizzen stammen aus den Jahren 1830 bis 1832, sie gehören zu weiteren Skizzen eines in der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrten Konvolutes und enthalten völlig unbekannte Musik.

Die Quellen bilden für die in Leipzig angesiedelte Mendelssohn-Arbeitsstelle, die die Gesamtausgabe des Komponisten verantwortet, Primärquellen ersten Ranges, um das erste Klavierkonzert und die Walpurgisnacht als kompositorische Werke umfassend erforschen und würdigen zu können.

Das Autograph befindet sich in einem sehr guten Erhaltungszustand, der der bisherigen Verwahrung in Privatbesitz zu verdanken ist. Papier und Tinte sind von ausgezeichneter Qualität und lassen auch für die Zukunft keine konservatorischen Probleme erkennen. Der Zustand ist altersentsprechend und wird sich bei Lagerung unter den üblichen konservatorischen Bedingungen (im Tresor bei 50% Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 18-20 Grad Celsius) nicht verändern.

Pressebild: erste Seite der Skizze zur Walpurgisnacht

US-Nachrichtendienste + Erwachsenen-Comics

In der heutigen Jahrespressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz berichtete Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, von zwei jüngst lizensierten Datenbanken, die von Benutzern der Bibliothek auch im Fernzugriff genutzt werden können:

Zum Ende des Jahres 2015 wurde die Datenbank „U.S. Intelligence on Europe 1945-1995“ lizensiert. Die etwa 4.000 digitalisierten Dokumente der US-Regierung geben Auskunft über die Aktivitäten ihrer Geheimdienste in den 50 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, also über hochbrisante Zeiten mit Kaltem Krieg, dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Neuausrichtung Europas. Wer also will, kann sich bequem einen Überblick über die Aktivitäten der US-Geheimdienste in ganz Europa einschließlich der Türkei und Zypern in den Jahren 1945 bis 1995 verschaffen.

Zum anderen hat die Staatsbibliothek die mit 200.000 Seiten bestückte Volltext-Datenbank „Underground and Independent Comics and Graphic Novels Series“ lizensiert. Sie dokumentiert das gesamte Spektrum der nordamerikanischen wie auch der europäischen Produktion und Rezeption von Comics für Erwachsene. Neben den Werken selbst sind zahlreiche Interviews, Kommentare, theoretische und literaturkritische Abhandlungen enthalten. Abgedeckt ist in Teil I der Zeitraum der 1960er Jahre bis zur Gegenwart und in Teil II der bedeutende Teil bis zum Jahr 1954.

Werkstattgespräch zur Materialität von Spielbilderbüchern am 2.2.

Werkstattgespräch
Kein Kinderspiel. Spiel- und Verwandlungsbilderbücher vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Dienstag, 02. Februar
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Carola Pohlmann, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –

Der Vortrag beschreibt Entwicklungstendenzen von Spielbilderbüchern vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, analysiert die vielfältigen Bezüge zwischen Buch und Spiel, behandelt Übergangsformen vom Buch zum Spielobjekt und weist auf Besonderheiten in der Gestaltung und Produktion von Spiel- und Verwandlungsbilderbüchern hin.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Im SPK-Magazin zur Einheit: Die Freiheit, jedes Buch lesen zu können

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Günter Baron berichtet über die ‚wunderbar anarchische Zeit‘ in den Tagen nach dem Mauerfall in der Staatsbibliothek Peußischer Kulturbesitz Berlin, heute Haus Potsdamer Straße der vereinigten Staatsbibliothek.

