Marie Haller-Nevermann und Bénédicte Savoy im Gespräch; Foto: Hagen Immel, SBB-PK, Lizenz: CC-BY-NC-SA

Neue Perspektiven auf die Berliner Klassik – ein Gespräch zwischen Marie Haller-Nevermann und Bénédicte Savoy

Am 16. April 2018 stellte die promovierte Literaturwissenschaftlerin Marie Haller-Nevermann im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy ihr neues Buch im Wilhelm-von-Humboldt-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin Unter den Linden vor. „Mehr ein Weltteil als eine Stadt. Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten“ zeichnet die Entwicklungen in Kultur und Wissenschaft, Politik und Gesellschaft nach und schildert so den Berliner Kosmos in seinen Zusammenhängen.

Nach der Begrüßung durch die Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf und die stellvertretende Vorsitzende der „Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin“ Gesine Bottomley fragte Bénédicte Savoy die Autorin Marie Haller-Nevermann zuerst nach Carl Gotthard Langhans (1732 – 1808), dem Architekten des Brandenburger Tors (erbaut und 1793 – 1793), und was denn das Besondere an diesem „Friedenstor“ sei. Anhand der Bauprinzipien, der Ausrichtung von Schadows Quadriga und anderen Details spannte Marie Haller-Nevermann das Panorama von Berlin in der Zeit zwischen Französischer Revolution und der Napoleonischen Besetzung und späteren Befreiung Berlins auf. Die Zuhörerschaft erfuhr so, dass auch Angehörige des Adels oder des Königshauses durchaus den Einladungen in Salons annahmen, die von Jüdinnen geführt wurden. Umgekehrt hingegen wurden keine Einladungen ausgesprochen.

Nach der Lesung aus dem Kapitel über Heinrich von Kleists „Berliner Abendblätter“ kam Bénédicte Savoy zu dem Schluss, dass Kleist hierbei eindeutig ein Vorläufiger der heutigen Bloggerszene sei, da er die Themen bestimmte, die Texte selbst schrieb und auch das Layout besorgte.
Kurz gesagt: ein aufschlussreiches und amüsantes Gespräch über eine noch nicht hinreichend bekannte Zeit der Berliner Geschichte, deren Einfluss bis heute reicht.

 

Grußwort von Barbara Schneider-Kempf; Foto: Hagen Immel, SBB-PK

Grußwort von Barbara Schneider-Kempf; Foto: Hagen Immel, SBB-PK, Lizenz: CC-BY-NC-SA

Gut besuchter Wilhelm-von-Humboldt-Saal am 16.4.18; Foto: Hagen Immel, SBB-PK, Lizenz: CC-BY-NC-SA

Marie Haller-Nevermann: studierte Literaturwissenschaften und promovierte über „Jude und Judentum im Werk von Anna Seghers“. Sie unterrichtete Deutsch und Französisch am Gymnasium und organisierte für die Gesellschaft für Deutsch-Französische Zusammenarbeit trilaterale Literaturkolloquien (Frankreich-Deutschland-Polen) u. a. über Theodor Fontane, Heinrich von Kleist, Franz Kafka und Günter Grass. Gemeinsam mit Dieter Rehwinkel gab Marie Haller-Nevermann zwei der Kolloquien – zu Heinrich von Kleist 2005 und zu Franz Kafka 2008 – in der Reihe Genshagener Gespräche heraus. 2004 veröffentlichte sie die Schiller-Biographie Friedrich Schiller – Ich kann nicht Fürstendiener sein.

Bénédicte Savoy: 1972 in Paris geboren, lehrt Kunstgeschichte an der TU Berlin und am Collège de France in Paris. Ihre Forschungsinteressen sind Kunst und Kulturtransfer in Europa, Museumsgeschichte sowie Kunstraub und Beutekunst. Mit David Blankenstein kuratierte sie 2014 eine große Ausstellung über die Gebrüder Humboldt in Paris. 2016 erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Januar 2018 berief sie der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zur Beraterin bei der Restitution kolonialer Raubkunst.

 

 

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