Beiträge

Werkstattgespräch zu Wilhelm I. & dem politischen Gefüge des Kaiserreichs am 21.6.

Wissenswerkstatt
Monarchical rule and political culture in Imperial Germany – the reign of William I
Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Frederik Frank Sterkenburgh
Department of German Studies – The University of Warwick,
2016 Stipendiat im Stipendienprogramm der SPK

Dienstag, 21. Juni
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

This Werkstattgespräch will use the dedication of the Cologne Cathedral in October 1880 to illustrate some of the practices with which German Emperor William I (1797-1888) exercised his monarchical role. Historical assessments of William still revolve around the idea that he was a reluctant German Emperor, content with remaining a King who epitomized Prussian virtues and consistently overruled by chancellor Otto von Bismarck. Such judgments easily overlook to what extent William was a political actor in his own right and a key figure in the operating of the Hohenzollern monarchical system. The 1880 Dombaufeier can demonstrate how William was part of the Empire’s political decision making process, projected his understanding of the Empire in public, drew on particular historical narratives to legitimize his reign and positioned himself in the Kulturkampf. In this manner, William can be placed squarely in the historical context and political culture of the early German Empire.

Poster zur Veranstaltung
Alle Termine der Wissenswerkstatt

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Im SPK-Magazin zur Einheit: Die Freiheit, jedes Buch lesen zu können

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Günter Baron berichtet über die ‘wunderbar anarchische Zeit’ in den Tagen nach dem Mauerfall in der Staatsbibliothek Peußischer Kulturbesitz Berlin, heute Haus Potsdamer Straße der vereinigten Staatsbibliothek.

Das SPK-Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


 

Günter Baron

Geboren 1938 in Neudeck in Schlesien

Von 1979–2001 Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin (West), ab 1992 der vereinigten Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Als die Wende kam, war zunächst einmal nur Überwältigung da. Und zwar eine allgemeine, eine politische Überwältigung: Dass auf einmal Realität wird, woran ich zwar geglaubt hatte, aber nicht, dass ich es selbst noch erleben würde! Am Tag nach der Maueröffnung ging ich abends von der Villa von der Heydt den Landwehrkanal entlang zur Staatsbibliothek und überholte ein Ehepaar. Die beiden machten den Eindruck, als hätten sie sich verirrt. Ich habe sie angesprochen und tatsächlich: Sie stammten aus Halle und waren mit ihrem kleinen Kind nach Berlin gekommen, um das Gefühl der Freiheit auf dem Kudamm zu erleben. Sie waren aber zunächst in einer Neuköllner Kneipe gelandet, hatten dort ihr Kind in Verwahrung gegeben und sind dann zu Fuß von Neukölln zum Kurfürsten-damm gelaufen und waren jetzt auf dem Rückweg. Ich habe sie mitgenommen bis zur Staatsbibliothek und dann sind wir in meinem Auto nach Neukölln gefahren, um ihr Kind abzuholen. Das war das erste persönliche Erlebnis: Leute kommen aus Halle nach Berlin, nur um einmal über den Kurfürstendamm zu spazieren!

Zwei, drei Tage später schon setzte der Ansturm in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße ein. Bis zu 300 Besucher „aus dem Osten“ standen morgens vor dem Haus. Wenn der Hausmeister um 9 Uhr die Eingangstüren öffnete, schallte der Ruf durch die große Eingangshalle: Achtung, sie kommen! Und dann trat er beiseite und das Volk stürmte herein. Wir mussten uns schnell über-legen, wie wir mit all diesen Menschen umgehen. Wir haben dann eine Extra-Erstauskunft in der Eingangshalle eingerichtet, um die immer wieder gestellten Fragen zu beantworten: „Wie kann ich die Bibliothek benutzen?“ „Darf ich denn hier einfach rein?“ „Kann ich jedes Buch bekommen?“ Das waren die Leute aus den Bibliotheken der DDR nicht gewohnt. Dieses Erlebnis, Selbstverständliches zu sagen, aus unserer Sicht Selbstverständliches, das war überwältigend: „Ja, Sie können hier einfach durchgehen.“ „Ja, Sie können in den Lesesaal gehen, da stehen 160.000 Bände aus allen Fachgebieten frei zugänglich aufgestellt.“ „Ja, Sie können an die Regale gehen und sich aussuchen, was Sie wollen.“ „Wenn Sie Bücher ausleihen wollen, können Sie sich da drüben eine Benutzerkarte ausstellen lassen; Ausleihbeschränkungen gibt es nur aus konservatorischen Gründen, dann bekommen Sie das Buch nur im Lesesaal ausgehändigt.“ Häufig war fast ungläubiges Staunen zu bemerken, dass die Einsicht in alle vorhandenen Bücher ohne spezielle „Berechtigung“ möglich war. Man hat da erst gemerkt, was Informationsfreiheit bedeutet. Ich habe an dieser Erstauskunftsstelle natürlich auch gesessen. Und auch der Generaldirektor Richard Landwehrmeyer. Nach telefonischer Absprache mit dem Präsidenten Professor Werner Knopp hatten wir das „Wohnsitzprinzip“ West-Berlin für die Buch-Ausleihe aufgehoben. Jeder, der einen Personalausweis vorlegte, egal ob aus dem Osten oder Westen, konnte Bücher ausleihen, und bis Ende Februar 1990 hatten wir 8.000 neu eingetragene Benutzer. Die ja nur vom Stiftungsrat zu beschließende Benutzungsordnung wurde erst viel später geändert: Es war eben in vielen Bereichen eine wunderbar anarchische Zeit.

