Johann Sebastian Bachs Autograph zum Reformationsfest 1725

Unser Highlight zur Kirchenmusik in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“

Ein Beitrag von Roland Schmidt-Hensel

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist im kollektiven Bewusstsein als die „in Musik gegossene Stimme des Luthertums“ fest verankert. In der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“ vom 3.2. bis zum 2.4.2017 präsentieren wir an prominenter Stelle des Themenbereichs Kirchenmusik eine eigenhändige Komposition Bachs.

Bachs Schaffen bildet den Kulminationspunkt einer Entwicklungslinie lutherischer Kirchenmusik, die schon bald nach Luthers Thesenanschlag ihren Ausgang genommen hatte. Seit Mitte der 1520er Jahre beschäftigte sich der Reformator intensiv mit der Neuorganisation städtischer Schulen und der ihnen zugeordneten Kantoreien, die in den folgenden Jahrhunderten zu wichtigen Trägern der lutherischen Kirchenmusik werden sollten. Als „Urkantor“ gilt Luthers musikalischer Berater Johann Walter, der 1526 in Torgau eine Stadtkantorei begründete und wenige Jahre später zum Lehrer und Kantor am dortigen Gymnasium berufen wurde.

Wie Walter, so war auch Johann Sebastian Bach während seiner von 1723 bis zu seinem Tode 1750 währenden Amtszeit als Leipziger Thomaskantor zugleich Musiklehrer an der Thomasschule. Zu Bachs Aufgaben gehörte es ferner, mit dem Thomanerchor und den Stadtmusikern die Gottesdienste in der Thomaskirche musikalisch auszugestalten. Außer in Fastenzeiten gelangte hierbei allwöchentlich eine Kantate zur Aufführung. In seinen ersten beiden Amtsjahren (Trinitatis 1723 bis Trinitatis 1725) schuf Bach zwei fast vollständige Jahrgänge mit Kantaten zu allen Sonn- und Feiertagen, die rund die Hälfte aller überlieferten 200 Kirchenkantaten aus seiner Feder ausmachen. In späterer Zeit, als Bach vermehrt auf eigene bereits vorhandene Werke sowie auf fremde Kompositionen zurückgriff, verlangsamte sich der Schaffensrhythmus deutlich.

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Die Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ entstand zum Reformationsfest 1725 und ist die einzige Kantate Bachs zu diesem Anlass, deren Autograph erhalten ist. Eine weitere Bach-Kantate zum Reformationsfest („Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80) ist nur in späteren Abschriften überliefert, darunter eine Handschrift von Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnickol.

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Anders als diese Kantate, die einen der bekanntesten Choräle Martin Luthers verarbeitet, rekurriert BWV 79 textlich nicht direkt auf Luther, sondern thematisiert ausgehend von dem Psalmvers „Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen“ (Ps 84,12) allgemein den Schutz Gottes für seine Kirche. Dem festlichen Anlass entsprechend ist das Orchester außer mit Streichern und Holzbläsern auch mit zwei Hörnern und Pauken besetzt.

Der Kopftitel des Autographs „J.J. Festo Reformationis. Gott der Herr ist Sonn und Schild.“ beginnt mit der für Bach typischen Anrufungsformel „J[esu] J[uva]“ (Jesus, hilf!). Am Ende des Werkes findet diese zu Beginn geäußerte Bitte um gutes Gelingen ihr Gegenstück in der Formel „S[oli] D[eo] G[loria]“ (Gott allein [sei] Ehre).

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