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Lost in Dissertation? Veranstaltungsreihe für Promovierende ab 27.6.

Wissenswerkstatt

Lost in Dissertation?
Von der Literaturverwaltung bis zur Publikation – Veranstaltungsreihe für Doktorandinnen und Doktoranden Juni/Juli 2017

Während der Promotionsphase stellen sich viele praktische Fragen, die einerseits die Arbeitsorganisation während der Recherche- und Schreibphase betreffen, andererseits aber mit dem entscheidenden abschließenden Schritt – der Publikation – zusammenhängen.
Die Berliner Universitätsbibliotheken und die Staatsbibliothek zu Berlin präsentieren zusammen mit Experten die Themen Literaturverwaltung, Publikationsmöglichkeiten, Open Access und Forschungsdaten. So erhalten Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten Aspekte sowie weiterführende konkrete Informationen zu einzelnen Angeboten der Universitäten.
Alle Infos unter http://sbb.berlin/promovierende

 

Veranstaltungen:

Master of Disaster? Strukturiert und effektiv arbeiten mit Literaturverwaltungsprogrammen
27. Juni 2017, 10.00-12.00 Uhr
Anmeldung

 

Vertrauen ist gut – prüfen ist besser: Qualitätskriterien für wissenschaftliche Publikationen
27. Juni 2017, 13.00-15.00 Uhr
Anmeldung

 

Open Access – freier Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Forschungsdaten und Software
3. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Publish or Perish? Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende
3. Juli 2017, 13.00–15.00 Uhr
Anmeldung

 

Licht und Schatten: Bildrechte beim wissenschaftlichen Publizieren
4. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Forschungsdatenmanagement an der Freien Universität Berlin, der Humboldt Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin
11. Juli 2017, 10.00–12.00 Uhr
Anmeldung

 

Alle Termine finden im Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek (Simón-Bolívar-Saal) statt.
Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung zu den frei kombinierbaren Veranstaltungen wird gebeten.

http://sbb.berlin/promovierende
Flyer zur Veranstaltung

Alle Termine der Wissenswerkstatt

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Netzwerks Informationskompetenz Berlin/Brandenburg (NIK BB), der Staatsbibliothek zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Freien Universität Berlin.

 

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit – Ein Workshopbericht

Wie die Einrichtung der beiden Sonderforschungsbereiche Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa (Universität Hamburg) und Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften (Universität Heidelberg) dokumentiert, haben Forschungen zu Funktion und gesellschaftlichem Status von Handschriftlichkeit gegenwärtig Hochkonjunktur. Dabei profitiert dieser Aufschwung eminent von dem seit einiger Zeit wiedererwachten Interesse der Geistes- und Kulturwissenschaften an Artefakten – ein vielfach als material turn bezeichneter Prozess, der mit der Aufwertung von objekt- und sammlungsbezogenen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen einhergeht. Kein Wunder also, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als spartenübergreifendes Objektrepositorium von Weltrang und drittmittelaktive interdisziplinäre Forschungseinrichtungen ihre Aktivitäten auf den Feldern der material culture studies weiter ausbauen möchte – nicht zuletzt auch auf der Grundlage der im Rahmen der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit: Bibliothek und Forschung im Dialog geknüpften Wissenschaftskontakte.

Vor diesem Hintergrund fand am 29. September 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin unter der Leitung von Reinhard Altenhöner, Jochen Haug und Christian Mathieu ein stiftungsinterner Workshop zum Thema Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit statt, der den Auftakt zu einer Reihe von Folgeveranstaltungen und Arbeitstreffen markieren möchte – mit der klaren Perspektive, interdisziplinäre spartenübergreifende Forschungsaktivitäten sowie als Meilenstein auf diesem Weg zunächst eine gemeinsame Sommerschule in Kooperation mit der universitären Forschung zu realisieren. Dem integrativen Ansatz der von der Staatsbibliothek zu Berlin entfalteten Initiative gemäß waren nahezu alle Stiftungseinrichtungen auf dem Workshop vertreten.

 

Zwischen wissenschaftlicher Kompetitivität und spartenübergreifendem Integrationspotential

Auf Grundlage der im Lauf des Vormittags präsentierten Impulsvorträge umkreiste die lebhafte Plenumsdiskussion die bereits von Präsident Parzinger in seiner Begrüßungsrede angesprochene Herausforderung, die schiere Vielfalt der Forschungsaktivitäten innerhalb der Stiftung in eine für möglichst viele Sammlungen und Einrichtungen anschlussfähige, zugleich aber wissenschaftlich wettbewerbsfähige Fragestellung zu gießen. Im Zentrum der Debatte stand dabei zunächst der im call for papers entwickelte Vorgehensvorschlag, der eine Zweiteilung des Kurrikulums der geplanten Sommerschule in eher propädeutische, der Vermittlung materialbezogener Kompetenzen gewidmete sowie stärker theorieorientierte Lehrveranstaltungen – etwa in Auseinandersetzung mit einer jüngst von Christian Benne (Universität Kopenhagen) vorgelegten Studie – vorsieht. Dieser zufolge habe sich erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein spezifisches Nachlassbewusstsein herausgebildet, dessen Kennzeichen die Wertschätzung des Manuskripts als materiale Spur des literarischen Schreibvorgangs sei – ein auch durch die Referate von Falk Eisermann und Christoph Rauch akzentuierter Angriff auf den Linearitätsmythos des zunehmenden Bedeutungsverlusts von Handschriftlichkeit seit Erfindung des Buchdrucks. Freilich spricht einiges dafür, wie Eef Overgaauw in seinem Vortrag nahelegte, das Einsetzen des von Christian Benne beschriebenen Prozesses bereits ins 15. Jahrhundert zu datieren – eine Einschätzung, die sich im Rahmen der geplanten Sommerschule ohne weiteres anhand der zahlreichen in der Staatsbibliothek verwahrten Nachlässe überprüfen ließe.

Wichtige Anregungen erhielt die Diskussion vor allem von Markus Hilgert, der das grundlegende Spannungsverhältnis von spartenübergreifendem Integrationspotential und wissenschaftlicher Kompetitivität in seinem Eingangsstatement aus seiner persönlichen Doppelperspektive als ehemaliger Sprecher des eingangs erwähnten Heidelberger Sonderforschungsbereichs und Direktor des Vorderasiatischen Museums in den Blick nahm. Zwar unterstrich auch er das eminente forschungsstrategische Potential des vorgeschlagenen Untersuchungsfelds im Gefolge des material turn, plädierte zugleich aber dafür, das erkenntnisleitende Konzept der Literarizität schärfer zu fassen und die Erscheinungsformen von literarischer Handschriftlichkeit in ihrer diachronen wie diatopen Varianz zu betrachten. Anknüpfend an diese Empfehlungen wurde in der weiteren Diskussion sogar überlegt, die von einigen Teilnehmenden als zu statisch empfundene Scheidung zwischen literarischer und pragmatischer Handschriftlichkeit gänzlich aufzugeben und die angestrebte interdisziplinäre Sommerschule stattdessen der kulturvergleichenden Rekonstruktion von Strukturen des Skripturalen bzw. einer Genealogie oder Archäologie des Schreibens mit der Hand zu widmen. Im Interesse der sowohl für die Akquise von Fördermitteln als auch für die Gewinnung von Lehrenden unerlässlichen wissenschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sprach sich Markus Hilgert mit Nachdruck für ein konsequent entlang einer zentralen Forschungsfrage strukturiertes Sommerschulkurrikulum aus und formulierte zugleich Bedenken hinsichtlich einer eher additiv angelegten exemplarischen Gesamtinventur mit der Hand beschrifteter Artefakte in den einzelnen Sammlungen. Der Charakter der Stiftung als spartenübergreifender Verbund von Objektrepositorien wiederum wurde von zahlreichen Teilnehmenden als Alleinstellungsmerkmal hervorgehoben, das in äußerst profitabler Weise für die geplante Sommerschule genutzt werden könne und es zudem gestatte, ganz unterschiedliche Zielgruppen zu adressieren.

Damit aber war ein stärker integrierender Alternativansatz zum ursprünglich vorgeschlagenen Vorgehen formuliert – eine Spannung, die sich für den weiteren spartenübergreifenden Abstimmungsprozess auf dem Weg zu einer gemeinsamen Sommerschule in Kooperation mit der universitären Forschung mit hoher Wahrscheinlichkeit als produktiv erweisen dürfte. Ungeachtet der darin zugleich zum Ausdruck kommenden Vorbehalte bezüglich der Eignung von Christian Bennes These von der Erfindung des Manuskripts um 1750 zur Verklammerung des gesamten Sommerschulkurrikulums, herrschte dennoch Konsens darüber, dass der rezente Impuls der material culture studies zur Neubewertung von Handschriftlichkeit in den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen ebenso facettenreichen wie tonmächtigen Resonanzraum finden würde. Dies umso mehr, als diese doch – wie es Markus Hilgert mit Blick auf die Felder von Erschließung, Forschung und Vermittlung formuliert – als Rezeptionslabor von (literarischer) Handschriftlichkeit dienen könne.

 

Programm des Workshops am 29. September 2016

10:00 – 10:05 Uhr

Grußwort des ständigen Vertreters der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin


10:05 – 10:10 Uhr

Grußwort des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


Moderation:
Reinhard Altenhöner (SBB – Generaldirektion)


10:10 – 10:30 Uhr:
Jochen Haug | Christian Mathieu (SBB – Wissenschaftliche Dienste)

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit –
Möglichkeiten einer interdisziplinären spartenübergreifenden Sommerschule


10:30 – 10:50 Uhr:
Eef Overgaauw (SBB – Handschriftenabteilung)

Literarische Nachlässe des 15. und 16. Jahrhunderts


10:50 – 11:10 Uhr:
Falk Eisermann (SBB – Handschriftenabteilung)

Handschrift und Buchdruck im 15. Jahrhundert – Aspekte einer medialen Konvergenz

 

11:10 – 11:30 Uhr: Dominik Erdmann (SBB – Handschriftenabteilung)

Der Kosmos als Papierprojekt –
Anmerkungen zu Alexander von Humboldts material-gestützten Schreibverfahren


11:30 – 12:00 Uhr:

Kaffeepause


12:00 – 12:20 Uhr:
Viola König (SMB – Ethnologisches Museum) Der Vortrag musste leider entfallen

Bilderhandschriften aus Mesoamerika: Codices, Lienzos und Mapas


12:20 – 12:40 Uhr:
Jutta Weber (SBB – Handschriftenabteilung) | Michael Lailach (SMB – Kunstbibliothek)

Der Brief: Form und Inhalt


12:40 – 13:00 Uhr:
Christoph Rauch (SBB – Orientabteilung)

Materialität und Medialität arabischer Handschriften: Ein Diskussionsbeitrag


13:00 – 13:45 Uhr:

Mittagspause


13:45 – 14:30 Uhr:
Markus Hilgert (SMB – Vorderasiatisches Museum)

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit –
Potentiale eines Themas aus der Doppelperspektive von Forschung und Museum


14:30 – 16:00 Uhr:
Plenumsdiskussion

Eine spartenübergreifende Sommerschule der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Dialog mit der universitären Forschung – Schaffen wir das?

