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Frank Günther am 26.04.2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin

Shakespeare: Ein Untoter in der Staatsbibliothek

Shakespeare ist tot. Seit 400 Jahren. Seine Sprache, damals noch nicht standardisiert, ist fremd und den Alltag der elisabethanischen Zeitgenossen können wir in etwa so tief nachempfinden wie den von Marsmännchen. Dennoch ist Shakespeare allgegenwärtig, wird ständig neu adaptiert, vereinnahmt, verklärt und immer wieder als zeit- und grenzenlos deklariert. Er ist der kulturelle Beleg für eine anthropologische Konstante, die Menschen auf der ganzen Welt, über alle Zeitalter hinweg eint.

Den Shakespeare-Hype des Jubiläumsjahres nahm die Staatsbibliothek zu Berlin zum Anlass, um am 26. April 2016 die Wirkungsgeschichte des kosmopolitischen, majestätischen, allgegenwärtigen Riesen (frei nach dem amerikanischen Prediger William A. Quayle) einmal etwas gegen den Strich zu lesen. Die mit über 130 Gästen sehr gut besuchte Veranstaltung, die Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf mit einem Grußwort eröffnete, bot drei seltene alte Bücher, zwei wissenschaftliche Vorträge und eine philologische Performance.

Der Dietrich-Bonhoeffer-Saal war vollbesetzt (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Sabine Schülting, Professorin für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin und Herausgeberin des Shakespeare-Jahrbuchs, beleuchtete in ihrem Vortrag Shakespeare – der Untote? die internationale Bardolatrie, also die quasi-sakrale Verehrung Shakespeares. Sie diskutierte unter anderem die zahllosen Veranstaltungen der Reihe Shakespeare Lives, die unter der Federführung des British Council in diesem Jahr in rund 70 Ländern der Welt stattfinden. Ihr versöhnlicher Ausblick: Es lässt sich trotz aller inszenatorischer Überhöhung hinter den Mythos blicken und dort etwas vom Menschen Shakespeare erkennen.

Sabine Schülting

Sabine Schülting (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Ein materieller Ausdruck der frühen Shakespeare-Kanonisierung sind die Folio-Ausgaben von Shakespeares Werken, die in großformatigen Bänden in vier Auflagen zwischen 1623 und 1685 herausgegeben wurden. Von den vier Folianten konnten drei am Veranstaltungsabend ausgestellt werden. Eine Vitrine blieb leer. Durch die Auslagerung der Bücher im Zweiten Weltkrieg wurde der Bestand getrennt, der Second Folio befindet sich heute in Krakau. Andreas Wittenberg, Referatsleiter in der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, erläuterte die Folios und ihre Druck- und Provenienzgeschichte aus buchwissenschaftlicher Perspektive. Besondere Aufmerksamkeit richtete er auf ihre unterschiedlich verarbeiteten Einbände. Höchstpreise erzielt, wer heutzutage einen dieser seltenen Bände bei Sotheby’s versteigert, was angesichts der globalen Bardolatrie sicherlich wenig überraschend ist.

Andreas Wittenberg (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Wittenbergs Ausführungen über die typografisch verschiedenartig gestalteten Bände konnte das Publikum in einer kurzen Umbaupause an den nur selten ausgestellten Folianten nachvollziehen.

Nach der Pause verwandelte Frank Günther den Abend, der entschieden kultur- und buchwissenschaftlich begonnen hatte, in eine Bühnenshow, die von den Leiden und Höhenflügen eines Literaturübersetzers handelte, der es wagte, den Meister herauszufordern und sein Gesamtwerk komplett neu ins Deutsche zu übersetzen. Frank Günther schleppte einen Arztkoffer voll mit Wörterbüchern, kommentierten Shakespeare-Ausgaben und verschiedenen Übersetzungen auf die Bühne. In wenigen Minuten zog er mit diesen Requisiten das Publikum in den Bann. Er zeigte, wie fremd heute Shakespeares English selbst für Muttersprachler ist und wie schwierig die Übersetzung der Texte in eine andere Sprache. Günther hat es sich zur Aufgabe gemacht, all die Metaphern, Wortspiele und Zoten aus den Originaltexten ins Deutsche zu übertragen und sich dabei von August Wilhelm Schlegels romantischer Übersetzungsvorlage zu emanzipieren. Eine Mammutaufgabe, an deren Übermut er das Publikum teilhaben ließ. Frank Günther stampfte über die Bühne, blätterte wild in den verschiedenen Ausgaben und Wörterbüchern, raufte sich die Haare, verzweifelte, bis er endlich den einen Geistesblitz hatte, der nicht nur Inhalt und Metaphorik, sondern auch Klang und Versmaß des Originals berücksichtigt. Und nur die Anwesenden (und LeserInnen von Günthers Shakespeare-Übersetzungen) wissen nun, wie aus dem medlar tree (Mispelbaum), unter dem Romeo zum ersten Mal von Julia fantasierte, der Vögelbaum wurde.

Auf in den Lesegarten

Wie schon berichtet, ist der sanierte Lesegarten vor dem Haus Potsdamer Straße wieder zugänglich. Am Nachmittag des 3. Mai wurde er an die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf übergeben, und schon setzte sie sich als Erste in das frische Grün.

Die Eröffnung des Lesegartens setzte einen Schlusspunkt unter die sechs Jahre dauernde Bauwerksabdichtung, in deren Zuge rund um das Gebäude sämtliche Fundamente freigelegt und so abgedichtet wurden, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann. Mit dieser Baumaßnahme, die ein Jahr eher als geplant beendet wurde (!), ging der wunderbare Effekt einher, dass nunmehr alle Außenanlagen des denkmalgeschützten Hauses Potsdamer Straße saniert sind. Die Anlagen wurden nach den ursprünglichen Plänen aus dem Jahr 1971 wiederhergestellt, moderne Anforderungen – etwa eine Vielzahl von Fahrradständern einzurichten – wurden gleich mit berücksichtigt.

Die Wiederherstellung der Außenanlagen plante das in Hannover angesiedelten Büro Nagel Schonhoff + Partner. Das Besondere daran: Eben dieses, 1970 von Günter Nagel gegründete Büro hatte schon bei der Errichtung des Gebäudes in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Landschaftsarchitekten Hermann Mattern und in enger Zusammenarbeit mit dem Büro Hans Scharoun im Jahr 1971 die Gestaltungsvorgaben für die Außenanalagen entwickelt. Jetzt, 45 Jahre später, gab eben dieser herausragende Landschaftsarchitekt, Professor Günter Nagel, der Bibliothek wie auch dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das das gesamte Projekt „Bauwerksabdichtung“ verantwortete, die Ehre und war bei der Übergabe des Lesegartens anwesend. Dabei erläuterte er unter anderem seinen Wunsch, dass dieser schöne Ort nicht nur unseren Benutzern wertvoll sein möge, sondern dass er ebenso zu einer sicht- und erlebbaren Brücke zu den anderen Gebäuden und Plätzen des Kulturforums werden soll, die durch die mehrspurige Potsdamer Straße vom Areal der Staatsbibliothek leider allzu deutlich abgetrennt sind.

Aufhorchen ließen die Erklärungen Professor Nagels zur räumlichen Gestaltung der mehrfach abgewinkelten Sitzbänke: Mit ihren Formen zitieren die Bänke das Logo der Berliner Philharmonie, das drei ineiander verschachtelte Fünfecke zeigt. Dieses Logo wiederum symbolisiert den Grundriss des Philharmonie-Gebäudes, welches wie auch die Bibliothek einst von Hans Scharoun entworfenen worden war. Die hiesigen Sitzbänke formen eine Hälfte des Philharmonie-Logos nach und stellen so einen Rückbezug zu Scharouns Gesamtwerk am Kulturforum her – und wohl kaum zeigen sich in Berlin zwei so eng ‚verschwisterte‘ Gebäude wie diese Scharounschen Edelsteine der Architektur und der Kultur.

Armenian Manuscripts: Vortrag von Dickran Kouymjian am 14.3.

Vortrag am Montag, 14. März um 18.30 Uhr

Armenian Manuscripts: History, Structure and Scholarship

Dickran Kouymjian, California State University, Emeritus

Präsentation armenischer Handschriften

Anmeldung erbeten unter: orientabt@sbb.spk-berlin.de

Eintritt frei

Staatsbibliothek zu Berlin
Achtung Raumänderung: Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Der Simón-Bolívar-Saal ist nicht barrierefrei zugänglich. Bitte informieren Sie uns vorab, falls Sie Unterstützung benötigen: pr@sbb.spk-berlin.de

Anlässlich des Workshops „Scriptorium. Armenian Manuscript Studies“ vom 14. – 18.3.2016

Restaurierung einer Rechtsinkunabel finanziert von der International Association of Law Libraries

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist als Archivbibliothek gehalten, ihren seit 1661 aufgebauten Bestand zu bewahren und – dem Erhaltungszustand entsprechend – zu konservieren. Allerdings haben mangelhafte Papierqualitäten, Kriegsschäden, Tintenfraß und nicht zuletzt auch ihre teilweise sehr intensive Nutzung Spuren an so manchen Werken hinterlassen. Das von dem Verein der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin organisierte Buchpatenschaftsprogramm eröffnet bibliothekarischen und nichtbibliothekarischen Institutionen sowie der allgemeinen Öffentlichkeit die Möglichkeit, den Erhalt dieses einzigartigen kulturellen und wissenschaftlichen Erbes durch Finanzierung dringender Reparatur- und Restaurierungsarbeiten zu unterstützen.

In Anerkennung und als Dank für die Organisation ihrer im Herbst 2015 an der Staatsbibliothek zu Berlin durchgeführten Jahreskonferenz übernahm die International Association of Law Libraries (IALL) die Buchpatenschaft für die Restaurierung einer wertvollen Rechtsinkunabel. Es handelt sich dabei um den venezianischen Wiegendruck Corpus iuris civilis. Novellae etc . aus dem Jahre 1487 (Bibliothekssignatur 2° Inc 4218 (Sav 318), (GW07760), der aus der Bibliothek des berühmten Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861) stammt. Das so genannte „Volumen parvum“ bildete den letzten Teil der auf Anweisung Kaiser Justinians zusammengestellten Quellensammlung des Römischen Rechts, des „Corpus iuris civilis“. Es enthält eine Auswahl der „Novellen“ (kaiserliche Gesetze, die nach der Zusammenstellung des „Corpus Iuris Civilis“ erlassen wurden), einen Teil des „Codex Iustinianus“ (eine Sammlung der Kaisergesetze des 2. bis 6. Jahrhunderts) sowie einige weitere, z. T. erst aus dem Mittelalter stammende, Rechtstexte. Die vorliegende Ausgabe beinhaltet zudem den im Mittelalter maßgeblichen Kommentar des Accursius Florentinus (1182/85 – 1260/63), der aufgrund seines Umfangs üblicherweise als Klammerglosse um den eigentlichen Text gesetzt wurde.

Bei diesem Werk mussten der Halbledereinband mit Papierbezug erneuert, die erste und letzte Lage ausgebessert, wieder verheftet und auch Schäden im Buchblock ergänzt werden. Das dem restaurierten Band beigefügte „Exlibris“ auf der Innenseite des Buchdeckels lautet: „Restauriert mit einer Spende von der International Association of Law Libraries anlässlich der Jahreskonferenz in Berlin 2015“. Die Staatsbibliothek zu Berlin – namentlich ihre Handschriftenabteilung – sowie der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung danken der IALL für die großzügige Spende und geben das Werk wieder für die Benutzung frei.

 

Text: Ivo Vogel

Figurenparade an der Potsdamer Straße

Seit Anfang der Woche gibt es eine kleine „Outdoor-Ausstellung“ in der Nähe unseres Hauses am Kulturforum zu sehen: An der Ecke Potsdamer Straße/Eichhornstraße tanzen, angeln, lesen oder oder musizieren eine ganze Reihe Poller-Figürchen. Sehr sehenswert!

Figurenparade an der Potsdamer Straße

Den Hintergrund der kleinen Parade kennen wir ebenso wenig wie ihren Schöpfer bzw. ihre Schöpferin. Nur der geheimnisvolle Hinweis auf das französische Kinderlied „Le furet du bois joli“ könnte vielleicht weiterführen. Wir warten gespannt auf eine Auflösung…

„Weltreise“ geht auf Wanderschaft

Im Zentrum der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger in der Staatsbibliothek zu Berlin standen neben den Filmen Ulrike Ottingers die Tagebücher, Briefe und Zeichnungen Alexander von Humboldts, Reinhold Forsters und Adelbert von Chamissos.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Ulrike Ottinger folgte 2014 den Spuren Chamissos, der von 1815-1818 an der russischen Entdeckungsreise des Grafen Romanzoff teilnahm, in die Beringsee und die angrenzenden Regionen sowohl auf dem amerikanischen als auch dem asiatischen Kontinent. Von den Aleuten, Kamtschatka, Tschukotka, Alaska brachte sie beeindruckendes Filmmaterial mit zurück, aus dem vier Filme für die Ausstellung entstanden. Die Filme widmen sich den Themen: Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften.

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

Aus der Konfrontation der zeitgenössischen Filme mit einzigartigen historischen Handschriften aus der Staatsbibliothek und Objekten aus den Beständen des Ethnologischen Museums, des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums entsteht eine spannungsreiche Erzählung, die von den ersten Vorbereitungen einer Expeditionsreise bis zur Rückkehr der Reisenden reicht. Ihre Erkenntnisse, Eindrücke und Ideen spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

 

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ab März 2016 selbst auf Weltreise gehen. Dabei wird sie nie dieselbe sein, denn, so sieht es das Konzept vor, die Auswahl der Ausstellungsstücke übernimmt jede Station selbst; und damit auch die Erzählung, die im Rund der Vitrinen stattfinden wird. Einzig die vier Filme von Ulrike Ottinger sind eine Konstante, ebenso wie die Ausstellungsarchitektur, die einer Jurte nachempfunden ist. Beides wird mit auf Reisen gehen. Auf diese Weise verändert sich die Ausstellung von Ort zu Ort und kann der Dialog zwischen den Filmen und den Ausstellungsobjekten lebendig bleiben. Diese fortwährende Aktualisierung ist die treibende Kraft der Wanderausstellung, die an jedem Ausstellungsort auch einen neuen Titel tragen wird. Lediglich das Wort „Weltreise.“ ist fester Bestandteil des Titels.

Bei Interesse, die Ausstellung zu zeigen, wenden Sie sich bitte per Email an Dr. Jutta Weber: jutta.weber@sbb.spk-berlin.de

Dieser Blogbeitrag wird in Kürze mit allen notwendigen Informationen zur Wanderausstellung ergänzt. Bitte schauen Sie bei Interesse noch einmal hier vorbei.

Im Rahmen der Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin ist eine zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von Ulrike Ottinger und einem Ausstellungskatalog erschienen. Sollten Sie daran interessiert sein, die Publikation im Rahmen Ihrer Ausstellungspräsentation zu verkaufen, wenden Sie sich bitte an Herrn Björn Vogler: publikationen@sbb.spk-berlin.de

Grundriss des Ausstellungsbaus samt der Maßangaben (pdf): Weltreise_SBB_Abmessungen

Moskauer Bibliotheksdirektor Duda zum Kooperationsbesuch in Berlin

Der Generaldirektor der Allrussischen staatlichen M.I. Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur, Vadim Valerevič Duda, besuchte am 10. Februar 2016 die Staatsbibliothek zu Berlin und unterzeichnete gemeinsam mit der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, ein Memorandum über die weitere Zusammenarbeit der SBB-PK und der Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur. In einem ausführlichen und offenen Gespräch wurde wichtige Vereinbarungen für die inhaltliche Vorbereitung des 6. Treffens des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialoges erzielt, der am 23. und 24. Mai 2016 auf Einladung des Generaldirektors der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Prof. Dr. Thomas Bürger, in Dresden stattfinden wird. Es schlossen sich Fachgespräche mit dem Leiter der Osteuropa-Abteilung, Olaf Hamann, und dem Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung, Andreas Mälck, an. Besonderes Interesse zeigte Herr Duda an computergestützten Verfahren bei der Digitalisierung, der Präsentation der digitalen Bibliothek, an der benutzerorientierten Gestaltung des modernen Lesesaales im Haus Unter den Linden sowie an bibliothekarischen Geschäftsgängen und Fragen des internationalen Schriftentausches zwischen deutschen und russischen Bibliotheken.

Im SPK-Magazin zur Einheit: Die Freiheit, jedes Buch lesen zu können

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Günter Baron berichtet über die ‚wunderbar anarchische Zeit‘ in den Tagen nach dem Mauerfall in der Staatsbibliothek Peußischer Kulturbesitz Berlin, heute Haus Potsdamer Straße der vereinigten Staatsbibliothek.

Das SPK-Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


 

Günter Baron

Geboren 1938 in Neudeck in Schlesien

Von 1979–2001 Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin (West), ab 1992 der vereinigten Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Als die Wende kam, war zunächst einmal nur Überwältigung da. Und zwar eine allgemeine, eine politische Überwältigung: Dass auf einmal Realität wird, woran ich zwar geglaubt hatte, aber nicht, dass ich es selbst noch erleben würde! Am Tag nach der Maueröffnung ging ich abends von der Villa von der Heydt den Landwehrkanal entlang zur Staatsbibliothek und überholte ein Ehepaar. Die beiden machten den Eindruck, als hätten sie sich verirrt. Ich habe sie angesprochen und tatsächlich: Sie stammten aus Halle und waren mit ihrem kleinen Kind nach Berlin gekommen, um das Gefühl der Freiheit auf dem Kudamm zu erleben. Sie waren aber zunächst in einer Neuköllner Kneipe gelandet, hatten dort ihr Kind in Verwahrung gegeben und sind dann zu Fuß von Neukölln zum Kurfürsten-damm gelaufen und waren jetzt auf dem Rückweg. Ich habe sie mitgenommen bis zur Staatsbibliothek und dann sind wir in meinem Auto nach Neukölln gefahren, um ihr Kind abzuholen. Das war das erste persönliche Erlebnis: Leute kommen aus Halle nach Berlin, nur um einmal über den Kurfürstendamm zu spazieren!

Zwei, drei Tage später schon setzte der Ansturm in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße ein. Bis zu 300 Besucher „aus dem Osten“ standen morgens vor dem Haus. Wenn der Hausmeister um 9 Uhr die Eingangstüren öffnete, schallte der Ruf durch die große Eingangshalle: Achtung, sie kommen! Und dann trat er beiseite und das Volk stürmte herein. Wir mussten uns schnell über-legen, wie wir mit all diesen Menschen umgehen. Wir haben dann eine Extra-Erstauskunft in der Eingangshalle eingerichtet, um die immer wieder gestellten Fragen zu beantworten: „Wie kann ich die Bibliothek benutzen?“ „Darf ich denn hier einfach rein?“ „Kann ich jedes Buch bekommen?“ Das waren die Leute aus den Bibliotheken der DDR nicht gewohnt. Dieses Erlebnis, Selbstverständliches zu sagen, aus unserer Sicht Selbstverständliches, das war überwältigend: „Ja, Sie können hier einfach durchgehen.“ „Ja, Sie können in den Lesesaal gehen, da stehen 160.000 Bände aus allen Fachgebieten frei zugänglich aufgestellt.“ „Ja, Sie können an die Regale gehen und sich aussuchen, was Sie wollen.“ „Wenn Sie Bücher ausleihen wollen, können Sie sich da drüben eine Benutzerkarte ausstellen lassen; Ausleihbeschränkungen gibt es nur aus konservatorischen Gründen, dann bekommen Sie das Buch nur im Lesesaal ausgehändigt.“ Häufig war fast ungläubiges Staunen zu bemerken, dass die Einsicht in alle vorhandenen Bücher ohne spezielle „Berechtigung“ möglich war. Man hat da erst gemerkt, was Informationsfreiheit bedeutet. Ich habe an dieser Erstauskunftsstelle natürlich auch gesessen. Und auch der Generaldirektor Richard Landwehrmeyer. Nach telefonischer Absprache mit dem Präsidenten Professor Werner Knopp hatten wir das „Wohnsitzprinzip“ West-Berlin für die Buch-Ausleihe aufgehoben. Jeder, der einen Personalausweis vorlegte, egal ob aus dem Osten oder Westen, konnte Bücher ausleihen, und bis Ende Februar 1990 hatten wir 8.000 neu eingetragene Benutzer. Die ja nur vom Stiftungsrat zu beschließende Benutzungsordnung wurde erst viel später geändert: Es war eben in vielen Bereichen eine wunderbar anarchische Zeit.

An eine Wiedervereinigung mit der Deutschen Staatsbibliothek Unter den Linden haben wir zunächst gar nicht gedacht. Im Vordergrund stand die praktische bibliothekarische Zusammenarbeit und die kam auch sehr schnell und unbürokratisch in Gang. Dann haben wir Pläne für eine Konföderation der beiden Bibliotheken durch ein Verwaltungsabkommen gemacht. Doch nach und nach wurde immer deutlicher, dass es zu einer echten Wiedervereinigung der beiden Nachfolgeeinrichtungen der 1945 untergegangenen Preußischen Staatsbibliothek kommen würde, einer „Bibliothek in zwei Häusern“.

Wir waren in der Generaldirektion davon überzeugt: Damit wir schnell wirklich eine Bibliothek werden können, müssen wir die Mitarbeiterschaft mischen, um das kollegiale Miteinander zu erleichtern. Aber leider kam dann die Bestimmung, dass die Bezahlung unterschiedlich sein würde, daran scheiterte dieser Plan. Und dadurch verfestigte sich auch das Eigenbewusstsein der beiden Häuser wieder. Um die Konzeption für die „Bibliothek in zwei Häusern“ ist hart und insbesondere auf westlicher Seite sogar polemisch gerungen worden. Als es darum ging, die Bestände und Abteilungen zu vereinigen und historische Literatur von der Potsdamer Straße ins Haus Unter den Linden zu überführen, gab es von einigen Gruppen große Widerstände. Es gab Flugblätter gegen die Generaldirektion, aber letztendlich bestätigte der Stiftungsrat die Konzeption der Historischen Forschungsbibliothek Unter den Linden und der Modernen Forschungsbibliothek an der Potsdamer Straße. — AS

Ein vierblättriges Kleeblatt: unsere DFG-unterstützten Fachinformationsdienste

„Für Forschung und Kultur“! – Stehen Bach und Luther, deren Handschriften und Drucke wir im Dezember öffentlich präsentierten, mehr für die kulturelle Breitenarbeit, so dienen unsere neuen Fachinformationsdienste der anderen Seite unserer Staatsbibliotheksmedaille, nämlich der wissenschaftlichen Spitzenforschung. Es gilt, einen Kompletterfolg der Staatsbibliothek zu verzeichnen – denn zu den drei neuen Fachinformationsdiensten (FID) für Slawistik, Kartographie und Geobasisdaten und CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien gesellt sich ja der bereits vor zwei Jahren bewilligte FID Internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung und beschert uns ein vierblättriges Kleeblatt aus erfolgreichen FID-Anträgen. Betrachten wir die vier Fachinformationsdienste genauer!

 

Slawistik

Seit Januar 2016 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Auf- und Ausbau des Fachinformationsdienstes für die Slawistik (FID Slawistik) in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Ziel ist es, die Abstimmung und Kooperation mit den Slawistinnen und Slawisten zu intensivieren und deren Bedürfnisse für die Weiterentwicklung der Forschung in Deutschland auf eine dauerhaft verfügbare informationstechnische Basis zu stellen, die den Anforderungen einer zeitgemäßen Infrastruktur und Präsentation gerecht wird. Grundlagen dafür sollen die Weiterentwicklung der Sammlungen in der Staatsbibliothek zu Berlin, eine Vernetzung der in der SBB PK vorhandenen Sammlungen mit externen Informationsquellen über ein weiterentwickeltes Slavistik-Portal, der Ausbau der fachrelevanten bibliographischen Basis sowie des direkten Zugangs zu in- und ausländischen elektronischen Volltextangeboten mit einheitlicher Indexierung sein. Der FID Slawistik stellt eine Weiterentwicklung des bisherigen Sondersammelgebietes Slawistik dar.
Zu den Kernaufgaben gehört u.a. die Konsolidierung des Erwerbungsprofils für konventionelle und elektronische Veröffentlichungen zur Slawistik. Eine hohe Priorität wird der langfristig gesicherten Vorhaltung der Quellen an einem Ort beigemessen. Eine wachsende Rolle spielen elektronische Ressourcen, wie Datenbanken, E-Journals, E-Books und Digitalisate, die u.a. in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung elektronischer Ressourcen überregional zugänglich gemacht werden.
Das Slavistik-Portal soll als zentrale Stelle für bibliographische und digitale Informationen zur Slawistik ausgebaut und auf responsives Webdesign umgestellt werden. Auf Wunsch der Fachcommunity wird der Aufbau eines Dienstes DoD-Slawistik zur Digitalisierung fachbezogener Quellenliteratur aus urheberrechtsfreien deutschen Bibliotheksbeständen begonnen. Der Zusammenarbeit mit Fachinstituten in den slawischsprachigen Ländern wird wachsende Bedeutung beigemessen. Entsprechend hoch werden die Einbindung von Informationsangeboten der Slawistik-Institute in den slawischsprachigen Ländern und die Kooperation mit relevanten Institutionen in Westeuropa und Übersee bewertet.
Der Ausbau des FID Slawistik wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet.
Typische gedruckte Bücher, die im Rahmen des FID erworben werden, sind z.B.

  • Dolnoserbska romantika [Niedersorbische Romantik] / zestajał Fryco Libo. – 1. nakł. – Budyšin : Ludowe Nakł. Domowina, 2014. – 63 S. ; 20 cm (Serbska poezija ; 60). – Signatur: 3 A 215656
  • Parikova, N. B.: Proischoždenie i sostojanie umerennogo jakanʹja v tulʹskoj gruppe južnovelikorusskich govorov k seredine XX veka [Ursprung und Form der gemäßigten Jakan‘e in der Tulaer Gruppe der südgroßrussischen Mundarten in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Jakan‘e ist eine Form der Vokalreduktion] / N. B. Parikova. Sost., podgot. teksta i kommentarii: D. A. Romanov, N. A. Krasovskaja. – Tula : Tulʹskij Poligrafist, 2008. – 201 S. : Ill., Kt. ; 21 cm. + 4 Kt.-Beil. – Signatur: 3 A 201075

 

Kartographie und Geobasisdaten

Der Fachinformationsdienst Kartographie und Geobasisdaten richtet sich an Kartographinnen und Kartographen wie auch an Geoinformatikerinnen und Geoinformatiker, die topographisches und thematisches Kartenmaterial für ihre Forschungsarbeiten benötigen, versorgt sie mit vornehmlich open access verfügbarer Spezialliteratur, und bietet für eigene Veröffentlichungen ein Fachrepositorium an. Durch eine gezielte Erwerbung oft schwer zugänglicher Karten und Fachpublikationen in analoger und/oder digitaler Form, der verzerrungsfreien Digitalisierung von Karten, die auf einem Server zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden, dem Ausbau der etablierten Spezialverzeichnisse und der strukturierten Hilfe bei der Beschaffung von Geobasisdaten wird der Fachcommunity ein umfassender Service angeboten. Durch die Einrichtung eines Fachbeirates wird die bereits bestehende enge Verknüpfung mit der Fachcommunity intensiviert und es werden mittelfristige Perspektiven für die weitere Entwicklung des Fachinformationsdienstes bestimmt, die sich an der Neuausrichtung der Kartographie orientieren werden. Somit umfasst das fachliche Spektrum der Literatur- und Kartenversorgung für den Spitzenbedarf insbesondere auch Geoinformatik, GIS und Visualisierung. Kartographische Materialien und die Fachliteratur werden neben der Verzeichnung in den üblichen Nachweisinstrumenten auch in Spezialbibliographien erfasst, deren Suchhilfen eine schnelle Recherche ermöglichen.
Der Fachinformationsdienst basiert auf den ehemaligen Sondersammelgebieten Kartographisches Schrifttum und Topographische Karten sowie dem umfangreichen Bestand der Kartenabteilung von nahezu 1,2 Millionen Karten, 34.000 Atlanten und 36.500 Bänden Fachliteratur. Durch den Aufbau des Fachrepositoriums wird die bisherige Bibliographia Cartographica zu einem modernen Recherche- und Speichermedium weite entwickelt und die in der Datenbank Topoliste zusammengestellten topographischen Kartenwerke werden um für die Forschung relevante oder weiterführende Informationen angereichert. Der neu einzurichtende Service der Beschaffung von Geobasisdaten entlegener Gebiete fußt dabei auf den stabilen Kontakten zum hochspezialisierten Kartenhandel, wodurch der Fachinformationsdienst zu einer zentralen Anlaufstelle für die Fachcommunity reifen wird.

 

CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien

Ziel des für drei Jahre bewilligten Projekts CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien ist – in engem Austausch mit der Fachgemeinschaft – den Ausbau und den vertrauenswürdigen und verlässlichen Betrieb eines am wissenschaftlichen Spitzenbedarf orientierten fachspezifischen Informationsservices für die deutschen Asienwissenschaften sicherzustellen. Über die regionalspezifische Versorgung hinaus, soll eine disziplinenübergreifende Informationsinfrastruktur zu und über Asien etabliert werden, die eine Vorreiterrolle übernimmt und wichtige Impulse bei der Entwicklung, Lizenzierung und Bereitstellung von Werkzeugen für digitale Quellen gibt. Die bestehenden Sammlungen der beteiligten Projektpartner in Berlin und Heidelberg – u.a. hervorgegangen aus den zuvor von beiden Einrichtungen betreuten Sondersammelgebieten für die Bereiche Ost- und Südostasien und Südasien – sowie die in den letzten Jahren entwickelten und betriebenen Angebote sind hierfür der ideale Ausgangspunkt. Von dem Angebot des FID sollen insbesondere die inter- und transdisziplinär sowie regional und transregional ausgerichtete universitäre und außeruniversitäre Wissenschaft, Forschung und forschungsnahe Lehre profitieren.
Zielgruppe des Serviceangebots sind ausdrücklich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen, die sich in der einen oder anderen Form mit der Region Asien beschäftigen. So werden u.a. die bislang im SSG-System bestehenden fachlichen Abgrenzungen mit dem FID neu geregelt. Verschiedene Kooperationen sind geplant: Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) wird es ermöglichen, den Bereich Wirtschaft für die Ostasien- und Südostasienwissenschaften in den CrossAsia-Service zu integrieren. Für die Bereiche Technik und Naturwissenschaften wird es eine Kooperation mit der TIB in Hannover im Bereich Metadaten geben.

Inhaltlich wird sich die Arbeit des FID auf die folgenden Felder konzentrieren:

Profilierter Bestandsaufbau
Der zukünftige Bestandsaufbau (gedruckt und elektronisch) ist abgestimmt auf inter- und transdisziplinäre sowie transregionale Fragestellungen in Bezug auf Asien. Prinzipiell wird ein elektronisches Dokument gegenüber einem gedruckten bevorzugt erworben werden und im Online-Zugriff angeboten. Die Sammlungen in Berlin und Heidelberg bilden die Grundlage für alle weiteren (Forschungs-)Services (inkl. Digitalisierung) im Bereich von CrossAsia und damit für alle sich daraus ableitenden Angebote.

Elektronisches Publizieren im Open Access – CrossAsia-E-Publishing
Ziel ist es, basierend auf den Erfahrungen und der technischen Infrastruktur der UB Heidelberg, CrossAsia um eine Plattform zum elektronischen Publizieren im Bereich Open Access zu erweitern. Dies umfasst u.a. auch die Transformation bislang gedruckter Zeitschriften bzw. fortlaufender Sammelwerke in elektronische Open Access Zeitschriften sowie die Veröffentlichung von E-Books.

Optimierung der Informationsservices
Die CrossAsia-Suche soll kontinuierlich um neue Suchräume erweitert werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, den Bereich der Suchmöglichkeiten und die Qualität Ergebnisanzeige weiter zu optimieren. Neu hinzukommen wird ein Modul mit dessen Hilfe Nutzerinnen und Nutzer den Bestandsaufbau selbst steuern können (PDA – Patron Driven Acquisition).

Aufbau einer Infrastruktur für Meta- und Volltextdaten
Im SSG-Kontext wurden für CrossAsia bereits Volltextdatenbanken lizenziert, für die die Staatsbibliothek in großem Umfang sowohl Metadaten als auch (teilweise) Volltext-Hostingrechte eingeräumt bekommen hat. Während sich CrossAsia bislang auf Endnutzer bezogene direkte Dienstleistungen (Blauer Leihverkehr, Suche, Zugriff auf Datenbankinhalte, Kommunikation usw.) konzentriert hat, ist es jetzt das Ziel, eine Basisinfrastruktur, die die Verwaltung von Meta- und Volltextdaten für Mehrwertdienste ermöglicht, exemplarisch auch für andere zukünftige FID zu konzipieren, zu entwickeln und zu betreiben.

 

Internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung

Der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID Recht) löst das Sondersammelgebiet Recht ab. Im nationalen System der Fachinformationsdienste für die Wissenschaft hat er die Funktion, die juristischen Forschungsaktivitäten an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen in Deutschland mit nachfrageorientierten Informationsdienstleistungen zu unterstützen. Zu seinen zentralen Aufgaben gehört eine strikt nachfrageorientierte Ausrichtung des Bestandsaufbaus auf den aktuellen Literaturbedarf der Forschenden. Der FID Recht hat die folgenden drei strategische Profilierungsbereiche identifiziert: Informationsversorgung, Forschungsunterstützung und Retrodigitalisierung. Diese Handlungsfelder werden in der ersten Projektphase (2014–2017) mit einem Bündel von modularen Serviceangeboten adressiert, die sämtlich über die Virtuelle Fachbibliothek Recht zu erreichen sind.
Die Erwerbungsaktivitäten werden auf hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Publikationen zu internationalen und interdisziplinären Forschungsthemen unter Bevorzugung von Veröffentlichungen in deutscher bzw. englischer Sprache fokussiert. Prioritär berücksichtigt werden Neuerscheinungen aus dem Kanon der juristischen Grundlagenfächer, zu einzelnen Rechtsgebieten mit internationalem Bezug, zu nationalen Rechtsfragen mit Bezügen zu internationalem Recht und Europarecht sowie zu interdisziplinären Grenzbereichen der Rechtswissenschaft.
Die Virtuelle Fachbibliothek Recht (www.vifa-recht.de) ist die zentrale Serviceplattform des FID Recht. Sie bietet u.a. materialspezifische Rechercheinstrumente sowie mit dem International Discovery Service die erste disziplinäre Suchmaschine für rechtswissenschaftliche Forschungsliteratur. Diese Suchmaschine ermöglicht die Recherche in den gedruckten Literaturbeständen der Staatsbibliothek zu Berlin sowie den digitalen Inhalten einer Vielzahl von Datenbanken, elektronischen Zeitschriften und Volltext-Repositorien.
Den rechtswissenschaftlichen Professuren an deutschen Universitäten und Hochschulen wird exklusiv ein zugangsbeschränkter personalisierter Direktlieferdienst von Buchbeständen der Staatsbibliothek zu Berlin geschaffen. Zur Unterstützung juristischer Forschungsvorhaben werden über diesen Dienst Titel aus allen Wissensgebieten zur Verfügung gestellt, so sie den Forschenden nicht vor Ort zugänglich sind. Perspektivisch soll das entstehende Servicenetzwerk zu einem nachfrageorientierten überregionalen Lizenzraum für elektronische Fachinformationsressourcen ausgebaut werden.
Als Serviceangebot zur kostenfreien On-Demand-Digitalisierung von gemeinfreien Texten aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin unterstützt <intR>²DoD die Anbahnung und Durchführung rechtshistorischer Forschungsprojekte. Dieser Service kann von dem wissenschaftlichen Personal universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland abgerufen werden. In Übereinstimmung mit der Open-Access-Politik der DFG werden alle im Rahmen von <intR>²DoD erzeugten Digitalisate über das Portal Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin frei zugänglich gemacht.
Als erstes juristisches Fachrepositorium in Deutschland schafft <intR>²Dok dem wissenschaftlichen Personal universitärer sowie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen eine Plattform zur Open-Access-Veröffentlichung qualitätsgesicherter Originalbeiträge oder zuvor bereits an anderer Stelle erschienener Zweitveröffentlichungen. <intR>²Dok versteht sich als Beitrag des FID Rechtzur Beförderung des Open-Access-Publikationsmodells. Dieses hat einen positiven Einfluss auf die internationale Sichtbarkeit, Rezeption und Zitierhäufigkeit gerade auch von juristischen Veröffentlichungen und wird zudem von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen empfohlen.

„Es war, als hätt‘ der Himmel/ Die Erde still geküßt“ – Eichendorffs „Mondnacht“-Gedicht jetzt als Faksimile

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt in ihrer Handschriftenabteilung einen bedeutenden Teil des Nachlasses des oberschlesischen Dichters Joseph von Eichendorff (1788 – 1856). Aus den Berliner Eichendorff-Autographen ragt die einzige bekannte und überlieferte eigenhändige Niederschrift des Gedichts „Mondnacht“ als besonderes Juwel heraus. Das um 1835 entstandene Blatt mit der Gedichthandschrift wurde jüngst, versehen mit einem Kommentar, als zehntes Stück in der Schriftenreihe „Berliner Faksimile“ der Staatsbibliothek sehr originalgetreu faksimiliert.
Erhältlich ist es auf dem Postweg für 5 € zuzüglich Versandkosten; Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Vogler via publikationen@sbb.spk-berlin.de