Unsere Beiträge zu den Wissenschaften und Forschung

Projekt E.T.A. Hoffmann-Portal gestartet

Pünktlich zum 1. Oktober 2015 fiel an der Staatsbibliothek zu Berlin der Startschuss für ein einjähriges Projekt zum Aufbau eines Personenportals zu der romantischen Künstlerpersönlichkeit E.T.A. Hoffmann, das neue Wege in der zielgruppenorientierten Sammlungsvermittlung einschlägt.

Das Portal wird einen Zugang zu zahlreichen, teils einzigartigen Werken von und zu Hoffmann bieten. Neben der Präsentation der umfangreichen Hoffmann-Sammlungen der SBB und der Staatsbibliothek Bamberg auf einer eigenständigen Plattform wird das Portal durch unterschiedliche Module und thematische Einstiege verschiedenen Interessensgruppen jeweils individuelle Zugänge bieten. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer multimedialen Webseite, mit der die Vielseitigkeit E.T.A. Hoffmanns als Schriftsteller, Musiker, Zeichner und Jurist vermittelt wird. Neue Angebote zur Recherche und Präsentation der sehr heterogenen Hoffmanniana – bestehend aus Briefen, Texten, Zeichnungen, Skizzen, Musikalien, Bildern und juristischen Unterlagen – sollen das Portal zu einem innovativen Beispiel für einen vielfältigen Themeneinstieg für Forschung, Lehre und Bildung machen.

Mit dem Personenportal baut die Staatsbibliothek zu Berlin ihrem E.T.A. Hoffmann-Archiv ein neues Haus. Als virtuelle Einrichtung der SBB ist das Archiv seit dem Jahr 2000 das gemeinsame Eintrittstor zu den unterschiedlichen Materialien über und von Hoffmann, die in verschiedenen Abteilungen der Bibliothek betreut werden. Das Archiv profitiert wesentlich durch den großzügigen Nachlass der Hoffmann-Kennerin Dr. Christa Karoli, die der SBB einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens sowie ihre umfangreiche Hoffmann-Sammlung vermachte – mit der Maßgabe, ein “Archiv E.T.A. Hoffmann” einzurichten. Das neue Portal wird diesem und den wertvollen Beständen der Staatsbibliotheken in Berlin und Bamberg nun ein unverwechselbares Gesicht geben.

Projektleiterin ist Ursula Jäcker, Leiterin des E.T.A. Hoffmann-Archivs und Fachreferentin für Germanistik an der SBB. Über SBB aktuell informieren wir Sie regelmäßig mit Blogbeiträgen über den Fortschritt des Projekts. Informationen über das Archiv und zu den Beständen erhalten Sie bis zum Launch des Portals über die bisherige Webseite des E.T.A. Hoffmann-Archivs und per E-Mail an E.T.A.-Hoffmann-Archiv@sbb.spk-Berlin.de.

Zum 500. Geburtstag Cranachs des Jüngeren

Heute vor 500 Jahren wurde in Wittenberg einer der bedeutendsten Maler der Renaissance geboren: Am 4. Oktober 1515 kam Lucas Cranach der Jüngere auf die Welt. Martin Luther sollte wenige Jahre später seine Thesen veröffentlichen, die noch junge Wittenberger Universität zu einem Zentrum humanistischer Gelehrsamkeit avancieren. Zahlreiche Studenten strömten in die Vorlesungen Melanchthons und lernten die griechische Grammatik. Fürsten und Gelehrte diskutierten über antike Autoren und biblische Schriften.

Die Bilder Cranachs des Jüngeren stellen diese Welt vor Augen. Sie behandeln die Themen der Reformationszeit und lassen dabei die Gesichtszüge zeitgenössischer Gelehrter lebendig werden. In einer vierbändigen Bibel, die 1561 in Wittenberg gedruckt wurde, stellt Cranach sogar einen Gelehrten mit seiner Familie dar: In Form von Miniaturportraits, die auf Vorsatzblättern in die verschiedenen Bände eingefügt sind, werden – neben Martin Luther (Bd. 1) – der thüringisch-sächsische Edelmann Nikolaus von Ebeleben (Bd. 2), dessen Frau (Bd. 3) sowie drei seiner Kinder (Bd. 4) vorgestellt.

In der Staatsbibliothek zu Berlin werden die Bände heute aufbewahrt. Sie tragen die Signatur: Libr. in membr. impr. 12-15. Nähere Informationen zu ihnen finden sich in: Jutta Fliege, Die Bibel des Nikolaus von Ebeleben im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. In: Mitteilungen / Staatsbibliothek zu Berlin, Preussischer Kulturbesitz N.F. – 7.1998, S. 261-295.

 

Entmystifizierung des Herzens

Die World Heart Federation hat in diesen Tagen daran erinnert, welche Aufgabe tagtäglich unserem Herzen zukommt: Indem es das Blut durch den Körper pumpt, stellt es die sauer- und nährstoffliche Versorgung der Organe sicher. Die physiologische Bedeutung, die dem Herzen damit zuerkannt ist, war jedoch lange unbekannt. Bis ins 17. Jahrhundert hinein nahm man in Westeuropa an, dass die Aufgabe des Herzens in der Veredelung des Blutes liege. In Anknüpfung an Vorstellungen des einflussreichen griechischen Arztes Galen (129–ca. 216) ging man davon aus, dass das Blut von der rechten in die linke Herzkammer fließe und dabei mit Lebensgeistern angereichert werde. Derart aufbereitet, versorge es den Körper mit Lebenskraft und werde von ihm verbraucht.

Hinterfragt wird diese Vorstellung bei uns erst ungefähr 1400 Jahre später – durch eine Abhandlung William Harveys (1578–1657). In seiner Schrift über die „Bewegung des Herzens und des Blutes“ („Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus“) bringt der englische Arzt seine Zweifel zum Ausdruck: Er sei sich „nicht ganz sicher“, ob die überlieferten Thesen, an die seine Kollegen anknüpften, tatsächlich zuträfen. „Sinn und Nutzen der Herzbewegung“ will er daher „nicht aus Büchern und den Schriften anderer“ ergründen, sondern „durch eigenes Sehen“. Will heißen: durch den Eingriff in lebende Organismen. Harvey fixiert Kalt- und Warmblütler auf einen Tisch, öffnet ihnen den Brustkorb und perforiert ihre Schlagadern. Was er dabei wahrnimmt und mit viel Aufmerksamkeit beobachtet, ist das Pulsieren der Blutgefäße.

Zu den Vorstellungen Galens stand diese Beobachtung im Widerspruch: Das Herz saugt das Blut nicht an. Es pumpt es in die Arterien, und zwar in rauhen Mengen. Bei dem Versuch, sie grob zu überschlagen, kommt Harvey auf ein Volumen, das viel zu umfangreich ist, um vom Körper verbraucht zu werden. Statt an einen schrittweisen Verzehr des Blutes sei daher an einen Kreislauf zu denken. Man müsse, so Harvey, „notwendigerweise schließen“, dass sich das Blut „bei Lebewesen in einem Kreise“ bewege, und dass dies „die Tätigkeit bzw. Betätigung des Herzens [sei], die es mittels seines Pulses zustande bringt“.

Für Harveys Zeitgenossen war diese Schlussfolgerung schwer nachzuvollziehen. Sie kam ihnen einer Entmystifizierung des Herzens gleich. Selbst Fachkollegen reagierten ungläubig. Sollte das Herz tatsächlich nur eine Pumpe sein? Der einstige Sitz der Seele nicht mehr als ein Muskel? Weitere Beobachtungen schienen diese These zu bekräftigen. Bevor sie sich erhärten konnte, sollten jedoch noch mehrere Jahrzehnte vergehen.

Über die Sammlungen der Staatsbibliothek lassen sich die Etappen der Herzforschung erschließen. So können neben historischen Schriften u.a. von William Harvey (im Haus Unter den Linden) auch jüngere Beiträge zur kardiologischen Forschung (im Haus Potsdamer Straße) online oder vor Ort bestellt und eingesehen werden. Einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Titel verschafft der StaBiKat bzw. der StaBiKat+.