 

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) – Diplomat, Orientalist und Sammler“

Call for Papers (English version see below)

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) – Diplomat, Orientalist und Sammler“

Staatsbibliothek zu Berlin, 7./8. September 2017

Im Jahre 2017 gedenken wir des 200. Todestages von Heinrich Friedrich von Diez (2.9.1751-7.4.1817). Er war ein sehr gelehrter und streitbarer Kenner der Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients sowie ein leidenschaftlicher Sammler von Büchern und Handschriften. Eine Beschäftigung mit ihm und seinen beinahe in Vergessenheit geratenen Werken kann einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Orientalistik in der Periode zwischen Spätaufklärung und der Entstehung der orientalischen Philologie im 19. Jahrhundert leisten.

 

Als junger Mann engagierte sich Diez als Freimaurer und veröffentlichte einige Texte zu gesellschaftspolitischen Themen, die ihn als einen typischen Vertreter des Sturm und Drang erscheinen lassen. Zwischen 1784 und 1790 war er preußischer Gesandter an der Hohen Pforte in Konstantinopel. In dieser Zeit intensivierte er seine orientalischen Sprachstudien und wurde zu einem seiner Kenntnisse wegen hochgeschätzten Orientkenner- und liebhaber. Nach seiner frühzeitigen Demission ließ er sich in der Nähe Berlins nieder und widmete sich fortan dem Studium seiner Handschriften, die er aus der Türkei mitgebracht hatte. Diez machte die deutsche Leserschaft bekannt mit Werken wie dem türkischen Epos von Dede Korkut und dem Qābūsnāma, einem persischen Prinzenspiegel. In seinen Denkwürdigkeiten von Asien, publiziert 1811 und 1815 behandelte er zahlreiche geographische, ethnographische, sprachwissenschaftliche und literarische Themen auf der Grundlage seiner Handschriftenstudien. Bekannt ist sein Einfluss auf Goethes West-östlichen Divan ebenso wie sein heftiger Disput mit Joseph von Hammer-Purgstall. In seinen letzten Lebensjahren wurde Diez ein tiefgläubiger Christ. Er starb 1817 während seiner Arbeit an einer osmanischen Bibelausgabe.

Diez vermachte seine herausragende Privatbibliothek mit ca. 17.000 Druckschriften und mehr als 850 orientalischen und abendländischen Handschriften der damaligen Königlichen Bibliothek in Berlin, wo sie bis heute als eine der wichtigsten historischen Büchersammlungen erhalten ist.

 

Wir erbitten Vorschläge für Vorträge in Deutsch, Englisch und Französisch zu den folgenden Themen:

– Heinrich Friedrich von Diez’ Leben und Wirken, die Rezeption seiner Werke und seine Korrespondenz

– Untersuchungen zu Diez’ Bibliothek und Handschriftensammlung

– Politische Beziehungen und Kulturtransfer zwischen Europa (insbesondere Preußen) und dem Osmanischen Reich im 18./frühen 19. Jahrhundert

– Entwicklung der Orientalistik und insbesondere der Türkischen Studien im 18./frühen 19. Jahrhundert in Deutschland und Europa

 

Interessenten werden gebeten, Ihre Themenvorschläge mit Titel, Kurzbeschreibung (max. 400 Wörter) und Kurz-Lebenslauf bis spätestens 27. November 2016 per Email einzusenden an christoph.rauch@sbb.spk-berlin.de.

Die Kostenübernahme für Vortragende ist vorgesehen, jedoch an eine noch ausstehende Drittmittelbewilligung gebunden.

 

Call for Papers

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) ­ – Diplomat, Orientalist, and Collector“

Staatsbibliothek zu Berlin, 7./8. September 2017

 

In 2017 we will commemorate the 200th anniversary of the death of Heinrich Friedrich von Diez (2.9.1751-7.4.1817). He was a profound and belligerent expert of the languages and cultures of the Middle East and a passionate book-collector. A fresh look on him and his almost forgotten works can contribute to a better understanding of the development of Oriental studies in Germany between the period of Enlightenment and the emergence of Oriental philology.

 

As a young man Diez was a committed freemason and published some essays on social and political issues that make him appear as a typical representative of the Sturm und Drang era. Between 1784 and 1790 he was the Prussian envoy at the Ottoman Sublime Porte in Constantinople. During these years he intensified his studies of Oriental languages and became a widely acknowledged scholar and connoisseur of the Middle and Near East. After his premature dismissal in 1790 he settled down near Berlin and devoted himself to studying the books and manuscripts he had brought from Turkey. He made German readers aware of the Turkish national epic of Dede Qorqūd and the Persian mirror for princes Qābūsnāma. In his Denkwürdigkeiten of Asien, published in two volumes in 1811 and 1815, he dealt with many geographical, linguistic, literary and ethnographic topics based on sources in his manuscript collection. His impact on Goethes West-östlichen Divan and his heavy dispute with Joseph von Hammer-Purgstall are well known. In the last years of his life Diez became a devout Christian. He died in 1817 while working on an Ottoman edition of the Bible.

