Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

Brigitte Klemm-Neumann

Übergabe des Nachlasses von Sigrid Heuck an die Kinder- und Jugendbuchabteilung

Übergabe des Nachlasses von Sigrid Heuck in familiärem Rahmen. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Vor vierzig Jahren erschien „Pony, Bär und Apfelbaum“, ein Klassiker unter den Lesebilderbüchern, die Kindern durch das Ersetzen von Hauptwörtern durch kleine Illustrationen schon früh die Möglichkeit geben, „Mitlesen“ zu können. Sigrid Heuck, der Autorin und Illustratorin des Werks, war die Nähe zu ihrem Publikum, den Kindern, immer wichtig. Und so hätte sie sich sicher über die in einem kleinen, familiären Rahmen stattfindende feierliche Übergabe ihres künstlerischen und schriftstellerischen Nachlasses an die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gefreut, deren Rahmenprogramm von Kindern bestritten wurde.

Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Sigrid Heuck, 1932 in Köln geboren, auf der Ponyfarm ihrer Mutter in einem Ort an der Bergstraße aufgewachsen, verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Oberbayern. Bereits 1949 zog sie in das historische Gebäude, die Grabenmühle, unweit der Isar nahe Dietramszell-Einöd gelegen, in dem sie bis zu ihrem Tod 2014 lebte, schrieb und zeichnete. 1959 erschien ihr erstes Bilderbuch: „Das Mondkuhparadies“. 101 weitere Titel folgten, darunter der bereits erwähnte „Pony, Bär und Apfelbaum“, der von seiner Erstauflage 1977 bis zum Tode Sigrid Heucks 2014 spätestens alle vier Jahre neu aufgelegt und in zahlreiche westeuropäische Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Friesisch, Dänisch, Schwedisch und Finnisch) sowie ins Chinesische, Japanische und Afrikaans übersetzt wurde. Sigrid Heuck wurde im Laufe ihrer Schaffenszeit mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, dem Österreichischen Jugendbuchpreis sowie dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.

Die Autorin und Künstlerin hatte keine Kinder, war aber stets von ihren Verwandten, einem großen Freundeskreis und zahlreichen Tieren umgeben. Zu den Freunden zählten u.a. Barbara Holzmayer, ihre Haushälterin, sowie Brigitte Klemm-Neumann, ehemals Leiterin eines Kindergartens in Dietramszell.

Brigitte Klemm-Neumann erinnert an Sigrid Heuck. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Frau Holzmayer, Erbin der Grabenmühle, konnte leider nicht persönlich anwesend sein, sandte aber ein Grußwort, in dem sie u.a. berichtete, wie sie durch vielfältige Veranstaltungen den guten Geist Sigrid Heucks in der Grabenmühle am Leben erhält.

Frau Klemm-Neumann, die von der Autorin als Buchrechteinhaberin eingesetzt wurde, erinnerte sich an das erste Zusammentreffen mit ihrer späteren Freundin – die Begrüßung hatten zwei beeindruckend große Hunde übernommen – sowie die Entwicklung ihrer Freundschaft, die stets vom Entstehen neuer Kinder- und später dann auch Jugendbücher begleitet war. Wirklich zufrieden schien Sigrid Heuck immer dann zu sein, wenn sie an einem Buchprojekt arbeitete. Das galt sogar für ihr letztes Werk, „Mit Wind und Wolken unterwegs“, in dem sie, obgleich schon sehr schwach, in 49 Kurzgeschichten ihre abenteuerlichen Reisen beschrieb. „Zum Glück,“ so Klemm-Neumann, „vollendete sie es!“ Der Band erschien postum 2015.

Leonardo Dimeo liest aus “Cowboy Jim”. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Die Grundlage für dieses Opus ultimatum bildeten 63 Ordner an Reisetagebüchern. Diese gelangen nun ebenso in den Bestand der Staatsbibliothek wie die zahlreichen Manuskripte, Briefe, Rezensionen, Dateien mit unveröffentlichten Texten sowie Heucks Originalillustrationen. Frau Klemm-Neumann entschied sich zu diesem Schritt, um den wahren Schatz an Materialien der Forschung öffentlich zugänglich zu machen. Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, erläuterte ihrerseits, welche Anstrengungen die Bibliothek unternehmen wird, um sämtliche Dokumente adäquat zu lagern und zu erschließen, damit sie anschließend über den Online-Katalog der Staatsbibliothek weltweit recherchiert und sodann im Lesesaal der Kinder- und Jugendbuchabteilung eingesehen werden können.

Das fröhlich-festliche Gitarrenspiel Lea Wollenwebers (11 Jahre) sowie die mitreißende, spannende Lesung von Leonardo Dimeo (12 Jahre) aus Sigrid Heucks „Cowboy Jim“ rundeten den Abend, der zeitlich in den Raum des 85. Geburtstags der Autorin fiel, in perfekter Weise ab.

 

Ein kleiner Einblick in den vielfältigen Nachlass. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

SBB-PK CC NC-BY-SA

Lost in Dissertation? Veranstaltungsreihe für Promovierende ab 27.6.

Wissenswerkstatt

Lost in Dissertation?
Von der Literaturverwaltung bis zur Publikation – Veranstaltungsreihe für Doktorandinnen und Doktoranden Juni/Juli 2017

Während der Promotionsphase stellen sich viele praktische Fragen, die einerseits die Arbeitsorganisation während der Recherche- und Schreibphase betreffen, andererseits aber mit dem entscheidenden abschließenden Schritt – der Publikation – zusammenhängen.
Die Berliner Universitätsbibliotheken und die Staatsbibliothek zu Berlin präsentieren zusammen mit Experten die Themen Literaturverwaltung, Publikationsmöglichkeiten, Open Access und Forschungsdaten. So erhalten Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten Aspekte sowie weiterführende konkrete Informationen zu einzelnen Angeboten der Universitäten.
Alle Infos unter http://sbb.berlin/promovierende

 

Veranstaltungen:

Master of Disaster? Strukturiert und effektiv arbeiten mit Literaturverwaltungsprogrammen
27. Juni 2017, 10.00-12.00 Uhr
Anmeldung

 

Vertrauen ist gut – prüfen ist besser: Qualitätskriterien für wissenschaftliche Publikationen
27. Juni 2017, 13.00-15.00 Uhr
Anmeldung

 

Open Access – freier Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Forschungsdaten und Software
3. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Publish or Perish? Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende
3. Juli 2017, 13.00–15.00 Uhr
Anmeldung

 

Licht und Schatten: Bildrechte beim wissenschaftlichen Publizieren
4. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Forschungsdatenmanagement an der Freien Universität Berlin, der Humboldt Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin
11. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Alle Termine finden im Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek (Simón-Bolívar-Saal) statt.
Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung zu den frei kombinierbaren Veranstaltungen wird gebeten.

http://sbb.berlin/promovierende
Flyer zur Veranstaltung

Alle Termine der Wissenswerkstatt

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Netzwerks Informationskompetenz Berlin/Brandenburg (NIK BB), der Staatsbibliothek zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Freien Universität Berlin.

 

Der Paukenschlag zum Kirchentag – Wiederaufnahme der Ausstellung Bibel – Thesen – Propaganda

Nicht verpassen! Noch einmal sind die 95 Objekte zur Reformationsgeschichte zu sehen.

Unsere erfolgreiche Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“ wird als eines der Highlights im Regionalen Kulturprogramm zum Evangelischen Kirchentag erneut gezeigt. Und am Himmelfahrtstag gibt es dazu noch ein Sonderprogramm: “Trommeln für die Reformation”.

Papstesel, Quartdruck mit Nachschnitten des Bilderzyklus, um 1600. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Wann?

24. bis 28. Mai, 11-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Führungen jeweils 15 und 17 Uhr
Eintritt frei

Wo?

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33 am Kulturforum
10785 Berlin

 

Luther macht Druck, Mosaik: Mit den Abrafaxen durch die Zeit, Nr. 489. Kinder- und Jugenbuchabteilung. © MOSAIK – Die Abrafaxe 2016

 

Unsere Favoriten unter den 95 Objekten

 

Leipziger Plakatdruck 1517 (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz)

 

Sonderprogramm am Himmelfahrtstag: “Trommeln für die Reformation” um 14:20 Uhr und um 15:20 Uhr

In seiner “Bibliomacheia” aus dem Jahre 1746 wetterte der katholische Theologe und Dekan des Domkapitels in Prag-Wyschehrad gegen Martin Luther, die Reformation und vor allem die lutherische Bibelübersetzung:

Wer ist aller dieser Schwärmer Anfang und Ursach? als du Luther Merten, der du durch deine Biblische Reformations-Trommel alle zu Narren gemacht hast.
… sie lauffen aus den Klöstern, entweichen aus den Dohm-Stüfften, sie verlassen die Pfarreyen und rennen … der Lutherischen Bibel-Trommel nach, welche sie führet zur endlichen Abgötterey und Ohngötterey.

Am Himmelfahrtstag, den 25.5. 2017 erklingen vor der Staatsbibliothek tatsächlich “Reformations-Trommeln” im Sambarhythmus, um auf die Wiederaufnahme unserer Ausstellung aufmerksam zu machen:

Um 14:20 Uhr und um 15:20 Uhr trommelt die junge und dynamische Berliner Sambagruppe BLOCO CAJU. Die Berliner Trommler haben sich der brasilianischen Musik, vor allem der Musik aus dem Nordosten Brasiliens, wo die afrikanischen Einflüsse noch besonders deutlich zu hören sind, verschrieben. Ihre Instrumente sind Trommeln verschiedenster Art: von den großen Bass-Surdos bis zu den geflochtenen Korbrasseln, durchaus ergänzt von Gitarre und Gesang.

Die Gruppe tritt regelmäßig auf Samba-Festivals, so dem Samba Karneval in Bremen, dem Sambosta Festival Cottbus und dem Samba Syndrom in Berlin auf. Sie war aber auch auf der Streetparade in Zürich, der Fete de la Musique, dem 1. Mai in der UFA Fabrik und dem Musikfestival Klangwelten in Berlin mit ihrer Musik vertreten.

Wie die Musik der Gruppe leitet sich auch ihr Name aus dem Nordosten Brasiliens her: Die Caju ist eine äußerst vitamin- und minerialienreiche Frucht, deren getrockneter Kern uns als Cashewkern bekannt ist.

Erneut für fünf Tage: Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda”

„Für den Evangelischen Kirchentag in Berlin stellen wir die erfolgreiche Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“ mit dem als UNESCO-Weltdokumentenerbe geschützten Nürnberger Druck der 95 Thesen Martin Luthers gern erneut zusammen“, führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin aus. Die Ausstellung ist Teil des Regionalen Kulturprogramms “Zeig Dich!” während des 36. Evangelischen Kirchentages in Berlin.

Der Nürnberger Druck der 95 Thesen bildet zusammen mit anderen zeitgenössischen Dokumenten der vor 500 Jahren einsetzenden Reformationsbewegung – Autographe von Martin Luther, Flugblätter wider den Papst, handkolorierte Prachtbibeln aus der Cranach-Werkstatt und andere – den Kern der Ausstellung, die bereits von Februar bis Anfang April 2017 zu sehen war.

Die Ausstellung ist in sechs Kapitel eingeteilt: Schlüsselereignisse der Reformationsbewegung ab 1517, die Heilige Schrift, Theologie und Propaganda, Streit und Krieg, Kirchenmusik sowie Rezeption in Kunst, Literatur und Musik bis in die heutige Zeit.


„Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum, 10785 Berlin

Mittwoch – Sonntag, 24. – 28. Mai 2017
Mittwoch – Samstag 11-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Führungen um 15 und 17 Uhr
freier Eintritt
zu erwerben: Katalog, Faksimile des Thesen-Drucks mit deutscher Übersetzung und Erläuterungen


Blog zu besonderen Objekten in der Ausstellung
Honorarfreie Abbildungen
Ausführliche Pressemitteilung vom 2. Februar 2017

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Wissenswerkstatt-Workshops im Juni

In unserer Wissenswerkstatt vermitteln wir Ihnen elektronische Ressourcen oder Internetquellen zu Ihrem Fach, zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie schnell und treffsicher zu den gewünschten Suchergebnissen kommen, elektronische Texte oder Digitalisate finden und diese weiter verarbeiten können. Im Juni möchten wir Sie zu folgenden Workshops einladen:

 

Workshop
Wie finde ich was und wie geht es weiter? Strategien für die erfolgreiche Recherche
Dienstag, 13. Juni 15.00 Uhr

 

Workshop
Das Beste zweier Welten – Ressourcen für die Politik- und Sozialwissenschaften
Donnerstag, 15. Juni  14.00 Uhr

 

Workshop
Von der Tat bis zum Digitalisat – Elektronische Ressourcen zur Geschichtswissenschaft
Donnerstag, 22. Juni 16.00 Uhr

 

Außerdem:
Ab  27. Juni starten wir unsere sechsteilige Veranstaltungsreihe für Promovierende “Lost in Dissertation“.

 

Zur Übersicht der Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Yosef Gar: Umkum fun der yiddisher Kovne. Minkhen : Farband fun Liṭṿishe Yidn in der Ameriḳaner-Zone in Dayṭshland 1948. Signatur: O 63_4 A. Staatsbibliothek zu Berlin - PK - Lizenz: CC BY_NC-SA

2. Buchpatenschaft für den Monat Mai

Eine zweite Buchpatenschaft aus der Sammlung der Displaced-Person-Literatur möchten wir gerne für den Monat Mai vorstellen, da wir für die erste bereits eine Patin gefunden haben. Herzlichen Dank an dieser Stelle.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs im Mai 1945 wurden die westlichen Besatzungszonen Deutschlands zur Transitstation für geschätzt 250.000 jüdische Flüchtlinge und Überlebende. Sie fanden eine erste Zuflucht in den Displaced-Persons-Camps der Alliierten. Hier stellten sie in den Jahren 1945 bis 1950 mehr als 400 Bücher und Zeitschriften her. Diese Literatur half den entwurzelten Menschen, die die Qualen der Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager überlebt oder im Untergrund und in Verstecken ausgeharrt hatten, nun jedoch nicht in ihre Heimatorte zurückkehren konnten oder wollten, sich mit Erlebtem auseinanderzusetzen, neue Orientierung zu finden, Bildung zu vermitteln, sich gegenseitig zu informieren oder zu agitieren.

Yosef Gar: Umkum fun der yiddisher Kovne. Minkhen : Farband fun Liṭṿishe Yidn in der Ameriḳaner-Zone in Dayṭshland 1948. Signatur: O 63_4 A 33991.

Yosef Gar: Umkum fun der yiddisher Kovne. Minkhen : Farband fun Liṭṿishe Yidn in der Ameriḳaner-Zone in Dayṭshland 1948.

Dieses Buch behandelt die Geschichte der Juden in Litauen, speziell in Kaunas. Im Buch abgedruckt sind auch Bilder und Fotos vom Kaunas der Vor- und der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Der Autor, Yosef Gar, wurde 1905 in Kaunas, Littauen geboren. 1932 erschien sein literarisches Debut In kupe in Kaunas und schrieb später vornehmlich Rezebsionen und Essays über allgemeine jüdische Themen. Bis zu seiner Deportation nach Dachau 1944 lebte er im Ghetto Kaunas. Yosef Gar gelang die Flucht aus dem fahrenden Zug und die Rückkehr in seine Heimatstadt. 1945 kam er nach Deutschland. 1948 emigrierte er zunächst in die USA und schrieb dort weiterhin für verschiedene jüdische Zeitungen. Später zog Yosef Gar nach Israel (weitere biographische Hinweise in dem Buch von Tamar Lewinsky “Displaced Poets”, Göttingen 2008, online verfügbar: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV023325947/ft/bsb00083992?page=2, S. 238).
Yosef Gar widmet das Exemplar auf dem Titelblatt dem Historiker Dr. Philip Friedman. Friedman wurde 1901 in Lemberg geboren, studierte Geschichte in Lemberg und Wien und war dann als Lektor der YIVO (= jiddisches wissenschaftliches Insitut)-Kurse in Vilnius und später in Warschau tätig. Er überlebte den Holocaust versteckt in Polen. 1946 wanderte er in Richtung Deutschland aus. Philip Friedman sammelte Augenzeugenberichte und Dokumente zur Shoah. Er wurde bei den Ermittlungen zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess befragt und arbeitete bis 1948 für den Joint in der Schul- und Kulturabteilung in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach seiner Emigration in die USA lehrte Philip Friedman jüdische Geschichte an der Columbia-Universität in New York. Er starb 1960 (weitere biographische Hinweise in dem Buch von Tamar Lewinsky “Displaced Poets”, Göttingen 2008, online verfügbar: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV023325947/ft/bsb00083992?page=2, S. 237).

Restaurierungsbedarf: Trockenreinigung, Klammern entfernen, Blockheftung mit Faden erneuern, Nassbehandlung Umschlagblatt, Umschlag verso kaschieren, Rückenmaterial ergänzen, Kanten Ecken glätten, Risse sichern

Kalkulierte Kosten: 385 €

 

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt mehr als die Hälfte der rund 400 in den DP-Lagern erschienenen Schriften und ist bestrebt, eine größtmögliche Vollständigkeit zu erreichen. Oft sind nur wenige Exemplare dieser Werke erhalten, denn sie wurden in sehr kleinen Auflagen und meist auf schlechtem Papier gedruckt, wurden viel genutzt und dabei oft ‚zerlesen’. In Hebräisch sind religiöse Werke, Bibeln, Gebetbücher, einzelne Talmudtraktate und Schriften zur religionsgesetzlich vorgeschriebenen Lebensführung verfasst. Daneben gibt es vielfältige säkulare Literatur: Wochenzeitungen und Propagandaschriften der verschiedenen Gruppierungen, Romane und Gedichte der modernen jiddischen und hebräischen Klassik, Lese- und Lehrbücher für die in den Lagern eingerichteten Schulen, praktische Ratgeber jedweder Art, schließlich die ersten Dokumentationen der Sho’ah in Wort und Bild.

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieses Buch aus der Sammlung der DP-Literatur  restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de. Gerade weil diese Bücher unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg auf schlechtem Papier gedruckt und viel genutzt wurden, sind viele von ihnen dringend restaurierungsbedürftig. Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de
  • Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.
Aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/H,46) - Staatsbibliothek zu Berlin – PK - Lizenz: CC BY-NC-SA

Seine Musik brachte Kinderaugen zum Leuchten

Der komplett erschlossene Nachlass (55 Nachl 111) des Komponisten Gunther Erdmann ist jetzt in der Staatsbibliothek

Aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/H,46) - Staatsbibliothek zu Berlin – PK - Lizenz: CC BY-NC-SA

Aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/H,46) – Staatsbibliothek zu Berlin – PK – Lizenz: CC BY-NC-SA

Vielleicht werden sich einige, die ihre Kindheit in Ostdeutschland verbracht hatten, an Lieder wie etwa „der kleine freche Spatz vom Alexanderplatz“ von Gunther Erdmann (1939-1996) erinnern. Der bis zur Wende gefeierte Komponist mit dem dichten dunklen Haar und dem markanten Rauschebart hat fast sein ganzes Leben für die Kindheit und Jugend komponiert. Doris Winkler vom Chorverband Berlin ist es zu verdanken, dass der Nachlass von Gunther Erdmann, der auch ein Stück Musikgeschichte der DDR ist, gerettet werden konnte und nun in der Musikabteilung für die Nachwelt zugänglich ist. Besonders beeindruckt der umfangreiche kompositorische Teil des Nachlasses, der neben zahlreichen persönlichen Dokumenten auch Fotos und Tonträger enthält: Sein Œuvre umfasst Instrumental- und Filmmusik, Sololieder, Revuen und eine Kinderoper. Es war sein Hauptanliegen, Chormusik v.a. für junge Leute zu schreiben. Dabei sollte der 1939 im Thüringischen Oberdorla bei Mühlhausen geborene Erdmann zunächst die Schuhwerkstatt des Vaters übernehmen, übte aber viel lieber Cello und Klavier in der Volksmusikschule und zog schon bald als Korrepetitor beim „Republik-Ensemble der Deutschen Volkspolizei“ durch die DDR, wie die im Nachlass erhaltenen Berichtshefte und Lehrlingszeugnisse aus dem Weißenfelser Schuhkombinat „Banner des Friedens“ belegen.

 

Aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/H,46) - Staatsbibliothek zu Berlin – PK - Lizenz: CC BY-NC-SA

Aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/H,46) – Staatsbibliothek zu Berlin – PK – Lizenz: CC BY-NC-SA

1966, nach dem Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, übernahm er als musikalischer Leiter fast 20 Jahre erfolgreich zusammen mit der Choreographin und Tänzerin Anni Sauer das Kinder- und Jugendensemble „Musik und Bewegung“ am „Haus der Jungen Talente“ in Berlin. Über diese Arbeit, die er stets mit seinem kompositorischen Grundsatz „so einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig“ zu erfüllen suchte, schrieb Erdmann im Januar 1985: „Kinder haben eine unglaubliche Phantasie. Sie sind nicht nur aktive Zuhörer, sie können gar nicht passiv sein und urteilen durch ihre Anteilnahme. Jedes Kind ist musikalisch. Es genügt nicht nur, Kompositionen für Kinder zu schreiben, man muß sich selbst mit ihnen beschäftigen, muß ihre Wünsche, Träume, Freude und Traurigkeit genau kennen. Das ist die beste Basis zur Schaffung neuer Musik für Kinder.“ Dabei versuchte Erdmann, den Bewegungsdrang von Kindern geschickt mit der Artikulation von Sprache und Klängen zu verquicken.

 

Einige Werke aus seinem Nachlass sind heute zwar als Ergebnis einer ideologischen Vereinnahmung durch die SED-Machthaber durchaus kritisch zu sehen. Andere Werke wirken hingegen erstaunlich zeitlos, entspringen stets der Erlebniswelt des Kindes. Abzählreime finden sich neben Kalauern, Zungenbrechern oder Kurzgeschichten und Gedichten von Eva Strittmatter, Sarah Kirsch, James Krüss etc. Ebenso bediente Erdmann auch das traditionelle Kinderlied aus Deutschland (neben dem Liedgut aus „sozialistischen Brüderländern“) im gemäßigt modernen Tongewand.

Notenhandschrift „Aj-lju-lju“ aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/A,296 (1)) - Staatsbibliothek zu Berlin – PK - Lizenz: CC BY-NC-SA

Notenhandschrift „Aj-lju-lju“ aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 Nachl 111/A,296 (1)) – Staatsbibliothek zu Berlin – PK – Lizenz: CC BY-NC-SA

Anfang der 1980er Jahre kam sein Interesse für jiddische Folklore hinzu. Neben der Pentatonik reizte ihn die eigenartige Melange aus heiterer Lebensfreude und tiefem Schmerz, die in seinem Zyklus „Tumbalaleika“ oder in der Motette „Ghetto“ erfahrbar wird. 1990 komponierte er sein letztes Chorwerk „Die Welt ist ein Käfig voller Narren“. Nach dem Mauerfall wurde es ruhiger um den Komponisten; er vereinsamte sogar zunehmend − ein Schicksal, das er mit vielen Komponisten der untergegangenen DDR teilte.

[Text von Jean Christophe Gero]

Notendruck „Die Welt ist ein Käfig voller Narren“ aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 NB 18046-1) - Staatsbibliothek zu Berlin – PK - Lizenz: CC BY-NC-SA

Notendruck „Die Welt ist ein Käfig voller Narren“ aus dem Nachlass Gunther Erdmann (Signatur: 55 NB 18046-1) – Staatsbibliothek zu Berlin – PK – Lizenz: CC BY-NC-SA

Jenseits der Schriftlichkeit: Werkstattgespräch zur Materialität von Comics am 13.6.

Wissenswerkstatt

Jenseits der Schriftlichkeit – zur Materialität von Comics

Werkstattgespräch mit Dr. Christian A. Bachmann, Ruhr-Universität Bochum
Dienstag, 13. Juni 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Mit Comics verbindet mancher noch heute Heftchenliteratur für Kinder, bebilderte Wegwerfprodukte mit Sprechblasen, deren Wert nicht über das „bloß“ Unterhaltsame hinausgeht. Längst hat sich jedoch die Erkenntnis durchgesetzt, dass Comics und „Graphic Novels“ nicht nur Spiegel ihrer Zeit sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu zentralen Diskursen leisten. Entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickeln sich die Comics erst in den 1980er Jahren zu einer „Kunstform“, die diesen Anspruch auch selbst erhebt. In Abgrenzung zu Produktionen für ein Massenpublikum treten Künstlerinnen und Künstler hervor, die auch gegenüber ihren materiellen Trägermedien nicht gleichgültig sind, sondern sie in ihre gestalterische Arbeit einbeziehen, womit sie Comics schaffen, die man in der Nähe von Künstlerbüchern verortet hat. Der Vortrag stellt einige ihrer Werke vor, zeichnet ihre Metamedialität nach und beleuchtet, welche Rolle ihre Materialität dabei spielt.

 

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Bibliothèque de Rennes Métropole: Ms. 1834, fol. 121r (Officium des heiligen Michael) | SBB PK: Depot Breslau (Froissart), Bd. 1, fol. 95v (Seeschlacht zwischen Robert d’Artois und dem König von Spanien)

Image et texte, piété et histoire – Werkstattgespräch am 8.6.

Wissenswerkstatt
Bild und Text, Frömmigkeit und Geschichte – ein bretonisches Stundenbuch und der Breslauer Froissart im Vergleich
Werkstattgespräch in französischer Sprache mit Katell Girard, Universität Rennes
Donnerstag 8. Juni 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße 33
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Bild und Text, Frömmigkeit und Geschichte – ein bretonisches Stundenbuch und der Breslauer Froissart im Vergleich

Das Studium illuminierter Handschriften eröffnet einen bemerkenswerten Zugang zum Mittelalter, da es sich zumeist um Artefakte der gebildeten und einflussreichen Schicht handelt. Anhand ausgewählter Texte und Bilder geht es um Politik und Frömmigkeit im Kontext des Hundertjährigen Krieges. Vorgestellt werden ein illuminiertes Stundenbuch, 1440 in der Bretagne erstellt, und der Breslauer Froissart, 1468/1469 wohl in Brügge angefertigt. Der Vergleich hat zum Ziel, den politischen Akzent eines religiösen Bildes in einem Stundenbuch in Bezug zur Funktionsweise einer Darstellung mit religiöser Konnotation in einer historischen Chronik zu setzen. Es verspricht eine weitere Aufhellung historischer und sozialer Gegebenenheiten, die abweichende Behandlung beider Themen in Illumination und Text herauszustellen.

Image et texte, piété et histoire – un livre d’Heures breton et les chroniques de Froissart, dépôt de Breslau, en comparaison

L’étude des manuscrits enluminés permet un point de vue intéressant sur l’époque médiévale, en tant qu’objets privilégiés de la classe sociale lettrée et influente. Ainsi, dans cette conférence nous aborderons les thèmes majeurs de la politique et de la piété dans le contexte de la guerre de Cent ans, par l’étude comparative des textes et images de deux manuscrits. Nous allons étudier un livre d’Heures breton richement enluminé daté de 1440, et les chroniques de Froissart, dépôt de Breslau, datant de 1468/1469. Nous les mettrons en relation afin de comprendre le sens d’une image pieuse à caractère politique dans un livre de prières, et le fonctionnement d’une image politique à connotation religieuse dans une chronique historique. Cette comparaison nous offrira un éclairage intéressant sur des faits historiques et sociaux médiévaux par l’observation des différences de traitement de nos deux thèmes en peinture et dans les textes.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni: Baustelle Unter den Linden

Tag der offenen (Baustellen-)Tür im Großprojekt Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin

Samstag, 10. Juni 2017
13 bis 19 Uhr (letzter Einlass 18.30 Uhr)
Unter den Linden 8
10117 Berlin

Fortlaufende Führungen durch

>> bereits sanierte Altbaubereiche: Veranstaltungssäle, Büroräume, Magazin unter der Kuppel
>> noch im Baustellenbetrieb: große Freitreppe, Vestibül u. a.

Mit 170 Metern Länge, 107 Metern Breite und 13 Obergeschossen ist das Haus Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz der größte historische Gebäudekomplex in Berlin-Mitte. 80 Prozent dieses Gebäudes sind jetzt generalsaniert und um den als Glaskubus ausgeführten Lesesaal erweitert.

Die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, und die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Petra Wesseler, laden die Berliner und ihre Gäste herzlich ein, die Baustelle wie auch schon fertige Bereiche des Gebäudes Unter den Linden 8 am Tag der offenen Tür selbst in Augenschein zu nehmen.

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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

Endspurt auf der Großbaustelle

Die Grundinstandsetzung

Bildergalerie + Erläuterungen

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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