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e-day! Elektronische Ressourcen für das moderne wissenschaftliche Arbeiten am 1.6.

Wissenswerkstatt
e-day!
Elektronische Ressourcen für das moderne wissenschaftliche Arbeiten
Mittwoch, 1. Juni 2016
10 bis 16 Uhr
Haus Potsdamer Straße 33
Zentraler Treffpunkt in der Eingangshalle

Zur Webseite mit Programm
Flyer mit Programm

Wegen des großen Erfolgs in den vorhergehenden Jahren findet der e-day der Staatsbibliothek zu Berlin nun schon zum sechsten Mal statt. Mit jeweils 30-minütigen Vorträgen wird der ständig wachsende Bestand an elektronischen Aufsätzen, Zeitungen, Büchern, Bildern und bibliographischen Informationen vorgestellt. In diesem Jahr stehen die Themen Geschichte, Kunst, Sozialwissenschaften und Philologien im Zentrum. Mit den Demonstrationen zur wissenschaftlichen Internetrecherche, zu E-Books und Digitalisaten wird das breite Repertoire an Datenbanken, Internetportalen und Repositorien bekannt gemacht. Zu den besonderen Präsentationen gehören eine Erste-Schritte-Strategie zur Recherche oder Literaturverwaltung, aber auch zur Nutzung besonderer Medien wie Karten oder Zeitungen.

Zwischen und nach den Vorträgen ist Gelegenheit, das Gehörte gleich auszuprobieren und mit den Informationsspezialisten ins Gespräch zu kommen.

Wie immer ist der e-day ein kostenloser Service für alle Besucher, die gern auch künftige Benutzer sein können.

Fragen beantworten wir gern unter unserer Fachinfo-Mail  oder telefonisch unter 030 266 433 162.

Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Die Indogermanistik in der Staatsbibliothek und gleich nebenan

Vom 17. bis zum 20. Mai 2016 findet unter dem Titel „Sanskrit und die SprachRevolution. 200 Jahre Indogermanistik“  an der Humboldt-Universität Berlin und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Verbindung mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig eine indogermanistische Fachtagung statt. Anlass ist, dass vor 200 Jahren das bahnbrechende Werks von Franz Bopp Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache erschienen ist, das heute als der Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den indogermanischen Sprachen angesehen wird.

Zum Programm kommen Sie hier:
https://www2.hu-berlin.de/indogermanistik/bopp2016/programm.php

Informationen zur Anmeldung erhalten Sie hier:
https://www2.hu-berlin.de/indogermanistik/bopp2016/anmeldung.php
Der Tagungsbeitrag kostet 30,- €, für Studierende ist die Teilnahme kostenlos.

Bopps Werk kommt wissenschaftsgeschichtlich betrachtet einer Revolution gleich – einer Bilderstürmerei gegen die früheren Konzepte zur Sprachverwandtschaft und -entstehung, die im wesentlichen auf den Völkertafeln und dem Mythos von der babylonischen Sprachenverwirrung im Buch Genesis beruhten. Allenfalls die neuzeitliche Wiederentdeckung der Germania des Tacitus setzte etwas andere Akzente. In diesem Zusammenhang sei auf das äußerst lesenswerte und preisgekrönte Buch des Historikers Arno Borst Der Turmbau von Babel verwiesen.
Als Bopp sein Werk veröffentlichte hatte sich im wissenschaftlichen Diskurs der historisch-kritische Blick auf den Bibeltext noch nicht durchgesetzt. Interessant wäre es deshalb, in diesem Zusammenhang die Frage zu stellen, inwieweit Bopps Erkenntnisse von den akademischen Bibelkritikern des 19. Jahrhunderts rezipiert wurden. Verborgen können sie ihnen als profunden Kennern der griechischen Sprache nicht geblieben sein.
Die Entdeckung der Verwandtschaft der mit guten Argumenten im deutschen Sprachraum indogermanisch (und nicht indoeuropäisch) genannten Sprachen mündete in die Etablierung eines eigenen Wissenschaftsfaches, die Indogermanistik. Diese beschäftigt sich vornehmlich mit linguistischen Fragen, aber nicht nur. Die sicher für viele interessanteste Frage konnte sie allerdings bis heute nicht befriedigend klären: Wann und wo lebte das Volk, auf das sich die indogermanischen Völker sprachlich zurückführen lassen, denn dass einstmals irgendwo eine indogermanische Ursprache gesprochen wurde, ist einigermaßen evident – so wie die heutigen romanischen Sprachen auf das Latein der Römer zurückgehen. Einige Erkenntnisse brachte die sog. linguistische Paläontologie, die über die Sachkultur der Indogermanen Aussagen zu treffen vermag. Die Archäologie hat sich aus der Diskussion weitgehend zurückgezogen, seitdem das Dogma von der Gleichsetzung von Kulturprovinzen mit ethnischen Einheiten nicht mehr verfochten wird. Möglicherweise bietet die moderne Paläogenetik einen neuen Ansatz, prähistorische Migrationen zu erkennen und frühe Völkerverwandtschaften zu rekonstruieren. Allerdings ist bislang die Zahl der untersuchten Probandenskelette zur Entnahme des historischen Erbgutes viel zu gering, um gesicherte Aussagen zu treffen.
Im Bestandsaufbau der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Vorgängerinstitutionen besitzt die Literatur zur Indogermanistik einen hohen Stellenwert. Vor wenigen Monaten hat die Staatsbibliothek die vielbändigen Indo-European Etymological Dictionaries Online aus dem Wissenschaftsverlag Brill lizensiert, womit die Leiden Indo-European Etymological Dictionaries nicht nur elektronisch durchsuchbar, sondern auch laufend aktualisiert werden. Hier kommen Sie zu den Wörterbüchern:
http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/detail.php?bib_id=sbb&colors=&ocolors=&lett=fs&tid=0&titel_id=10792

 

 

Die Ur- und Frühgeschichte in der Staatsbibliothek und gleich nebenan

Vom 5. bis zum 8. Mai 2016 findet unter dem Titel „Archäologie & Macht. Positionsbestimmungen für die Zukunft der Vergangenheitsforschung“ im Vortragssaal des Kulturforums, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte statt.

Die Veranstalterin schreibt hierzu: „Archäologie wird in einem komplexen Kräftespiel betrieben, in dem sich auch entscheidet, wie viel fachlich gesteuerte staatliche Archäologie es künftig noch geben wird. Andere Akteure gewinnen rapide an Einfluss, z.B. in Sozialen Medien. Gesetze, welche die Archäologie massiv beeinflussen, werden beschlossen – und die Archäologie agiert und reagiert kaum. …“. Gesucht werden Lösungen aus diesem Dilemma, damit die Erforschung der Vergangenheit eine Zukunft hat. Nebenbei sind auch die beruflichen Perspektiven der Archäologenzunft im Blick zu behalten.

Zum Programm kommen Sie hier:

http://www.dguf.de/index.php?id=392

Informationen zur Anmeldung erhalten Sie hier:

http://www.dguf.de/index.php?id=384

Die Teilnahmegebühr beträgt 70 € bzw. 45 € für Studierende und DGUF-Mitglieder (Aufschlag von 10 € bei Anmeldung im Tagungsbüro).

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF) ist mit mehr als 700 Mitgliedern die größte deutschlandweit auf dem Gebiet der Ur- und Frühgeschichte tätige Vereinigung, in der an Archäologie interessierte Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Forschende zusammengeschlossen sind. Die DGUF bündelt die Interessen der in der Ur- und Frühgeschichte tätigen Gelehrten sowie der Öffentlichkeit mit einem Interesse an der heimischen Archäologie. Die Gründung des Verbandes 1969 war ein Politikum, weil mit der Namensgebung die geplante Wiederbegründung eines anderen, durch die allzu enge Verstrickung in den Nationalsozialismus desavouierten Verbandes erfolgreich obstruiert wurde. Die ehemalige Deutsche Gesellschaft für Vorgeschichte war 1909 von dem einstmals führenden, aber heute stark umstrittenen Prähistoriker Gustaf Kossinna gegründet worden.

Im Bestandsaufbau der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Vorgängerinstitutionen besitzt die Literatur zur heimischen Ur- und Frühgeschichte einen hohen Stellenwert. Die Veröffentlichungen der Landesämter für Archäologie und Denkmalpflege werden vollständig gesammelt. Weltweit werden die wissenschaftlich relevanten Neuerscheinungen recht intensiv erworben, dabei zunehmend auch elektronische Publikationen. Mehr dazu können Sie hier erfahren:

http://staatsbibliothek-berlin.de/recherche/fachgebiete/altertumswissenschaften/

 

Clio Guide – ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften

Auch die Geschichtswissenschaften werden seit einer Reihe von Jahren vom Wandel in der digitalen Fachinformation geprägt. Digitale Quelleneditionen, elektronische Zeitschriften und Handbücher, thematische Webseiten, Blogs und Netzwerke mögen nur als Stichworte dienen. Die Verfügbarkeit elektronischer Volltexte befördert auch hier sukzessive neue Arbeitsformen wie die automatisierte Analyse großer Textkorpora u.ä.  All diese Entwicklungen schwingen bei dem Begriff der Digital Humanities mit.

Ein Wegweiser für dieses zuweilen etwas unübersichtliche Feld der digitalen Ressourcen bietet nun der soeben erschienene Clio Guide, der als Online-Handbuch komplett neu aufgelegt wurde. Ältere Artikel der Clio-Guides, die schon seit längerem auf der Seite von Clio-online, dem Fachportal für die Geschichtswissenschaften, verankert waren, wurden dabei überarbeitet und aktualisiert, der Großteil der Beiträge aber neu geschrieben und ihr thematisches Spektrum beträchtlich erweitert. So wird der Guide eröffnet von dem Bereich „Digitale Arbeitsformen und Techniken“, es folgen die sogenannten „Sammlungen“ – Archive, Bibliotheken und Museen sowie spezielle Quellengattungen -, daran schließen sich als Zentrum des Handbuches „Epochen“ und „Regionen“ an. Beschlossen wird das Werk von den „Themen“,  worunter z.B. einzelne Teildisziplinen der Geschichtswissenschaften wie Umweltgeschichte fallen.
Die Aufsätze zu den historischen „Regionen“ decken nun alle Kontinente ab und bieten so auch für die transnationale Forschung ein gutes Arbeitsmittel.

Im Bereich „Sammlungen“ ist die Staatsbibliothek zu Berlin durch verschiedene Beiträge prominent vertreten. So informieren Jutta Weber und Gerhard Müller (Handschriftenabteilung) über Nachlässe und Autographen, Susanne Maier (Abteilung Bestandsaufbau) widmet sich den amtlichen Veröffentlichungen und Statistiken und Wolfgang Crom und Markus Heinz (Kartenabteilung) beleuchten Karten, die Kartographiegeschichte, sowie Geschichtskarten.

Das Handbuch mit seinen rund 40 Artikeln ist ein Gemeinschaftswerk von Forschenden der Geschichtswissenschaft auf der einen sowie Angehörigen wissenschaftlicher Bibliotheken auf der anderen Seite und spiegelt insofern auch unterschiedlich nuancierte Zugriffe auf die jeweiligen Themen reizvoll wider.

Die Herausgeberschaft eines solchen Werkes stellt erfahrungsgemäß ein mitunter mühsames Unterfangen dar, weshalb diese Aufgabe auch auf mehreren Schultern einer Facharbeitsgruppe von Clio-online ruhte: Laura Busse (HU Berlin), Dr. Wilfried Enderle (SUB Göttingen und Sprecher der Facharbeitsgruppe), Prof. Dr. Rüdiger Hohls (HU Berlin), Gregor Horstkemper (BSB München), Thomas Meyer (HU Berlin), Dr. Jens Prellwitz (SBB Berlin) und Dr. Annette Schuhmann (ZZF Potsdam) waren verantwortlich für die Autorenakquise und die Lektoratsarbeit. Die technische Umsetzung lag im Wesentlichen bei Thomas Meyer, die Gesamtkoordination bei Winfried Enderle, der zudem auch mehrere Beiträge verfasste.

Der Clio-Guide möchte zum einen als faktenorientierte Einführung in die digitale Fachinformation für Studierende der Geschichtswissenschaften dienen, zum anderen aber auch als Nachschlagewerk für Lehrende.

Clio-Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Gregor Horstkemper, Thomas Meyer, Jens Prellwitz und Annette Schuhmann (=Historisches Forum, Bd. 19) Berlin 2016