Das SPK-Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


 

Günter Baron

Geboren 1938 in Neudeck in Schlesien

Von 1979–2001 Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin (West), ab 1992 der vereinigten Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Als die Wende kam, war zunächst einmal nur Überwältigung da. Und zwar eine allgemeine, eine politische Überwältigung: Dass auf einmal Realität wird, woran ich zwar geglaubt hatte, aber nicht, dass ich es selbst noch erleben würde! Am Tag nach der Maueröffnung ging ich abends von der Villa von der Heydt den Landwehrkanal entlang zur Staatsbibliothek und überholte ein Ehepaar. Die beiden machten den Eindruck, als hätten sie sich verirrt. Ich habe sie angesprochen und tatsächlich: Sie stammten aus Halle und waren mit ihrem kleinen Kind nach Berlin gekommen, um das Gefühl der Freiheit auf dem Kudamm zu erleben. Sie waren aber zunächst in einer Neuköllner Kneipe gelandet, hatten dort ihr Kind in Verwahrung gegeben und sind dann zu Fuß von Neukölln zum Kurfürsten-damm gelaufen und waren jetzt auf dem Rückweg. Ich habe sie mitgenommen bis zur Staatsbibliothek und dann sind wir in meinem Auto nach Neukölln gefahren, um ihr Kind abzuholen. Das war das erste persönliche Erlebnis: Leute kommen aus Halle nach Berlin, nur um einmal über den Kurfürstendamm zu spazieren!

Zwei, drei Tage später schon setzte der Ansturm in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße ein. Bis zu 300 Besucher „aus dem Osten“ standen morgens vor dem Haus. Wenn der Hausmeister um 9 Uhr die Eingangstüren öffnete, schallte der Ruf durch die große Eingangshalle: Achtung, sie kommen! Und dann trat er beiseite und das Volk stürmte herein. Wir mussten uns schnell über-legen, wie wir mit all diesen Menschen umgehen. Wir haben dann eine Extra-Erstauskunft in der Eingangshalle eingerichtet, um die immer wieder gestellten Fragen zu beantworten: „Wie kann ich die Bibliothek benutzen?“ „Darf ich denn hier einfach rein?“ „Kann ich jedes Buch bekommen?“ Das waren die Leute aus den Bibliotheken der DDR nicht gewohnt. Dieses Erlebnis, Selbstverständliches zu sagen, aus unserer Sicht Selbstverständliches, das war überwältigend: „Ja, Sie können hier einfach durchgehen.“ „Ja, Sie können in den Lesesaal gehen, da stehen 160.000 Bände aus allen Fachgebieten frei zugänglich aufgestellt.“ „Ja, Sie können an die Regale gehen und sich aussuchen, was Sie wollen.“ „Wenn Sie Bücher ausleihen wollen, können Sie sich da drüben eine Benutzerkarte ausstellen lassen; Ausleihbeschränkungen gibt es nur aus konservatorischen Gründen, dann bekommen Sie das Buch nur im Lesesaal ausgehändigt.“ Häufig war fast ungläubiges Staunen zu bemerken, dass die Einsicht in alle vorhandenen Bücher ohne spezielle „Berechtigung“ möglich war. Man hat da erst gemerkt, was Informationsfreiheit bedeutet. Ich habe an dieser Erstauskunftsstelle natürlich auch gesessen. Und auch der Generaldirektor Richard Landwehrmeyer. Nach telefonischer Absprache mit dem Präsidenten Professor Werner Knopp hatten wir das „Wohnsitzprinzip“ West-Berlin für die Buch-Ausleihe aufgehoben. Jeder, der einen Personalausweis vorlegte, egal ob aus dem Osten oder Westen, konnte Bücher ausleihen, und bis Ende Februar 1990 hatten wir 8.000 neu eingetragene Benutzer. Die ja nur vom Stiftungsrat zu beschließende Benutzungsordnung wurde erst viel später geändert: Es war eben in vielen Bereichen eine wunderbar anarchische Zeit.

An eine Wiedervereinigung mit der Deutschen Staatsbibliothek Unter den Linden haben wir zunächst gar nicht gedacht. Im Vordergrund stand die praktische bibliothekarische Zusammenarbeit und die kam auch sehr schnell und unbürokratisch in Gang. Dann haben wir Pläne für eine Konföderation der beiden Bibliotheken durch ein Verwaltungsabkommen gemacht. Doch nach und nach wurde immer deutlicher, dass es zu einer echten Wiedervereinigung der beiden Nachfolgeeinrichtungen der 1945 untergegangenen Preußischen Staatsbibliothek kommen würde, einer „Bibliothek in zwei Häusern“.

Wir waren in der Generaldirektion davon überzeugt: Damit wir schnell wirklich eine Bibliothek werden können, müssen wir die Mitarbeiterschaft mischen, um das kollegiale Miteinander zu erleichtern. Aber leider kam dann die Bestimmung, dass die Bezahlung unterschiedlich sein würde, daran scheiterte dieser Plan. Und dadurch verfestigte sich auch das Eigenbewusstsein der beiden Häuser wieder. Um die Konzeption für die „Bibliothek in zwei Häusern“ ist hart und insbesondere auf westlicher Seite sogar polemisch gerungen worden. Als es darum ging, die Bestände und Abteilungen zu vereinigen und historische Literatur von der Potsdamer Straße ins Haus Unter den Linden zu überführen, gab es von einigen Gruppen große Widerstände. Es gab Flugblätter gegen die Generaldirektion, aber letztendlich bestätigte der Stiftungsrat die Konzeption der Historischen Forschungsbibliothek Unter den Linden und der Modernen Forschungsbibliothek an der Potsdamer Straße. — AS

Schwarz auf weiß: h-Moll-Messe ist UNESCO-Weltdokumentenerbe

Im Oktober 2015 hatten wir  bereits informiert, am 5. Dezember 2015 die wertvolle Partitur (zusammen mit unseren Luther-Weltdokumentenerbeschätzen) in der Öffentlichkeit präsentiert, jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die Urkunde der UNESCO über die Aufnahme der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach in das Weltdokumentenerbe-Register liegt vor!

Die Originalhandschrift der h-Moll-Messe, BWV 232, ist Teil der umfassenden Sammlung von Bach-Autographen in der Staatsbibliothek zu Berlin. Sie steht vollständig digitalisiert und offen zugänglich im Internet zur Verfügung: Werkansicht h-Moll-Messe. Die UNESCO würdigt das Werk als einen „Meilenstein der Musikgeschichte in Bezug auf Satztechnik, Wort-Ton-Verhältnis sowie auf ihre ästhetisch und theologisch durchdachte musikalische Gesamtform“, das „in nuce für die Kompositionskunst Bachs in Gänze“ stehe und auch 250 Jahre nach seiner Entstehung weiterhin Einfluss auf die Welt besitze.

Die Urkunde wird künftig im Haus Unter den Linden aufbewahrt, und zwar im Tresor direkt neben der Originalhandschrift.

„The Garland“ – Faksimiles der Staatsbibliothek für die Preisträgerinnen und Preisträger des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs

Der traditionsreiche Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb, der von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen ausgelobt wird, fand in diesem Jahr vom 13. bis zum 17. Januar an der Universität der Künste Berlin statt. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von über 50.000 Euro vergeben.
Im Rahmen eines Empfangs in der Villa von der Heydt, Sitz der Hauptverwaltung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, am Abend des 16. Januar 2016, übergab die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf, den Preisträgerinnen und Preisträgern Faksimiles einer Liederhandschrift von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Im Frühjahr 2005 erwarb die Staatsbibliothek für ihre Musikabteilung beim Berliner Auktionshaus Stargardt das Autograph des Liedes „The Garland – By Celia’s arbour all the night“ (= Die Girlande von Celia’s Laube, die ganze Nacht hindurch) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zu diesem Lied besitzt die Bibliothek vier handschriftliche Quellen, denn es handelt sich um ein Werk, das Mendelssohn immer wieder überarbeitete – komponiert hatte er es 1829, zuletzt bearbeitet 1841.
Das Lied gehört keineswegs zu den Hauptwerken Mendelssohns, es ist eher eine kleine Gelegenheitskomposition. Das Lied entstand im Zusammenhang mit einer für den Komponisten durchaus wichtigen biographischen „Schaltstelle“, nämlich unmittelbar vor seinem ersten öffentlichen Auftritt in London 1829 mit der Philharmonic Society. Die hier faksimilierte Fassung wiederum ist eine Reinschrift, die er wenige Tage nach der Erstkomposition angefertigt haben muss und die er der Tochter bzw. Nichte der beiden wichtigsten Männer des Orchesters, der Altistin Marian Cramer, übergab. Heute würden wir diese Art der Kontaktpflege Networking nennen. Warum wir es aus dem großen Mendelssohn-Schatz für die Faksimile-Reihe ausgewählt hatten?
Zusammen mit dem auf dem Deckblatt abgebildeten Tintenfass – dieses wiederum ein Geschenk der Mitglieder eben jenes Orchesters – steht es für die bedeutende Londoner Zeit Felix Mendelssohn-Bartholdys, die Insel inspirierte ihn künstlerisch sehr stark.
Das Faksimile des optisch sehr ansprechenden Autographs einer zudem musikalisch hübschen Komposition kann für 5 € plus Versandkosten bei der Staatsbibliothek zu Berlin bestellt werden.

Die Mendelssohn-Sammlung der Staatsbibliothek

Ein vierblättriges Kleeblatt: unsere DFG-unterstützten Fachinformationsdienste

„Für Forschung und Kultur“! – Stehen Bach und Luther, deren Handschriften und Drucke wir im Dezember öffentlich präsentierten, mehr für die kulturelle Breitenarbeit, so dienen unsere neuen Fachinformationsdienste der anderen Seite unserer Staatsbibliotheksmedaille, nämlich der wissenschaftlichen Spitzenforschung. Es gilt, einen Kompletterfolg der Staatsbibliothek zu verzeichnen – denn zu den drei neuen Fachinformationsdiensten (FID) für Slawistik, Kartographie und Geobasisdaten und CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien gesellt sich ja der bereits vor zwei Jahren bewilligte FID Internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung und beschert uns ein vierblättriges Kleeblatt aus erfolgreichen FID-Anträgen. Betrachten wir die vier Fachinformationsdienste genauer!

 

Slawistik

Seit Januar 2016 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Auf- und Ausbau des Fachinformationsdienstes für die Slawistik (FID Slawistik) in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Ziel ist es, die Abstimmung und Kooperation mit den Slawistinnen und Slawisten zu intensivieren und deren Bedürfnisse für die Weiterentwicklung der Forschung in Deutschland auf eine dauerhaft verfügbare informationstechnische Basis zu stellen, die den Anforderungen einer zeitgemäßen Infrastruktur und Präsentation gerecht wird. Grundlagen dafür sollen die Weiterentwicklung der Sammlungen in der Staatsbibliothek zu Berlin, eine Vernetzung der in der SBB PK vorhandenen Sammlungen mit externen Informationsquellen über ein weiterentwickeltes Slavistik-Portal, der Ausbau der fachrelevanten bibliographischen Basis sowie des direkten Zugangs zu in- und ausländischen elektronischen Volltextangeboten mit einheitlicher Indexierung sein. Der FID Slawistik stellt eine Weiterentwicklung des bisherigen Sondersammelgebietes Slawistik dar.
Zu den Kernaufgaben gehört u.a. die Konsolidierung des Erwerbungsprofils für konventionelle und elektronische Veröffentlichungen zur Slawistik. Eine hohe Priorität wird der langfristig gesicherten Vorhaltung der Quellen an einem Ort beigemessen. Eine wachsende Rolle spielen elektronische Ressourcen, wie Datenbanken, E-Journals, E-Books und Digitalisate, die u.a. in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung elektronischer Ressourcen überregional zugänglich gemacht werden.
Das Slavistik-Portal soll als zentrale Stelle für bibliographische und digitale Informationen zur Slawistik ausgebaut und auf responsives Webdesign umgestellt werden. Auf Wunsch der Fachcommunity wird der Aufbau eines Dienstes DoD-Slawistik zur Digitalisierung fachbezogener Quellenliteratur aus urheberrechtsfreien deutschen Bibliotheksbeständen begonnen. Der Zusammenarbeit mit Fachinstituten in den slawischsprachigen Ländern wird wachsende Bedeutung beigemessen. Entsprechend hoch werden die Einbindung von Informationsangeboten der Slawistik-Institute in den slawischsprachigen Ländern und die Kooperation mit relevanten Institutionen in Westeuropa und Übersee bewertet.
Der Ausbau des FID Slawistik wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet.
Typische gedruckte Bücher, die im Rahmen des FID erworben werden, sind z.B.

  • Dolnoserbska romantika [Niedersorbische Romantik] / zestajał Fryco Libo. – 1. nakł. – Budyšin : Ludowe Nakł. Domowina, 2014. – 63 S. ; 20 cm (Serbska poezija ; 60). – Signatur: 3 A 215656
  • Parikova, N. B.: Proischoždenie i sostojanie umerennogo jakanʹja v tulʹskoj gruppe južnovelikorusskich govorov k seredine XX veka [Ursprung und Form der gemäßigten Jakan‘e in der Tulaer Gruppe der südgroßrussischen Mundarten in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Jakan‘e ist eine Form der Vokalreduktion] / N. B. Parikova. Sost., podgot. teksta i kommentarii: D. A. Romanov, N. A. Krasovskaja. – Tula : Tulʹskij Poligrafist, 2008. – 201 S. : Ill., Kt. ; 21 cm. + 4 Kt.-Beil. – Signatur: 3 A 201075

 

Kartographie und Geobasisdaten

Der Fachinformationsdienst Kartographie und Geobasisdaten richtet sich an Kartographinnen und Kartographen wie auch an Geoinformatikerinnen und Geoinformatiker, die topographisches und thematisches Kartenmaterial für ihre Forschungsarbeiten benötigen, versorgt sie mit vornehmlich open access verfügbarer Spezialliteratur, und bietet für eigene Veröffentlichungen ein Fachrepositorium an. Durch eine gezielte Erwerbung oft schwer zugänglicher Karten und Fachpublikationen in analoger und/oder digitaler Form, der verzerrungsfreien Digitalisierung von Karten, die auf einem Server zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden, dem Ausbau der etablierten Spezialverzeichnisse und der strukturierten Hilfe bei der Beschaffung von Geobasisdaten wird der Fachcommunity ein umfassender Service angeboten. Durch die Einrichtung eines Fachbeirates wird die bereits bestehende enge Verknüpfung mit der Fachcommunity intensiviert und es werden mittelfristige Perspektiven für die weitere Entwicklung des Fachinformationsdienstes bestimmt, die sich an der Neuausrichtung der Kartographie orientieren werden. Somit umfasst das fachliche Spektrum der Literatur- und Kartenversorgung für den Spitzenbedarf insbesondere auch Geoinformatik, GIS und Visualisierung. Kartographische Materialien und die Fachliteratur werden neben der Verzeichnung in den üblichen Nachweisinstrumenten auch in Spezialbibliographien erfasst, deren Suchhilfen eine schnelle Recherche ermöglichen.
Der Fachinformationsdienst basiert auf den ehemaligen Sondersammelgebieten Kartographisches Schrifttum und Topographische Karten sowie dem umfangreichen Bestand der Kartenabteilung von nahezu 1,2 Millionen Karten, 34.000 Atlanten und 36.500 Bänden Fachliteratur. Durch den Aufbau des Fachrepositoriums wird die bisherige Bibliographia Cartographica zu einem modernen Recherche- und Speichermedium weite entwickelt und die in der Datenbank Topoliste zusammengestellten topographischen Kartenwerke werden um für die Forschung relevante oder weiterführende Informationen angereichert. Der neu einzurichtende Service der Beschaffung von Geobasisdaten entlegener Gebiete fußt dabei auf den stabilen Kontakten zum hochspezialisierten Kartenhandel, wodurch der Fachinformationsdienst zu einer zentralen Anlaufstelle für die Fachcommunity reifen wird.

 

CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien

Ziel des für drei Jahre bewilligten Projekts CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien ist – in engem Austausch mit der Fachgemeinschaft – den Ausbau und den vertrauenswürdigen und verlässlichen Betrieb eines am wissenschaftlichen Spitzenbedarf orientierten fachspezifischen Informationsservices für die deutschen Asienwissenschaften sicherzustellen. Über die regionalspezifische Versorgung hinaus, soll eine disziplinenübergreifende Informationsinfrastruktur zu und über Asien etabliert werden, die eine Vorreiterrolle übernimmt und wichtige Impulse bei der Entwicklung, Lizenzierung und Bereitstellung von Werkzeugen für digitale Quellen gibt. Die bestehenden Sammlungen der beteiligten Projektpartner in Berlin und Heidelberg – u.a. hervorgegangen aus den zuvor von beiden Einrichtungen betreuten Sondersammelgebieten für die Bereiche Ost- und Südostasien und Südasien – sowie die in den letzten Jahren entwickelten und betriebenen Angebote sind hierfür der ideale Ausgangspunkt. Von dem Angebot des FID sollen insbesondere die inter- und transdisziplinär sowie regional und transregional ausgerichtete universitäre und außeruniversitäre Wissenschaft, Forschung und forschungsnahe Lehre profitieren.
Zielgruppe des Serviceangebots sind ausdrücklich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen, die sich in der einen oder anderen Form mit der Region Asien beschäftigen. So werden u.a. die bislang im SSG-System bestehenden fachlichen Abgrenzungen mit dem FID neu geregelt. Verschiedene Kooperationen sind geplant: Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) wird es ermöglichen, den Bereich Wirtschaft für die Ostasien- und Südostasienwissenschaften in den CrossAsia-Service zu integrieren. Für die Bereiche Technik und Naturwissenschaften wird es eine Kooperation mit der TIB in Hannover im Bereich Metadaten geben.

Inhaltlich wird sich die Arbeit des FID auf die folgenden Felder konzentrieren:

Profilierter Bestandsaufbau
Der zukünftige Bestandsaufbau (gedruckt und elektronisch) ist abgestimmt auf inter- und transdisziplinäre sowie transregionale Fragestellungen in Bezug auf Asien. Prinzipiell wird ein elektronisches Dokument gegenüber einem gedruckten bevorzugt erworben werden und im Online-Zugriff angeboten. Die Sammlungen in Berlin und Heidelberg bilden die Grundlage für alle weiteren (Forschungs-)Services (inkl. Digitalisierung) im Bereich von CrossAsia und damit für alle sich daraus ableitenden Angebote.

Elektronisches Publizieren im Open Access – CrossAsia-E-Publishing
Ziel ist es, basierend auf den Erfahrungen und der technischen Infrastruktur der UB Heidelberg, CrossAsia um eine Plattform zum elektronischen Publizieren im Bereich Open Access zu erweitern. Dies umfasst u.a. auch die Transformation bislang gedruckter Zeitschriften bzw. fortlaufender Sammelwerke in elektronische Open Access Zeitschriften sowie die Veröffentlichung von E-Books.

Optimierung der Informationsservices
Die CrossAsia-Suche soll kontinuierlich um neue Suchräume erweitert werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, den Bereich der Suchmöglichkeiten und die Qualität Ergebnisanzeige weiter zu optimieren. Neu hinzukommen wird ein Modul mit dessen Hilfe Nutzerinnen und Nutzer den Bestandsaufbau selbst steuern können (PDA – Patron Driven Acquisition).

Aufbau einer Infrastruktur für Meta- und Volltextdaten
Im SSG-Kontext wurden für CrossAsia bereits Volltextdatenbanken lizenziert, für die die Staatsbibliothek in großem Umfang sowohl Metadaten als auch (teilweise) Volltext-Hostingrechte eingeräumt bekommen hat. Während sich CrossAsia bislang auf Endnutzer bezogene direkte Dienstleistungen (Blauer Leihverkehr, Suche, Zugriff auf Datenbankinhalte, Kommunikation usw.) konzentriert hat, ist es jetzt das Ziel, eine Basisinfrastruktur, die die Verwaltung von Meta- und Volltextdaten für Mehrwertdienste ermöglicht, exemplarisch auch für andere zukünftige FID zu konzipieren, zu entwickeln und zu betreiben.

 

Internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung

Der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID Recht) löst das Sondersammelgebiet Recht ab. Im nationalen System der Fachinformationsdienste für die Wissenschaft hat er die Funktion, die juristischen Forschungsaktivitäten an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen in Deutschland mit nachfrageorientierten Informationsdienstleistungen zu unterstützen. Zu seinen zentralen Aufgaben gehört eine strikt nachfrageorientierte Ausrichtung des Bestandsaufbaus auf den aktuellen Literaturbedarf der Forschenden. Der FID Recht hat die folgenden drei strategische Profilierungsbereiche identifiziert: Informationsversorgung, Forschungsunterstützung und Retrodigitalisierung. Diese Handlungsfelder werden in der ersten Projektphase (2014–2017) mit einem Bündel von modularen Serviceangeboten adressiert, die sämtlich über die Virtuelle Fachbibliothek Recht zu erreichen sind.
Die Erwerbungsaktivitäten werden auf hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Publikationen zu internationalen und interdisziplinären Forschungsthemen unter Bevorzugung von Veröffentlichungen in deutscher bzw. englischer Sprache fokussiert. Prioritär berücksichtigt werden Neuerscheinungen aus dem Kanon der juristischen Grundlagenfächer, zu einzelnen Rechtsgebieten mit internationalem Bezug, zu nationalen Rechtsfragen mit Bezügen zu internationalem Recht und Europarecht sowie zu interdisziplinären Grenzbereichen der Rechtswissenschaft.
Die Virtuelle Fachbibliothek Recht (www.vifa-recht.de) ist die zentrale Serviceplattform des FID Recht. Sie bietet u.a. materialspezifische Rechercheinstrumente sowie mit dem International Discovery Service die erste disziplinäre Suchmaschine für rechtswissenschaftliche Forschungsliteratur. Diese Suchmaschine ermöglicht die Recherche in den gedruckten Literaturbeständen der Staatsbibliothek zu Berlin sowie den digitalen Inhalten einer Vielzahl von Datenbanken, elektronischen Zeitschriften und Volltext-Repositorien.
Den rechtswissenschaftlichen Professuren an deutschen Universitäten und Hochschulen wird exklusiv ein zugangsbeschränkter personalisierter Direktlieferdienst von Buchbeständen der Staatsbibliothek zu Berlin geschaffen. Zur Unterstützung juristischer Forschungsvorhaben werden über diesen Dienst Titel aus allen Wissensgebieten zur Verfügung gestellt, so sie den Forschenden nicht vor Ort zugänglich sind. Perspektivisch soll das entstehende Servicenetzwerk zu einem nachfrageorientierten überregionalen Lizenzraum für elektronische Fachinformationsressourcen ausgebaut werden.
Als Serviceangebot zur kostenfreien On-Demand-Digitalisierung von gemeinfreien Texten aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin unterstützt <intR>²DoD die Anbahnung und Durchführung rechtshistorischer Forschungsprojekte. Dieser Service kann von dem wissenschaftlichen Personal universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland abgerufen werden. In Übereinstimmung mit der Open-Access-Politik der DFG werden alle im Rahmen von <intR>²DoD erzeugten Digitalisate über das Portal Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin frei zugänglich gemacht.
Als erstes juristisches Fachrepositorium in Deutschland schafft <intR>²Dok dem wissenschaftlichen Personal universitärer sowie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen eine Plattform zur Open-Access-Veröffentlichung qualitätsgesicherter Originalbeiträge oder zuvor bereits an anderer Stelle erschienener Zweitveröffentlichungen. <intR>²Dok versteht sich als Beitrag des FID Rechtzur Beförderung des Open-Access-Publikationsmodells. Dieses hat einen positiven Einfluss auf die internationale Sichtbarkeit, Rezeption und Zitierhäufigkeit gerade auch von juristischen Veröffentlichungen und wird zudem von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen empfohlen.