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Berliner Theaterlandschaft im Wandel – Castorf und Peymann an der Staatsbibliothek

Das Berliner Theater befindet sich im Wandel. In diesen Tagen wird zum letzten Mal eine Inszenierung von Frank Castorf, der die Theaterlandschaft der Hauptstadt geprägt hat wie kaum ein zweiter, in der Volksbühne zu sehen sein. Die Zeichen stehen auf Abschied – das wird nicht nur durch die Abnahme des Schriftzuges OST auf dem Dach der Volksbühne deutlich. Chris Dercon, früherer Direktor der Tate Gallery of Modern Art in London, wird als Nachfolger von Castorf der Volksbühne ein ganz neues Gesicht verleihen. Seine Vision ist die eines Mehrspartenhauses für Theater, Tanz, Musik, Mode und vieles mehr. Dercon erhielt dafür bereits im Vorfeld harte Kritik. Wie sich das Haus verändern wird, wird sich jedoch erst in den nächsten Monaten zeigen.

Frank Castorf hinterlässt auf jeden Fall ein großes Erbe. Schon früh ging er – damals noch in der DDR – ans Theater. Auch wenn er immer wieder in Westdeutschland inszenierte, Frank Castorf war und ist immer mit der Volksbühne im Osten Berlins verbunden. Bereits seit 1992 ist er dort als Intendant tätig. Castorf wurde mehrmals von der Theaterzeitschrift „Theater heute“ zum Regisseur des Jahres gewählt und hat durch seine experimentelle Ästhetik das Theater der Bundesrepublik maßgeblich geprägt. Sein „postdramatisches Theater“ ist für Publikum wie Schauspielerinnen und Schauspieler immer anstrengend und herausfordernd. Stundenlange Provokationen, eine lediglich als Inspirationsquelle und manchmal bis zur Unkenntlichkeit veränderte literarische Vorlage sowie der intensive Einsatz von Kamera und Leinwand sind klare Anzeichen für einen „echten“ Castorf. Seine letzte Inszenierung von Goethes Faust wurde von der Kritik begeistert aufgenommen. Mit Baumeister Solness nach Henrik Ibsen wird die Ära Castorf an der Volksbühne am 1. Juli 2017 schließlich beendet.

Doch nicht nur Frank Castorf verlässt die Volksbühne, auch Claus Peymann am Berliner Ensemble überlässt ab der Saison 17/18 das Ruder am Brechtschen Traditionshaus Oliver Reese, der von Frankfurt nach Berlin übersiedelt. Auch Peymann hat das Theater in der Hauptstadt über lange Jahre mitgestaltet. Nach Stationen als Schauspieldirektor in Stuttgart und Bochum sowie der Direktion des Burgtheaters Wien wurde Peymann 1999 Intendant des Berliner Ensembles. Auch Peymann liebt die Provokation und machte sich mit umstrittenen Inszenierungen wie Thomas Bernhards „Heldenplatz“ einen Namen.  Am 2. Juli 2017 wird er sich als Intendant verabschieden und seinem Nachfolger das Feld überlassen. Der Generationswechsel in der Berliner Theaterlandschaft ist nicht aufzuhalten. Es werden neue Stücke, neue Ensembles und ganz neue Konzepte für das Theater in Berlin folgen. Es bleibt abzuwarten, was sich daraus alles entwickeln wird.

Die Staatsbibliothek hat traditionell einen großen Theaterbestand. Ob das nun Primär- und Forschungsliteratur oder gar unser umfangreiche Bestand an Theaterzetteln ist. Theater hatte und hat immer einen besonderen Stellenwert in der Bibliothek. Selbstverständlich darf da auch die aktuelle Literatur zu Castorf und Peymann nicht fehlen. Hier eine kleine Auswahl:

 

Literatur zu Frank Castorf:

Der Verlag „Theater der Zeit“ hat bereits im vergangenen Jahr Castorf ein eigenes Arbeitsbuch mit vielen spannenden Aufsätzen von renommierten Theaterschaffenden und TheaterwissenschaftlerInnen gewidmet. Wenn Sie mehr über die Ästhetik von Castorf wissen möchten, dann werden Sie hier sicher fündig:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=86244120X

Gespräche mit Frank Castorf haben wir gleich mehrfach im Bestand:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=278877273

Der Titel „Republik Castorf: die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz seit 1992: Gespräche“ herausgegeben von Frank Raddatz befindet sich ebenfalls im Bestand, ist aber momentan noch in Bearbeitung.

Ein Blick in die Geschichte der Volksbühne bietet der Titel „Zehn Jahre Volksbühne“:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=360571727

Wenn Sie mehr über das Leben Castorfs erfahren möchten, können Sie sich in dieser Biografie informieren:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=352865822

 

Literatur zu Peymann:

18 Jahre war Claus Peymann Intendant beim Berliner Ensemble. Diese Zeit hat er nun auch in einer zweibändigen Veröffentlichung mit Fotos und Materialien festgehalten: Ferbers, Jutta/Peymann, Claus: „Das schönste Theater. Bertolt-Brecht-Platz 1: Direktion Claus Peymann 1999-2017: Erinnerungen und Bilanz. Ein Foto- und ein Materialienband.

Autobiographisches von Peymann finden Sie im Titel „Mord und Totschlag“. Interviews, Briefe und andere Dokumente geben ein facettenreiches Bild vom langjährigen Intendanten des Berliner Ensembles.

Auf diese beiden Titel können Sie ebenfalls gespannt sein. Verfolgen Sie unsere Neuerwerbungen. Bald werden die Titel für Sie zur Verfügung stehen.

Und schließlich sollten bei „Peymann von A bis Z“ alle Fragen beantwortet werden können:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=566030470

 

Wenn Sie vom Theater immer noch nicht genug haben, dann stöbern Sie doch mal im neuen Portal des Fachinformationsdienstes für darstellende Kunst:

http://www.performing-arts.eu/

Mit nur einem Klick können Sie hier sämtliche relevante Datenbanken, Bestände von Bibliotheken, Museen und Archive und vieles mehr durchsuchen.