Besucher im Sommer und Reisen um die Welt

Sommerzeit ist Reisezeit, auch oder gerade für Besucher des Lesesaals der Handschriftenabteilung.

Sie nutzen die vorlesungsfreie Zeit für Bibliotheksreisen, um neue Projekte zu starten und alte Manuskripte zu sehen. Unter Manuskript, aus dem lateinischen manu scriptum,  von Hand geschrieben, verstehen wir weit mehr als die umgangssprachlichen Druck- oder Sendevorlagen. Mit einem Einband versehene, gebundene Handschriften, auch Codices genannt, werden unter regionalen, sprachlichen, inhaltlichen Aspekten oder nach ihrer Herkunft gesammelt und erschlossen. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert. Manuskripte befinden sich natürlich auch in Nachlässen. Der Nachlass einer Person oder Vereinigung wird nach Materialarten in Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente und Sammlungen gegliedert. Da kein Stück dem anderen gleicht gibt es eine Unzahl von Signaturen und Nachweisen. Die Fülle der abendländische Handschriften mit 37 Signaturenreihen  zeigt die Signaturenübersicht der Homepage. Durch kriegsbedingte Verlagerungen, die Teilungsgeschichte der Bibliothek und unzählige Sonderfälle gibt es noch weit mehr Nachweisinstrumente als den Stabikat. Denn für solch individuelle Stücke ist der Stabikat noch nicht das geeignete Nachweisinstrument.

Auskunft im Lesesaal

Wenn Sie auf Nachweise mit Hdschr. Ham. und  Alb.am., Nachl. oder Dep . stoßen und zunächst nichts damit anfangen können, so lohnt sich eine direkte Nachfrage bei der Auskunft im Lesesaal. Nur eine korrekte Signatur führt zu dem gewünschten Objekt.

Voranmeldungen aus aller Herren Länder gibt es  besonders jetzt im Sommer. Gestern wird die mail abgeschickt, heute steht der Besucher schon im Lesesaal und bestellt, wo er schon mal da ist vielleicht auch 10 und mehr Handschriften und Nachlasskästen. Das bringt dann die Kollegen aus dem Magazin ins Schwitzen, denn Folio- und Großfolio-Bände mit Eichenbrettern als Material für die Einbanddeckel können sehr schwer sein.

Empfindliches als Faksimile und in der Digitalen Bibliothek

Bei manchmal unvermeidlichen tropischen Temperaturen, auch im Lesesaal, kann dann eine Handschrift, besonders wenn es eine Zimelie ist, also eine besonders wertvolle Handschrift, nicht bereitgestellt werden. Denn solche Temperaturschwankungen und die Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit sind aus konservatorischen Gründen Gift für alte Werke. Besonders Pergamenthandschriften reagieren darauf sensibel. In der Antike bezeichnete man diesen Beschreibstoff, der vor allem vor der Erfindung des Papiers verwendet wurde, nach dem Ort Pergamon in Kleinasien, der heutigen Türkei. Auch nach 500 oder 1000 Jahren reagieren diese ursprünglichen,  nur leicht bearbeiteten und getrockneten Tierhäute mit Ausdehnung. Der Handschriftenband passt nach der Benutzung nicht in seinen Schutzbehälter, Schließen können nicht geschlossen werden. Für Wissenschaftler ist die Arbeit mit den Originalen unverzichtbar, aber zum Glück besitzen wir eine außerordentlich große Sammlung an Faksimiles und  auch unsere digitalen Sammlungen weisen immer mehr Handschriftenbände nach. Schaut man sich die digitalisierten Seiten von

Ms. Phill. 1896  aus dem 8./9. Jh. an,

kann man genau die Fleisch- und die Haarseite des Pergaments erkennen, sowie die zerstörerische Kraft der Eisengallus-Tinte.

Zu Hause rund um die Welt

Gut, die schönsten Reisen finden sprichwörtlich im Kopf oder vielleicht beim Lesen statt. Für alle Daheimgebliebenen kann es daher spannend sein, Reisebeschreibungen zu lesen. Es gibt unzählige gedruckte Werke dieser Art, auch in unserem Bestand. Die Reisetagebücher der großen Weltreisenden wie Alexander von Humboldt,  Georg Forster,   Adelbert von Chamisso  sind bekannt und  ihre erlebnisreichen Aufzeichnungen können sogar über digitale Portale betrachtet werden. Weniger bekannte Schilderungen findet man aber auch in den digitalen Sammlungen, wie eine Beschreibung der  Reise von Bamberg nach Jerusalem im Jahr 1467.

Adelbert von Chamisso, der spätere Weltreisende, schrieb in der Abgeschiedenheit des brandenburgischen Kunersdorf im Jahr 1813 „Peter Schlemiels Schicksale“ nieder: Als Ms. germ. qu. 1809 ging das Heft mit der Geschichte um den Mann ohne Schatten und seine lange Reise  in unsere Bestände ein. Als solches kann man das Heft in den digitalen  Sammlungen sehen oder als Faksimile erwerben. 

Zwei Jahre später brach er im Juli 1815 in Berlin auf und begann am 17.August 1815 seine Weltreise auf dem Expeditionsschiff „Rurik“ unter Otto von Kotzebue. Er bezeichnete den 17. Juli 1816 als den Beginn der „Sommercampagne“, den Beginn der Nordfahrt durch die Beringsee und die angrenzenden Regionen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent.  Seine Manuskripte, auch  zum Nachlesen gibt es im Katalog „Weltreise- Forster-Humboldt-Chamisso-Ottinger “, ein wunderbares  Werk mit zwei Bänden, auf temperatur- und alterungsbeständigem Papier gedruckt. Im Lesesaal kann man es studieren oder sein eigenes Exemplar – für den Balkon- erwerben.

Es liegt auf der Hand, Reisen bildet…

An der Handschrift mit der Signatur Ms. Phill. 1479 scheint etwas besonders  Reizvolles zu sein. Diese kleine griechische Handschrift mit fünf Abschnitten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde bislang selten benutzt. In der Datenbank Manuscripta Mediaevalia wird sie kurz  verzeichnet. Jetzt ist das Interesse daran so groß, dass innerhalb von vier Monaten Besucher aus Frankreich, Italien und den USA diesen Band  sehen wollen, der noch nicht digitalisiert wurde. Sie enthält zwei griechische Tragödien nach Euripides und Traktate zu prognostischen Methoden. Vielleicht sind es ja die charmanten Zeichnungen mit Angaben zur Handlesekunst und ein Text zur Chiromantie.

“Weltreise” geht auf Wanderschaft

Im Zentrum der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger in der Staatsbibliothek zu Berlin standen neben den Filmen Ulrike Ottingers die Tagebücher, Briefe und Zeichnungen Alexander von Humboldts, Reinhold Forsters und Adelbert von Chamissos.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Ulrike Ottinger folgte 2014 den Spuren Chamissos, der von 1815-1818 an der russischen Entdeckungsreise des Grafen Romanzoff teilnahm, in die Beringsee und die angrenzenden Regionen sowohl auf dem amerikanischen als auch dem asiatischen Kontinent. Von den Aleuten, Kamtschatka, Tschukotka, Alaska brachte sie beeindruckendes Filmmaterial mit zurück, aus dem vier Filme für die Ausstellung entstanden. Die Filme widmen sich den Themen: Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften.

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

Aus der Konfrontation der zeitgenössischen Filme mit einzigartigen historischen Handschriften aus der Staatsbibliothek und Objekten aus den Beständen des Ethnologischen Museums, des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums entsteht eine spannungsreiche Erzählung, die von den ersten Vorbereitungen einer Expeditionsreise bis zur Rückkehr der Reisenden reicht. Ihre Erkenntnisse, Eindrücke und Ideen spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

 

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ab März 2016 selbst auf Weltreise gehen. Dabei wird sie nie dieselbe sein, denn, so sieht es das Konzept vor, die Auswahl der Ausstellungsstücke übernimmt jede Station selbst; und damit auch die Erzählung, die im Rund der Vitrinen stattfinden wird. Einzig die vier Filme von Ulrike Ottinger sind eine Konstante, ebenso wie die Ausstellungsarchitektur, die einer Jurte nachempfunden ist. Beides wird mit auf Reisen gehen. Auf diese Weise verändert sich die Ausstellung von Ort zu Ort und kann der Dialog zwischen den Filmen und den Ausstellungsobjekten lebendig bleiben. Diese fortwährende Aktualisierung ist die treibende Kraft der Wanderausstellung, die an jedem Ausstellungsort auch einen neuen Titel tragen wird. Lediglich das Wort „Weltreise.“ ist fester Bestandteil des Titels.

Bei Interesse, die Ausstellung zu zeigen, wenden Sie sich bitte per Email an Dr. Jutta Weber: jutta.weber@sbb.spk-berlin.de

Dieser Blogbeitrag wird in Kürze mit allen notwendigen Informationen zur Wanderausstellung ergänzt. Bitte schauen Sie bei Interesse noch einmal hier vorbei.

Im Rahmen der Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin ist eine zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von Ulrike Ottinger und einem Ausstellungskatalog erschienen. Sollten Sie daran interessiert sein, die Publikation im Rahmen Ihrer Ausstellungspräsentation zu verkaufen, wenden Sie sich bitte an Herrn Björn Vogler: publikationen@sbb.spk-berlin.de

Grundriss des Ausstellungsbaus samt der Maßangaben (pdf): Weltreise_SBB_Abmessungen

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König am 6.02., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung am 6. Februar um 16 Uhr ein:

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin, über die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger und das Reisen als Filmemacherin.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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“Ich reise, um zu verstehen. Wenn man sich anderen Kulturformen, anderen Vorstellungen nähern möchte, ist eine narrative Form weniger geeignet, da sie meist nur bestehende Konzepte aus der eigenen Perspektive und Kultur weiterführt. Mich interessiert vielmehr, dass sich ein genuines Interesse entwickelt und ein Austausch mit anderen Kulturen stattfindet.” Ulrike Ottinger

Mit Hanns Zischler auf Weltreise

Am 30. Januar war Hanns Zischler zu Gast in der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist, las Hanns Zischler unter anderem aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso. Den Auftakt der Lesung machte Zischler mit einer Passage aus Johann Gottfried Herders Journal meiner Reise im Jahr 1769, in dem der Philosoph schreibt: “Philosoph der Natur, das sollte dein Standpunkt seyn, mit dem Jünglinge, den du unterrichtest! Stelle dich mit ihm aufs weite Meer, und zeige ihm Fakta und Realitäten, und erkläre sie ihm nicht mit Worten, sondern laß ihn sich alles selbst erklären.”

Es folgten Ausschnitte aus Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte, aus Georg Forsters Reise um die Welt und aus einem Brief von Alexander von Humboldt an seinen Freund Carl Ludwig Willdenow. Zum Abschluss las Zischler ein Märchen, das Ulrike Ottinger 2014 während ihrer Reise verfasst hat und das den Titel Das Seeottermädchen trägt und von der Begegnung zwischen einem Seeottermädchen und einem Jäger handelt. (Das Märchen ist in Band 1 Chamissos Schatten der zweibändigen Ausstellungspublikation nachzulesen, die sie unter anderem im Ausstellungsshop für 39,90€ erwerben können.)

Wir bedanken uns bei Hanns Zischler für seinen lebendigen und mitreißenden Vortrag dieser unterschiedlichen Texte und damit für eine wunderbare Veranstaltung, an der mehr als 100 Gäste teilgenommen haben!

Vorschau: Am 6. Februar findet um 16 Uhr ein Gespräch zwischen der Künstlerin Ulrike Ottinger und Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums, im Simón-Bolívar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33 statt.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Hanns Zischler liest Reisetexte am 30.1., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung ein:

Hanns Zischler liest am Samstag, dem 30. Januar 2016 um 16 Uhr aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso und Ulrike Ottinger.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Ich habe schon oft Gelegenheit gehabt, jüngeren Freunden einen Rat zu erteilen, den noch keiner befolgen mochte. Ich würde, sagte ich ihnen, wenn ich von einer wissenschaftlichen Reise zurückkehrte, über die ich berichten müßte, in der Erzählung derselben den Gelehrten ganz verleugnen und nur das fremde Land und die fremden Menschen, oder vielmehr nur mich selbst in der fremden Umgebung dem theilnehmenden Leser zu vergegenwärtigen trachten; und entspräche der Erfolg dem Willen, so müßte sich jeder mit mir hinträumen, woeben uns die Reise hinführte.“ Adelbert von Chamisso

