Beiträge aus der Abteilung Historische Drucke

Meine Leidenschaft für das Buch!

Die Bürgerstiftung Berlin ist Ausdruck des privaten Engagements Berliner Bürgerinnen und Bürger, die mit gezielten Projekten das Zusammenleben der Menschen in der Hauptstadt stärken. Mit der Bürgerstiftung Berlin können die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mehr Mitverantwortung für die Gestaltung ihres Gemeinwesens übernehmen. Eigeninitiative und Gemeinsinn bilden den ideellen Kern. Daraus entwickeln sich die Projekte, die die Kompetenzen jedes Einzelnen fördern.

Die Stiftung motiviert seit nunmehr 15 Jahren Mitbürger zum gesellschaftlichen Engagement. Im Fokus der Projekte, die seit der Stiftungsgründung umgesetzt wurden, steht die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Als Mitglied des Kuratoriums der Bürgerstiftung wurde ich gebeten, das Sommerfest 2017 im St.-Michaels-Heim am Herthasee im Grunewald durch ein Grußwort zu begleiten, in dem ich meine Leidenschaft für das Buch beschrieb. Dieser Bitte kam ich – nicht zuletzt als Unterstützerin der Aktion „LeseLust“ – ehrenamtliche Lesepaten besuchen Kinder in Berliner Grundschulen und Kindergärten, um mit ihnen gemeinsam zu lesen oder Bilderbücher anzusehen – sehr gerne nach und berichtete den mehr als 100 Gästen:

 

Liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren,

die Bürgerstiftung bat mich, Ihnen von meiner Leidenschaft für das Buch zu erzählen. Dem komme ich gerne nach, wenngleich die Sache ein wenig vielschichtiger ist, als man zunächst vermuten mag, denn als Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz habe ich eine Leidenschaft für das Buch als solches wie auch für unsere Sammlung von mittlerweile elf Millionen Büchern. Sie mögen sich nun fragen, ob in einem solchen Massenbetrieb denn auch das einzelne Buch noch immer die nötige Wertschätzung besitzt und erfährt oder ob man, irgendwann nach dem siebenmillionten Buch, abstumpft, und das Buch, wie die vielen Baumstämme eines großen Waldes, nur noch in Regalkilometern begreift: nein, ganz gewiss nicht. Denn jedes einzelne Buch wird ja irgendwann entliehen, manches häufig, manches seltener, aber jedes einzelne Buch beschäftigt dann einen Leser oder eine Leserin, tritt in einen Lektüredialog mit einem Menschen. Und jedes Buch sorgt für einen Erkenntnisgewinn, hoffentlich häufig für positive und hilfreiche Erfahrungen! (denn es gibt ja auch genug Bücher, über die wir uns eigentlich nur ärgern und die wir rasch wieder vergessen wollen). Jedes Buch also unter diesen 11 Millionen Büchern erfüllt einen Zweck: es bildet, es unterrichtet oder es unterhält, je nach Natur des Buches und der Fragestellung des Lesers und der Leserin. Was für ein wunderbarer Beruf, so werde ich oft angesprochen, Bücher zu kaufen und zu vermitteln, um für Forschung und Kultur tätig zu sein – und überdies so nachhaltig. Kein Schauspielintendant, kein Opernregisseur verfügt über einen sich immer weiter vergrößernden Kultur- und Wissensschatz; die darstellenden Künste liefern einen Abend lang ein wunderbares Momenterlebnis, das dann anschließend aber nur noch in unser Erinnerung, in unserem Gedächtnis weiterlebt. Haptisch greifbar ist allein noch das Programmheft – und dies ist sogar schon wieder sammelnswert für eine Bibliothek…

Meine Leidenschaft für das Buch entstammt also zu einem Gutteil der schönen Erfahrung, Teil einer nützlichen Zirkulationsbewegung zu sein. Wenn ich mich morgens dem Bibliotheksgebäude nähere, sitzen sie auf den Fahrrädern, entsteigen den Bussen und den S-Bahnen: Menschen, die in den klarsichtigen Plastiktüten der Bibliothek unsere Bücher wieder zurückbringen. Ein schönes Gefühl, darüber nachzudenken, daß diese Menschen den gestrigen Abend über diesen Büchern verbracht haben, über Büchern, die aus öffentlichen Mitteln erworben wurden, um möglichst vielen Menschen nacheinander nützlich zu sein. Bücher, die nun neuerlich in den großen Kreislauf eingespeist werden, Bücher, die teilweise schon vorbestellt sind, weil andere Leserinnen und Leser dringlich auf sie warten. Und wenn ich im Laufe des Tages aus dem Fenster meines Dienstzimmers blicke, sehe ich wieder andere Menschen, die die Stahlkörbchen auf ihren Fahrrädern befüllen mit wieder neuen Büchern, denn die Lektüre wissenschaftlicher Werke weckt das Verlangen nach weiteren Büchern, um das bisher Gelesene zu überprüfen, die bis dato gewonnenen Erkenntnisse zu erweitern oder neuen Seitenpfaden nachzugehen.

Können Sie meine Begeisterung nachvollziehen? Ich hoffe ja, aber ich soll Ihnen ja nicht von der Begeisterung für das Buch und die Bücher erzählen, sondern von der Leidenschaft, was ja noch einmal eine ganze Menge mehr ist. Begeistert von Büchern sind sicherlich die meisten von Ihnen, denn wer sich als Lesepatin oder als Lesepate ehrenamtlich engagiert, wird dem Buch als Kulturgut ohnehin mehr als gewogen gegenüberstehen. Wie aber entsteht Leidenschaft? „Das Buch“ – was ist das eigentlich für die meisten von uns? In aller Regeln denken wir zunächst an die eigenen heimischen Bücherregale, in denen sich anfindet, was in den vergangenen Jahrzehnten den Weg in die eigenen vier Wände fand: gekauft oder geschenkt, selten aber einmal älter als dreißig oder vierzig Jahre. – In der Staatsbibliothek aber sieht die Sache ein wenig anders aus und erinnert uns daran, auf welchen hohen kulturellen Schultern wir heute stehen. Seit gut 550 Jahren kann man Bücher nach dem Gutenberg’schen Verfahren drucken – und diese frühen Kulturzeugnisse sind Dokumente der deutschen, der europäischen und der Menschheitsgeschichte, die wir zu Tausenden besitzen, pflegen und im Rahmen von Ausstellungen auch präsentieren. Als das Drucken mit beweglichen Lettern noch eine solche technische Sensation war wie das Internet vor 20 Jahren eine gigantische Innovation darstellte, da entstanden die ersten massenhaft gedruckten Bücher – und manche dieser Bücher haben schon damals in der Tat die Welt sehr nachhaltig verändert.

Wir haben diesen Umstand gerade zu Beginn dieses Jahres wieder eindrucksvoll erfahren können, als wir in unserer viel beachteten Ausstellung zu „500 Jahren Reformation“ verdeutlicht haben: Kernstück der beginnenden Reformation war im Herbst 1517 der Druck der95 Thesen Martin Luthers! Dieses einseitig bedruckte Blatt wurde überall blitzschnell nachgedruckt, es verbreitete sich aufgrund des modernen Bleisatzes so schnell wie heute eine Nachricht in den sozialen Medien. Die Reformation wäre anders verlaufen, vielleicht auch in ihren Anfängen versiegt und versandet, wenn sich nicht Luther und seine Anhänger die neuartige Methode des Druckes zu Eigen gemacht hätten. – Und so ging es weiter: auch der Dreißigjährige Krieg setzte auf Propaganda, auf gedruckte Pamphlete und Traktate. All diese Druckerzeugnisse, mit denen eine Einzelperson oder eine Gruppe von Menschen andere Menschen lenken oder manipulieren, belehren und bekehren, aufhetzen oder überzeugen möchte, versammeln sich in der Staatsbibliothek. Ahnen Sie, wie Leidenschaft wachsen kann, wenn man erkennt, welchen Stellenwert in der Menschheitsentwicklung der vergangenen Jahrhunderte das gedruckte Buch besessen hat – und wenn man diese Schätze verwalten und vermehren darf?

Ich sprach eben von der Menschheitsentwicklung – und habe ganz bewusst dieses große Wort gewählt. Das Buch ist ja – trotz aller Diversität – ein weltumspannendes Medium. Diese Tatsache mögen Sie eine Binsenweisheit nennen, und doch berührt es mich jedes Mal auf eine eigentümliche und ganz faszinierende Weise, Bücher aus fremden Kulturkreisen in Händen zu halten, Bücher in mir ganz unverständlichen Sprachen und Schriftzeichen. Eine so große und global ausgerichtete Bibliothek wie die Staatsbibliothek erwirbt Literatur aus aller Herren Länder – und hin und wieder fällt bei Führungen durch unsere Häuser mein Blick auf Bücher, die sich anschließend als solche aus Georgien, aus Kambodscha oder aus Armenien herausstellen. Ja, so entsteht Leidenschaft, wenn die weltumspannende Wirkung des Buches greifbar wird. Egal, welche Sprache wir sprechen, an welchen Gott wir glauben und auf welchem Kontinent wir leben: das Buch ist Medium der Verständigung, des Diskurses und der Kontroverse, durch das Buch vollziehen sich Bildung und Forschung, heitere Zerstreuung und politische Agitation. Ein wirklich faszinierendes Objekt, das Buch – und nicht allein das Buch! Denn wir Bibliothekarinnen und Bibliothekare spannen den Radius ja ein wenig breiter: das Universum Buch umfasst auch Karten und gedruckte Partituren und Libretti, Karten und Stadtpläne, Zeitschriften und Tageszeitungen – letztlich den gesamten Kosmos des Gedruckten.

Sie erkennen, meine Damen und Herren: Bücher sind nützlich, sie können die Welt verändern und sie sind das weltweite Informationsmedium – seit Jahrhunderten. Auch noch in der Zukunft? Wir wissen es nicht. Die Bedeutung des gedruckten Buches wird mit der weiteren Vervollkommnung des Digitalen Zeitalters schwinden, ohne Frage. Zweifeln Sie aber nicht am Buch, das wäre ganz falsch. Halten Sie dem Buch mit all seinem Potential, mit seiner großen geschichtlichen Vergangenheit und seiner kaum absehbaren digitalen Zukunft die Treue – so wie ich es mit Leidenschaft seit über 30 Jahren Tag für Tag tue!

Besuchen Sie die Bürgerstiftung!

Der Paukenschlag zum Kirchentag – Wiederaufnahme der Ausstellung Bibel – Thesen – Propaganda

Nicht verpassen! Noch einmal sind die 95 Objekte zur Reformationsgeschichte zu sehen.

Unsere erfolgreiche Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“ wird als eines der Highlights im Regionalen Kulturprogramm zum Evangelischen Kirchentag erneut gezeigt. Und am Himmelfahrtstag gibt es dazu noch ein Sonderprogramm: “Trommeln für die Reformation”.

Papstesel, Quartdruck mit Nachschnitten des Bilderzyklus, um 1600. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Wann?

24. bis 28. Mai, 11-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Führungen jeweils 15 und 17 Uhr
Eintritt frei

Wo?

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33 am Kulturforum
10785 Berlin

 

Luther macht Druck, Mosaik: Mit den Abrafaxen durch die Zeit, Nr. 489. Kinder- und Jugenbuchabteilung. © MOSAIK – Die Abrafaxe 2016

 

Unsere Favoriten unter den 95 Objekten

 

Leipziger Plakatdruck 1517 (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz)

 

Sonderprogramm am Himmelfahrtstag: “Trommeln für die Reformation” um 14:20 Uhr und um 16:20 Uhr

In seiner “Bibliomacheia” aus dem Jahre 1746 wetterte der katholische Theologe und Dekan des Domkapitels in Prag-Wyschehrad gegen Martin Luther, die Reformation und vor allem die lutherische Bibelübersetzung:

Wer ist aller dieser Schwärmer Anfang und Ursach? als du Luther Merten, der du durch deine Biblische Reformations-Trommel alle zu Narren gemacht hast.
… sie lauffen aus den Klöstern, entweichen aus den Dohm-Stüfften, sie verlassen die Pfarreyen und rennen … der Lutherischen Bibel-Trommel nach, welche sie führet zur endlichen Abgötterey und Ohngötterey.

Am Himmelfahrtstag, den 25.5. 2017 erklingen vor der Staatsbibliothek tatsächlich “Reformations-Trommeln” im Sambarhythmus, um auf die Wiederaufnahme unserer Ausstellung aufmerksam zu machen:

Um 14:20 Uhr und um 15:20 Uhr trommelt die junge und dynamische Berliner Sambagruppe BLOCO CAJU. Die Berliner Trommler haben sich der brasilianischen Musik, vor allem der Musik aus dem Nordosten Brasiliens, wo die afrikanischen Einflüsse noch besonders deutlich zu hören sind, verschrieben. Ihre Instrumente sind Trommeln verschiedenster Art: von den großen Bass-Surdos bis zu den geflochtenen Korbrasseln, durchaus ergänzt von Gitarre und Gesang.

Rahmenprogramm zur Ausstellung am Himmelfahrtstag: Auftritt der Berliner Sambagruppe BLOCO CAJU vor der Staatsbibliothek. Geleitet wird die Gruppe von Eddie Zuber, einem unserer Ausstellungs-Guides. Foto: SBB-PK, Christiane Caemmerer

BLOCO CAJU tritt regelmäßig auf Samba-Festivals, so dem Samba Karneval in Bremen, dem Sambosta Festival Cottbus und dem Samba Syndrom in Berlin auf. Sie war aber auch auf der Streetparade in Zürich, der Fête de la Musique, dem 1. Mai in der UFA Fabrik und dem Musikfestival Klangwelten in Berlin mit ihrer Musik vertreten.

Wie die Musik der Gruppe leitet sich auch ihr Name aus dem Nordosten Brasiliens her: Die Caju ist eine äußerst vitamin- und minerialienreiche Frucht, deren getrockneter Kern uns als Cashewkern bekannt ist.

Prinzessinnen-Bibliothek erworben

Staatsbibliothek zu Berlin und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erwarben gemeinsam Prinzessinnen-Bibliothek

Stiftungen und Privatpersonen für die Kultur- und Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg engagiert

Fünf Stiftungen und 120 Privatpersonen unterstützten die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG, und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, SBB-PK, beim gemeinsamen Erwerb der Prinzessinnen-Bibliothek. Diese setzt sich aus den einstigen Privatbibliotheken dreier hochadliger Damen zusammen, die alle in enger verwandtschaftlicher Verbindung zu Friedrich II. von Preußen (1712-1786) standen: Seine Mutter Sophie Dorothea von Hannover, Königin in Preußen (1687-1757), seine Schwester Luise Ulrike von Preußen, Königin von Schweden (1720-1782), und seine Nichte Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden und Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg (1753-1829).

Die zuvor in Stockholm aufgestellte Büchersammlung umfasst 1.445 Titel in 4.500 Bänden. In den Titeln wie auch in den verschiedenen Ausgaben spiegelt sich das Spektrum weiblicher Bildung im europäischen Hochadel: Enthalten sind vor allem französischsprachige Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, zu jeweils etwa 5% sind Texte in Deutsch oder Schwedisch verfasst. Neben der Schönen Literatur dominieren die Bereiche Geschichte, hof- und adelsbezogene Biographien, Memoiren, Briefausgaben, Hofkalender und Reiseliteratur, auch Tafelwerke, Graphikmappen und einzelne Handschriften. Alle Bände sind Unikate aufgrund ihrer Provenienzen, die sich in zahlreichen Supralibros, Exlibris und Widmungen manifestieren. Die Bibliothek gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Büchersammlungen hochadliger deutscher Frauen, sie ist ein unikales kulturelles Vermächtnis.
Die Privatbibliotheken von Sophie Dorothea und Luise Ulrike gingen in die Privatbibliothek der als letzte der drei Damen geborenen Sophie Albertine ein. Deren Kammerzofe Lolotte Forsberg verh. Gräfin Stenbock wurde testamentarisch als Erbin benannt. Die aus drei Teilen bestehende Prinzessinnen-Bibliothek verblieb lange in der Familie Stenbock, bevor sie an ihren vorletzten Besitzer, einen Privatsammler, ging.

Kauf durch großzügige Förderer ermöglicht

Beim Kauf der Prinzessinnen-Bibliothek konnten sich die beiden neuen Eigentümer, die SBB-PK und die SPSG, auf das Engagement von Stiftungen und Privatpersonen stützen, die allein drei Viertel der Kaufsumme aufbrachten. Allen Förderern war es ein besonderes Anliegen, das mit seiner inhaltlichen Geschlossenheit und seinem makellosen Erscheinungsbild seltene Zeugnis höfischer Kultur wie auch europäischer Kunst- und Kulturgeschichte für die Region Berlin-Brandenburg zu sichern.

Die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August Oetker-Stiftung trugen allein mehr als die Hälfte der Kaufsumme, die B. H. Breslauer Foundation mit Sitz in New York unterstützte ein weiteres Mal in großzügiger Weise den Erwerb von Kulturgut, das sich perfekt in das Umfeld hiesiger Bestände einfügt. Die Wüstenrot-Stiftung und die Stiftung Preußische Seehandlung ergänzten die Erwerbungsmittel ebenfalls deutlich.

Besonders zu danken ist den 120 Privatpersonen, die von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. gewonnen wurden, mit privaten Spenden ihr außerordentliches Bekenntnis zum Ausbau einzigartiger Sammlungen in der Region Berlin-Brandenburg zu geben.

Für Forschung und Kultur

Ihre außerordentliche Bedeutung für die Wissenschaft wie auch für das kulturelle Erbe der Region erlangt die Prinzessinnen-Bibliothek durch mehrere Aspekte. Zunächst dadurch, dass die Staatsbibliothek zu Berlin in hohem Maße Titel hinzugewinnt, die bislang nicht vorhanden waren oder als Kriegsverlust angesehen werden mussten.

Die Forschung wird sich neuer Fragen zuwenden können, so lassen sich etwa Rückschlüsse auf das Leseverhalten, die Interessen und das Selbstverständnis weiblicher Angehöriger des schwedischen und hohenzollerischen Hochadels ziehen. Auch können die Teilsammlungen der Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs II. hinsichtlich ihrer literarisch-thematischen Entwicklungen und der Verzahnungen über die Generationen hinweg oder hinsichtlich der Verbindungen zweier europäischer Herrscherhäuser untersucht werden. Zudem bieten die vielen handschriftlichen Eintragungen  Ansatzpunkte für neue Fragestellungen.

Die Sammlung ermöglicht aufgrund ihres sehr guten Zustandes wie auch der exquisiten Ausstattung vielfältige buchkundliche und kunsthistorische Forschungen. Teils wurden die Bücher auf Seide gedruckt und zumeist von deutschen und schwedischen Hofbuchbindern exquisit eingebunden.

Die Prinzessinnen-Bibliothek wird zu großen Teilen in der Staatsbibliothek aufbewahrt. Die modernen Tresormagazine im Haus Unter den Linden wie auch der Zusammenhang zu den sonstigen Sammlungen der Bibliothek, die ihre Wurzeln im preußischen Königshaus hat, bilden für die Forschung ein einmaliges kontextbezogenes historisches Umfeld, das von dem tief gestaffelten Apparat einschlägiger Fachliteratur flankiert wird. Für die Aufstellung in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg werden etwa 500 passende Bände ausgewählt und künftig im Schloss Rheinsberg präsentiert. Damit kann der historische Bibliotheksraum, den der Bruder Friedrichs II., Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), hier nach 1786 eingerichtet hatte, wiedergewonnen werden.

Honorarfreie Abbildungen mit Kurzbeschreibungen

http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

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Zahlreiche Medien berichteten über diese Erwerbung, u. a.