Benutzungseinführung

Ab August wöchentliche Benutzungseinführungen im Haus Unter den Linden

Das Angebot der Benutzungseinführungen in unserem Haus Unter den Linden wird ab August von einmal monatlich auf einmal wöchentlich ausgeweitet. Jeden Mittwoch um 11 Uhr können sich Interessierte über unsere Serviceangebote, den Bestand und die Kataloge der Staatsbibliothek informieren.
Im Haus Potsdamer Straße finden diese ca. 45 minütigen Schulungen mit Rundgang zu prägnanten Benutzungspunkten sogar täglich statt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sie längst nicht mehr nur bei StabiStartern, also den neuen Benutzerinnen und Benutzern, Anklang finden. Auch bereits geübte Nutzer finden sich gelegentlich ein, um in kleinen Gruppen informiert und konkret beraten zu werden.
Wenn Ihnen unser Angebot aus den verschiedenen Katalogen, Datenbanken und Fernleihmöglichkeiten unklar erscheint, freuen wir uns, Ihnen in einer Benutzungseinführung den Weg zu Ihrer Forschungsliteratur zeigen zu können.

Haus Unter den Linden
Mittwochs um 11 Uhr

Haus Potsdamer Straße
Montags, mittwochs, freitags um 11 Uhr
Dienstags und donnerstags um 17 Uhr

Researchers from all over the world welcome!

Sie kommen schon immer hierher, die Forschenden von allen Enden der Welt. Seit 2009 jedoch ist in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein spezielles Instrument zur Förderung internationaler Forschungsbesuche etabliert: das Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es dient dazu,

„in erster Linie ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in die Lage [zu] versetzen, in den Museen, Bibliotheken und Archiven der SPK zu arbeiten, am wissenschaftlichen und kulturellen Leben innerhalb der SPK und in Berlin teilzunehmen und Fachkontakte zu Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der SPK sowie anderer Einrichtungen in Deutschland zu knüpfen.“

Mit „ausländisch“ ist dabei keineswegs die Staatsbürgerschaft oder gar die Nationalität gemeint, sondern der dauerhafte Wohnsitz. Denn es geht darum, die Mehrkosten bei Aufenthalt „in der Fremde“ aufzufangen. Wichtig ist deshalb auch, dass als zusätzliche Unterstützung ein Reisekostenzuschuss eingeplant ist. Jede Institution innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gestaltet das Programm mit eigenen Modifikationen im vorgegebenen Rahmen.

Stiftungsweite zentrale Vorgaben sind neben dem Antragsformular und den notwendigen Bewerbungsunterlagen

– die Stipendiendauer von maximal 3 Monaten

– die Vergabe des Stipendiums in zwei Kategorien:

– Kategorie A für Personen mit erstem Hochschulabschluss, ohne Promotion

– Kategorie B für Personen mit Promotion (oder Äquivalent)

– die Höhe des monatlichen Stipendiums in der jeweiligen Kategorie:

– Kategorie A: 900 €

– Kategorie B: 1200 €

– die Möglichkeit der Erstattung von Reisekosten bis maximal 500 €

Ebenfalls sind einige Verpflichtungen seitens der gastgebenden Einrichtung und seitens der Stipendiaten formuliert.

 

Für die Staatsbibliothek wird die Zielausrichtung des Programms folgendermaßen spezifiziert: Das Stipendienprogramm

„soll es in erster Linie im Ausland lebenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern  ermöglichen, nach Berlin zu kommen, um die reichhaltigen Sammlungen der Bibliothek und der anderen Stiftungseinrichtungen für ihre Forschungsarbeiten auszuwerten und Fachkontakte in Deutschland zu knüpfen.“

Der Bewerbungszeitraum für ein Stipendium zur Durchführung von Forschungsarbeiten bei der Staatsbibliothek zu Berlin ist separat festgelegt: Bis 30. September jeden Jahres werden Bewerbungen für ein Stipendium im darauffolgenden Jahr angenommen. Der Antrag ist zusammen mit den erforderlichen Unterlagen per Post an die Generaldirektion zu richten:

Staatsbibliothek zu Berlin

– Die Generaldirektorin –

Potsdamer Straße 33

D-10785 Berlin

All diese Informationen finden Sie auf den Stipendienseiten unserer Hompage, die komplett auch auf Englisch zur Verfügung stehen.

Konkret gestaltet es sich in der Staatsbibliothek so, dass mit dem Budget jährlich 6 – 8 Stipendien (incl. Nebenkosten) ermöglicht werden können. Neben einem kostenlosen Bibliotheksausweis wird bei Bedarf eine über unsere ohnehin angebotenen Serviceleistungen hinausgehende fachliche Betreuung gewährt. Die Stipendiaten stellen wenn irgend möglich ihr Forschungsprojekt in einem Werkstattgespräch innerhalb unserer Wissenswerkstatt vor. Wenn es sich organisatorisch anbietet, kann diese Präsentation auch zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb der Stipendienmonate erfolgen. Seit dem Bestehen des Blognetzwerkes der SBB haben sie zudem die Möglichkeit, ihr Thema hier in einem eigenen Beitrag einem breiteren Interessentenkreis nahezubringen.

Für Stipendien im Jahr 2018 freuen wir uns über Bewerbungen bis zum 30. September 2017!

Eine zahlenmäßige und inhaltliche Übersicht über die bisherigen Stipendienjahrgänge folgt in einem separaten Beitrag demnächst in diesem Blog!

Friedrich Nicolai und die erste chemische Fachzeitschrift

Gastbeitrag von Anna Gielas, University of St Andrews, Edinburgh

Streitlustig und streitbar soll Friedrich Nicolai (1733-1811) gewesen sein. Fest steht, dass der Berliner Buchhändler und Verleger zu den zentralen Akteuren der Aufklärung zählte. Heute gehört seine Korrespondenz zu den wichtigsten und meistbenutzten Nachlässen der Staatsbibliothek. Unter den 20.000 Briefen finden sich 130 Stück von einem Professor aus Helmstedt, dessen Name den meisten von uns nichts sagt – der jedoch den Lauf der Chemie nachhaltig beeinflusst hat.

Lorenz von Crell (1744–1816), Professor an der Universität Helmstedt

Dabei hat Lorenz Friedrich Crell (1744-1816) zeit seines Lebens weder eine wichtige chemische Entdeckung noch Erfindung gemacht. Stattdessen gründete Crell die erste chemische Fachzeitschrift – und schuf damit in der Zeit eines politisch zerklüfteten und späterhin in die Napoleonischen Kriege verstrickten Europas ein internationales Forum für den Austausch chemischer Forscher. Mithilfe seines Journals bot der Helmstedter einen regelmäßigen Fluss neuer wissenschaftlicher Beobachtungen, erlaubte seinen Lesern, diese zu kommentieren, aufzugreifen und weiter zu untersuchen – und synchronisierte auf diese Weise ein Stück weit die Bemühungen der europäischen Chemiker. Zum Vorteil der Forschung.

Crells Briefe im Nachlass Nicolais erlauben einen einzigartigen Einblick in die Entstehung und Leitung des chemischen Periodikums. In keinem anderen Archiv scheinen annähernd so viele Briefe des Helmstedters überdauert zu haben.

Crell begann seine Korrespondenz mit Nicolai als erfolgloser 33-jähriger Hochschuldozent. Streitlustig hat er den Berliner Verleger nicht erlebt, streitbar noch weniger: Der Helmstedter war Nicolai über Jahrzehnte hinweg in Dankbarkeit und Freundschaft zugetan. Auch als seine „Chemischen Annalen“ längst über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinweg bekannt waren, hielt er den Kontakt zu Nicolai.

Der Jungprofessor und der Verleger fanden sich im Jahre 1777, hauptsächlich über Nicolais „Allgemeine Deutsche Bibliothek“ (ADB), ein führendes Rezensionsorgan der Aufklärung. Im November 1777 schrieb Crell: „Ich kann diese Gelegenheit nicht vorbeylaßen, ohne Ihnen zu äusern, daß, wenn eine Stelle eines Recensenten in der practischen Arzneygelahrtheit, der Chemie, Mineralogie, oder Materia medi(c)a, für Ihre schätzbare allgemeine Deutsche Bibliothek etwa offen seyn sollte, und Sie sie durch mich wieder ausfüllenwollten, ich diesen Antrag mit vielem Vergnügen annehmen würde.“

Handschriftenabteilung der SBB, Nachlass Friedrich Nicolai: Crell an Nicolai, Brief 8, 27. Februar 1778

Obgleich Crell zu dieser Zeit an der ersten Ausgabe seines „Chemischen Journals“, des ersten seiner insgesamt neun chemischen Fachperiodika, arbeitete, verfasste er von November 1777 bis Anfang Februar 1778 mindestens sechzehn Rezensionen für Nicolais hochbeliebte Zeitschrift. Dabei besprach der Professor primär jene Publikationen, die für sein eigenes Journal wichtig waren.

Die beachtliche Sammlung von Crells Briefen an Nicolai zeigt, dass der Verleger sehr schnell zu einer essentiellen Ressource für den Jungredakteur wurde. Nicolai verfügte über jahrelange Erfahrung im Leiten einer Zeitschrift und hatte sowohl zahlreiche Möglichkeiten als auch den Willen, dem Helmstedter unter die Arme zu greifen. So ließ er Crell sogar seine chemische Zeitschrift für die ADB rezensieren: Hinter dem Schleier der Anonymität durfte der Jungredakteur sein eigenes Blatt preisen und weiterempfehlen.

Crell suchte bei Nicolai auch Rat in essentiellen redaktionellen Fragen, etwa der Serialität seiner chemischen Publikation: „Sollte es hier am rahtsamsten seyn, das Journal (…) wieder so, wie bisher, 2 kl. Theile jede Meße, herauszugeben? oder Stückweise, zu 6 Bogen?“ Auch bat der Redakteur um Nachrichten zur chemischen Forschung in der preußischen Hauptstadt. Nicolai kannte die führenden Forscher seiner Zeit, darunter Johann Christian Wiegleb, Johann Friedrich Gmelin und Johann Friedrich Göttling. Crell wiederum war gleich doppelt isoliert, als er sein Journal ins Leben rief: Zum einen durch seinen Wohnort Helmstedt mit rund 4.000 Einwohnern in der östlichen Peripherie des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel; zum anderen durch einen Mangel an Kontakten zu weiteren Forschern der Chemie.

Nicolai schloss den rund zehn Jahre jüngeren Mann mit der Zeit ins Herz. Immer wieder bereitete er Crell Überraschungen. So schrieb der Jungredakteur: „auch bin ich Ihnen vorzügl. für das so reichl[ich]e Honorar. für Kirwan’s Übersetzg doppelt verbunden, weil es freywillig ist, u. ich es nicht so hoch erwartete.“ Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen fand Nicolai die Zeit, Crell in Helmstedt zu besuchen. Das festigte nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch die Zusammenarbeit, und Crell veröffentlichte mindestens acht Publikationen zur Chemie und Medizin im Nicolaischen Verlag.

Doch gerade für die Gründung und die ersten Jahre des „Chemischen Journals“

Deckblatt der ersten Ausgabe des “Chemischen Journals”, Exemplar der Bibliothek des Polytechnicums Carlsruhe

spielte Nicolai eine wesentliche Rolle. Er war, wie es scheint, der einzige einflussreiche Helfer des jungen Crell – und eine treibende Kraft hinter der ersten chemischen Fachzeitschrift. Die Briefe des Helmstedters können als neuer Beleg für die Vielseitigkeit von Nicolais Wirken und sein breites Engagement interpretiert werden.

 

Frau Anna Gielas, University of St Andrews, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2017 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: “Lorenz Crells Briefe an Friedrich Nicolai und die Genese sowie Konsolidierung der ersten chemischen Fachperiodika (1777 – 1785)”