Beiträge

Internationale Konferenz DCH 2017 vom 30.8.-1.9.

Interdisziplinäre Konferenz über die digitale Transformation des kulturellen Erbes vom 30. August bis 1. September 2017

Nach 2015 findet die Interdisciplinary Conference on Digital Cultural Heritage wiederum in den Veranstaltungsräumen der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Sie wird in enger Kooperation der Kartenabteilung mit CODATA Germany und weiteren Partnern aus der Kartographie durchgeführt. Die digitale Transformation des kulturellen Erbes wird nicht durch die zeit- und ortsunabhängige Bereitstellung gescannter Bilder erreicht, sondern durch die konsequente Anwendung neuer Technologien und innovativer Bearbeitungsmethoden. Der interdisziplinäre Ansatz spielt hierbei eine übergeordnete Rolle, was durch die Fokussierung auf die Kartographie verdeutlicht wird: Karten werden von allen Wissenschaften, die räumliche Wirkungen und Muster untersuchen, benötigt. Geoportale, Webmapping, 3D Clouds, Semantik oder Toponomastik sind nur wenige Schlagworte, die auf die breite Anwendungsvielfalt hinweisen.

Bamberger Autographe online

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Hoffmann digital mit neuen Inhalten und frischem Design

Die virtuelle Galerie Hoffmann digital des E.T.A. Hoffmann Portals präsentiert sich in neuer Optik und mit einem starken Zuwachs an spannenden Inhalten: den Bamberger Autographen. Die Sammlung umfasst 39 Briefe von und vier Briefe an E.T.A. Hoffmann, 16 Originalzeichnungen (davon drei auf Briefen), fünf Werkmanuskripte bzw. Teile davon, eine autographe Partitur, zwei Abschriften von musikalischen Werken Hoffmanns, einen Verlagsvertrag, ein Tagebuchfragment, ein Stellengesuch, drei Todesanzeigen für den Kater Murr, drei Widmungen in Büchern und einen Namenszug im Klavierauszug von Mozarts „Don Giovanni“ – dem einzigen erhaltenen Buch aus Hoffmanns Bibliothek. Hinzu kommen eine Quittung von Hoffmanns Frau Maria Thekla Michaelina und ein Eintrag für E.T.A. Hoffmann in der Sterbematrikel der evangelischen Jerusalemgemeinde in Berlin.

Die Staatsbibliothek Bamberg hat ihre Hoffmann-Autographe im Jahr 2016 im Rahmen des Projekts E.T.A. Hoffmann Portal digitalisiert und in Kalliope, der nationalen Datenbank für Nachlässe und Autographe, katalogisiert und erschlossen. Seit Mai 2017 sind die Werke in den digitalen „Bamberger Schätzen“ der Staatsbibliothek Bamberg sowie im E.T.A. Hoffmann Portal frei zugänglich.

Erstmals haben Nutzerinnen und Nutzer nun weltweit die Möglichkeit, die Autographe zu jeder Zeit und von jedem Ort aus im Detail zu studieren. Hoffmann digital bietet zu diesem Zweck einen stufenlosen Deep Zoom, umfassende Metadaten und verschiedene Download-Optionen an. Zudem sind die illustrierten Werke mit einer Thumbnail-Übersicht über alle enthaltenen Illustrationen ausgestattet. Über die Merkfunktion können temporäre Favoritenlisten erstellt und zur Weiterverarbeitung exportiert werden.

Starke Ausweitung der Inhalte bis 2019

Im Rahmen des ebenfalls an der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelten Folgeprojekts „E.T.A. Hoffmann Portal 2“ werden bis Ende 2019 sukzessive weitere digitalisierte Materialien zu E.T.A. Hoffmann in Hoffmann digital zur Verfügung gestellt. Neben der Integration von einzelnen Werken aus externen Einrichtungen liegt der Schwerpunkt des Projekts auf der Digitalisierung von Hoffmann-Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin, darunter mehr als 800 Hoffmanniana aus der Zeit zwischen 1800 und 1920, vergriffene Werke aus dem Zeitraum 1921 bis 1965, und 33 Brief- und Musikautographe sowie etwa 200 Werke, die E.T.A. Hoffmann beeinflusst haben, und circa 600 Werke zur Rezeption Hoffmanns.

Stimmen der Bibliothek: Digitalisierung der Bibliotheken

Bibliotheken sind seit Jahrhunderten etablierte Spieler im Bereich der Wissenssammlung und -katalogisierung und sehen sich im digitalen Zeitalter einer Reihe von Herausforderungen gegenüber.

Im Podcast “Forschergeist” des Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. spricht Tim Pritlove mit Ralf Stockmann, Leiter des Referates „Innovations-Management – Online-Bibliotheksdienstleistungen“ an der Staatsbibliothek zu Berlin über traditionelle und zukünftige Rollen von Bibliotheken.

Thematisch wird ein weiter Bogen gespannt: der Zugang zu Wissen und Forschung, die Erschließung und Katalogisierung von Quellen, das Aufbereiten und Verfügbarmachen der Daten, die Bewahrung und Archivierung der gewonnenen Informationen, das Verhältnis der Bibliotheken zu Wissensprojekten wie Wikipedia und Suchmaschinen.

Auch denkbare Zukunftsfelder für eine digitale Transformation von Bibliotheken werden gestreift: die Möglichkeiten der Analyse von Big Data (Kataloge als Objekt von Forschung) oder die Anwendung neuer Methoden des maschinellen Lernens und der künstlicher Intelligenz.

Johannes Block aus Pommern – der stumme Prediger und seine sprechende Bibliothek

Auch in der Staatsbibliothek des 21. Jahrhunderts sind noch Entdeckungen möglich. So staunte Falk Eisermann, der Leiter des Inkunabelreferats, nicht schlecht, als er im Magazin auf den Namen eines alten Bekannten aus dem 16. Jahrhundert stieß. Eigentlich wollte er nur zwei Inkunabeln ausheben, um sie einer Seminargruppe als Studienobjekt zu präsentieren. Ihn interessierte vor allem eine Cicero-Ausgabe von 1465 aus der Mainzer Offizin Peter Schöffers (GW 6921), an die ein Rostocker Druck des Vinzenz von Beauvais von 1477 angebunden ist (R 358). Der Besitzvermerk Liber Johannis Block presbyteri Caminensis diocesis predicatoris machte den Fachmann für alte Bücher stutzig. Konnte es sein, dass der Kamminer Priester mit dem Prediger und Reformator Johannes Block identisch war, den Eisermann als Buchbesitzer aus der Kirchenbibliothek Barth kannte?

Der Barther Reformator Johannes Block. Bild von der Predigtkanzel der Marienkirche Barth (um 1580). Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-BY-NC-ND (3.0)

Dieser Johannes Block aus Barth ist eine rätselhafte und zu Unrecht unterschätzte Figur. Als Zeitgenosse, teilweise auch als Protegé der Wittenberger Reformatoren Martin Luther und Johannes Bugenhagen hat er die pommersche Herzogsstadt Barth reformiert. In Kirchenakten ist er aber kaum bezeugt. Leider hat er auch keine eigenen Schriften hinterlassen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, auch nur eine seiner Predigten aufzuzeichnen. So wäre Block heute vergessen, hätte er nach seinem Tode nicht seine Gelehrtenbibliothek der Barther Marienkirche überlassen. Glücklicherweise hat Block in seinen Büchern teilweise seine Lebensstationen und Berufe notiert. Sie verraten, dass er nicht nur in Pommern gewirkt, sondern auch zu den frühesten Wanderpredigern in Preußen, im Baltikum und in Finnland gehört hat.

Ein weiteres Glück war, dass Eisermann wusste, dass der Verfasser dieses Blog-Beitrags seit 20 Jahren an der Rekonstruktion von Blocks Bibliothek arbeitet. Ein kurzer Anruf, einige gepostete Bilder und eine Autopsie des Bandes brachten schnell Gewissheit: Die beiden Blocks waren identisch. Damit war aber auch ein guter Anlass entstanden, einen Block-Blog von der Staatsbibliothek Berlin aus zu schreiben. Immerhin hatte man gemeinsam das einzige Buch identifiziert, das von Blocks Prädikantenbibliothek außerhalb Barths erhalten geblieben ist.

“Zeig mir Deine Bücher – ich erzähl’ Dein Leben!”

Diese Identifikation ist bedeutsam, weil Blocks Büchersammlung einen großen historischen Zeigewert hat. Sie ist eine der ganz wenigen intakten Privatbibliotheken der Lutherzeit und vermittelt wertvolle Einblicke in die Entstehung der evangelischen Bewegung im Ostseeraum. Aus ihr wird deutlich, wie auch fernab der Wittenberger “Zentrale” evangelische Prädikanten am Werk waren, die als Leuchttürme des neuen Glaubens eigene Ideen von “Reformation” prägten und verbreiteten.

Von dieser wertvollen Bibliothek, die von der Universitätsbibliothek Greifswald inzwischen digitalisiert wurde, sind heute noch 125 Bände erhalten. Sie überliefern, zum Teil in Sammelbänden, acht Handschriften, 50 Inkunabeln und über 220 Frühdrucke. Das ist eine stattliche Sammlung, die Anfang des 16. Jahrhunderts dem Bestand einer kleineren Klosterbibliothek entsprach. Als Berufsbibliothek war Blocks Büchersammlung sein wichtigstes Arbeitswerkzeug. Sie spiegelt, wie Block auf seiner Stellensuche von Stadt zu Stadt zog, wie er als Prädikant an Kirchen installiert wurde und wie er sich gegenüber Bettelmönchen und Weltgeistlichen auf dem “Markt der Frömmigkeit” behaupten konnte – vor und nach seinem Übergang zur Reformation. Insofern bietet seine Predigerbibliothek einzigartige Einblicke in die Denk- und Arbeitsmuster der neuen, seit dem 15. Jahrhundert nachweisbaren Berufsgruppe der Prädikanten.

Predigerbibliothek des Johannes Block als Teil der Barther Kirchenbibliothek. Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Blocks reisende Gelehrtenbibliothek bildet heute den wertvollsten Kern der 1398 erstmals erwähnten Barther Kirchenbibliothek. Sie befindet sich heute als separierter Bereich innerhalb des historischen Gesamtbestandes der Marienkirche von knapp 4000 Bänden. Diese ist die mutmaßlich älteste, am Ursprungsort enthaltene kirchliche Büchersammlung Deutschlands, wo die Bücher heute noch im gotischen Bibliotheksraum stehen, in dem die Geistlichen, Lehrer und Schüler des Mittelalters studiert und gearbeitet hatten.

St. Marien Barth, Wirkungsort Blocks als pommerscher Reformator (1534-1544/45). Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

In fast jedem von Blocks Büchern findet man Kauf- und Besitzvermerke von seiner Hand. Sie informieren über Ort und Zeit der Erwerbung, aber auch über die Kaufpreise. Dazu lassen sich vielfach Buchbinder, Sammlungskontexte (zumeist wurden mehrere Drucke in einen Band gebunden), Illuminatoren und Rubrikatoren sowie (über die handschriftlichen Anmerkungen) der Umgang Blocks mit seinen Büchern rekonstruieren. Man erhält so Auskunft über die Vertriebs- und Handelswege der Bücher und deren Verwendung. Erkennbar wird vor allem das Vertriebsnetz des Buchhandels, das sich im Falle Blocks von Italien, Südwestdeutschland und Frankreich, wo die Bücher zumeist gedruckt wurden, über Flandern, die Niederlande und das “Wendische Quartier” der Hanse (zwischen Lübeck und Stettin) bis in den nördlichen Ostseeraum zieht, wo die Bücher schließlich illuminiert, gebunden und verkauft wurden.

Besitzvermerk des Kamminer Klerikers Johannes Block (Dorpat, 1514/20) in einer Predigtausgabe der Barther Kirchenbibliothek, 4° E 13, 1r. Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Dramatisches Leben in einer Zeit des Umbruchs

Da Blocks Lebensweg den Handelswegen der deutschen Kaufleute im Ostseeraum folgte, wo er als Prediger wohl auch seine follower – d.h. seine Zuhörer und Anhänger – fand, lässt sich in kriminalistischer Kleinarbeit ein Geschichtspuzzle um den Wanderprediger aus Pommern zusammensetzen. Dabei bietet Blocks Prädikantenbibliothek ein von Aufbrüchen und Schicksalsschlägen gezeichnetes Lebensbild. Dieses ist beeindruckend und aufschlussreich zugleich, denn Lebensbrüche sind geradezu zum Signum der ersten Reformatorengeneration geworden – man denke nur an die großen Namen Martin Luther, Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein (Karlstadt) und Huldrych Zwingli.

Folgen wir den Kauf- und Besitzvermerken in Blocks Büchern, so beginnt sein Lebensweg in Stolp (heute Slupsk/Polen) in Hinterpommern, wo er um 1470/80 geboren wurde. Im geistigen Umfeld des pommerschen Humanisten Bugenhagen kam Block in den 1490er-Jahren als junger Kaplan und Kleriker der Diözese Kammin (Cammin, heute Kamien Pomorski/Polen) mit dem niederländischen Schulhumanismus in Berührung – dem damals fortschrittlichsten Curriculum nördlich der Alpen. Danach zog er dann als gut ausgebildeter Prediger in Richtung der großen Handels- und Hansestädte im Osten. 1512-1513 ist er kurz in Danzig (heute Gdansk/Polen) bezeugt. Hier, auf der wichtigsten Drehscheibe des Ostseehandels, bemühte er sich erfolglos um eine Anstellung. Ab 1514 taucht er in der Hansestadt Dorpat (heute Tartu/Estland) auf. Diese Stadt bildete mit Riga und Reval (heute Tallinn/Estland) das Dreigestirn der großen, von deutschsprachigen Fernhändlern dominierten Handelsmetropolen in Livland.

Im Gebiet des heutigen Lett- und Estland lag in den 1520er-Jahren eine der religiösen “Boomregionen” Europas. Die Christianisierung war in Livland später eingeführt worden als im Heiligen Römischen Reich, so dass die Saat Luthers hier auf fruchtbaren Boden gefallen war. Nicht wenige Wanderprediger erprobten hier, unterstützt durch die deutschsprachigen Kaufleute (vor allem die Gilden der “Schwarzhäupter”), die Reformideen aus Wittenberg. In den 1530er Jahren trug man den neuen Glauben dann wieder zurück nach Deutschland. Luther hat allerdings auch Gefahren der Verbreitung “seiner” Reformation in Livland gesehen. Anfang der 1520er-Jahre schrieb er sorgenvolle Sendbriefe an den Magistrat von Riga, aus denen klar wird, dass er selbst den Einfluss Wittenbergs für begrenzt hielt. Sorge bereiteten Luther “Schwärmer” wie der Wanderprediger Melchior Hofmann, ein Kürschner aus Schwäbisch Hall, der in Livland um 1525 mehrere Bilderstürme anzettelte, so dass man ihn in Wittenberg schnell wieder fallen ließ. Doch die tatsächlichen Zusammenhänge sind schwer zu beurteilen, da die Quellenlage – vor allem in Dorpat – desaströs ist. So waren Wissenschaftler aus Estland elektrisiert, als sie auf Blocks Predigerbibliothek aufmerksam wurden. Schnell war klar, dass die Lebensgeschichte dieses “stummen Predigers” – nicht nur für Livland – einen missing link der frühen Reformationsgeschichte Europas darstellt.

Blocks Besitzvermerke zeigen, dass er erst in Livland wirklich Karriere machte. In Dorpat wurde er um 1520 als Prädikant an der Stadtpfarrirche St. Marien angestellt; gleichzeitig erhielt er eine Stelle als Prediger an der Kathedrale auf dem Domberg. Ungefähr zeitgleich trat Block unter dem Einfluss des Humanisten Erasmus von Rotterdam und des frühen Luther zur Reformation über. Das verraten seine in den Jahren 1518 bis 1524 erworbenen Bücher. Die Reformation kostete den Dorpater Prediger jedoch seine Existenz, denn im Chaos des Bildersturms von 1524/25 verlor er beide Predigerstellen. Block war offenbar zwischen die Mühlsteine des Stadtrats und des Dorpater Bischofs Johannes Blankenfeld geraten, der in Personalunion als (Erz-)Bischof von Riga, Reval und Dorpat einer der mächtigsten Herren Livlands war. Beide Akteure zerfleischten sich in ihrem Kampf um die politische Vorherrschaft in der Stadt mit ihrem riesigen Hinterland. Die Reformation, vor allem die Frage, wer den Klerus kontrollierte und von den materiellen Gütern der Kirche profitieren konnte, war zu einem Politikum geworden, über das auch der Dorpater Prediger Block stolperte – und schließlich fiel.

Schlosskirche in Wiburg/Südostfinnland, Wirkungsort Blocks 1528-1532. Foto: A. Savin (Wikimedia Commons). Lizenz: CC-BY-NC-ND (2.5)

Nach seiner Entlassung schien Blocks Karriere in Dorpat erst einmal beendet. Fünf Jahre hielt er noch in der konfessionell zerrissenen Stadt aus. In dieser Situation erreichte ihn ein Angebot des Grafen Johannes von Hoya – aus Finnland. Der Adelige residierte in der von deutschen Kaufleuten dominierten Handelsstadt Wiburg (Viipuri/Finnland, heute Wyborch/Russland) und suchte einen Prediger. Block schien ihm dafür der geeignete Mann gewesen zu sein. Ab 1528 diente er Hoya als erster evangelischer Prädikant, der in Finnland bezeugt ist. Vermutlich war er auch an der als “Kaderschmiede” berühmten Wiburger Lateinschule tätig, wozu ihn seine Bücher sicherlich befähigten. Im Ankunftsjahr Blocks in Wiburg (1528) hatte der bisherige Schulrektor, der Däne Clemens Erasmi, die Stadt in Richtung der alten Bischofsstadt Turku (Abo) verlassen. Vermutlich hat ihn Block als Schulleiter ersetzt. Erasmi nahm seinen besten Schüler Michael Agricola mit, der später in Diensten des schwedischen Königs Gustav Wasa zum Reformator Finnlands werden sollte. Dass auch Block zur Gruppe der ersten Reformatoren Finnlands – wenn auch mit einer anderen Ausrichtung – zählte, war bislang unbekannt, denn auch hier sind die Quellen für die Zeit bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts rar.

Leider ereilte Block in Wiburg das gleiche Schicksal wie in Dorpat. Sein Dienstherr Hoya kontrollierte von seinen Festungen Savonlinna im mittelfinnischen Seengebiet und Wiburg an der Küste einen Machtbereich, der ganz Ostfinnland (Karelien) umfasste. In dieser Funktion war der Graf schon bald in das Fadenkreuz seines Schwagers (!) Gustav Wasa geraten. Der schwedische Regent nutzte die Reformation vom westfinnischen Turku aus für eine Expansionspolitik Richtung Osten aus. Dem stand der Wiburger Graf im Weg und somit wurde auch Blocks Lage prekär.

Geleitbrief von Graf Johannes von Hoya für seinen Prediger Johannes Block (Wiburg/Finnland, 15. August 1532). Riksarkivet Stockholm, Strödda historiska handligar 1a. Foto: Riksarkivet Stockholm. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Der Wiburger Prediger scheint die von der schwedischen Krone ausgehende Gefahr erkannt zu haben und reagierte geistesgegenwärtig: Ausgestattet mit einem Geleitbrief seines Dienstherren setzte er sich Mitte August 1532 in seine Heimat ab. Hoya hingegen musste dem politischen Druck nachgeben und ging 1533 nach Reval ins Exil. Block hingegen befand sich in seiner Heimat Pommern in relativer Sicherheit. Doch anerkannt war er noch keineswegs. Zu Beginn der Fastenzeit 1533 musste er seine erste reformatorische Predigt auf dem Friedhof des Hospitals St. Jürgen vor den Toren Barths abhalten, vor einer Zuhörerschaft aus Pestkranken und Tagelöhnern, die kein Bürgerrecht in der Stadt hatten. Mehr als eine derartige “Sondierungspredigt” war vor Einführung der Fürstenreformation in Pommern kaum möglich.

Pestspital St. Jürgen bei Barth (um 1980), erster Wirkungsort Blocks als Prediger in Pommern (1533). Foto: Chron-Paul (Wikimedia Commons). Lizenz: CC-BY-SA (4.0)

Block riskierte es tatsächlich, noch einmal nach Finnland zurück zu gehen. Hier gelang es ihm, seine Frau (er hatte sie in Liv- oder Finnland geheiratet) aus dem zusammenbrechenden Wiburg heraus zu holen. Auch seine Büchersammlung, die zu diesem Zeitpunkt etwa 90 Bände umfasste, konnte Block evakuieren. 1534 war er wieder in Pommern, wo die Herzöge mit Bugenhagens Hilfe inzwischen die Reformation eingeführt hatten. Von der Barther Marienkirche aus diente Block der Fürstenreformation als oberster Prädikant und evangelischer Pastor bis zu seinem Tode (1544/45).

Das Buch der Staatsbibliothek kommt zu Wort

Wie lässt sich die Bedeutung des Berliner Bandes aus Blocks Bibliothek nun einordnen? Der Codex kann erst nach 1514 in seinen Besitz gekommen sein. In diesem Jahr stockte Block seine Kamminer Pfründe von 4 auf 80 Mark (!) jährlich auf, wie eine kürzlich in der Staatsbibliothek entdeckte Quelle belegt. Ferner wird Block im Berliner Band als Prediger Dorpats bezeichnet (die Passage predicator[is] T[arbatensis] ist am Ende durch Ausriss kaum lesbar), so dass er es vor seiner Entlassung um 1524/25 erworben haben muss.

Pründenvermerk des Kamminer Klerikers Johannes Block. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Ms. boruss. fol. 97, 28r. Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Der Band mit den beiden Inkunabeln, den Block 1514/25 in Dorpat in einem soliden Holzdeckeleinband kaufte, war bereits “antiquarisch”, denn die beiden Drucke waren schon 40 bis 50 Jahre auf dem Markt. Block erwarb hier mit ‘De officiis’ und den ‘Paradoxa stoicorum’ zwei Lehrschriften des antiken Staatsmanns und Philosophen Cicero (Mainz, 1465), dazu den Fürstenspiegel ‘De regimine principum’ des französischen Dominikaners Vinzenz von Beauvais (Rostock, 1477). Beide Ausgaben – Cicero wie Vinzenz von Beauvais – sind über die Digitalen Sammlungen der Berliner Staatsbibliothek zugänglich.

Der Buchschmuck ist – wie damals üblich – per Hand in die gedruckten “Rohlinge” eingemalt. Der Verfasser dieses Blogs hat ähnliche Belege aus Stralsund gefunden, so dass der Band dort verkaufsfertig gemacht und mit den Livlandfahrern nach Dorpat exportiert worden sein dürfte. Hier fügte er sich in Blocks Bibliothek gut ein, die um 1515/20 vor allem aus humanistischer Gelehrten- und spezialisierter Predigtliteratur bestand. Blocks Umgang mit Cicero und Vinenz von Beauvais zeigt das Selbstbewusstsein des humanistischen Gelehrten, der schon in seiner Jugend Griechisch gelernt hatte und die griechischen Passagen in seinem Cicero lesen und verstehen konnte. Dazu glossierte er in Humanistenart den Text, indem er zwischen den Zeilen sprachliche Synonyme eintrug. Humanistisch sind auch seine Querverweise auf den Kirchenvater Augustinus und auf das historiographische Werk des in Deutschland damals populären Humanisten Enea Silvio Piccolomini.

Eingangsseite von Blocks Cicero-Druck von 1465. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Inc. 1515,5, 1r. Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Ein Rätsel bleibt, wie und wann der Codex aus Barth nach Berlin gelangt ist. Laut Akzessionsvermerk und einem (ziemlich unsensibel) in die Eingangsinitiale gestempelten Besitzvermerk wurde der Band 1912 regulär von der Königlichen Bibliothek erworben. Die beiden wertvollen Inkunabeln – vor allem der berühmte Schöffer-Druck von 1465 – haben die Barther Kirchengemeinde wohl bewogen, den Band zu veräußern. Dass man damit auch ein Zeugnis der eigenen Vergangenheit verkaufte, war den damaligen Hütern der Kirchenbibliothek nicht bewusst. Auch deshalb ist man froh, dass der Band des “stummen Reformators” aus Pommern in Berlin erhalten geblieben ist.

Ein wissenschaftlicher Katalog der rekonstruierten Bibliothek Blocks wird vom Verfasser dieses Blogs vorbereitet. Er soll im Herbst oder Winter 2017 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig erscheinen. Dem Katalog beigegeben sind die Beiträge einer Fachtagung mit Geschichts-, Buch- und Reformationswissenschaftlern aus Deutschland, Finnland, Estland und der Schweiz, die im September 2015 am Barther Bibelzentrum stattfand. Zu anderen “Highlights” der wertvollen Büchersammlung von St. Marien sei auf den Band “Einblicke: Bücher aus der Barther Kirchenbibliothek im Fokus” verwiesen, der im vergangenen Jahr erschienen ist.

 

 

 

Projekt E.T.A. Hoffmann Portal geht in die zweite Runde

Hurra – unser Folgeprojekt zum E.T.A. Hoffmann Portal ist genehmigt! Nachdem die BETA-Version des Portals nun seit Mitte Dezember online ist, neigt sich das erste Projekt zur Einrichtung des Portals (HoPo1) langsam dem Ende zu. Derzeit arbeitet unsere Entwicklerin – bis zum offiziellen Launch – kontinuierlich an der Optimierung der Funktionalitäten und der Erweiterung von Textbeiträgen und interaktiven Elementen. Parallel stellen wir aber auch schon die Weichen für unser Folgeprojekt (HoPo2), das im Januar 2017 offiziell gestartet ist und zwei neue Schwerpunkte beinhaltet: die Digitalisierung von Hoffmanniana und die Erweiterung des Angebots auf Einflüsse und Rezeption.

Während der Fokus von HoPo1 auf der Einrichtung der Infrastruktur und der Vermittlung von E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk lag, widmet sich HoPo2 der Produktion von digitalen Inhalten und der Vermittlung von einerseits Einflüssen auf Hoffmann und andererseits der Rezeption von Hoffmann durch andere Künstler*innen und Wissenschaftsbereiche. Aktuell arbeiten wir an der Erstellung einer Liste der zu digitalisierenden Materialien und testen den eigens entwickelten Digitalisierungs-Workflow. Das Folgeprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und gliedert sich in drei inhaltliche Arbeitspakete:

1 Digitalisierung der Werke Hoffmanns, seiner Einflüsse und seiner Rezeption

Geplant ist die Digitalisierung von etwa 2.000 Bänden, darunter Erstausgaben, illustrierte Drucke, Autographe, frühe Forschungsliteratur und Werke, die E.T.A. Hoffmann nachweislich besessen hat. Hinzu kommen in Auswahl Werke, die Hoffmann in seinem Schaffen beeinflusst haben, sowie Werke, die Hoffmanns Motive aufgreifen oder ganz grundsätzlich durch Hoffmann beeinflusst wurden.

2 Dokumentation der Einflüsse und der Rezeption E.T.A. Hoffmanns

Die vielfältigen Einflüsse auf Hoffmann und die Rezeption seines Schaffens sind bisher nicht zentral dokumentiert, vor allem eine medienübergreifende Zusammenstellung und Präsentation ist ein Desiderat. In enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft soll ein Arbeitsinstrument geschaffen werden, das die relevanten Informationen zusammenführt, diese mit digitalen Primärmaterialien verknüpft und visuell aufbereitet zugänglich macht. Das Projekt versteht sich in diesem Punkt ein weiteres Mal als Entwickler und Etablierer einer neuen Infrastruktur, auf deren Basis nach Projektende kontinuierlich weitere Inhalte verschiedener Institutionen aufgenommen werden können.

3 Aufbereitung von Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen

Analog zu den Textbeiträgen und interaktiven Elementen, die im Projekt HoPo1 entwickelt und aufbereitet wurden, sollen nun in Kooperation mit Wissenschaft und Lehre Informationen zur Vermittlung von Hoffmanns Umfeld, seinen Einflüssen und der Rezeption durch andere Künstler*innen und Forscher*innen bereitgestellt werden. So soll beispielsweise eine Netzwerkdarstellung Hoffmanns Bekanntenkreis veranschaulichen und Personenkonstellationen verdeutlichen, eine grafisch aufbereitete Rezeptionsanalyse soll den Bezug Hoffmanns zu Persönlichkeiten wie Peter Tschaikowski, Thomas Mann oder Franz Kafka aufzeigen.

Bleiben Sie uns treu, verfolgen Sie die Entwicklungen und senden Sie uns Kritik und Anregungen!

Nachlass Alexander von Humboldts digital + erschlossen für jeden zugänglich Abschlusskonferenz mit Science-Slam

Für viele Zweige der Wissenschaften wie auch für all jene, die die Forschungen und Impulse des Forschers, Entdeckers, Netzwerkers und Europäers, des in jeder Hinsicht bemerkenswerten Berliners Alexander von Humboldt (1769-1859) aufnehmen wollen, gibt es jetzt keinerlei Beschränkungen mehr: Der gesamte Nachlass einschließlich der neun weltberühmten, im Jahr 2013 von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworbenen Amerikanischen Reisetagebücher ist im Netz digital zugänglich und erschlossen.

Alexander von Humboldts Nachlass online
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

Abschlusskonferenz am 17./18. Januar 2017
„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33
Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan
Kostenlose Anmeldung: http://sbb.berlin/ps64d9

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Zum bevorstehenden Abschluss des über drei Jahre vom Bund geförderten Projektes führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aus: „Mit Begeisterung unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das gemeinsame Vorhaben der Staatsbibliothek zu Berlin und der Universität Potsdam, die 2013 von der Bibliothek erworbenen neun Tagebücher der Amerikanischen Reise Alexander von Humboldts sowie seinen gesamten Nachlass digital aufzubereiten und nach bestimmten Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Denn für die Wissenschaften wie auch für jeden Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste ist es ein großer Gewinn, ohne irgendeine Einschränkung via Internet mit rund 75.000 Images den überlieferten Humboldt-Nachlass in seiner Gesamtheit lebendig werden lassen zu können. Die von ihm geschaffenen Inhalte wie auch die jeweiligen Erscheinungsbilder seiner Reistagebücher, Briefe, Notizen, Forschungsaufzeichnungen, Manuskripte und einzigartigen Themensammlungen sind jetzt in bester Qualität anzuschauen und zu recherchieren. Ich lade herzlich dazu ein, sich mit den von Humboldt in der Regel sehr eng beschriebenen Blättern und den teils über Jahrzehnte hinweg ergänzten Annotationen zu befassen, mit seinen zahlreichen Querverweisen auf frühere Erkenntnisse, mit seinen Zeichnungen von geologischen Formationen, von Tieren, Pflanzen und Menschen! Beispiele für die intensive Befassung mit einzelnen Fragestellungen präsentieren demnächst junge Wissenschaftler aus Potsdam – auch ich sehe gespannt den Ergebnissen ihrer dreijährigen Forschungen entgegen. Zunächst aber übergeben wir mit Freude der Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Fundus, der in der thematischen Breite und Tiefe seinesgleichen sucht und und dessen allgemeine komfortable Zugänglichkeit eben deshalb ein zentrales Anliegen der Staatsbibliothek zu Berlin war.“

Berlin und Krakau: Nachlass restauriert, digitalisiert, erschlossen

Generaldirektorin Schneider-Kempf bedankt sich besonders bei ihrem Amtskollegen Direktor Pietrzyk von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau. Dort befindet sich kriegsbedingt ein Teil des Nachlasses Alexander von Humboldts. Und so war es nur in gemeinsamer Anstrengung und im kollegialen Einvernehmen möglich, den Nachlass komplett zu digitalisieren und zu erschließen. Diese wichtige internationale Kooperation wurde über die umfangreiche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hinaus ab Oktober 2015 zusätzlich von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien finanziell unterstützt.
Vor der Digitalisierung wurde in Berlin und Krakau jedes einzelne Blatt dahingehend überprüft, ob restauratorische Schritte zu unternehmen waren. Zudem wurden alle Dokumente in neu beschriftete, säurefreie Mappen und Kästen umgelagert.

Insgesamt wurden von rund 22.000 Blatt des Nachlassteils in der Staatsbibliothek zu Berlin 50.000 Images gefertigt (darin rund 4.000 Images von den Amerikanischen Reisetagebüchern). Der Nachlassteil in Krakau umfasst etwa 11.000 Blatt, davon wurden 25.000 Images gefertigt. Insgesamt handelt es sich um 33.000 Blatt, teils sehr komplexe Dokumente, von denen 75.000 Images gefertigt wurden.

Potsdam: junge Wissenschaftler erforschten Reisetagebücher

Seit Anfang des Jahres 2014 arbeiten am Institut für Romanistik der Universität Potsdam unter der Leitung von Ottmar Ette in einem international besetzten Team drei Doktorandinnen und zwei Postdoktoranden an der Erforschung der neun Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die etwa 4.000 eng beschriebene Seiten umfassen.
Untersucht wurden die Tagebücher, die Humboldt während seiner Entdeckungs- und Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 geschrieben hatte, nach den Schwerpunkten Landschaftsdarstellung, Darstellung von Sklaverei sowie Skizzen und Zeichnungen. Eine der Untersuchungen galt der Darstellung einer italienischen Reise aus dem Jahr 1805, diese Aufzeichnungen hatte Humboldt in das Konvolut der Amerikanischen Reisetagebücher mit eingebunden. Zu jeder Untersuchung der Potsdamer Wissenschaftler entsteht derzeit je eine Monographie.
Für die Wissenschaftler gab es auch gemeinsame Fragestellungen, etwa nach der Arbeitsweise Alexander von Humboldts, der lebenslang an und mit den Tagebüchern arbeitete. Auch waren die Bedingungen, unter denen er reiste und forschte, sowie die literarischen Verfahren seines Schreibens von gemeinsamem Forschungsinteresse. Während der gesamten Projektlaufzeit von 2014 bis jetzt berichteten die jungen Wissenschaftler in Fachkreisen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit fortlaufend mit Vorträgen und Publikationen von ihren Forschungsergebnissen, weitere sind in Vorbereitung.

Konferenz zum Abschluss des BMBF-Verbundprojektes
am 17./18. Januar 2017 in Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Universität Potsdam laden nun unter dem Titel „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“ zur abschließenden Konferenz ihres Verbundprojektes ein.
Eine moderne Form der Auseinandersetzung mit Humboldts Werk und Schaffen wird der Wissenschafts-Slam am Nachmittag des 17. Januar sein: Eine Kunsthistorikerin, ein Physiker und eine Alt-Amerikanistin werden je zehn Minuten über Die Maisgöttin, ein 37 x 17 x 16 cm großes, aus Tuffstein geschaffenes und über 6,5 kg schweres Objekt aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ‚slammen‘. Alexander von Humboldt schenkte diese mexikanische Aztekenfigur dem Preußischen König.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy beantwortet die mit dem Titel ihrer Rede gestellte Frage „Kultur(gut) besitzen?“. Von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau spricht Monika Jaglarz zu „Ein ungehobener Schatz? Die Berliner Sammlungen in Krakau“. Ottmar Ette von der Universität Potsdam spricht über „Humboldts globale Landschaften“. Julian Drews von der Universität Potsdam und Sandra Ewers von der Staatsbibliothek zu Berlin beleuchten die Bedeutung und den Verlauf des gesamten BMBF-Verbundprojektes. Am Schluss der Konferenz stellen Jutta Weber und Barbara Schneider-Kempf, beide Staatsbibliothek zu Berlin, weitere Perspektiven von Kooperationen vor.

Link zum vollständigen Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan

Besucher im Sommer und Reisen um die Welt

Sommerzeit ist Reisezeit, auch oder gerade für Besucher des Lesesaals der Handschriftenabteilung.

Sie nutzen die vorlesungsfreie Zeit für Bibliotheksreisen, um neue Projekte zu starten und alte Manuskripte zu sehen. Unter Manuskript, aus dem lateinischen manu scriptum,  von Hand geschrieben, verstehen wir weit mehr als die umgangssprachlichen Druck- oder Sendevorlagen. Mit einem Einband versehene, gebundene Handschriften, auch Codices genannt, werden unter regionalen, sprachlichen, inhaltlichen Aspekten oder nach ihrer Herkunft gesammelt und erschlossen. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert. Manuskripte befinden sich natürlich auch in Nachlässen. Der Nachlass einer Person oder Vereinigung wird nach Materialarten in Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente und Sammlungen gegliedert. Da kein Stück dem anderen gleicht gibt es eine Unzahl von Signaturen und Nachweisen. Die Fülle der abendländische Handschriften mit 37 Signaturenreihen  zeigt die Signaturenübersicht der Homepage. Durch kriegsbedingte Verlagerungen, die Teilungsgeschichte der Bibliothek und unzählige Sonderfälle gibt es noch weit mehr Nachweisinstrumente als den Stabikat. Denn für solch individuelle Stücke ist der Stabikat noch nicht das geeignete Nachweisinstrument.

Auskunft im Lesesaal

Wenn Sie auf Nachweise mit Hdschr. Ham. und  Alb.am., Nachl. oder Dep . stoßen und zunächst nichts damit anfangen können, so lohnt sich eine direkte Nachfrage bei der Auskunft im Lesesaal. Nur eine korrekte Signatur führt zu dem gewünschten Objekt.

Voranmeldungen aus aller Herren Länder gibt es  besonders jetzt im Sommer. Gestern wird die mail abgeschickt, heute steht der Besucher schon im Lesesaal und bestellt, wo er schon mal da ist vielleicht auch 10 und mehr Handschriften und Nachlasskästen. Das bringt dann die Kollegen aus dem Magazin ins Schwitzen, denn Folio- und Großfolio-Bände mit Eichenbrettern als Material für die Einbanddeckel können sehr schwer sein.

Empfindliches als Faksimile und in der Digitalen Bibliothek

Bei manchmal unvermeidlichen tropischen Temperaturen, auch im Lesesaal, kann dann eine Handschrift, besonders wenn es eine Zimelie ist, also eine besonders wertvolle Handschrift, nicht bereitgestellt werden. Denn solche Temperaturschwankungen und die Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit sind aus konservatorischen Gründen Gift für alte Werke. Besonders Pergamenthandschriften reagieren darauf sensibel. In der Antike bezeichnete man diesen Beschreibstoff, der vor allem vor der Erfindung des Papiers verwendet wurde, nach dem Ort Pergamon in Kleinasien, der heutigen Türkei. Auch nach 500 oder 1000 Jahren reagieren diese ursprünglichen,  nur leicht bearbeiteten und getrockneten Tierhäute mit Ausdehnung. Der Handschriftenband passt nach der Benutzung nicht in seinen Schutzbehälter, Schließen können nicht geschlossen werden. Für Wissenschaftler ist die Arbeit mit den Originalen unverzichtbar, aber zum Glück besitzen wir eine außerordentlich große Sammlung an Faksimiles und  auch unsere digitalen Sammlungen weisen immer mehr Handschriftenbände nach. Schaut man sich die digitalisierten Seiten von

Ms. Phill. 1896  aus dem 8./9. Jh. an,

kann man genau die Fleisch- und die Haarseite des Pergaments erkennen, sowie die zerstörerische Kraft der Eisengallus-Tinte.

Zu Hause rund um die Welt

Gut, die schönsten Reisen finden sprichwörtlich im Kopf oder vielleicht beim Lesen statt. Für alle Daheimgebliebenen kann es daher spannend sein, Reisebeschreibungen zu lesen. Es gibt unzählige gedruckte Werke dieser Art, auch in unserem Bestand. Die Reisetagebücher der großen Weltreisenden wie Alexander von Humboldt,  Georg Forster,   Adelbert von Chamisso  sind bekannt und  ihre erlebnisreichen Aufzeichnungen können sogar über digitale Portale betrachtet werden. Weniger bekannte Schilderungen findet man aber auch in den digitalen Sammlungen, wie eine Beschreibung der  Reise von Bamberg nach Jerusalem im Jahr 1467.

Adelbert von Chamisso, der spätere Weltreisende, schrieb in der Abgeschiedenheit des brandenburgischen Kunersdorf im Jahr 1813 „Peter Schlemiels Schicksale“ nieder: Als Ms. germ. qu. 1809 ging das Heft mit der Geschichte um den Mann ohne Schatten und seine lange Reise  in unsere Bestände ein. Als solches kann man das Heft in den digitalen  Sammlungen sehen oder als Faksimile erwerben. 

Zwei Jahre später brach er im Juli 1815 in Berlin auf und begann am 17.August 1815 seine Weltreise auf dem Expeditionsschiff „Rurik“ unter Otto von Kotzebue. Er bezeichnete den 17. Juli 1816 als den Beginn der „Sommercampagne“, den Beginn der Nordfahrt durch die Beringsee und die angrenzenden Regionen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent.  Seine Manuskripte, auch  zum Nachlesen gibt es im Katalog „Weltreise- Forster-Humboldt-Chamisso-Ottinger “, ein wunderbares  Werk mit zwei Bänden, auf temperatur- und alterungsbeständigem Papier gedruckt. Im Lesesaal kann man es studieren oder sein eigenes Exemplar – für den Balkon- erwerben.

Es liegt auf der Hand, Reisen bildet…

An der Handschrift mit der Signatur Ms. Phill. 1479 scheint etwas besonders  Reizvolles zu sein. Diese kleine griechische Handschrift mit fünf Abschnitten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde bislang selten benutzt. In der Datenbank Manuscripta Mediaevalia wird sie kurz  verzeichnet. Jetzt ist das Interesse daran so groß, dass innerhalb von vier Monaten Besucher aus Frankreich, Italien und den USA diesen Band  sehen wollen, der noch nicht digitalisiert wurde. Sie enthält zwei griechische Tragödien nach Euripides und Traktate zu prognostischen Methoden. Vielleicht sind es ja die charmanten Zeichnungen mit Angaben zur Handlesekunst und ein Text zur Chiromantie.

Das 18. Jahrhundert wird lebendig!

Welche Vorstellungen haben wir vom Leben im 18. Jahrhundert und wodurch werden sie geprägt? Neben musealen Gegenständen, Gebäuden, Parks und anderen Hinterlassenschaften (denken wir nur an die Musik) sind es vor allem die papiernen Kulturgüter, die Einblicke in das damalige Leben gewähren. Die Staatsbibliothek besitzt nicht nur herausragende Musikalien, Handschriften und Karten aus dieser Zeit, sondern auch eine der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen Historischer Drucke dieser Zeit. Aus diesem Grund nimmt sie seit 2009 an dem kooperativen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt VD 18 teil. Gemeinsam mit anderen Bibliotheken Deutschlands entsteht ein „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts“, das zugleich als Nationalbibliographie und digitale Bibliothek firmiert. Wer bibliographische Recherchen über den bereits redigierten und digitalisierten Projektbestand (150.000 Titel) der beteiligten Bibliotheken durchführen möchte, dem sei die VD18-Datenbank empfohlen. Möchte man sich durch die digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek bewegen und digitalisierte Drucke des 18. Jahrhunderts erkunden, dann ist man hier an der richtigen Adresse. Über 20.000 Werke können hier bereits durchsucht und gelesen werden. Rasch fällt auf, dass unsere Schwerpunkte bei Sprachen / Literaturen, der Theologie und der Rechtswissenschaft liegen.

Ein Blick auf die unterschiedlichen Gattungen der digitalisierten verzeichneten Drucke ergibt folgendes Bild:

Gelegenheitsschrift (davon 1/3 Funeralschriften) 26 %
Universitätsschrift, Dissertation, Schulschrift 19 %
Verordnung, Edikt, Amtsdruckschrift 8 %
Lied oder Liedersammlung, Lyrik 15 %
Roman, Schauspiel, Komödie, Tragödie, Traktakt 7 %
Flugschrift, Streitschrift, Kolportageliteratur 13 %

Diese und andere Gattungsbegriffe kann man auch für die Suche heranziehen. Beispielsweise erhält man nach Eingabe der Suchanfrage “genre_aad:verordnung” 1.345 Treffer im SBB-VD18-Bestand, darunter auch die Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark : De Dato den 16ten April 1794 oder auch Anweisung wie gute Maulbeer-Baum-Hecken mit dem besten Fortgang anzulegen, und nützlich zu gebrauchen sind von 1768.

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2"An 8630-10 R

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2″An 8630-10 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet$dvon der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4" 3 N 597 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet von der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4″ 3 N 597 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4" Lo 4747 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4″ Lo 4747 R

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der Imagedigitalisierung werden ebenso Strukturdaten erfasst, die die Suche nach Kapitelüberschriften oder speziellen buchkundlichen Gesichtspunkten (Kupfertitel, Druckermarke u.a. – z.B. type:bookplate) gestatten. Auch die Suche nach illustrierten Werken ist möglich (type:illustration). Derzeit sind 1.741 Werke im VD18-Segment der Staatsbibliothek illustriert, beispielsweise auch Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet oder Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben.

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist vor kurzem in den zweiten Abschnitt der Projekthauptphase eingetreten und beabsichtigt, in den kommenden zwei Jahren weitere 10.000 Titel zu digitalisieren.

Wer mehr über das Projekt und seine bibliothekarischen Hintergründe erfahren möchte, sei auf den Artikel Das VD 18 – Aufklärung gefällig? im Bibliotheksmagazin 2/2016, S. 53ff. verwiesen.

 

[Text von Maria Federbusch.]

Zauberhafte Romantik – 200 Jahre Undine von E.T.A. Hoffmann

Heute vor 200 Jahren war ein großer Tag für den Universalkünstler E.T.A. Hoffmann. Als Komponist hatte er es endlich geschafft: Am 3. August 1816 fand anlässlich des Geburtstags von König Friedrich Wilhelm III. im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin die Uraufführung seiner romantischen Oper Undine statt. Schon lange träumte er davon, dass sein „Name nicht anders als durch eine gelungene musikalische Komposition der Welt bekannt werden soll“ (Brief vom 20. Juli 1813 an seinen Verleger Carl Friedrich Kunz). Mit der Undine – seinem bedeutendsten Bühnenwerk, an dem er schon seit 1813 arbeitete – sollte dieser Traum für ihn in Erfüllung gehen. Die Zauberoper gehört zu den wichtigsten musikalischen Werken der Romantik. Sie gilt als Vorläuferin von Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz und als erste romantische Oper in Deutschland überhaupt.

 

Die Undine in Berlin

Hoffmann komponierte für die Undine die Musik. Das Libretto stammt von dem befreundeten Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, der sich hierbei auf seine gleichnamige Erzählung aus dem Jahr 1811 stützte. Undine ist ein weiblicher Wassergeist und hofft auf eine eigene Seele, wenn sie einen menschlichen Ehemann findet. Mit Ritter Huldbrand scheint Undine trotz der Warnungen ihres Onkels, dem Wasserfürsten Kühleborn, einen solchen Mann gefunden zu haben. Nach einer abenteuerlichen Liebesgeschichte finden die beiden ihr Glück nicht an Land, sondern tauchen gemeinsam in das Reich der Wassergeister ein.

Kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel schuf für die Undine die lebhaften Bühnenbilder – wie zum Beispiel den Wasserpalast Kühleborns oder den Marktplatz mit Brunnen – und trug damit zur zauberhaften Atmosphäre der Oper bei. So ist es nicht verwunderlich, dass sie zu einem großen Erfolg wurde.

 

Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel für den 1. Auftritt des 2. Aktes; Marktplatz mit Brunnen © bpk / Kupferstichkabinett, SMB

Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel für den 1. Auftritt des 2. Aktes; Marktplatz mit Brunnen © bpk / Kupferstichkabinett, SMB

 

Alle Aufführungen waren sehr gut besucht und auch die Kritiken waren äußerst positiv. Carl Maria von Weber, den E.T.A. Hoffmann in Berlin kennenlernte, war in seiner Kritik voll des Lobes:

„Das ganze Werk ist eines der geistvollsten, das uns die neuere Zeit geschenkt hat. Es ist das schöne Resultat der vollkommensten Vertrautheit und Erfassung des Gegenstandes, vollbracht durch tief überlegten Ideengang und Berechnung der Wirkungen alles Kunst-Materials, zum Werke der schönen Kunst gestempelt durch schön und innig gedachte Melodien.“ (Carl Maria von Weber: Über die Oper „Undine“ von Motte-Fouqué und Hoffmann)

Leider sollte der Erfolg der Oper schneller vorbei sein als gedacht. Nach nur 14 Aufführungen vernichtete ein Brand im Königlichen Schauspielhaus alle Requisiten. Da eine Wiederaufnahme aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte, war hiermit nicht nur der Undine, die zu Hoffmanns Lebzeiten nur noch in Prag und dann erst wieder im 20. Jahrhundert erneut zur Aufführung gebracht wurde, ein jähes Ende gesetzt worden. Auch Hoffmann trat danach als Komponist nicht mehr in Erscheinung.

 

 Die Undine an der Staatsbibliothek zu Berlin

Ein Highlight der Hoffmann-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin ist die autographe Erstniederschrift der Undine-Partitur. Dieses herausragende Stück gelangte 1847 zusammen mit dem Großteil des musikalischen Nachlasses Hoffmanns als Geschenk seiner Witwe an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV, der es der damaligen Königlichen Bibliothek – der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin – weitergab.

Zum 200. Jahrestag der Undine haben wir ein ganz besonderes Geschenk vorbereitet. Sie finden das Musikautograph von Hoffmann seit wenigen Tagen in unseren Digitalisierten Sammlungen. So können Sie sich nun bequem online dieses außerordentliche Objekt deutscher Musikgeschichte anschauen und gemeinsam mit E.T.A. Hoffmann in die Zauberwelten der Wassergeister abtauchen:

 

 

Wenn Sie mehr über Hoffmann und die Musik sowie seine Kompositionen erfahren wollen, seien Sie gespannt auf das neue E.T.A. Hoffmann-Portal. Dort werden Sie nicht nur einige inhaltliche Beiträge zu dem Thema finden, wir werden auch nahezu das gesamte noch erhaltene musikalische Werk E.T.A. Hoffmanns präsentieren.

Relaunch der Digitalisierten Sammlungen

Relaunch der Digitalisierten Sammlungen mit flexiblem PDF-Download

Nach umfangreichen technischen Vorarbeiten hat unser Beta-Portal der Digitalisierten Sammlungen nun einen Reifegrad erreicht, der eine Umstellung des Produktivsystems erlaubt. Die NutzerInnen  können sich nun unter anderem auch über ein Feature-Revival freuen:

PDF-Download – aber richtig

Vor einiger Zeit sahen wir uns gezwungen, den bei Ihnen sehr beliebten PDF-Download abzuschalten, stattdessen wurden Bilder in einem .ZIP Archiv ausgeliefert. Der einzige Grund hierfür war eine Überlast unseres zentralen Servers. Der alte Prozess rechnete die hochauflösenden Bilder nach Anfrage des Downloads in eine mittlere Auflösung um, band sie dann in ein PDF zusammen und verschickte dies an die NutzerInnen. Dies führte regelmäßig zu einer Überlast des Imageservers, was in abgebrochenen Downloads resultierte. Die von anderen Einrichtungen oft gewählte Variante, alle PDFs vorzuberechnen und direkt aus dem Dokument-Management-System auszuliefern, war für uns nicht praktikabel: allein das Umrechnen der bestehenden 114.000 Werke hätte über ¼ Jahr gedauert.

Der nun vorgestellte Ansatz funktioniert gänzlich anders: die wesentlichen Rechenprozesse werden mit Hilfe von JavaScript/HTML5 (https://parall.ax/products/jspdf) auf die Rechner der anfragenden NutzerInnen ausgelagert. Auch mit älterer Hardware stellt dies in der Regel kein Problem dar, ermöglicht jedoch eine bisher auch bei anderen Portalen weltweit unbekannte Flexibilität: nicht nur der Seitenbereich kann selbst gewählt werden (auch auf Grundlage des Inhaltsverzeichnisses), sondern sogar die Auflösung der als PDF gebundenen Images kann frei bestimmt werden.

Jedes gescannte Pixel geht auch an die NutzerInnen

So führt ein Wert von 100 Pixeln Breite zu einem Thumbnail-Teppich im PDF, der von uns voreingestellte Durchschnittswert von 1.000 Pixeln ist ein guter Kompromiss von Lesbarkeit und Dateigröße, wir ermöglichen aber auch – ohne wenn und aber – den Download der vollständigen Scanauflösung. Natürlich wie immer ohne verunstaltende Wasserzeichen. Ich verfolge hier strikt die Devise: es ist nicht an uns als Bibliothek, Ihnen eine spezifische Nutzungsweise vorzuschreiben. Daher ist es unsere bewusste Strategie, eine maximale Flexibilität anzubieten.

pdf

Das Nutzerinterface des neuen PDF-Downloads

Um Ihnen die Entscheidung zwischen Qualität und Dateigröße zu vereinfachen, geben wir auf dem Download-Button direkt eine Hochrechnung an, wie groß die angefragte Datei in etwa sein wird. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass es wirklich nur eine grobe Schätzung ist: die reale Dateigröße kann gut um bis zu 100% abweichen.

Ungenauigkeiten aushalten – für eine bessere User Experience

Diese Herangehensweise führte intern zu einigen Diskussionen: BibliothekarInnen schätzen keine Ungenauigkeiten, schon gar nicht in diesen Größenordnungen. Das übliche Vorgehen wäre, eine solche Angabe dann konsequent auszublenden. Ich hingegen bin der Auffassung, dass NutzerInnen die Information, ob der Download ca. 20 MB oder 200 MB groß sein wird, sehr wohl zu schätzen wissen. Die Größenordnung zählt – es ist demgegenüber einigermaßen egal, ob die Datei nun 15, 20 oder 25 MB groß ist.

Wege zum PDF

Sie erreichen den PDF-Download entweder aus der vollständigen Gliederung eines Werkes heraus, bei der Sie beliebige Strukturelemente wie Kapitel für den PDF-Download auswählen können. Oder aber Sie gehen über das Symbol des Werkzeug-Kastens im Bereich “Bild”.

Wege zum PDF-Download

Wege zum PDF-Download

Voraussetzung für die Funktionalität ist zum einen ein HTML5-fähiger Browser sowie aktiviertes JavaScript. Dem PDF vorangestellt wird eine Seite mit den grundlegenden bibliographischen Metadaten sowie dem persistenten Identifier. Für den Ausdruck ist es wichtig zu erwähnen, dass unsere PDFs keine Papiergröße (DIN A4 etc.)  vorgeben: im Druck-Dialog ist daher im Zweifel die Funktion „Auf Papiergröße skalieren“ zu aktivieren.

Der PDF-Download wurde maßgeblich von Tim Jabs realisiert, der erst vor wenigen Monaten seine Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei uns in der Abteilung Informations- und Datenmanagement (IDM) abgeschlossen hat.

Weitere neue Features der Digitalisierten Sammlungen wie Doppelseitenansicht, verbesserte Trefferliste, Expertensuche oder Responsives Design werden wir in separaten Beiträgen in Kürze hier veröffentlichen.