Unsere redaktionelle Auswahl für den Rückblick

Nachlässe digital – internationale Konferenz in der Staatsbibliothek

Nachlässe – digital
Koop-Litera International – Konferenz 2017
20.-22. Juni 2017
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dietrich-Bonhoeffer-Saal der Staatsbibliothek

 

Koop-Litera ist ein Netzwerk von Institutionen, die schriftliche Nachlässe und Autographen verwalten. Nach den Veranstaltungen in Mersch/Luxemburg (2011) und Bern/Schweiz (2014) findet 2017 die internationale Konferenz dieses Verbundes in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. 100 Vertreter von Einrichtungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und anderen Ländern werden sich hier treffen, um über das Thema Nachlässe, einem Kernbestand des kulturellen Erbes, im digitalen Zeitalter in allen seinen Facetten zu diskutieren. Die 20 Vorträge und 3 Workshops widmen sich der Frage, wie die Digitalisierung die Forschung mit Ihren Fragestellungen und Prozessen verändert und was die digitale Transformation für die Erwerbung, Erschließung und Vermittlung von Nachlässen bedeutet.

Tagungsprogramm und weitere Informationen

2.100 Besucher besichtigten Baustelle, Veranstaltungssäle, Magazin und Lesesaal Unter den Linden

Im sanierten Büro der Generaldirektorin || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Über 2.100 Besucherinnen und Besucher kamen am Samstag, 10. Juni 2017, zu den Besichtigungstouren durch das Haus Unter den Linden 8, dem riesigen Gebäudekomplex mit  107 x 170 Metern Grundfläche und 13 Etagen. Zu 80% ist das Gebäude inzwischen saniert, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung und die Staatsbibliothek zu Berlin sind jetzt im Endspurt auf der Großbaustelle.

Bei einer individuell gestalteten und drei geführten Touren entstand ein eindrucksvolles Bild von der Dimension der gestalterischen wie auch planerischen und technischen Herausforderungen, die bei diesem Bauvorhaben bereits gemeistert wurden oder noch vor den Verantwortlichen liegen.

In den jüngst übergebenen Veranstaltungsbereichen und Büros zeigte sich die Verbindung von moderner Ausstattung mit sanierten, teils rekonstruierten Räumen. Die räumliche Gestaltung und die Ersteinrichtung des 1914 eingeweihten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wurden, wo immer möglich, erhalten bzw. wiederhergestellt. Ansonsten ist das Haus mit modernem Mobiliar und technischen Anlagen auf dem neuesten Stand ausgestattet.

Helmpflicht auf der Baustelle || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

 

Während der Führungen über die Baustelle der noch zu sanierenden Bereiche verdeutlichten sich die teils extremen Herausforderungen der bautechnisch anspruchsvollen Sanierungsaufgaben des gesamten Bauprojekts.

Mit dem Gang in eines der Magazine wurde zugleich die jüngst wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal des Bibliotheksgebäudes betreten – die originale Kuppel war im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer zerstört worden.

Die Rundgänge durch den seit vier Jahren betriebenen, als 36 m hoher Glaskubus ausgeführten Lesesaal vermittelten neben vielem anderen auch Ausblicke auf die Gestaltung der noch in Sanierung stehenden Lesesäle für die Sondersammlungen dieser Bibliothek von Weltrang.

 

 

links der letzte Abschnitt des gigantischen Bauvorhabens, rechts die wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Die Sanierung und Modernisierung des Altbaus und die Ergänzung mit den Neubauten begann im Jahr 2005 nach dem Abschluss aller vorbereitenden Arbeiten. Derzeit ist das Ende der Bauzeit für 2018 prognostiziert. Bislang waren 405 Hochbaufirmen, 181 Fachtechnikfirmen und 115 Planungsbüros und Gutachter beteiligt.
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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

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kürzlich waren Medienberichte über das Bauen in der Staatsbibliothek und den Tag der offenen Tür unter anderem hier zu finden:

Brigitte Klemm-Neumann

Übergabe des Nachlasses von Sigrid Heuck an die Kinder- und Jugendbuchabteilung

Übergabe des Nachlasses von Sigrid Heuck in familiärem Rahmen. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Vor vierzig Jahren erschien „Pony, Bär und Apfelbaum“, ein Klassiker unter den Lesebilderbüchern, die Kindern durch das Ersetzen von Hauptwörtern durch kleine Illustrationen schon früh die Möglichkeit geben, „Mitlesen“ zu können. Sigrid Heuck, der Autorin und Illustratorin des Werks, war die Nähe zu ihrem Publikum, den Kindern, immer wichtig. Und so hätte sie sich sicher über die in einem kleinen, familiären Rahmen stattfindende feierliche Übergabe ihres künstlerischen und schriftstellerischen Nachlasses an die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gefreut, deren Rahmenprogramm von Kindern bestritten wurde.

Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Sigrid Heuck, 1932 in Köln geboren, auf der Ponyfarm ihrer Mutter in einem Ort an der Bergstraße aufgewachsen, verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Oberbayern. Bereits 1949 zog sie in das historische Gebäude, die Grabenmühle, unweit der Isar nahe Dietramszell-Einöd gelegen, in dem sie bis zu ihrem Tod 2014 lebte, schrieb und zeichnete. 1959 erschien ihr erstes Bilderbuch: „Das Mondkuhparadies“. 101 weitere Titel folgten, darunter der bereits erwähnte „Pony, Bär und Apfelbaum“, der von seiner Erstauflage 1977 bis zum Tode Sigrid Heucks 2014 spätestens alle vier Jahre neu aufgelegt und in zahlreiche westeuropäische Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Friesisch, Dänisch, Schwedisch und Finnisch) sowie ins Chinesische, Japanische und Afrikaans übersetzt wurde. Sigrid Heuck wurde im Laufe ihrer Schaffenszeit mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, dem Österreichischen Jugendbuchpreis sowie dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.

Die Autorin und Künstlerin hatte keine Kinder, war aber stets von ihren Verwandten, einem großen Freundeskreis und zahlreichen Tieren umgeben. Zu den Freunden zählten u.a. Barbara Holzmayer, ihre Haushälterin, sowie Brigitte Klemm-Neumann, ehemals Leiterin eines Kindergartens in Dietramszell.

Brigitte Klemm-Neumann erinnert an Sigrid Heuck. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Frau Holzmayer, Erbin der Grabenmühle, konnte leider nicht persönlich anwesend sein, sandte aber ein Grußwort, in dem sie u.a. berichtete, wie sie durch vielfältige Veranstaltungen den guten Geist Sigrid Heucks in der Grabenmühle am Leben erhält.

Frau Klemm-Neumann, die von der Autorin als Buchrechteinhaberin eingesetzt wurde, erinnerte sich an das erste Zusammentreffen mit ihrer späteren Freundin – die Begrüßung hatten zwei beeindruckend große Hunde übernommen – sowie die Entwicklung ihrer Freundschaft, die stets vom Entstehen neuer Kinder- und später dann auch Jugendbücher begleitet war. Wirklich zufrieden schien Sigrid Heuck immer dann zu sein, wenn sie an einem Buchprojekt arbeitete. Das galt sogar für ihr letztes Werk, „Mit Wind und Wolken unterwegs“, in dem sie, obgleich schon sehr schwach, in 49 Kurzgeschichten ihre abenteuerlichen Reisen beschrieb. „Zum Glück,“ so Klemm-Neumann, „vollendete sie es!“ Der Band erschien postum 2015.

Leonardo Dimeo liest aus “Cowboy Jim”. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Die Grundlage für dieses Opus ultimatum bildeten 63 Ordner an Reisetagebüchern. Diese gelangen nun ebenso in den Bestand der Staatsbibliothek wie die zahlreichen Manuskripte, Briefe, Rezensionen, Dateien mit unveröffentlichten Texten sowie Heucks Originalillustrationen. Frau Klemm-Neumann entschied sich zu diesem Schritt, um den wahren Schatz an Materialien der Forschung öffentlich zugänglich zu machen. Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, erläuterte ihrerseits, welche Anstrengungen die Bibliothek unternehmen wird, um sämtliche Dokumente adäquat zu lagern und zu erschließen, damit sie anschließend über den Online-Katalog der Staatsbibliothek weltweit recherchiert und sodann im Lesesaal der Kinder- und Jugendbuchabteilung eingesehen werden können.

Das fröhlich-festliche Gitarrenspiel Lea Wollenwebers (11 Jahre) sowie die mitreißende, spannende Lesung von Leonardo Dimeo (12 Jahre) aus Sigrid Heucks „Cowboy Jim“ rundeten den Abend, der zeitlich in den Raum des 85. Geburtstags der Autorin fiel, in perfekter Weise ab.

 

Ein kleiner Einblick in den vielfältigen Nachlass. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA


Die Süddeutsche Zeitung berichtete über die Übergabe am 23. Mai in ihrer Regionalausgabe für Wolfrathshausen in einem großen Artikel unter der Überschrift “Eine neue Heimat in Berlin” .

Prinzessinnen-Bibliothek erworben

Staatsbibliothek zu Berlin und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erwarben gemeinsam Prinzessinnen-Bibliothek

Stiftungen und Privatpersonen für die Kultur- und Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg engagiert

Fünf Stiftungen und 120 Privatpersonen unterstützten die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG, und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, SBB-PK, beim gemeinsamen Erwerb der Prinzessinnen-Bibliothek. Diese setzt sich aus den einstigen Privatbibliotheken dreier hochadliger Damen zusammen, die alle in enger verwandtschaftlicher Verbindung zu Friedrich II. von Preußen (1712-1786) standen: Seine Mutter Sophie Dorothea von Hannover, Königin in Preußen (1687-1757), seine Schwester Luise Ulrike von Preußen, Königin von Schweden (1720-1782), und seine Nichte Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden und Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg (1753-1829).

Die zuvor in Stockholm aufgestellte Büchersammlung umfasst 1.445 Titel in 4.500 Bänden. In den Titeln wie auch in den verschiedenen Ausgaben spiegelt sich das Spektrum weiblicher Bildung im europäischen Hochadel: Enthalten sind vor allem französischsprachige Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, zu jeweils etwa 5% sind Texte in Deutsch oder Schwedisch verfasst. Neben der Schönen Literatur dominieren die Bereiche Geschichte, hof- und adelsbezogene Biographien, Memoiren, Briefausgaben, Hofkalender und Reiseliteratur, auch Tafelwerke, Graphikmappen und einzelne Handschriften. Alle Bände sind Unikate aufgrund ihrer Provenienzen, die sich in zahlreichen Supralibros, Exlibris und Widmungen manifestieren. Die Bibliothek gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Büchersammlungen hochadliger deutscher Frauen, sie ist ein unikales kulturelles Vermächtnis.
Die Privatbibliotheken von Sophie Dorothea und Luise Ulrike gingen in die Privatbibliothek der als letzte der drei Damen geborenen Sophie Albertine ein. Deren Kammerzofe Lolotte Forsberg verh. Gräfin Stenbock wurde testamentarisch als Erbin benannt. Die aus drei Teilen bestehende Prinzessinnen-Bibliothek verblieb lange in der Familie Stenbock, bevor sie an ihren vorletzten Besitzer, einen Privatsammler, ging.

Kauf durch großzügige Förderer ermöglicht

Beim Kauf der Prinzessinnen-Bibliothek konnten sich die beiden neuen Eigentümer, die SBB-PK und die SPSG, auf das Engagement von Stiftungen und Privatpersonen stützen, die allein drei Viertel der Kaufsumme aufbrachten. Allen Förderern war es ein besonderes Anliegen, das mit seiner inhaltlichen Geschlossenheit und seinem makellosen Erscheinungsbild seltene Zeugnis höfischer Kultur wie auch europäischer Kunst- und Kulturgeschichte für die Region Berlin-Brandenburg zu sichern.

Die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August Oetker-Stiftung trugen allein mehr als die Hälfte der Kaufsumme, die B. H. Breslauer Foundation mit Sitz in New York unterstützte ein weiteres Mal in großzügiger Weise den Erwerb von Kulturgut, das sich perfekt in das Umfeld hiesiger Bestände einfügt. Die Wüstenrot-Stiftung und die Stiftung Preußische Seehandlung ergänzten die Erwerbungsmittel ebenfalls deutlich.

Besonders zu danken ist den 120 Privatpersonen, die von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. gewonnen wurden, mit privaten Spenden ihr außerordentliches Bekenntnis zum Ausbau einzigartiger Sammlungen in der Region Berlin-Brandenburg zu geben.

Für Forschung und Kultur

Ihre außerordentliche Bedeutung für die Wissenschaft wie auch für das kulturelle Erbe der Region erlangt die Prinzessinnen-Bibliothek durch mehrere Aspekte. Zunächst dadurch, dass die Staatsbibliothek zu Berlin in hohem Maße Titel hinzugewinnt, die bislang nicht vorhanden waren oder als Kriegsverlust angesehen werden mussten.

Die Forschung wird sich neuer Fragen zuwenden können, so lassen sich etwa Rückschlüsse auf das Leseverhalten, die Interessen und das Selbstverständnis weiblicher Angehöriger des schwedischen und hohenzollerischen Hochadels ziehen. Auch können die Teilsammlungen der Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs II. hinsichtlich ihrer literarisch-thematischen Entwicklungen und der Verzahnungen über die Generationen hinweg oder hinsichtlich der Verbindungen zweier europäischer Herrscherhäuser untersucht werden. Zudem bieten die vielen handschriftlichen Eintragungen  Ansatzpunkte für neue Fragestellungen.

Die Sammlung ermöglicht aufgrund ihres sehr guten Zustandes wie auch der exquisiten Ausstattung vielfältige buchkundliche und kunsthistorische Forschungen. Teils wurden die Bücher auf Seide gedruckt und zumeist von deutschen und schwedischen Hofbuchbindern exquisit eingebunden.

Die Prinzessinnen-Bibliothek wird zu großen Teilen in der Staatsbibliothek aufbewahrt. Die modernen Tresormagazine im Haus Unter den Linden wie auch der Zusammenhang zu den sonstigen Sammlungen der Bibliothek, die ihre Wurzeln im preußischen Königshaus hat, bilden für die Forschung ein einmaliges kontextbezogenes historisches Umfeld, das von dem tief gestaffelten Apparat einschlägiger Fachliteratur flankiert wird. Für die Aufstellung in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg werden etwa 500 passende Bände ausgewählt und künftig im Schloss Rheinsberg präsentiert. Damit kann der historische Bibliotheksraum, den der Bruder Friedrichs II., Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), hier nach 1786 eingerichtet hatte, wiedergewonnen werden.

Honorarfreie Abbildungen mit Kurzbeschreibungen

http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

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Zahlreiche Medien berichteten über diese Erwerbung, u. a.

Potsdam, 22. April, Bachs h-Moll-Messe : Vortrag und Aufführung

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, stellt das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach vor, dieses gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Nikolaikantor Björn O. Wiede (Potsdam), erläutert die authentische Aufführungspraxis des Barock-Ensembles EXXENTIAL BACH, das unter seiner Leitung die Messe aufführt.

Samstag, 22. April 2017
Nikolaikirche Potsdam; Am Alten Markt

18.30 Uhr | Einführung mit
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin u. Präsidentin der Brandenburgischen Bach-Gesellschaft,
Björn O. Wiede, Dirigent und Nikolaikantor

19.30 Uhr | Johann Sebastian Bach: h-Moll-Messe
Barock-Ensemble EXXENTIAL BACH, Dirigent: Björn O. Wiede

Die seit Karfreitag andauernden Osterfesttage Potsdam schließen am Samstag, 22. April 2017, mit einer ausführlichen Einführung in die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach (BWV 232) und mit der Aufführung des Werkes ab. Das Autograph, das zusammen mit 80% aller überlieferten Werke des Meisters in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter besten konservatorischen Bedingungen aufbewahrt wird, gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Autograph der h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Titelblatt || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Das heute weltweit am häufigsten aufgeführte Werk Bachs für Vokal- und Instrumentalstimmen wurde von J. S. Bach selbst ohne Titel gelassen. Erst im Nachlassverzeichnis wird es als „große catholische Messe“ bezeichnet, es beinhaltet den vollständigen lateinischen Text der katholischen Messliturgie.

Bach hatte schon im Jahr 1733 mit der Arbeit an der Messe begonnen, jedoch stellte er sie erst kurz vor seinem Lebensende in den Jahren 1748-49 und damit auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft fertig. Die Verwendung von historischen und zeitgenössischen Satzarten, Formen und Kompositionstechniken in einem Werk ist das herausragende Alleinstellungsmerkmal der h-Moll-Messe.

Die einzige vollständige Partitur aus Bachs Lebzeiten ist mit Tinte auf Papier verfasst. Er verwendete 99 Blätter und vier Titelblätter, die Abmessungen betragen zwischen 33,5 x 21 cm und 36 x 23 cm. Die h-Moll-Messe besteht aus vier Teilen, der erste wurde 1733 komponiert, die Teile II bis IV vermutlich zwischen August 1748 und Oktober 1749. Eine Datierung durch den Meister selbst liegt nicht vor, sie lässt sich aber durch Schriftvergleiche ermitteln.

Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs ging das Autograph der gesamten Messe in den Besitz seines Sohnes Carl Philipp Emanuel über, der die Handschrift im Rahmen seiner Arbeit als Musiker verwendete. Danach ging die Handschrift auf dessen Tochter Anna Carolina Philippina über. 1805 wurde sie vom Schweizer Musikpädagogen und Musikverleger Hans Georg Nägeli erworben und in der Familie weiter vererbt. Nach einer weiteren Station erwarb die Bach-Gesellschaft Leipzig 1857 das Autograph. 1861 konnte das wertvolle Autograph schließlich von der Königlichen Bibliothek zu Berlin, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, erworben werden, wo sie nun dauerhaft verwahrt wird.

Autograph h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Kyrie || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Die h-Moll-Messe befindet sich in Berlin in einem herausragenden Umfeld: Zur weltweit größten Bach-Sammlung gehören neben etwa 80% aller von Johann Sebastian Bach im Autograph überlieferten Werke auch nahezu alle Werke seiner vier komponierenden Söhne sowie das Alt-Bachische Archiv, ein von ihm selbst zusammengestelltes Musikarchiv mit Kompositionen seiner Musiker-Vorfahren.

Johann Sebastian Bach war als Komponist wegweisend, seine Werke beeinflussen die Musikgeschichte bis heute nachhaltig, wobei sich sowohl Komponisten an seinem Schaffen orientieren als auch die Werke Bachs fester Bestandteil des Konzertlebens sind.

 

weitere Informationen erhalten Sie bei der Skt. Nikolai Kirchengemeinde Potsdam

„Frische teutsche Liedlein“ mit der lautten compagney in der Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda”

Sonntag, 2. April: Finissage „Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“ mit zwei Kurzkonzerten der lautten compagney BERLIN, 14 Uhr und 16.30 Uhr – freier Eintritt

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Am Sonntag, 2. April 2017, schließt um 18 Uhr die einzige Ausstellung, die alle drei im Jahr 1517 gedruckten Ausgaben der 95 Thesen Martin Luthers zur Klärung der Kraft der Ablässe zeigt.

Zur Finissage erklingen in der Staatsbibliothek Lieder aus der Zeit Martin Luthers – und das in höchster Qualität und mit freiem Eintritt. Das mehrfach ausgezeichnete Berliner Ensemble lautten compagney entwickelt zum diesjährigen Jubiläum ein speziell auf die Reformationszeit abgestimmtes Programm. In kleiner Besetzung – Tenor, Zink (Cornett), Gambe und Laute – spielt die lautten compagney am Sonntag in zwei Kurzkonzerten von je 35 Minuten “Frische teutsche Liedlein”. Zwischen den beiden Auftritten der lautten compagney wird um 15 Uhr durch die Ausstellung geführt. Gezeigt werden dabei auch die ersten lutherischen Gesangbücher wie das Achtliederbuch und die früheste Sammlung mehrstimmiger Luther-Choräle von Johann Walter sowie ein eigenhändiger Kompositionsversuch Martin Luthers zu seinem Vaterunserlied.

Johann Walters Gesangbüchlein, Stimmbuch für den Tenor. Musikabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

„Frische teutsche Liedlein“ – Lieder aus der Zeit Martin Luthers

In diesem Programm widmen sich der Tenor Robert Sellier und die Spezialisten der Alten Musik deutschen Tenorliedern. Mit dieser typisch deutschen Form der Renaissance lösten sich die Komponisten von den franko-flämischen Vorbildern und schufen Lieder, bei denen die Melodie nicht in der höchsten Stimme, sondern im Tenor liegt. Im Mittelpunkt stehen die Lieder von Ludwig Senfl (um 1490–1543). Zu hören sein werden außerdem Lieder von Heinrich Isaac (um 1450–1517) sowie Stücke aus der fünfteiligen Sammlung Frische teutsche Liedlein von dem Arzt, Komponisten und Liedersammler Georg Forster (um 1510–1568). Die lautten compagney und Robert Sellier laden mit viel Musizierfreude und sprühender Kreativität zu einer erfrischenden Reise in die Zeit der Reformation ein.

Wiederaufnahme der Ausstellung vom 24. bis 28. Mai 2017 zum Evangelischen Kirchentag

Die Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“ wird als Teil des Regionalen Kulturprogramms zum Evangelischen Kirchentag erneut zu sehen sein, dies vom 24. bis 28. Mai 2017. Bis dahin müssen die 95 herausragenden Objekte zur Reformationsbewegung aus konservatorischen Gründen in den Tresormagazinen ruhen, neben den Thesendrucken etwa die Prachtbibeln aus der Cranach-Werkstatt oder drastische antipäpstliche Flugblätter jener Zeit.

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„Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“
24. Mai – 28. Mai 2017: Mittwoch – Samstag 11 – 20 Uhr, Sonntag 11 – 18 Uhr
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum, 10785 Berlin
Führungen täglich um 15 und 17 Uhr
Eintritt frei
Katalog 20 €, Faksimile vom Druck d. 95 Thesen 8 €, beide 25 €

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Blog zur Ausstellung

Schinkelfest 2017

Welcher Ort dürfte geeigneter sein für die Preisverleihung des renommierten Schinkel-Preises des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin (AIV) als der Veranstaltungssaal einer Ikone der modernen Architektur? So dachten wohl auch die Veranstalter des 162. Schinkelfestes und wählten den Otto-Braun-Saal unseres Hauses Potsdamer Straße bereits zum zweiten Mal nach 2015 für ihren Festabend aus. Barbara Schneider-Kempf begrüßte die Gäste herzlich und unterstrich in ihrem Grußwort den Einklang zwischen Veranstaltung und Ort. Sie freute sich, dass  “das Schinkelfest heute Abend gerade hier, gerade in diesem Gebäude gefeiert wird, um den Architektennachwuchs auszuzeichnen”.

Der Schinkel-Preis geht an die Gewinner eines jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbs und wird stets am 13. März eines Jahres, dem Geburtstag von Karl-Friedrich Schinkel, an den Nachwuchs im Architektur- und Planungswesen vergeben. 2017 lag der Fokus der Wettbewerbsaufgaben auf dem Berliner Westkreuz, einem sicher nicht leicht zu gestaltenden Gelände, das von Verkehrstrassen, dem zurzeit nicht genutzten ICC, dem Omnibusbahnhof und Brachflächen dominiert wird. Drei verschiedene Aufgabenstellungen boten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Möglichkeiten unterschiedlichster Herangehensweisen.

Die Intention der Veranstalter, mit dem Wettbewerb und der Preisverleihung durchaus Einfluss auf die aktuelle Stadtentwicklung nehmen zu wollen, spiegelte sich in der Gästeliste wider. Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, lobte in ihrem Grußwort die Arbeiten der Preisträger als Ideenpool mit realistischem Umsetzungspotential und Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt in Charlottenburg-Wilmersdorf, wünschte sich Anregungen für den Umgang mit diesem problematischen Bezirksteil.

Die Ausstellung – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Carola Seifert – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Der Festvortrag von Prof. Dr. Harald Bodenschatz mit dem nur für Berlin-Kennerinnen und -Kenner nicht überraschenden Titel ‚2020: Berlin wird 100 Jahre alt’, gab einen interessanten und kenntnisreichen Überblick über die Situation der werdenden Großstadt im Jahre 1920. Hatte sicher der eine oder andere unter den Gästen nach der 750-Jahrfeier der Stadt im Jahre 1987 ein deutlich höheres Alter der heutigen Hauptstadt vor Augen, so führte die Frage, ob Wannsee, Spandau und Köpenick auch zu Berlin gehörten, auf die richtige Spur. Erst mit der Eingemeindung von 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zu einer Einheitsgemeinde mit 20 Bezirken wurde Berlin 1920 zu der Stadt, wie wir sie heute kennen. Verblüffend ähnelten die Fragen der damals beteiligten Planer denen der heute Verantwortlichen, auch dies wurde im Vortrag deutlich.

Oriel-Quartett – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Carola Seifert – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

In der anschließenden, feierlichen Zeremonie wurden die Schinkel-Preise in den drei Kategorien und zahlreiche Sonderpreise verliehen. Die vollständige Dokumentation der Arbeiten und der vergebenen Preise ist online einsehbar. Bereits am Vormittag des 13. März wurde die Ausstellung mit den Arbeiten der Wettbewerbsteilnehmer in der Eingangshalle eröffnet. Sie ist noch bis zum 20. März geöffnet und für jeden frei zugänglich.

Eine würdige Entsprechung der Vielfalt der eingereichten Arbeiten bot die Musikauswahl des Oriel Quartetts. Hier stand mit Peteris Vasks Streichquartett Nr. 4 ein zeitgenössischer Aspekt Stücken von Mozart und Britten gegenüber.

V.l.n.r.: Prof. Dr. h.c. Wolfgang Schuster, Vorsitzender des AIV; der Festredner, Prof. Dr. Harald Bodenschatz; Karin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen des Landes Berlin; Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Carola Seifert – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

‚Für Forschung und Kultur’ steht seit einigen Jahren als eine Art Claim unter dem Namen der Bibliothek. Nicht alle großen Ereignisse, die in der Staatsbibliothek stattfinden, finden ihren Niederschlag in den Lesesälen und in der Wahrnehmung ihrer Benutzerinnen und Benutzer. Das Schinkelfest und die Preisverleihung an den Architektur-Nachwuchs gehört dabei ganz sicher zu den kulturellen Highlights des Bibliotheksjahres.

Projekt E.T.A. Hoffmann Portal geht in die zweite Runde

Hurra – unser Folgeprojekt zum E.T.A. Hoffmann Portal ist genehmigt! Nachdem die BETA-Version des Portals nun seit Mitte Dezember online ist, neigt sich das erste Projekt zur Einrichtung des Portals (HoPo1) langsam dem Ende zu. Derzeit arbeitet unsere Entwicklerin – bis zum offiziellen Launch – kontinuierlich an der Optimierung der Funktionalitäten und der Erweiterung von Textbeiträgen und interaktiven Elementen. Parallel stellen wir aber auch schon die Weichen für unser Folgeprojekt (HoPo2), das im Januar 2017 offiziell gestartet ist und zwei neue Schwerpunkte beinhaltet: die Digitalisierung von Hoffmanniana und die Erweiterung des Angebots auf Einflüsse und Rezeption.

Während der Fokus von HoPo1 auf der Einrichtung der Infrastruktur und der Vermittlung von E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk lag, widmet sich HoPo2 der Produktion von digitalen Inhalten und der Vermittlung von einerseits Einflüssen auf Hoffmann und andererseits der Rezeption von Hoffmann durch andere Künstler*innen und Wissenschaftsbereiche. Aktuell arbeiten wir an der Erstellung einer Liste der zu digitalisierenden Materialien und testen den eigens entwickelten Digitalisierungs-Workflow. Das Folgeprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und gliedert sich in drei inhaltliche Arbeitspakete:

1 Digitalisierung der Werke Hoffmanns, seiner Einflüsse und seiner Rezeption

Geplant ist die Digitalisierung von etwa 2.000 Bänden, darunter Erstausgaben, illustrierte Drucke, Autographe, frühe Forschungsliteratur und Werke, die E.T.A. Hoffmann nachweislich besessen hat. Hinzu kommen in Auswahl Werke, die Hoffmann in seinem Schaffen beeinflusst haben, sowie Werke, die Hoffmanns Motive aufgreifen oder ganz grundsätzlich durch Hoffmann beeinflusst wurden.

2 Dokumentation der Einflüsse und der Rezeption E.T.A. Hoffmanns

Die vielfältigen Einflüsse auf Hoffmann und die Rezeption seines Schaffens sind bisher nicht zentral dokumentiert, vor allem eine medienübergreifende Zusammenstellung und Präsentation ist ein Desiderat. In enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft soll ein Arbeitsinstrument geschaffen werden, das die relevanten Informationen zusammenführt, diese mit digitalen Primärmaterialien verknüpft und visuell aufbereitet zugänglich macht. Das Projekt versteht sich in diesem Punkt ein weiteres Mal als Entwickler und Etablierer einer neuen Infrastruktur, auf deren Basis nach Projektende kontinuierlich weitere Inhalte verschiedener Institutionen aufgenommen werden können.

3 Aufbereitung von Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen

Analog zu den Textbeiträgen und interaktiven Elementen, die im Projekt HoPo1 entwickelt und aufbereitet wurden, sollen nun in Kooperation mit Wissenschaft und Lehre Informationen zur Vermittlung von Hoffmanns Umfeld, seinen Einflüssen und der Rezeption durch andere Künstler*innen und Forscher*innen bereitgestellt werden. So soll beispielsweise eine Netzwerkdarstellung Hoffmanns Bekanntenkreis veranschaulichen und Personenkonstellationen verdeutlichen, eine grafisch aufbereitete Rezeptionsanalyse soll den Bezug Hoffmanns zu Persönlichkeiten wie Peter Tschaikowski, Thomas Mann oder Franz Kafka aufzeigen.

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Wolf Biermann – Lesung aus der Autobiographie und Gespräch am 1. März um 18 Uhr

“Warte nicht auf bessre Zeiten!”

Lesung mit Burghart Klaußner
Wolf Biermann und André Schmitz im Gespräch
Einführung: Barbara Schneider-Kempf und André Schmitz

Mittwoch 1. März 2017
18 Uhr, Otto-Braun-Saal, Haus Potsdamer Str. 33
Eintritt frei, um Anmeldung unter freunde@sbb.spk-berlin.de wird gebeten

Genehmigung des Ullstein Verlages für Porpyläen liegt vor.

Cover von Wolf Biermann: “Warte nicht auf bessre Zeiten!” Propyläen

Selten sind persönliches Schicksal und deutsche Geschichte so eng verwoben wie bei Wolf Biermann. Ein Leben zwischen West und Ost, ein Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Geboren 1936 in Hamburg ging er mit sechzehn Jahren in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble. Dann fiel er in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen gefeiert und geehrt wurde. Seit den 1960-er Jahren ist er einer der bedeutendsten deutschen Liedermacher und Lyriker. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR.

Eindringlich erzählt Biermann vom Vater, der als Jude und Kommunist in Auschwitz ermordet wurde, von der Mutter, die ihn aus dem Hamburger Bombeninferno rettete, vom väterlichen Freund Robert Havemann, mit dem er das Los des Geächteten teilte. Er berichtet von der absurden Welt der DDR-Diktatur, aber auch von ihren täglichen Dramen menschlicher Widerständigkeit. Und er erzählt die Geschichten seiner in den Westen geschmuggelten, im Osten heimlich kursierenden Lieder. Bei aller Heftigkeit des Erlebten lesen sich Biermanns Erinnerungen wie ein Schelmenroman. Wolf Biermann lebt heute mit seiner Frau, der Sängerin Pamela Biermann, in Hamburg.

Genehmigung zur Verwendung K:\ZWR\Bildrechte\Freunde

Burghart Klaußner -© Max Parovsky

 

Burghart Klaußner: geboren 1949 in Berlin, Schauspieler u.a. in Berlin, Hamburg, Zürich, Dresden und zur Zeit in Düsseldorf auf der Bühne, im Film zuletzt in “Der Staat gegen Fritz Bauer” und in “Terror – Ihr Urteil”. Als Theaterregisseur gab er 2006 sein Debüt; Hörbuchsprecher für Romane z.B. von Daniel Kehlmann und Botho Strauß. Als Sänger mit seinem Programm “Zum Klaußner” seit 2010 unterwegs. Burghart Klaußner wurde mit zahlreichen Preisen geehrt.

 

 

Eine Veranstaltung der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. und der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Eröffnung der Reformations-Ausstellung durch Kardinal Lehmann

Vor wenigen Tagen, am 2. Februar 2017, eröffnete Karl Kardinal Lehmann während des Neujahrsempfangs, den die Staatsbibliothek zu Berlin und die Freunde der Staatsbibliothek e.V. ausrichteten, die Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda”. Zuvor führten Barbara Schneider-Kempf, die Generaldirektorin der Bibliothek, und André Schmitz, der Vorsitzende der Freunde der Bibliothek, Kardinal Lehmann durch die Ausstellung. Die Kuratorin, Michaela Scheibe, sie ist zugleich die stellvertretende Leiterin der Abteilung Historische Drucke, erläuterte in einem engen Dialog mit dem Kardinal besondere Objekte der Ausstellung, darunter einige Propaganda-Flugblätter sowie die Besonderheiten der drei Drucke der 95 Thesen.

Gerd Appenzeller, früher Herausgeber von Der Tagesspiegel und heute Kolumnist der Zeitung schreibt regelmäßig u. a. über das Berliner Stadtgeschehen, und so gab er am Samstag, 4. Februar 2017, seinen Lesern in der Rubrik STADTMENSCHEN mit der Überschrift Der Kardinal und das Lutherjahr diesen Bericht:

“So viele Anmeldungen zu einem Neujahrsempfang hatten wir noch nie”, strahlte Barbara Schneider-Kempf bei ihrer Begrüßung im rappelvollen Otto- Braun-Saal der Staatsbibliothek. Aber nun ist auch nicht jedes Jahr 500-jähriges Reformationsjubiläum, nur einmal eine glanzvolle Ausstellung aus diesem Anlass, und vor allem dieser Redner als Gast der Generaldirektorin: Karl Kardinal Lehmann, der emeritierte Bischof von Mainz, der mehr als zwei Jahrzehnte lang Vorsitzender der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz war. Keiner hat sich wie er gerade auch um den Dialog der Konfessionen verdient gemacht, und wenn der 80-Jährige einen Vortrag zum Thema “Warum und wie können Katholiken das 500-jährige Reformationsgedenken 2017 mitbegehen?” ankündigt, dann kommen eben 500 Menschen, ihn zu hören. Unter ihnen Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Eberhard Diepgen und der frühere HU-Präsident, der Theologe Christoph Markschies.

Schon die Formulierung impliziert doch die Zustimmung – ja, Katholiken können dieses Ereignisses nicht nur gedenken, sie können die Erinnerungen daran teilen. Wie schon Barbara Schneider-Kempf richtete auch André Schmitz, der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek, den Blick auf die besondere Bedeutung der Luther-Memorabilien im Besitz der größten wissenschaftlichen Bibliothek Deutschlands. Bereits 1595, erinnerte Schneider-Kempf, hatten Luthers Enkel die Reste des theologisch-literarischen Nachlasses Joachim Friedrich von Brandenburg verkauft. Zwar seien bis heute die Lutherdokumente des Hauses zahlreich und von höchster Qualität – aber ein Großteil der historischen Luthersammlung gilt seit ihrer Auslagerung im Krieg als verschollen.

Kardinal Lehmann rief ins Gedächtnis, dass im Streit zwischen Katholiken und Lutheranern das Wort “Ketzer” die Tiefe des Grabens charakterisiert habe. 400 Jahre später aber sei beim Zweiten Vatikanischen Konzil der Geist Luthers unsichtbar immer wieder präsent gewesen. Und heute? Dies war Lehmanns Schlusssatz: “Christentum und Kirche werden… in allen Epochen den Weg gehen, der ihnen aufgetragen ist. Dazu gehört auch der gemeinsame Weg der noch nicht vereinten, aber einander näher gekommenen Christen.” Langer Beifall.