Jetzt zur WELTREISEN-Konferenz 25. – 27.2. anmelden

Die von Deutschland ausgehenden (Welt)reisen um 1800 stehen im Fokus der 3. Internationalen Chamissokonferenz

Weltreisen.
Aufzeichnen, aufheben, weitergeben – Forster, Humboldt, Chamisso

25. – 27.2. 2016, Staatsbibliothek zu Berlin
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin

Programm sowie Online-Anmeldung zur Konferenz:
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen


Mit Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso verbindet sich eine Horizonterweiterung des intellektuellen Feldes im deutschsprachigen Raum, die den Eintritt in die Moderne nicht nur markiert, sondern wesentlich mitbestimmt. Der Rückgriff auf die Genannten ist daher auch nicht nur hinsichtlich der Genese moderner Wissensordnungen relevant, sondern kann auch als Ansatz für Schwerpunktverschiebungen im Verständnis unserer eigenen Gegenwart und Zukunft nutzbar gemacht werden. So kommen beispielsweise im Nachdenken über ein postnationales Europa nicht nur die Mehrsprachigkeit der Schriftsteller Forster, Humboldt und Chamisso, sondern auch deren Erfahrungen als ‚Reisende‘, als ‚Fremde‘, als ‚Nomaden‘ und als ‚Migranten‘ in den Blick. In der Reflexion des Anthropozäns wird die selbstverständliche Engführung natur- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen bei den Forschungsreisenden epistemologisch relevant. Die Beschäftigung mit ihnen zeigt, statt bewegter Subjekte, die eine starre Topographie durchqueren, vielmehr die Beweglichkeit und Relationalität von Konzepten wie „Preußen“, „Europa“, „Empirie“ „Welt“ oder eben „Moderne“.

Neben den bekannten Publikationen haben die genannten Reisenden auch Texte, Skizzen, Zeichnungen sowie Proben von Artefakten und Naturalien in Sammlungen hinterlassen, die in den letzten Jahren verstärkt zu Gegenständen der Forschung geworden sind. In diesen Hinterlassenschaften manifestieren sich Themenkomplexe zwischen den Begriffs- und Bestimmungspolen von Natur und Kultur – Tier- und Pflanzenwelt der Reise, Landschaften, Kartographien, Menschenbilder um 1800 –, die nicht zu trennen sind von den medialen Formaten ihres Erscheinens wie dem Tage- und Notizbuch, dem Skizzenheft, dem Gemälde, dem Briefwechsel oder der Sammlung. Diese stellen nicht nur hermeneutische Aufgaben, sondern erfordern eine Konservierungs- und Editionspraxis, die als zeitgemäße Grundlagenforschung zunehmend Mittel, Methoden und Perspektiven der digitalen Geisteswissenschaften aufnimmt und in die historische Erschließung integriert.

Die Konferenz wird veranstaltet von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Potsdam und der Chamisso-Gesellschaft e.V. Sie findet zum Abschluss der von der Staatsbibliothek zu Berlin zusammen mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger präsentierten Ausstellung WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt.

In die Ferne schweifen: Weltreise für Zuhause

Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger entstand eine zweibändige Publikation im Schuber mit dem Künstlerbuch Chamissos Schatten von Ulrike Ottinger und dem Ausstellungskatalog mit Texten von Jutta Weber und Michael Fürst.

Ulrike Ottingers Buch dokumentiert in Text und Bild ihre Reise, die sie im letzten Jahr zur Vorbereitung der Ausstellung und ihres Films Chamissos Schatten unternommen hat. Der Ausstellungskatalog folgt dem Rundgang der Ausstellung selbst, zeigt alle präsentierten Objekte und bietet vertiefte Informationen hierzu. Die beiden in Leinen gebundenen Bücher befinden sich in einem Schuber und umfassen etwa 500 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Sie erhalten das Buch zu einem Preis von 39,90€ bis Ende Dezember während der Öffnungszeiten der Ausstellung, ab Januar dann an den geöffneten Tagen jeweils in der Zeit von 13 bis 18 Uhr am Shop gegenüber des Ausstellungsraums.