 

Diez bequeathed his outstanding personal library comprising about 17,000 printed books and more than 850 Oriental and Western manuscripts to the Royal Library in Berlin, where it is preserved to this day as one of its most important collections.

 

We invite contributions in German, English and French to the following themes:

– Aspects dealing with Heinrich Friedrich von Diez’ career, works, scholarly correspondance, and the perception of his works

– Investigations into Diez’ manuscript and book collection

– Political relations and cultural transfer between Europe (especially Prussia) and the Ottoman Empire in that period

– Development of Oriental and particularly Turkish studies (especially but not exclusively in Germany) in the 18th/early 19th century

 

Interested participants are invited to submit a proposal (by email only) with a title, abstract (max. 400 words) and short CV by 27 November 2016 to christoph.rauch@sbb.spk-berlin.de.

 

Travel expenses of successful applicants will be most probably covered, provided that external funding is granted.

 

E.T.A. Hoffmann Portal: Mehrwert für die Forschung

Am 20. und 21. Juni 2016 veranstaltete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) einen internen Forschungsworkshop, auf dem WissenschaftlerInnen aus allen Einrichtungen der SPK ihren KollegInnen aktuelle Forschungsprojekte aus Museum, Archiv, Bibliothek und Forschungsinstitut vorstellten und über Anknüpfungspunkte sowie interne und externe Kooperationen diskutierten. Auch das Projekt E.T.A. Hoffmann Portal präsentierte sich bei diesem Workshop in einem dreiminütigen Slambeitrag im Panel “Analoge und digitale Objekte vernetzen”. Dabei stand vor allem der Mehrwert für die Forschung im Fokus, den das Projekt mit dem Portal ihren unterschiedlichen Nutzergruppen bieten möchte. Lesen Sie unseren Slambeitrag hier nach:

 

Portal-Startseite

Portal-Startseite

 

Das Projekt

Im Projekt E.T.A. Hoffmann Portal wird ein Personenportal zur Künstlerpersönlichkeit E.T.A. Hoffmann, dessen Vielseitigkeit als Literat, Musiker, Zeichner und Jurist anschaulich anhand der sehr heterogenen Werke – bestehend aus Briefen, Texten, Zeichnungen, Skizzen, Musikalien, Bildern und juristischen Unterlagen – inszeniert werden. Abgebildet sehen Sie hier den aktuellen Stand der Portal-Startseite mit verschiedenen thematischen Einstiegen in Kacheloptik.

 

Fünf Kernelemente des Portals

Fünf Kernelemente des Portals

 

Ziele

Ziel ist eine facettenreiche Webseite mit Angeboten für Forschung, Lehre, Bildung und Bibliothek, die hier anhand der fünf Kernelemente Hoffmann Digital, Hoffmann Suche, Hoffmann Wissen, Hoffmann Community und Hoffmann Kooperationen präsentiert wird. Darin werden Objekte, Daten und Personen vernetzt.

 

Hoffmann Digital

Hoffmann Digital

 

Digitalisierte Sammlungen

Der wesentliche Mehrwert an Hoffmann Digital ist die Zusammenführung von unterschiedlichsten Materialien, wie illustrierten Buchausgaben, Musikautographen und juristischen Akten, aber auch Skulpturen, Buchobjekten und Gemälden, d.h. das Sichtbarmachen von neuen Zusammenhängen über Disziplinengrenzen hinweg – und natürlich über die physischen Grenzen hinweg: die Objekte liegen in der Staatsbibliothek zu Berlin in verschiedenen Abteilungen, es gibt einzelne Stücke in den anderen Einrichtungen der Stiftung und zahlreiche Materialien in der Staatsbibliothek Bamberg und in weiteren externen Institutionen.

Hoffmann Suche

Hoffmann Suche

 

Metasuche

Kernstück der externen Vernetzung ist das Daten-Netzwerk mit seiner Metasuche Hoffmann Suche und dem Bereich Hoffmann Wissen. Durch die datenbankübergreifende Metasuche vernetzen wir die digitalisierten Quellenbestände mit der neuesten wissenschaftlichen Forschung über E.T.A. Hoffmann. Damit machen wir disparate und heterogene Quellen- sowie Literaturbestände ortsunabhängig zugänglich und fördern auch hier aktiv neue interdisziplinäre Zugänge zu Hoffmann.

 

Hoffmann Wissen

Hoffmann Wissen

 

Wissen

Als Scharnier zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit präsentiert das Portal im Bereich Hoffmann Wissen strukturierte und angereicherte Daten für die Forschung. Wir entwickeln nutzungsorientierte Werkzeuge zur Datenvisualisierung wie beispielsweise virtuelle Bücherregale für die Rekonstruktion von Hoffmanns Bibliothek oder Grafiken zur Darstellung von Hoffmanns Kontakten und zahlreiche Verlinkungsmechanismen. So wird eine neue Auseinandersetzung mit Hoffmann ermöglicht und weitere Zielgruppen erschlossen.

 

Hoffmann Community

Hoffmann Community

 

Community

Der Aufbau einer Hoffmann Community erfolgt durch verschiedenste Maßnahmen der Informationsvermittlung und eine breite Beteiligung der Fachwissenschaft, um Forschungsbedarfe frühzeitig aufzunehmen und umzusetzen. Dadurch gibt das Portal neue Impulse – gerade auch für die transdisziplinäre Forschung. Das Projekt stärkt und fördert Kooperationen, indem es durch Objekte und Daten Einrichtungen und Fachgesellschaften miteinander vernetzt, die bisher noch nicht oder wenig zusammengearbeitet haben. Auch hierdurch können neue Forschungsansätze entstehen und das Portalangebot erweitert werden.

 

Hoffmann Kooperationen

Hoffmann Kooperationen

 

Kooperationen

Die Aufbereitung von Informationen durch komplexe Metadaten, Querverbindungen zwischen Objekten und Portalinhalten sowie erkenntnisorientierte Visualisierungen legt vielschichtige Zusammenhänge offen. So schaffen wir mit dem E.T.A. Hoffmann Portal einen Prototyp für die Präsentation von heterogenen Sammlungsbeständen weit über das Spezialthema “Hoffmann” hinaus. Dabei werden bestehende Infrastrukturen genutzt, ihre Grenzen ausgelotet und ressourcenschonende, nachnutzbare Lösungen entwickelt.

Perspektiven

Das Projekt sieht eine offene Modulstruktur vor, die perspektivisch durch internationale Kooperationen mit WissenschaftlerInnen sowie Kultur- und Forschungseinrichtungen eine Ausweitung der Plattform ermöglicht und damit die Netzwerkkompetenz der SPK gezielt stärkt und ausweitet.

 

Lost in Dissertation? Vortragsreihe für Promovierende vom 15.6. bis 11.7.

Wissenswerkstatt
Lost in Dissertation?
Von der Literaturverwaltung bis zur Publikation – Vortragsreihe für Doktorandinnen und Doktoranden Juni/Juli 2016

Während der Promotion stellen sich viele praktische Fragen, die einerseits die Arbeitsorganisation während der Recherche- und Schreibphase betreffen, andererseits aber mit dem entscheidenden abschließenden Schritt – der Publikation – zusammenhängen. Die Berliner Universitätsbibliotheken und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz präsentieren zusammen mit Experten die Themen Literaturverwaltung, Publikationsmöglichkeiten, Open Access und Forschungsdaten. So erhalten Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten Aspekte sowie weiterführende konkrete Informationen zu einzelnen Angeboten der Universitäten. Vom 15. Juni bis zum 11. Juli laden wir Sie zu fünf thematischen Vorträgen sowie einer Keynote-Lecture ein:

Mittwoch, 15. Juni, 14.30 Uhr
Publish or Perish? Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende

Mittwoch, 15. Juni, 18.00 Uhr
Keynote – Dissertation als empfohlene Insellösung? Individualismus versus Infrastruktur

Montag, 20. Juni, 16.30 Uhr
Licht und Schatten – Bildrechte beim wissenschaftlichen Publizieren 

Montag, 04. Juli, 14.00 Uhr
Open Access – freier Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Forschungsdaten und Software

Donnerstag, 07. Juli, 15.00 Uhr
Forschungsdatenmanagement an der Humboldt Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin

Montag, 11. Juli, 12.00 Uhr
Master of Disaster? Strukturiert und effektiv arbeiten mit Literaturveraltungsprogrammen

Alle Termine finden im Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek (Simón-Bolívar-Saal) statt.
Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung zu den frei kombinierbaren Veranstaltungen wird gebeten.

 

http://sbb.berlin/promovierende
Flyer zur Veranstaltung

Alle Termine der Wissenswerkstatt

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Netzwerks Informationskompetenz Berlin/Brandenburg (NIK BB), der Staatsbibliothek zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Freien Universität Berlin.

 

e-day! Elektronische Ressourcen für das moderne wissenschaftliche Arbeiten am 1.6.

Wissenswerkstatt
e-day!
Elektronische Ressourcen für das moderne wissenschaftliche Arbeiten
Mittwoch, 1. Juni 2016
10 bis 16 Uhr
Haus Potsdamer Straße 33
Zentraler Treffpunkt in der Eingangshalle

Zur Webseite mit Programm
Flyer mit Programm

Wegen des großen Erfolgs in den vorhergehenden Jahren findet der e-day der Staatsbibliothek zu Berlin nun schon zum sechsten Mal statt. Mit jeweils 30-minütigen Vorträgen wird der ständig wachsende Bestand an elektronischen Aufsätzen, Zeitungen, Büchern, Bildern und bibliographischen Informationen vorgestellt. In diesem Jahr stehen die Themen Geschichte, Kunst, Sozialwissenschaften und Philologien im Zentrum. Mit den Demonstrationen zur wissenschaftlichen Internetrecherche, zu E-Books und Digitalisaten wird das breite Repertoire an Datenbanken, Internetportalen und Repositorien bekannt gemacht. Zu den besonderen Präsentationen gehören eine Erste-Schritte-Strategie zur Recherche oder Literaturverwaltung, aber auch zur Nutzung besonderer Medien wie Karten oder Zeitungen.

Zwischen und nach den Vorträgen ist Gelegenheit, das Gehörte gleich auszuprobieren und mit den Informationsspezialisten ins Gespräch zu kommen.

Wie immer ist der e-day ein kostenloser Service für alle Besucher, die gern auch künftige Benutzer sein können.

Fragen beantworten wir gern unter unserer Fachinfo-Mail  oder telefonisch unter 030 266 433 162.

Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Digital Humanities Rundgang: Rückblick & Ausblick

Am 7. April 2016 fand in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, der 17. Berliner Digital Humanities Rundgang statt. Im Folgenden wollen wir einen kurzen Rückblick über die Veranstaltung geben und auch der Frage nachgehen, was die Bedeutung der Digital Humanities für die Staatsbibliothek, als auch der Staatsbibliothek für die Digital Humanities, ist.

Was sind “Digital Humanities”?

Was man genau unter den Digital Humanities (früher auch als “e-Humanities” oder “Humanities Computing” bekannt) versteht, ist schon beinahe so etwas wie die Gretchenfrage. Laut Wikipedia subsumiert man unter der Bezeichnung “die Anwendung von computergestützten Verfahren und die systematische Verwendung von digitalen Ressourcen in den Geistes- und Kulturwissenschaften.” Wie vielfältig die konkreten Ausprägungen von Digital Humanities tatsächlich sind, lässt sich gut anhand der über die Jahre gesammelten Definitionsbeiträge unter “What is Digital Humanities” (in Englisch) ersehen. Das thematische Spektrum reicht dabei von digitalen Texteditionen über vielfältigste virtuelle Forschungsumgebungen bis hin zu 3D-Rekonstruktionen archäologischer Stätten.

Word cloud von "What is Digital Humanities"

Word cloud von “What is Digital Humanities”

Hierzulande haben sich die Digital Humanities in einer Unconference im Rahmen der Internationalen Konferenz “Digital Humanities 2012” in Hamburg organisiert – der daraus hervorgegangene Verband DHd – “Digital Humanities im deutschsprachigen Raum” – versteht sich dabei als Interessensvertretung aller Forschenden und Studierenden die, unabhängig von der jeweiligen Fachdisziplin, in den Digital Humanities aktiv sind.

Speziell in Berlin existiert mit dem “Interdisziplinären Forschungsverbund Digital Humanities in Berlin” (if|DH|b) eine eigene Organisationsform, in der sich Berliner Einrichtungen und ForscherInnen vernetzen und austauschen können. Eines der vielfältigen Angebote des if|DH|b ist der “Berliner DH-Rundgang.” Bei den meist einmal im Monat stattfindenden Rundgängen stellt sich jeweils eine Berliner Einrichtung mit ihren für die Digital Humanities relevanten Angeboten und Aktivitäten vor. So können sich die TeilnehmerInnen über die örtlichen Ressourcen und Kompetenzen informieren und AnsprechpartnerInnen und Kooperationsmöglichkeiten kennenlernen.

Das Programm des DH-Rundgang an der Staatsbibliothek

Das Programm des DH-Rundgangs an der Staatsbibliothek war so zugeschnitten, dass nach der Begrüßung und Einführung in die Strategie des Hauses zu Kooperation mit Wissenschaft und Forschung zunächst die “Kernangebote” der Staatsbibliothek näher vorgestellt, und dann nach und nach Verbund- und Kooperationsprojekte auf nationaler sowie schließlich auf internationaler Ebene präsentiert wurden:

Begrüßung der Teilnehmer durch Reinhard Altenhöner

Begrüßung der Teilnehmer durch Reinhard Altenhöner, Ständiger Vertreter der Generaldirektorin. Foto © Swantje Bahnsen

Mit rund 30 TeilnehmerInnen war der Konferenzraum bis auf den letzten Platz gefüllt – erfreulich dass so großes Interesse an der StaBi besteht. Da unsere Mitarbeiter mit viel Leidenschaft von ihren Tätigkeiten berichteten, und auch zahlreiche Fragen von den aufmerksamen Gästen zu beantworten waren, wurde die vorgesehene Zeit um beinahe eine dreiviertel Stunde überzogen. Mit Freude können wir sagen: nicht ein einziger Gast hat die Veranstaltung (trotz Möglichkeit) vorzeitig verlassen – und selbst nach Ende der Veranstaltung blieben noch zahlreiche Gruppen in Gespräche über laufende Projekte und mögliche Kooperationen vertieft.

Sollten sie ihrerseits ebenfalls Interesse am Austausch mit der Staatsbibliothek zu Themen der Digital Humanities haben, können sie gerne die oben genannten Vortragenden unter vorname.nachname@sbb.spk-berlin.de kontaktieren – oder direkt einen Kommentar hier im Blog hinterlassen.

Ausblick

Die voranschreitende Digitalisierung in Bibliotheken, Archiven und Museen kann geradezu als Initialmoment für die Digital Humanities gesehen werden. Nur dank der Verfügbarkeit großer Mengen von digitalisierten Beständen können WissenschaftlerInnen heute Millionen von Texten mithilfe von Computerprogrammen auf einmal analysieren. So gehören die Digital Humanities inzwischen zu den aktivsten Nutzern von Digitalen Sammlungen und spielen eine bedeutende Rolle bei der Priorisierung von Digitalisierungsvorhaben, der Bereitstellung von Online-Diensten für die Wissenschaft sowie als Partner der Staatsbibliothek in diversen Forschungsprojekten.

Auch die Frage danach welche Rolle insbesondere Bibliotheken für die Digital Humanities spielen, wird aktuell rege diskutiert. Das (englischsprachige) Blog dh+lib sammelt bereits seit einigen Jahren Beiträge zu gelungenen Kooperationen und modellhaften Beispielen der Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Bibliothek und Forschung.

Einen interessanten Beitrag zur Rolle der Bibliothek für die Digital Humanities stellt auch die Keynote von Jan-Christof Meister, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Hamburg, bei der IFLA News Media Konferenz 2016 dar. Darin fordert Meister die Bibliotheken dazu auf, sich als “epistemological agents” zukünftig noch intensiver an den Digital Humanities zu beteiligen. Ihm schwebt eine Art “DH-Helpdesk” in Bibliotheken vor, d.h. ein Service der neben der klassischen Literaturrecherche auch zu digitalen Korpora und Werkzeugen, Methoden und Herausforderungen sowie Fragen der Veröffentlichung und langfristigen Verfügbarkeit von Publikationen und Datensets Auskunft gibt. Dadurch werden Bibliotheken sehr viel aktiver und auch gleichberechtigter in den Forschungsprozess mit eingebunden denn schlicht als Anbieter von digitalem “Content”.

Ein ähnliches Konzept wurde bereits vor einigen Jahren an der British Library oder der Nationalbibliothek der Niederlande umgesetzt, wo “Digital Scholarship” bzw. ein “Digital Humanities Programme” bereits zum Alltag gehören. In beiden Einrichtungen gibt es sog. Labs, in denen mit digitalen Sammlungen und Technologien für Textmining oder Datenvisualisierung experimentiert werden kann, sowie ein dezidiertes Team und Programm in dem ausgewählte WissenschaftlerInnen mit BibliothekarInnen in innovativen Forschungs- und Nutzungsszenarien erfolgreich zusammenarbeiten. Hiervon lässt sich sicherlich auch noch das eine oder andere für die Angebote und Dienste der Bibliotheken in Deutschland lernen.

SBB Konferenzraum mit Teilnehmern

Mit rund 30 Teilnehmern war der DH-Rundgang gut besucht. Foto © Swantje Bahnsen

Zuletzt sei noch allen, die diesen Termin verpasst aber dennoch Interesse haben, die Staatsbibliothek zu Berlin und ihre Bedeutung für die Digital Humanities näher kennen zu lernen, gesagt dass dies sicherlich nicht der letzte DH-Rundgang an der Staatsbibliothek war. Die relevanten Angebote des Hauses sind zu zahlreich um alles in einem (zumal nur 2-stündigen) Termin unterzubringen – so wird es voraussichtlich noch mindestens einen weiteren DH-Rundgang in der Staatsbibliothek geben.

Weiterführende Links

 

(Forschung + Bibliothek) x Augenhöhe = Forschungsbibliothek

Zu den prägenden bibliothekswissenschaftlichen Debatten der vergangenen zwanzig Jahre zählt die erst unlängst wieder von Irmgard Siebert und Matthias Wehry befeuerte Kontroverse um Wesen und Aufgabe der Forschungsbibliothek. Ganz gleich aber, ob Forschungsbibliotheken, um überhaupt als solche gelten zu dürfen, einem differenzierten Kriterienkatalog genügen müssen, wie ihn etwa Haike Meinhardt entwickelt hat, oder ob bereits schon die Verfügbarkeit hochwertiger und gut erschlossener Spezialbestände – so die Position der Deutschen Forschungsgemeinschaft – diesen schillernden Bibliothekstypus konstituiert. Breiter Konsens dürfte in jedem Fall darüber bestehen, dass sich die wissenschaftspolitischen wie förderstrategischen Rahmenbedingungen gegenwärtig als für Forschungsbibliotheken ungewöhnlich günstig präsentieren. Dabei ist die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ihre Initiative zur Stärkung herausragender Forschungsbibliotheken nach nur zwei Perioden einzustellen, sogar Beleg für die Gültigkeit dieser Einschätzung, machen doch offenbar die alternativ verfügbaren Förderangebote dieses spezifische Instrument verzichtbar. Angespielt ist damit aber keineswegs nur auf die zunehmende wechselseitige Durchlässigkeit der wissenschafts- bzw. infrastrukturbezogenen Segmente des Programmportfolios der potentesten Forschungsfördereinrichtung in Deutschland – stellvertretend hierfür sei die beide Bereiche adressierende Ausschreibung Forschungsdaten in der Praxis erwähnt. In diesem Zusammenhang geht es darüber hinaus auch um die zahlreichen Angebote jenseits der Förderlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft – allen voran Die Sprache der Objekte, Forschung in Museen und SammLehr – , mit denen die gerade in alten Bibliotheken blühenden materialorientierten Kompetenzen im Verbund mit der Forschung fruchtbar gemacht werden sollen.

Die angesprochenen Fördermöglichkeiten sind wiederum Ausdruck und zugleich Triebkraft einer im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften erfolgten Aufwertung objektbezogener Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen – ein Vorgang, der sich letztlich auch auf die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Historischen Grundwissenschaften auswirken dürfte und für den emblematisch die Aufklärung des Fälschungsskandals um das New Yorker Exemplar von Galileo Galileis Sidereus Nuncius stehen kann. Zusätzlich beschleunigt wird dieser Prozess durch die inzwischen von einer nationalen Koordinierungsstelle gebündelten Aktivitäten zur besseren Sichtbarmachung wissenschaftlicher Sammlungen sowie nicht zuletzt durch deren politische Anerkennung als Forschungsinfrastrukturen durch Wissenschaftsrat und Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. Vor diesem Hintergrund aber und zumal mit Blick auf die vielfältigen Verbindungslinien zu den dynamisch expandierenden Feldern von Open Science und Digital Humanities werden denn auch die schieren Dimensionen des Möglichkeitsraums erkennbar, der sich in neuer Qualität für die gleichberechtigte Partnerschaft und den wissenschaftlichen Dialog auf Augenhöhe zwischen Bibliothek und Forschung öffnet. Und womöglich liegt das kennzeichnende Charakteristikum von Forschungsbibliotheken auch gar nicht einmal so sehr im Betrieb eigener Forschungs-, Publikations-, Ausstellungs- und Stipendienbereiche, was Georg Ruppelt programmatisch anhand der Herzog August Bibliothek exemplifiziert. Denn ist es nicht weit weniger ihr institutionelles Arrangement als vielmehr ihr spezifischer Habitus, der eine Forschungsbibliothek letztlich ausmacht – mithin ihr Selbstbewusstsein, Forschenden auf Augenhöhe als “funktionale wissenschaftliche Partnerin” zu begegnen, wie es Stefan Gradmann in seiner Vision für eine Forschungsbibliothek der Zukunft formuliert?

Angesichts der hier in nur groben Zügen ausgemessenen wissenschafts- und förderpolitischen Perspektiven sowie nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz – ein der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Vollmitglied angehörender drittmittelaktiver Verbund von Archiven, Bibliotheken, Museen, Forschungsinstituten und Laboren – ist es wohl kaum weiter verwunderlich, dass sich die Staatsbibliothek zu Berlin in ihrer bis zum Jahr 2020 gültigen Strategie neben ihren zahlreichen anderen Schwerpunktaufgaben mit Nachdruck auch zu ihrer Funktion als Forschungsbibliothek bekennt. Dabei wird konkret die weitere Profilschärfung im Bereich der sammlungsbezogenen Grundlagenforschung – insbesondere auf den Feldern von Provenienz-, Raubgut- und Materialitätsforschung – als handlungsleitendes Ziel benannt:

“Als Forschungsbibliothek agiert die Staatsbibliothek zu Berlin in mehreren Bereichen: Sie betreibt sammlungsbezogene Grundlagenforschung, wobei die institutionelle Einbindung in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz optimale Rahmenbedingungen für eine spartenübergreifende Vermittlung objekt- und materialbezogener Forschungsergebnisse bietet; sie initiiert und beteiligt sich intensiv an gemeinsamen, auch spartenübergreifenden Projekten mit der Wissenschaft; sie profiliert sich als Produzentin und Anbieterin geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten; und sie gestaltet konsequent die partizipative Vermittlung von Forschungsergebnissen sowohl an die Wissenschaft selbst als auch an eine breitere Öffentlichkeit.”

Und auch in unserem Haus waren es in jüngster Zeit gerade die durchaus bereits als neues Paradigma etablierten Material Culture Studies – hierauf deutet zumindest die Vielzahl der entsprechenden Tagungen, Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereiche hin – , die sich als Plattform für eine gelingende funktionale Partnerschaft zwischen Bibliothek und Forschung empfahlen. Dies belegt zum einen das kooperativ mit der Universität Potsdam durchgeführte und im Rahmen der eingangs erwähnten Ausschreibung Die Sprache der Objekte geförderte Verbundprojekt Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher, in das die Staatsbibliothek zu Berlin ihre Expertise in der Digitalisierung, wissenschaftlichen Erschließung und konservatorischen Sicherung von historischen Handschriften und Druckwerken einbringt. Zum anderen aber erweist sich der Dialog zwischen Bibliothek und Forschung, wie er in Form einer mehrteiligen Vortragsreihe unter dem Titel Die Materialität von Schriftlichkeit gemeinsam mit Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten organisiert wird, als ausgesprochen anregend und ertragreich. An dieses Veranstaltungsformat ist über seine öffentlichkeitswirksame Vermittlungsfunktion hinaus vor allem auch der Wunsch gerichtet, es möge sich als Forum für die im Orbit der Material Culture Studies verorteten Aktivitäten sowohl innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als auch an den Universitäten und Forschungseinrichtungen im Großraum Berlin etablieren. Zwar wird die Reihe ihr Potential als Inkubator für kooperative, die Grenzen von Disziplinen und Sparten überschreitende Forschungsvorhaben erst noch unter Beweis stellen müssen. In jedem Fall aber haben die bisherigen Abende im Zeichen der „Materialität von Schriftlichkeit“ gezeigt, dass es nur eine kleiner Schritt ist von der Bibliothek für Forschung und Kultur – so das Motto der Staatsbibliothek zu Berlin – zur Bibliothek für Forschung zur materiellen Kultur.

Episoden

Stimmen der Bibliothek: Kinder- und Jugendbuchabteilung

Warum ist es wichtig, Kinder- und Jugendbücher zu sammeln – nach welchen wissenschaftlichen Kriterien trifft man die Auswahl? Was können Forscher daraus gewinnen? Und wieso darf man diese Bestände nicht mit nach Hause ins Kinderzimmer nehmen?

Carola Pohlmann ist seit 1993 Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Gespräch mit Zora Steiner erzählt sie über die Bestände, Angebote und Besonderheiten der Abteilung.

Die Wichtigkeit von Illustrationen in Kinderbüchern wird thematisiert – dabei steht der Illustrator Carl Cneut („Der Goldene Käfig“)  und seine Ausstellung im Haus Potsdamer Str. im Vordergrund.  Anhand von Titeln wie die „Kleine Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen“ von den Gebrüdern Grimm (hier auch digital einsehbar) bekommen wir von Frau Pohlmann eine ungewöhnliche Sicht in die Welt der Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis heute.

Die Ausstellung „Der goldene Käfig. Prächtiges Federvieh des flämischen Bilderbuchkünstlers Carll Cneut“ lief vom 7.–17. September 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin – Haus Potsdamer Strasse.

Quellen zur Folge: