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etahoffmann.net – Das E.T.A. Hoffmann Portal ist mit einer BETA-Version online!

Endlich ist es soweit – wir sind mit einer BETA-Version online! Nach gut einem Projektjahr präsentieren wir Ihnen heute, pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum von Hoffmanns vielleicht bekanntestem Werk “Nussknacker und Mausekönig” und als kleines vorweihnachtliches Geschenk, einen ersten (und wie wir meinen durchaus vorzeigbaren) Stand des E.T.A. Hoffmann Portals. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist, bekommen Sie mit dieser Version schon einen breiten Einblick in die neue digitale Welt rund um E.T.A. Hoffmann.

Mit dem Portal hat die Staatsbibliothek zu Berlin – zusammen mit ihren Projektpartnern Staatsbibliothek Bamberg und E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft – ein bisher einzigartiges Angebot geschaffen: neben der Präsentation von digitalisierten Quellen, die in den beiden Staatsbibliotheken Berlin und Bamberg sowie vereinzelt auch in anderen Institutionen liegen, und der Möglichkeit einer übergreifenden Suche über unterschiedliche Kataloge, Datenbanken und Bibliographien hinweg, wird ein großes Spektrum an Themen zu E.T.A. Hoffmann und seinem Umfeld unter dem Motto Hoffmann Wissen für breite Zielgruppen aufbereitet. Das Angebot richtet sich sowohl an Forschende als auch an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Interessierte.

Hoffmann Wissen

Im Kosmos Hoffmann Wissen finden Sie aktuell bereits Fachbeiträge von 40 Forscherinnen und Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen und aus Einrichtungen weltweit. Gegliedert in drei zentrale Portalbereiche (Leben und Werk, Hoffmann Erforschen und Hoffmann Unterrichten) beleuchten die Beiträge in mehr als 200 Themenschwerpunkten Hoffmanns Leben und Wirken auf vielfältige Weise. Hier finden Sie einführende Beiträge ebenso wie tiefergehende Texte, so dass für Hoffmann-“Anfänger” und selbst für “alte Hasen” etwas dabei ist. Sukzessive werden die Beiträge um weitere Artikel ergänzt. Dem Format des Webportals entsprechend sind die Texte strukturiert in kurze Kapitel und werden ergänzt durch passendes Bild- und Quellenmaterial, weiterführende Informationen in Infoboxen, Marginalspalten und Ausklappfelder sowie durch Querverweise innerhalb des Portals und externe Lektüretipps, die über Verlinkungen direkt ansteuerbar sind. So können die Nutzerinnen und Nutzer selbst wählen, wie tief sie in ein Thema einsteigen möchten. Selbstverständlich können Sie im Kosmos Hoffmann Wissen auch schon jetzt an verschiedenen Stellen Informationen zu unserem heutigen Geburtstagskind “Nussknacker und Mausekönig” finden.

Interaktive Elemente

Im Bereich Leben und Werk bietet das Portal eine interaktive Karte des Kunz’schen Risses an, einer Federzeichnung Hoffmanns, in der er das Geschehen am Berliner Gendarmenmarkt darstellt. Die Nutzerinnen und Nutzer können einzelne Bereiche der Karte mit der Maus ansteuern und erhalten vergrößerte Ausschnitte mit Erläuterungen zum Dargestellten. In Planung befinden sich zudem ein interaktiver Zeitstrahl zu Hoffmanns Biografie und Werk, virtuelle Stadtrundgänge, eine Netzwerkvisualisierung seiner Bekanntschaften und eine Raum-Zeit-Darstellung zur Rezeptionsanalyse. Lehrerinnen und Lehrer können aktuell aus zwei kompletten Lehreinheiten für den Unterricht wählen und finden Materialien und Anregungen für die individuelle Unterrichtsgestaltung. Weitere eLearning-Module folgen.

Interaktiver Kunz'scher Riss

Hoffmann Suche

Hoffmann finden, ohne Hoffmann zu suchen – das bietet Ihnen die datenbankübergreifende Metasuche nach Hoffmanniana. Zu “Nussknacker und Mausekönig” finden Sie hier beispielsweise zahlreiche Hinweise zu aktueller Forschungsliteratur aus den beiden Katalogen der Staatsbibliotheken in Berlin und Bamberg. Wenn Sie direkt bequem von zu Hause aus schon in die Lektüre einsteigen wollen, bietet Ihnen die Quelle BASE, die ebenfalls eingebunden wurde, Zugang zu sämtlichen Texten, die im Open Access verfügbar sind. Das Besondere an der Suche ist, dass Sie nicht noch “E.T.A. Hoffmann” als Suchbegriff eingeben müssen: stattdessen können Sie direkt in die Detailsuche einsteigen, da jede Quelle mit einem Suchraum “E.T.A. Hoffmann” versehen wurde. Im rechten Bereich finden Sie zusätzliche externe Quellen (hier insbesondere die Hoffmann-Bibliographie) und selbstverständlich können Sie schon jetzt Ihre Ergebnisse ins Literaturverwaltungsprogramm Zotero laden. Stück für Stück ergänzen wir noch weitere Datenbanken und Kataloge wie z.B. den freien Teil der BDSL (Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft), optimieren die Detailansicht und Exportfunktionen.

Hoffmann Suche

Hoffmann digital

In aktuell zehn verschiedenen Kollektionen haben wir Ihnen in Hoffmann digital digitalisierte Originalmaterialien von und zu E.T.A. Hoffmann zusammengestellt – ja, natürlich finden Sie hier auch eine herrlich illustrierte Ausgabe von “Nussknacker und Mäusekönig”. Daneben gibt es Autographe, Musikalien, Zeichnungen und vieles mehr zu entdecken. Wenn Sie ein Detail in einer Illustration interessiert, zoomen Sie es einfach heran und nehmen es genau unter die Lupe. Ihre ganz individuellen Highlights können Sie in einer Merkliste speichern und zur weiteren Verwendung exportieren. Momentan finden Sie eine erste Auswahl an Originalquellen online, weitere Digitalisate werden nach und nach ergänzt.

Navigation und Orientierung

Ein Farbleitsystem macht es den Nutzerinnen und Nutzern besonders leicht, sich im Portal zu orientieren. Jedem der fünf großen Bereiche Leben und Werk, Erforschen, Unterrichten, Suche und Hoffmann digital ist jeweils eine Leitfarbe zugewiesen, die auf allen Seiten dieses Bereichs zu finden ist. Das Hauptmenü erlaubt zudem auf einen Blick die Übersicht über die Inhalte von jeweils zwei Vertiefungsebenen. So sieht man beispielsweise nicht nur die Unterseiten des Bereichs Leben und Werk, sondern auch die Unterseiten der Seite Der Jurist, die sich im Bereich Leben und Werk befindet.Beitrag aus Erforschen

200 Jahre “Nussknacker und Mausekönig”

Heute vor genau 200 Jahren hielt E.T.A. Hoffmann in Berlin die frisch gedruckten Exemplare seiner “Kinder-Mährchen” in den Händen, die im ersten Band auch den “Nussknacker und Mausekönig” enthalten. Pünktlich zu Weihnachten konnten so seine Märchen für Kinder noch von Georg Reimer vertrieben werden. Und 200 Jahre später bieten wir Ihnen mit dem E.T.A. Hoffmann Portal ein neues Universum an, in dem Sie über den Nussknacker, aber auch über zig andere Facetten aus dem Leben und Wirken des Universalgenies Hoffmann recherchieren können.

“Nussknacker und Mausekönig” gehört mit zu den weltweit am meisten rezipierten Werken E.T.A. Hoffmanns. Dazu beigetragen hat insbesondere Tschaikowskis berühmtes Ballett “Der Nussknacker”, das ursprünglich auf die Geschichte von E.T.A. Hoffmann zurückgeht. Darüber hinaus ist “Nussknacker und Mausekönig” auch das am meisten illustrierte Werk Hoffmanns. Besonders bedeutsam sind hier die Illustrationen von Peter Carl Geissler, die sie auch im Beitragsbild bewundern können.

Wir hoffen, dass Ihnen unser kleines vorweihnachtliches Geschenk genau so viel Freue bereiten wird wie uns und sind gespannt auf Ihre Hinweise, Anregungen und Verbesserungsvorschläge: E.T.A.-Hoffmann-Archiv@sbb.spk-berlin.de

Nun viel Spaß beim Stöbern wünscht das Projektteam: Ursula Jäcker, Indra Heinrich, Christina Schmitz, Maren Gnehr und Angela Oehler.

etahoffmann.net

Werkstattgespräch zum wissenschaftlichen Layout um 1500 am 10.1.

Wissenswerkstatt
Wissenschaftliches Layout um 1500
Werkstattgespräch mit Dr. Oliver Duntze, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dienstag 10. Januar 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts zieht im Bereich der Buchgestaltung deutliche Änderungen nach sich. Insbesondere für das Layout komplexer Textsynopsen, z.B. bei kommentierten Ausgaben literarischer oder religiöser Texte oder im Bereich des wissenschaftlichen Buches, musste dem neuen Medium und seinen technischen Möglichkeiten und Limitierungen angepasst werden. Der Vortrag soll anhand ausgewählter Beispiele zeigen, in welcher Weise zunächst handschriftliche Modelle mehr oder minder erfolgreich im Buchdruck imitiert wurden, sich aber um die Wende zum 16. Jahrhundert zunehmend eine eigene makrotypographische Formsprache für die Gestaltung komplexer wissenschaftlicher Texte ausbildet.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Die erste Koch-Show in den Niederlanden? Die Glaubensküche oder der Reformationsschmaus

Das zur Toleranz mahnende Flugblatt “Cucina opiniorum” in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“.

Ein Beitrag von Christiane Caemmerer.

Porträt Dirk Volkertszoon Coornhert, Kupferstich/Radierung von Philibert Bouttats,um 1700. Handschriftenabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Porträt Dirk Volkertszoon Coornhert, Kupferstich/Radierung von Philibert Bouttats,um 1700. Handschriftenabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Dieser fast wie ein Comicstrip gestaltete Kupferstich mit graviertem Text entstand anonym (ca. 1570 bis 1600) und geht auf eine niederländische Vorlage zurück. Zu dieser Zeit war die Vormachtstellung der katholischen Kirche dort bereits gebrochen, die protestantischen Konfessionen der Calvinisten und Lutheraner hatten sich ausdifferenziert, ja, es entwickelten sich ständig neue Glaubensrichtungen und Vorstellungen. Jeder glaubte, was er glaubte, glauben zu wollen.

So suggeriert es zumindest dieses Blatt, das auf eine Vorlage des Niederländers Dirk Volkertszoon Coornhert (1522-1590) zurückgeht. Coornhert war Schriftsteller, Sprachpurist, Jurist, Politiker, Theologe, Musiker und Kupferstecher, lebte mal in den Niederlanden, mal in Deutschland und setzte sich als Katholik mit dem Katholizismus ebenso auseinander wie mit dem Calvinismus. Er lehnte die Vorstellung der Erbsünde ebenso ab wie die der Prädestination, trat für eine Kirche ein, die nicht auf die Konfessionen festgelegt sein sollte, und war einer der führenden Vertreter der Toleranzidee in den Niederlanden.

Calvin, Luther, Papst und Wiedertäufer (Ausschnitte aus "Culina opiniorum"). Lizenz: CC-BY-NC-SA

Calvin, Luther, Papst und Wiedertäufer (Ausschnitte aus “Cucina opiniorum”). Lizenz: CC-BY-NC-SA

Zur Toleranz mahnt auch das Geschehen in der auf dem Kupferstich abgebildeten Küche. Die Vertreter der unterschiedlichen konfessionellen Gruppen essen jeder sein eigenes Süppchen:

  • Calvin schneidet einen Kalbsbraten und schmeckt ihn mit Orangen ab: „Dit Calf fyn istt zu essen mit safft von Orangen“. Genau so hatte sich der Calvinismus in den Niederlanden mit dem Haus Oranje verbunden.
  • Luther spielt die Laute – „Ick slac den Luyt teer“ – und beschließt mal vom Gebratenen zu kosten und mal von dem Brei, den der Papst neben ihm mit langen Zähnen isst. „Ay die Pap ist vergifft und so bitter als Gall.“ Der Brei ist bitter, denn in ihm wurden nur die äußeren Schalen, nicht die Kerne, verkocht und die Süße der „Romaney“-Sauce fehlt ganz. Das bemäkeln auch die Katzen, die dem Papst auf der Schulter sitzen. Im Niederländischen heißt diese Stelle: „Waerom dees Catten lieken niet als sy plagen“ und weist damit auf die Widerständigkeit der Katholiken (Catten lieken) hin.
  • Der Wiedertäufer leckt auch lieber die Pfanne mit Bratensaft aus als vom Brei des Papstes zu kosten und weiß, dass er dies nur so ruhig machen kann, so lange die Köchin Vernunft/Ratio die Mahlzeiten zubereitet. Er will genießen, ohne sich die Finger nass zu machen, d.h. sich auf die Auseinandersetzungen einzulassen.
  • Auf dem Kaminsims sitzen die Vertreter der religiösen Toleranz um Charitas als Repräsentantin der Mitmenschlichkeit. Die Magd Eintracht/Concordia hat einen Hirsch gebracht, der als niederländischer „hert“ mit dem niederländischen „hart“, dem Herzen, zusammen gedacht werden kann. In ihrer Rede wird auch der Initiator des Blattes in einem Wortspiel verraten: „koer“ und „hertz“. Im Niederländischen: „koer […] hert“ wird allgemein als Anspielung auf Coornhert gelesen. Die Köchin Vernunft gibt ihren Gästen diätetische Ratschläge, was die Bekömmlichkeit der Speisen angeht. Sie hat als Personifikation der Redlichkeit und Bescheidenheit den vorigen Koch abgelöst, der wie ein Tyrann nur römisch-katholisch gekocht hat.

Der deutsche Text lässt deutlich die niederländische Vorlage erkennen, dennoch sind die meisten Wortspiele, auf denen das Blatt aufbaut, ganz gut zu verstehen. Allerdings fehlt bei unserem Blatt die Erklärung des deutschen Übersetzers, die andere Ausgaben des Blattes haben. Dieser führt die Wortspiele auf das Niederländische zurück und erklärt sie. Es gibt noch weitere Druckvarianten des Blattes. So sind zum einen das niederländische Blatt aus dem Rijksmuseum, das unter dem Titel: „De Rede maant de kerken tot verdraagzaamheid“ im selben Zeitraum erschienen ist, und zum anderen das ebenfalls niederländische Blatt mit französischer Zusammenfassung der Kunstsammlungen der Feste Coburg „seitenverkehrt“ in ihrer Darstellung. Sie beginnen von links nach rechts gelesen mit dem Brei essenden Papst und halten somit die Chronologie der reformatorischen Bewegungen ein, während das Blatt der Staatsbibliothek mit dem Calvinismus beginnt und das Geschehen in der niederländischen Glaubensküche von der Gegenwart aus betrachtet. Im Mittelpunkt aber steht immer die Idee der religiösen Toleranz, wie sie Dirk Volkertszoon Coornhert in seinen Bildern, Schauspielen Dialogen und öffentlichen Disputationen vertrat.

Vom 3.2. bis 2.4.2017 können Sie dieses und viele weitere Objekte zur reformationszeitlichen Propaganda, aber auch moderne Comicstrips selbst bei uns in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

Culina opiniorum, Kupferstich nach Dirk Volkertszoon Coornhert. Handschriftenabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Cucina opiniorum, Kupferstich nach Dirk Volkertszoon Coornhert. Handschriftenabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA