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2.100 Besucher besichtigten Baustelle, Veranstaltungssäle, Magazin und Lesesaal Unter den Linden

Im sanierten Büro der Generaldirektorin || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Über 2.100 Besucherinnen und Besucher kamen am Samstag, 10. Juni 2017, zu den Besichtigungstouren durch das Haus Unter den Linden 8, dem riesigen Gebäudekomplex mit  107 x 170 Metern Grundfläche und 13 Etagen. Zu 80% ist das Gebäude inzwischen saniert, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung und die Staatsbibliothek zu Berlin sind jetzt im Endspurt auf der Großbaustelle.

Bei einer individuell gestalteten und drei geführten Touren entstand ein eindrucksvolles Bild von der Dimension der gestalterischen wie auch planerischen und technischen Herausforderungen, die bei diesem Bauvorhaben bereits gemeistert wurden oder noch vor den Verantwortlichen liegen.

In den jüngst übergebenen Veranstaltungsbereichen und Büros zeigte sich die Verbindung von moderner Ausstattung mit sanierten, teils rekonstruierten Räumen. Die räumliche Gestaltung und die Ersteinrichtung des 1914 eingeweihten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wurden, wo immer möglich, erhalten bzw. wiederhergestellt. Ansonsten ist das Haus mit modernem Mobiliar und technischen Anlagen auf dem neuesten Stand ausgestattet.

Helmpflicht auf der Baustelle || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

 

Während der Führungen über die Baustelle der noch zu sanierenden Bereiche verdeutlichten sich die teils extremen Herausforderungen der bautechnisch anspruchsvollen Sanierungsaufgaben des gesamten Bauprojekts.

Mit dem Gang in eines der Magazine wurde zugleich die jüngst wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal des Bibliotheksgebäudes betreten – die originale Kuppel war im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer zerstört worden.

Die Rundgänge durch den seit vier Jahren betriebenen, als 36 m hoher Glaskubus ausgeführten Lesesaal vermittelten neben vielem anderen auch Ausblicke auf die Gestaltung der noch in Sanierung stehenden Lesesäle für die Sondersammlungen dieser Bibliothek von Weltrang.

 

 

links der letzte Abschnitt des gigantischen Bauvorhabens, rechts die wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Die Sanierung und Modernisierung des Altbaus und die Ergänzung mit den Neubauten begann im Jahr 2005 nach dem Abschluss aller vorbereitenden Arbeiten. Derzeit ist das Ende der Bauzeit für 2018 prognostiziert. Bislang waren 405 Hochbaufirmen, 181 Fachtechnikfirmen und 115 Planungsbüros und Gutachter beteiligt.
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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

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kürzlich waren Medienberichte über das Bauen in der Staatsbibliothek und den Tag der offenen Tür unter anderem hier zu finden:

Bilder von der Baustelle Unter den Linden

75 Jahre nach ihrer Zerstörung wurde die Kuppel über dem Eingangsportal neu aufgebaut || Foto: BBR, Jens Andreae

Das Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden ist das Stammhaus der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und gehört zu den bedeutendsten Bibliotheksbauten weltweit. Es ist mit einer Grundfläche von 107 mal 170 Metern und einer Bruttogrundfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern zudem eines der größten Gebäude Berlins.
Die Grundinstandsetzung und Erweiterung findet seit 2005 bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, unterteilt in zwei Bauabschnitte.

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300 Plätze im großen Veranstaltungssaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Kissenförmige Kunstharzelemente formen die Lichtdecke || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Große Veranstaltungssaal nach seiner Sanierung: Die fehlende historische Decke wurde ersetzt durch eine lichtdurchlässige, aus kissenförmigen Kunstharz-Elementen bestehende Kassettenstruktur nach einem Entwurf des Architekturbüros HG Merz. Zur Erbauungszeit waren die Halbsäulen komplett vergoldet, ein erhaltener Rest der Vergoldung ist in der nordwestlichen Ecke des Saales noch zu sehen.

künftiger Handschriftenlesesaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Handschriftenlesesaal ist mit original erhaltenen Lesetischen ausgestattet, die denkmalgerecht aufgearbeitet und mit Strom- und Datennetzanschlüssen versehen wurden.

Lichtkissen, entwickelt von Kress & Adams, Köln || Foto: BRR, Jens Andreae

Die Lampen, die sogenannten Lichtkissen, wurden speziell für die Staatsbibliothek von HG Merz und den Lichtplanern Kress und Adams aus Köln entworfen.

 

nicht standsichere Außenwände || Foto: BBR, J. Andreae

Während der Sanierung der Außenwände wurde festgestellt, dass diese nicht durchgängig massiv ausgeführt waren, sondern aus einer tragenden Wand und einer innenseitig mit einem Abstand zu dieser tragenden Wand vorgesetzten zweiten Wand bestanden. Da die Planer zunächst von durchgängig massiv gemauerten Wänden ausgehen mussten, war mit dieser Entdeckung die vorherige statische Berechnung dieser Wände hinfällig geworden, die Deckenkonstruktion musste komplett umgeplant werden. Der Hohlraum wurde dort, wo es die Statik erforderte, mit Beton verfüllt, und dort, wo dies nicht notwendig war, mit einer Wärmedämmung. Weitere Hohlräume traten in Wänden des zweiten Bauabschnittes zu Tage und führten aus Gründen des Brandschutzes oder der Standsicherheit zu zusätzlichen Baumaßnahmen.

 

Detail eines Treppengeländers: Im Inneren eines Balusters
korrodierter Stahlstab || Foto: BBR, Bernd Helmich

Auf der Grundlage von Untersuchungen im Vorfeld der Grundinstandsetzung wurden in den repräsentativen Treppenhäusern des Altbaus zunächst lediglich neue Befestigungen des denkmalgeschützten Geländers geplant. Zu Beginn der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die Stahlstäbe im Inneren der von außen intakt scheinenden Messingbaluster so stark korrodiert waren, dass eine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Rund 1000 Baluster mussten aufwändig saniert, die Hälfe davon sogar nachgebaut werden.

 

Fachwerkträger waren auszutauschen: rechts alt, links neu || Foto: BBR, Jens Andreae

Über dem Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle wurden noch während der Erbauungszeit nachträglich vier Geschosse mit zusätzlichen Magazinen errichtet, deren gewaltigen Lasten mit großen Stahlfachwerkträgern hoch über der Haupttreppe abgefangen werden. Diese Träger, verborgen hinter einem Tonnengewölbe und später über einer Flachdecke aus der Nachkriegszeit, wurden nach Auszug der Bibliothek und anschließender Entkernung Ende 2013 umfänglich begutachtet. Dabei sind erhebliche Materialschäden festgestellt worden, die auf eine unzureichende Standsicherheit schließen ließen. Dies erforderte den kompletten Austausch der gesamten Konstruktion. Durch die weitreichende Folgen auf die benachbarten tragenden Bauteile wurden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich völlig neu geplant.

 

Tragwerk für die neue Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Von der einst etwa 20 Meter hohen Kuppel im Vestibül sind aus der Entstehungszeit nur die zwei sich kreuzende Stahlbetonbögen übrig geblieben, die die ursprüngliche Kuppelschale einmal getragen haben. Dem architektonischen Konzept folgend, war die Wiederherstellung der Kuppel zunächst in ihrer ursprünglichen Geometrie direkt unter diesen, heute denkmalgeschützten Stahlbetonbögen geplant. Die Bausubstanz dieser lange hinter der Flachdecke aus der Nachkriegszeit verborgenen Bögen erwies sich erwartungsgemäß als dringend sanierungsbedürftig. Allerdings ergab die genaue Vermessung im Vorfeld der Detailplanung der zu rekonstruierenden Kuppelschale, dass sich die Betonkonstruktion etwas verformt und um einige Zentimeter gesenkt hatte, möglicherweise eine Folge von Kriegszerstörung und Abriss des früher benachbarten Kuppellesesaales. Eine Kuppel in der ursprünglichen Geometrie war hier nicht mehr ausführbar. Die Neuplanung wurde an die jetzige Geometrie angepasst.

Eine Restauratorin arbeitet am historischen Majolika-Ring in der Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Das Oberlicht in der Kuppel des Foyers ist mit einem dreifachen Ring aus Majoliken eingefasst, die Kaiser Wilhelm II. persönlich in Königsberger Werkstätten ausgewählt hat.

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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

Endspurt auf der Großbaustelle

ausführliche Informationen zur Grundinstandsetzung Unter den Linden

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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Die Grundinstandsetzung des Hauses Unter den Linden

Zentrales Thema Denkmalschutz

Das Gebäude der Staatsbibliothek ist sowohl ein Einzeldenkmal als auch Bestandteil des Denkmalensembles Unter den Linden. Der Ehrenhof mit seiner aus den 1920er-Jahren stammenden eindrucksvollen Weinberankung ist zudem ein Gartendenkmal.

Bei der Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek ist der denkmal-gerechte Umgang mit der historischen Bausubstanz deshalb ein zentrales Thema. Neben der weitgehenden Erhaltung der noch vorhandenen Bausubstanz wird ein weiterer Schwerpunkt darauf gelegt, das räumliche Konzept des Bestandsbaus wieder erlebbar zu machen. Das betrifft die Wiederherstellung der zentralen Erschließungsachse mit ihren repräsentativen öffentlichen Räumen, insbesondere aber auch die im Januar 2017 übergebenen Räume der Generaldirektion und des Veranstaltungsbereiches.

Farbgebung und Interieur der repräsentativen Lesesäle, Veranstaltungsräume und der Räume der Generaldirektion wurden teils nach vorhandenen Resten rekonstruiert, teils nach Fotos nachempfunden oder aber als erkennbar neu und heutig ergänzt. Ein signifikantes Beispiel ist der Ersatz für die verlorene historische Decke des großen Veranstaltungssaales. Hierfür wurde vom Architekturbüro HG Merz eine Decke aus kissenförmigen lichtdurchlässigen Elementen entworfen, welche eine besonders reizvolle räumliche Struktur bildet und ganz spezielle Beleuchtungseffekte erlaubt. Hergestellt wurde diese Sonderanfertigung aus Kunstharz von der Firma FLZ mit Sitz auf der Insel Rügen.

Ein weiterer denkmalpflegerischer Schwerpunkt besteht in der Erhaltung und Instandsetzung des nach seinem Erfinder Robert Lipman benannten Regalsystems der historischen Magazine. Dieses Stahlregalsystem erstreckt sich teilweise über acht Geschosse und trägt neben Regalböden und Büchern auch die Geschossdecken, Teile der Fassaden und das Dach.

Etappen der Großbaustelle

Im Architekturwettbewerb zur Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek Unter den Linden wurde im Jahr 2000 der Entwurf von Professor HG Merz mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Nach einer umfangreichen Planungsphase wurde 2005 mit den Bauarbeiten begonnen. Alle Bauarbeiten finden bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, unterteilt in zwei Bauabschnitte: Der erste Abschnitt umfasste die Grundinstandsetzung des nördlichen Gebäudeteils, unter anderem auch den Erweiterungsbau für den neuen Allgemeinen Lesesaal sowie weitere Lesesäle. 2006 wurde dafür der Grundstein gelegt, 2008 wurde das Richtfest gefeiert. Im März 2011 wurden der sanierte Altbau dieses Bauabschnitts und die neu errichteten Tresormagazine an die Staatsbibliothek übergeben. Die feierliche Schlüsselübergabe für den Neubau mit den neuen Lesesälen fand dann im Dezember 2012 statt.

Der zweite Bauabschnitt ist in drei Teile gegliedert, von denen bereits zwei abgeschlossen sind. Hauptbestandteile dieses Bauabschnittes sind fünf Sonderlesesäle, die Räume der Generaldirektion und des Verwaltungsbereichs sowie das Bibliotheksmuseum. Bereits übergeben wurden im September 2014 die Räume der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Gebäudeteil an der Ecke Universitäts-straße/Unter den Linden. Die Akademie der Wissenschaften ist seit der Erbauungszeit Mieter des Hauses. Vor kurzem wurden unter anderem die Veranstaltungsbereiche und die Räume der Generaldirektion übergeben.

Insgesamt werden im zweiten Bauabschnitt auf rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche Böden, Wände und Decken erneuert, 15.000 Quadratmeter Fassaden instandgesetzt, 6.000 Quadratmeter Dach-fläche neu aufgebaut, und eine komplett neue Haustechnik, insbesondere Klima-, Lüftungs- und Brandschutztechnik in den Bestand integriert.

Ein Gigant unter den Bibliotheksbauten

Das Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden ist das Stammhaus der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutsch-sprachigen Raum und gehört zu den bedeutendsten Bibliotheksbauten weltweit. Es ist mit einer Grundfläche von 107 mal 170 Metern und einer Bruttogrundfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern zudem eines der größten Gebäude Berlins.1903 bis 1914 nach den Plänen des kaiserlichen Hofbaumeisters Ernst von Ihne errichtet, ist die Staatsbibliothek einer der jüngsten wilhelminischen Repräsentations-bauten überhaupt. Sie ist als Steigerung repräsentativer Räume konzipiert. Den Höhepunkt bildet der Allgemeine Lesesaal mit einer der damals größten Kuppelkonstruktionen Berlins.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, insbesondere der zentrale Lesesaal mit seiner imposanten, reich verzierten Kuppel fiel der Zerstörung zum Opfer. An seiner Stelle erhebt sich seit 2012 der 36 Meter hohe Neubau des heutigen Allgemeinen Lesesaals.

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Endspurt auf der Baustelle

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni

Bilder + Erläuterungen

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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Unter den Gerüsten – ein Baustellenspaziergang

Ob Berlin tatsächlich dazu verdammt ist, ‚…immerfort zu werden und niemals zu sein‘ wie Karl Scheffler, der deutsche Kunstkritiker und Publizist es einmal formulierte, lassen wir hier mal dahingestellt. In einer Stadt, in der Events wie der ‚Tag der offenen Baustelle‘ und das ‚Ballett der Baukräne‘ ein in die Zehntausende gehendes Publikum finden, kann man allerdings annehmen, dass es eine gewisse Baustellenaffinität gibt. Weiterlesen