“Euro-Islam” und die Fallstricke des Integrationsappells – Vortrag am 12.4.

Vortrag von Schirin Amir-Moazami
Muslime in Europa: “Euro-Islam” und die Fallstricke des Integrationsappells

Dienstag, 12. April 2016
18 Uhr

Eintritt frei

Anmeldung erbeten: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Trotz kruder Abwehrreaktionen und wachsendem Populismus werden Muslime mittlerweile zumeist als fester Bestandteil europäischer Gesellschaften betrachtet. Entsprechend bestimmt das Paradigma der Integration öffentliche Debatten ebenso wie politische Maßnahmen. Die Suche nach einem Islam europäischer Prägung verdichtet sich gleichsam in dem Ruf nach einem »Euro-Islam«. Bei genauerem Hinsehen bergen allerdings auch solcherlei Einschluss- und Syntheseversuche eine Reihe von Problemen in sich. So stellt sich die grundlegende Frage, wie viel Integrationsleistung von wem zu erwarten ist, in was genau es sich zu integrieren gilt und welche Prämissen Europas und des Islam für den »Euro-Islam« Pate stehen sollen. Der Vortrag greift diese Fallstricke auf und nimmt dabei spezifisch an Muslime gerichtete Integrationspolitiken in Europa kritisch in den Blick. Der zerlegende, fragende Ton der Analyse versteht sich zugleich als konstruktive Kritik: So werden auch Perspektiven aufgeworfen, wie künftig anders über die wachsende religiös-kulturelle Vielfalt in europäischen Gesellschaften nachgedacht werden könnte.

Schirin Amir-Moazami studierte Politikwissenschaft und Soziologie in Frankfurt/Main, Marseille, Paris und Berlin. 2004 promovierte sie am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zu »Politisierte Religion: der Kopftuchstreit in Deutschland und Frankreich«. Seit 2009 ist sie Principal Investigator an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies der FU Berlin, seit 2015 Professorin am Institut für Islamwissenschaft der FU Berlin und leitet dort den Profilbereich Islam in Europa. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Religionspolitiken in Europa, Säkularismus, Politische Theorie, Geschlechterfragen und islamische Bewegungen in Europa.

New Urbanism: bei uns, nebenan und vor der Haustür

Am heutigen Samstag, 19. März, verleiht die Notre Dame School of Architecture (Indiana, USA) in einer ganztägigen Zeremonie zum 14. Mal den renommierten Richard H. Driehaus-Preis, den international wichtigsten Preis für Traditionelle Architektur und Neuen Urbanismus. Preisträger der mit 200.000 US-Dollar dotierten Auszeichnung ist in diesem Jahr Scott Merrill, Gründer und Chefdesigner des US-amerikanischen Architekturbüros Merrill, Pastor & Colgan. Er wird gewürdigt für seine originellen Entwürfe, die regionale Besonderheiten der Landschaft ebenso aufnehmen wie klassische Formentraditionen aus allen Epochen und Regionen. Merrills Projekte reichen von Ferienanlagen, Wohnblocks und Büroquartieren über Kirchenbauten, Rathäuser und Stadtparks bis hin zu Tanzclubs oder auch einem Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zu wegweisenden Vertretern und Bauten der Traditionallen Architektur und des Neuen Urbanismus, der in den späten 1980er Jahren in den USA entstand, können Sie sich auch über unsere Bestände informieren. Darunter finden sich auch einige Berliner Bauten, wie der im amerikanischen Backsteinstil von Hans Kollhoff errichtete Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz oder die 2015 eröffnete Mall of Berlin am Leipziger Platz von Sergei Tchoban, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wichtigstes Prinzip des New Urbanism ist die Rückbesinnung auf die Vorteile kleiner, überschaubarer Städte und Gemeinden, die sich an historischen Altstädten orientieren und durch Nachhaltigkeit und hohe Lebensqualität auszeichnen. Wohn- und Geschäftsviertel sollen nicht mehr streng getrennt sein, sondern eine gemeinsame Einheit mit fußgängerfreundlichen Plätzen und Grünflächen bilden, so dass lebenswerte Nachbarschaften entstehen.

Sie möchten mehr über die Umsetzung dieser Ideen und andere städtebauliche und architektonische Highlights in Berlin erfahren? Am 27. April um 16.30 Uhr zeigen wir Ihnen in unserem Workshop „Bauten, Parks und Plätze – Literaturrecherche zur Architektur am Beispiel Berlins“ wie Sie die richtige Lektüre finden. Melden Sie sich gleich hier an!

Ach übrigens: Der große Bruder des Driehaus-Preises – wenn auch nur halb so hoch dotiert – ist der international noch mehr beachtete Pritzker-Architektur-Preis, mit dem zunächst Jay A. Pritzker und nach dessen Tod die Hyatt-Stiftung bereits seit 1979 jährlich Spitzenleistungen der modernen Architektur würdigt. Auch zu diesen Geehrten haben unsere Kataloge einiges zu bieten. Als deutsche Preisträger wurden bisher Gottfried Böhm (1986) und Frei Otto (2005) ausgezeichnet.

Für Informationen über den diesjährigen Preisträger Alejandro Aravena aus Chile, der am 4. April im UNO-Hauptquartier in New York ausgezeichnet wird, dürfen wir Sie an unseren guten Nachbarn, das Iberoamerikanische Institut verweisen.

Werkstattgespräch zum frühen arabischen Buchdruck am 5.4.

Werkstattgespräch
Der frühe arabische Buchdruck in einer Welt der Handschriften: Eine kulturhistorische Annäherung
Christoph Rauch, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Dienstag, 5. April
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
(Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt: Eingangshallsbereich (Rotunde)
Anmeldung


Christliche arabische Mönche bedienten schon im 17. Jahrhundert die Druckerpresse. Obwohl Ibrahim Müteferrika bereits ab 1729 in Konstantinopel wirkte, konnte sich der Buchdruck im islamischen Umfeld erst im 19. Jahrhundert durchsetzen. Worin liegen die Ursachen für das lange Festhalten an der handschriftlichen Überlieferung im islamischen Raum, und in welchem Kontext steht die Verbreitung gedruckter Bücher in der islamischen Wissenskultur? Am Beispiel zahlreicher handschriftlicher und gedruckter Exemplare eines sehr verbreiteten und häufig kommentierten Werkes, der arabischen Grammatik al-Kāfīya des Ibn Ḥāǧib (st. 647/1249), werden einige Merkmale der Textgestaltung und des Wissenstransfers sowohl im Zeitalter der Handschrift als auch des Buchdruckes veranschaulicht.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt