Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

Workshops der Wissenswerkstatt im November

Im Novemver bieten wir Ihnen Workshops  zur Kunst- und Filmwissenschaft, aber auch zu interdisziplinären Themen an. Wir zeigen ihnen dabei nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.


Workshop

Alles so schön bunt hier! (Bild-) Datenbanken für die Kunstgeschichte
Donnerstag, 05. November, 15.00-16.30 Uhr

Workshop
Einführung in die Literaturverwaltung mit zotero
Dienstag, 10. November, 16.00-17.30 Uhr

Workshop
Publish or Perish – Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende
Teil 1: Donnerstag, 12. November, 16.30-19 Uhr
Teil 2: Donnerstag, 19. November, 16.30-19 Uhr

Workshop
Alles nur gespielt?! – E-Ressourcen für die Theater-, Tanz- und Filmwissenschaft
Dienstag, 24. November, 16-17.30 Uhr


Poster mit allen Terminen

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Werkstattgespräch zu Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« am 3.11.

Werkstattgespräch
»Sie redet Fraktur mit ihm.«
Zur Editionsgeschichte und typographischen Gestaltung von Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz«

Dienstag, 03. November
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Anmeldung

Dr. Bernhard Metz, Freie Universität Berlin

Der vielleicht wichtigste Berlin-Roman des 20. Jahrhunderts, Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, ist heute so bekannt und verbreitet wie nie zuvor. Freilich hat er Döblins andere Arbeiten weitgehend verdrängt und diesen in der öffentlichen Wahrnehmung zum Ein-Buch-Autor werden lassen, eine auch in Übersetzungen in andere Literaturen anzutreffende Verengung. Dabei ist auffällig, dass sein im Herbst 1929 erstmals bei S. Fischer in Berlin veröffentlichter und bis 1933 in vier Folgeauflagen in 50000 Exemplaren erschienener Roman in der ursprünglichen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt ist und spätere Auflagen das Bewusstsein um dieses überzeugend durchgestaltete Gesamtkunstwerk verdecken konnten. Der Vortrag versucht, den Roman in der materialen Form, in der er bei Erscheinen gefeiert wurde und bis 1947 ausschließlich rezipierbar war, neu zu erschließen. Berlin Alexanderplatz dient dabei auch zur Illustration von Problemen, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird, sowie der Frage, wie mit typographischen Auffälligkeiten umgegangen wird, wenn sie in einem regulären und wenig markierten Rahmen auftauchen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

“Tear down this paywall!” – Auch Open Access ist ein Berliner

Am vergangenen Montag ging die International Open Access Week in die achte Runde. Und auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Veranstaltungen rund um den Globus dafür werben, wissenschaftliches Wissen unbehindert von finanziellen, technischen oder juristischen Barrieren frei zugänglich und nachnutzbar zu machen – eine Position, zu der sich inzwischen zahlreiche Universitäten, Forschungsfördereinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen bekennen.

Wie es der inoffiziellen Hauptstadt des Open Access nur angemessen ist – schließlich wurde 2003 in Dahlem mit der Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities gewissermaßen die Magna Carta dieses zukunftsweisenden Publikationsparadigmas unterzeichnet – , startete die Aktionswoche hier mit einem echten Knalleffekt. Allerdings war dessen Timing nicht so ganz perfekt, denn der Beschluss des Berliner Senats, zügig eine landesweite Open Access-Strategie umzusetzen, datiert bereits auf den 13. Oktober. Nach Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, dessen kürzlich novelliertes Landeshochschulgesetz sogar eine Zweitveröffentlichungspflicht an Universitäten vorsieht, ist Berlin damit das dritte Bundesland, in dem Open Access als strategisches Handlungsfeld auf der wissenschaftspolitischen Agenda steht – von der Ankündigung der Großen Koalition, eine umfassende Open Access-Strategie zu entwickeln, einmal abgesehen.

Konkret adressiert das Berliner Open Access-Strategiepapier drei Ziele:

1. Steigerung des Open Access-Anteils am wissenschaftlichen Publikationsaufkommen der Landeseinrichtungen auf 60% im Jahr 2020 – ermöglicht sowohl durch den Aufbau eines flächendeckenden Repositoriennetzes (Grüner Weg) als auch durch die konsequente Förderung genuiner Open Access-Veröffentlichungen (Goldener Weg);

2. freie Nachnutzung offen zugänglicher Forschungsdaten – befördert u.a. durch entsprechende wissenschaftspolitische Rahmensetzungen und technische Infrastrukturmaßnahmen;

3. Erleichterung sowohl des digitalen Zugangs zum kulturellen Erbe als auch der offenen Nachnutzung von Kulturdaten insbesondere im Rahmen von Kreativpartnerschaften – getrieben vor allem durch die Fortführung des 2012 initiierten Landesdigitalisierungsprogramms.

Zwar wird die Staatsbibliothek zu Berlin als Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam von Bund und Ländern getragen – eine waschechte Alt-Berliner Institution ist sie mit ihren 354 Jahren auf dem Buckel natürlich allemal. Nichtsdestoweniger sind aber auch unsere Aktivitäten auf den verschiedenen Feldern des Open Access nahtlos an die genannten Ziele anschlussfähig, zumal doch die Förderung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen zu den zentralen Anliegen unserer unlängst veröffentlichten Strategie zählt und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dem stetig wachsenden Kreis der inzwischen 522 Signatoren der eingangs erwähnten Berliner Erklärung angehört.

Dabei beschränken sich unsere Maßnahmen zur Realisierung der Open Access-Idee keineswegs nur auf die vielfältigen Projektvorhaben zur Digitalisierung von historischen und teilweise sogar von noch urheberrechtsbewehrten Bestandssegmenten wie etwa den DDR-Tageszeitungen Neues Deutschland, Berliner Zeitung und Neue Zeit, deren digitales Korpus gegenwärtig zudem in die CLARIN-D-Infrastruktur sprachwissenschaftlich relevanter Forschungsdaten integriert wird. Auch den Grünen Weg zum Open Access helfen wir zu asphaltieren – vor allem mit den beiden fachspezifischen Publikationsplattformen CrossAsia Repository und intR2Dok, die darauf zielen, die Akzeptanz des Open Access-Paradigmas in den Asienwissenschaften bzw. auf Seiten der internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung zu steigern. Ebenfalls in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg stellt CrossAsia, unsere Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien, überdies die quelloffene Software Open Monograph Press und Open Journal Systems als Service zur Verfügung, um Open Access-affinen Forschenden die Gründung eigener Fachzeitschriften und Schriftenreihen oder die Veröffentlichung einzelner Monographien und Tagungsbände leichtzumachen. Auf dem Golden Weg zum Open Access ist die Staatsbibliothek zu Berlin aber noch aus einer ganz anderen Richtung unterwegs: Denn wir unterstützen auch die Initiative Knowledge Unlatched, unter deren Dach sich bislang knapp 300 Bibliotheken aus 24 Ländern mit der Absicht zu einem Finanzierungskonsortium zusammengeschlossen haben, ausgewählte geistes- und sozialwissenschaftliche Buchprojekte renommierter Verlage direkt im Open Access erscheinen zu lassen.

Bezahlschranken öffnen sich, Paywalls fallen und die Systemtransformation des wissenschaftlichen Publikationsmarkts ist in vollem Gange. Aufregende Zeiten also – gerade in Berlin.