Oder Sie bestellen die Publikation per Email gegen Rechnung bei der Staatsbibliothek zu Berlin, Serviceteam Öffentlichkeitsarbeit: publikationen@sbb.spk-berlin.de.

Sie erhalten die Publikation in Berlin auch in ausgewählten Buchhandlungen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Aufbruch ins Unbekannte

Bevor Adelbert von Chamisso (1781-1838), Autor und Naturforscher, 1815 aufbrach, um an der Romanzoff’schen Expedition teilzunehmen, war er voller Vorfreude, an einer Weltreise teilnehmen zu können und er schrieb in Reise um die Welt (1836): “Ich schaute, freudiger Tatkraft mir bewußt, in die Welt, die offen vor mir lag, hinein, begierig in den Kampf mit der geliebten Natur zu treten, ihr ihre Geheimnisse abzuringen.”

Ulrike Ottinger, Filmemacherin und Künstlerin, machte sich 2014 mit einem Filmteam auf, um die Route, die einst auch Chamisso auf der nördlichen Hemisphäre genommen hatte, nachzureisen. Ihr Interesse gilt dabei den Themen Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften, die sie filmisch und fotografisch umsetzt. Ihr künstlerisch-ethnographischer Ansatz zeigt zum einen Regionen unserer Welt rund um das Beringmeer, die uns weitestgehend verborgen bleiben. Zum anderen, und genau dies zeichnet sowohl die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger aus als auch ihren neuen Film Chamissos Schatten, kombiniert sie ihre Filmaufnahmen mit den Texten, Bildern und Objekten früherer Reisender wie Georg Wilhelm Steller, Adelbert von Chamisso, James Cook, Johann Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und weitere mehr.

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin entstand die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar 2016 im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist. Vier Filme zu den oben benannten Themenfeldern werden hier in Beziehung gesetzt zu historischen Reisedokumenten und Objekten, die aus der Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Museum für Naturkunde, dem Ethnologischen Museum und dem Botanischen Museum stammen. Im Innern einer dunkelblauen, runden Zeltkonstruktion, die einer Jurte ähnelt und in der Meeresrauschen und Vogelgeschrei eine besondere Atmosphäre entstehen lassen, führen die Ausstellungsstücke von den Vorbereitungen einer Weltreise, über die zahlreichen Beobachtungen, die die Reisenden machten, hinzu dem, was am Ende von einer solchen Reise bleibt. Dabei lässt das Zusammentreffen von zeitgenössischen Filmaufnahmen und historischen Objekten ein besonderes Spannungsfeld entstehen, auf das man sich kontemplativ einlassen kann.

Dieser Blog wird in den nächsten Wochen weitergeführt und mit interessanten Informationen zu einzelnen Exponaten der Ausstellung erweitert. Außerdem werden hier Veranstaltungen, die im Rahmen der Ausstellung stattfinden, angekündigt. Schauen Sie immer wieder vorbei und entdecken Sie die Welt aus der Perspektive von Weltreisenden vom 18. bis zum 21. Jahrhundert.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin Foto: Udo Meinel

Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

 

 

Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger

2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016

Staatsbibliothek zu Berlin, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamerstraße 33

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag 11–19 Uhr

Donnerstag 13–21 Uhr

sonn- und feiertags geschlossen

Sonderöffnungszeiten Weihnachten und zum Jahreswechsel: 22., 23. und

28.–30.12.2015, 9–17 Uhr; 24.–26.12., 31.12.2015 sowie 1., 2.1.2016 geschlossen.

Eintritt frei

 

Weitere Veranstaltungen von Ulrike Ottinger in Berlin:

Fotoausstellung

CHAMISSOS SCHATTEN

05.12.2015 – 27.02.2015

Johanna Breede Photokunst

 

Screenings: WELTREISEN

08.12.2015 – 02.2016

Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V.

 

Führungen und Veranstaltungen zur Ausstellung WELTREISE

Ausstellung “Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger” von Ulrike Ottinger in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin
gefördert von der Kulturstiftung des Bundes

Aus der Reise der Filmemacherin Ulrike Ottinger an einige Küsten rund um die Beringsee im Sommer 2014 entstand die Ausstellung „WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger“, die vom 2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin-Tiergarten, zu sehen ist.


Kuratorinnenführungen durch die Ausstellung

am 16. und 23. Januar sowie am 20. Februar 2016
jeweils um 11 Uhr, Haus Potsdamer Straße 33

Zusätzliche Führungen (10 – 15 Personen) bitte unter jutta.weber@sbb.spk-berlin.de anfragen.

 

Veranstaltungen zur Ausstellung

Hanns Zischler liest aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso und Ulrike Ottinger

Samstag, 30. Januar 2016, 16 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33

 

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König (Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin)

Samstag, 6. Februar 2016, 16 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33

 

3. Internationale Chamisso-Konferenz (Anmeldung erforderlich)

25. – 27. Februar 2016
Otto-Braun-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen/


Ausstellungsinformationen

Mittwoch, 2. Dezember 2015 – Samstag, 27. Februar 2016
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-mittwochs, freitags/samstags 11-19 Uhr
donnerstags 13-21 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen
Eintritt frei
zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von U. Ottinger und einem Katalog zur Ausstellung (39,90 €)

Weitere Ausstellungsinformationen

Zur Presseinformation über die Ausstellung


Mehr dazu jetzt in Berlin:

4. Dezember 2015 – 27. Februar 2016
Fotoausstellung in der Galerie Johanna Breede Fotokunst, Fasanenstraße 69 in Berlin, http://www.photography-now.com/exhibition/110713

8. Dezember 2015 – 9. Februar 2016
Filmreihe Weltreisen im Kino Arsenal | Institut für Film- und Videokunst an der Potsdamer Straße 2 in Berlin; die Filmreihe startet in Anwesenheit Ulrike Ottingers mit ihrem Film „Johanna d’Arc of Mongolia“ von 1989,
http://www.arsenal-berlin.de/kino-arsenal/programm/einzelansicht/article/5770/2796.html

… und in Hamburg:

3. Dezember 2015 -13. März 2016
Ausstellung „Streamlines. Ozeane, Welthandel und Migration“ in den Deichtorhallen Hamburg; Fünfzehn künstlerische Projekte, zusammengestellt von der Kuratorin Koyo Kouoh aus Dakar, befassen sich mit Seewegen, Flucht, Hafen und Welthandel.
http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=464

bis 27. Februar: Ausstellung WELTREISE

Ausstellung “Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger” von Ulrike Ottinger in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin
gefördert von der Kulturstiftung des Bundes

Aus ihrer Reise an einige Küsten rund um die Beringsee im Sommer 2014 entwickelte die Berliner Künstlerin Ulrike Ottinger mehrere Großprojekte, die ab heute sukzessive zu erleben sind:
Heute öffnete in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, die Ausstellung „WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger“.
Ab 4. Dezember zeigt die Galerie Johanna Breede Fotokunst die Ausstellung „Chamissos Schatten“, im März 2016 kommt der gleichnamige Kinofilm heraus.


Daten zur Ausstellung
Mittwoch, 2. Dezember 2015 – Samstag, 27. Februar 2016
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-mittwochs, freitags/samstags 11-19 Uhr
donnerstags 13-21 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen
freier Eintritt
zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von U. Ottinger und einem Katalog zur Ausstellung (39,90 €)


Was war – was ist. Zwischen diesen zeitlichen Polen bewegte sich die Berliner Künstlerin und Filmemacherin Ulrike Ottinger während ihrer großen Reise im Sommer 2014 zur Inselkette der Aleuten (Alaska/U.S.A.) und in die am weitesten östlich gelegenen Regionen Russlands, nach Kamtschatka und Tschukota. Von dort brachte sie neben Filmen, Fotografien auch das Konzept für die Ausstellung „Weltreise“ mit, die seit heute dem Publikum offensteht. Für die Ausstellung wurde ein in dunklem Blau gehaltenes Zelt errichtet, dessen Dach die Weite und Tiefe des Sternenhimmels und dessen Boden die Meeresoberfläche imaginieren lassen. Auf vier Großleinwänden werden 960 Minuten Film gezeigt, die mit den mehr als 70 Autographe, Tagebücher und Objekte u. a. von James Cook, Johann Reinhold Forster, von Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Charles Darwin und Johann Gottfried Herder aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin und mit den Dreh-, Foto- und Reisetagebücher von Ulrike Ottinger im Dialog stehen.

honorarfreie Pressefotos
http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/


Die Ausstellung entwickelte Ulrike Ottinger aus ihrem Projekt, 200 Jahre, nachdem der Dichter und Naturwissenschaftler Adelbert von Chamisso (1776-1838) die Welt bereiste, auf seinen Spuren Sibirien, Kamtschatka und die Aleuten aus heutiger Sicht neu zu entdecken und filmisch festzuhalten.
Aus Ottingers Logbuch der Imagination und ihrem Logbuch der Realität entstand so eine Neuschöpfung von Realität, eine filmische Realität. In der Ausstellung werden vier Filme von unterschiedlicher Länge gezeigt, die einen gleichermaßen sinnlichen wie direkten Einblick in vier bedeutsame Themenbereiche dieser Regionen der nördlichen Hemisphäre geben: Landschaften, Tiere, Menschen und Pflanzen.

Ulrike Ottinger schlägt den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart u. a. auch damit, dass sie die Tradition des ausführlichen Berichtens von Reisen anhand von Erzählungen, Zeichnungen, Modellen oder Messtabellen mit den modernen Mitteln des Films und der Fotografie fortsetzt.
Die Filmaufnahmen und Reisenotizen Ulrike Ottingers treffen in der Ausstellung auf historische Dokumente berühmter Weltreisender des 18. und 19. Jahrhunderts. Aus der Konfrontation der zeitgenössischen filmischen Beobachtungen der Künstlerin mit einzigartigen historischen Handschriften aus der Staatsbibliothek und Objekten aus den Beständen des Ethnologischen Museums, des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums entsteht eine spannungsreiche Erzählung, die von den ersten Vorbereitungen einer Expeditionsreise bis zur Rückkehr der Reisenden reicht. Ihre Erkenntnisse, Eindrücke und Ideen spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Im Zentrum der Ausstellung stehen daher neben den Filmen die Tagebücher, Briefe und Zeichnungen Alexander von Humboldts, Reinhold Forsters, Adelbert von Chamissos und Ulrike Ottingers.
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert, sie wird selbst auf Weltreise gehen. Dabei bleibt sie nie dieselbe, sondern wird an jedem neuen Ort eine neue Auswahl dortiger Ausstellungsstücke zeigen.

„Weltreise“ ist einer von zwei Teilen des von der Kulturstiftung des Bundes großzügig geförderten gemeinsamen Projekts der Künstlerin Ulrike Ottinger und der Staatbibliothek zu Berlin. Parallel zur Ausstellung entsteht als zweiter Teil der Film „Chamissos Schatten“, der als filmische Dokumentation der Reise für das Kino produziert wird.

pdf – Text von U. Ottinger zu ihrer Ausstellung und dem Filmprojekt, veröffentlicht im BibliotheksMagazin 3/2015 auf den Seiten 15 – bis 22.


Mehr dazu jetzt in Berlin:

4. Dezember 2015 – 27. Februar 2016
Fotoausstellung in der Galerie Johanna Breede Fotokunst, Fasanenstraße 69 in Berlin, http://www.photography-now.com/exhibition/110713

8. Dezember 2015 – 9. Februar 2016
Filmreihe Weltreisen im Kino Arsenal | Institut für Film- und Videokunst an der Potsdamer Straße 2 in Berlin; die Filmreihe startet in Anwesenheit Ulrike Ottingers mit ihrem Film „Johanna d’Arc of Mongolia“ von 1989,
http://www.arsenal-berlin.de/kino-arsenal/programm/einzelansicht/article/5770/2796.html

… und in Hamburg:

3. Dezember 2015 -13. März 2016
Ausstellung „Streamlines. Ozeane, Welthandel und Migration“ in den Deichtorhallen Hamburg; Fünfzehn künstlerische Projekte, zusammengestellt von der Kuratorin Koyo Kouoh aus Dakar, befassen sich mit Seewegen, Flucht, Hafen und Welthandel.
http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=464