An eine Wiedervereinigung mit der Deutschen Staatsbibliothek Unter den Linden haben wir zunächst gar nicht gedacht. Im Vordergrund stand die praktische bibliothekarische Zusammenarbeit und die kam auch sehr schnell und unbürokratisch in Gang. Dann haben wir Pläne für eine Konföderation der beiden Bibliotheken durch ein Verwaltungsabkommen gemacht. Doch nach und nach wurde immer deutlicher, dass es zu einer echten Wiedervereinigung der beiden Nachfolgeeinrichtungen der 1945 untergegangenen Preußischen Staatsbibliothek kommen würde, einer „Bibliothek in zwei Häusern“.

Wir waren in der Generaldirektion davon überzeugt: Damit wir schnell wirklich eine Bibliothek werden können, müssen wir die Mitarbeiterschaft mischen, um das kollegiale Miteinander zu erleichtern. Aber leider kam dann die Bestimmung, dass die Bezahlung unterschiedlich sein würde, daran scheiterte dieser Plan. Und dadurch verfestigte sich auch das Eigenbewusstsein der beiden Häuser wieder. Um die Konzeption für die „Bibliothek in zwei Häusern“ ist hart und insbesondere auf westlicher Seite sogar polemisch gerungen worden. Als es darum ging, die Bestände und Abteilungen zu vereinigen und historische Literatur von der Potsdamer Straße ins Haus Unter den Linden zu überführen, gab es von einigen Gruppen große Widerstände. Es gab Flugblätter gegen die Generaldirektion, aber letztendlich bestätigte der Stiftungsrat die Konzeption der Historischen Forschungsbibliothek Unter den Linden und der Modernen Forschungsbibliothek an der Potsdamer Straße. — AS

Begleitprogramm zur Ausstellung “Im fremden Land”

Montagskino im November und Dezember

Begleitend zur Kabinettausstellung »Im fremden Land. Publikationen aus den Lagern für Displaced Persons«, die Einblicke in die Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt, zeigt das Jüdische Museum Berlin Filme zur Situation der Überlebenden der Konzentrationslager – unmittelbar nach der Befreiung der Lager, auf dem illegalen Weg nach Palästina, sowie zu den  Nachwirkungen der Traumatisierung in der israelischen Nachkriegsgesellschaft.

Das Filmprogramm finden Sie hier auch als PDF zum Download.

Weitere Informationen zu Ausstellung und Begleitprogramm im Jüdischen Museum finden Sie unter www.jmberlin.de/displaced-persons

 

23. November 2015, 19.30 Uhr

German Concentration Camps Factual Survey

UK 1945/2014, 88 min., Dokumentarfilm, englische Originalversion

Im Jahr 1945 dokumentierten Soldaten und Kameramänner im Auftrag des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte die deutschen Gräueltaten und Konzentrationslager. Der daraus entstandene Film sollte nach dem Ende der NS-Herrschaft deutschen Zivilisten und Kriegsgefangenen vorgeführt werden.

Produzent Sidney Bernstein versammelte im Britischen Informationsministerium ein Team von bekannten Filmemachern, darunter Stewart McAllister und Peter Tanner, Colin Wills und Richard Crossman sowie Alfred Hitchcock als Drehbuchberater. Es stellte sich als schwierig heraus, einen Film über ein solch komplexes und schwieriges Thema zu machen, sodass der Film nicht rechtzeitig fertig gestellt wurde. Im September 1945 hatten sich die Prioritäten der Briten von der Entnazifizierung zum Wiederaufbau verschoben und das Filmprojekt verschwand in der Schublade.

Das Imperial War Museum hat das Filmmaterial über fünf Jahre aufwendig digital restauriert und um die sechste und letzte Filmrolle ergänzt. Der Film konnte 2014 nach den Aufzeichnungen des ursprünglichen Produktionsteams von 1945 abgeschlossen werden und ist nun erstmals in voller Länge zu sehen.

Toby Haggith, Senior Curator (Imperial War Museum) und Leiter der Restaurierung von »German Concentration Camps Factual Survey«, ist zu Gast und spricht im Anschluss mit der Programmdirektorin Cilly Kugelmann über seine Arbeit an dem Film.

 

30. November 2015, 19.30 Uhr

The Illegals

USA/Israel (Palästina) 1947/48, 72 min., Regie: Meyer Levin, Doku-Drama, englische Originalversion

Die Jahre zwischen der Befreiung der Vernichtungslager und der Staatsgründung Israels sind die Zeit der organisierten Fluchtbewegung Richtung Palästina, der »Bricha«. Auf illegalen Schiffen wie der »Exodus 47« hoffen die »Displaced Persons«, Überlebende der Konzentrationslager, ihr Ziel zu erreichen. In dieses Spannungsfeld begeben sich im September 1947 der amerikanische Journalist Meyer Levin und Tereska Torres. Als Regisseur und Schauspielerin begleiten sie auf Routen der Bricha Gruppen von Flüchtlingen. Der Film »The Illegals« hält die Bilder und Hoffnungen dieser Reise fest.

Mit freundlicher Genehmigung des Steven Spielberg Jewish Film Archive

Im Anschluss:

Displaced Persons

»Displaced Persons«, Israel 1979, ca. 48 Min., Regie: Igal Bursztyn. Dokumentarfilm, englische Originalversion

Gegen Ende des Jahres 1947 macht sich das Schiff »SS Unafraid« mit mehreren hundert jüdischen Flüchtlingen an Bord von Italien aus auf den Weg nach Palästina. Der Dokumentarfilm zeigt die bewegende Reise.

Mit freundlicher Genehmigung des Israel Film Service

Mit einer Einführung von Tamar Lewinsky, Kuratorin für Zeitgeschichte

 

7. Dezember 2015, 19.30 Uhr

Aviyas Sommer / Ha-Kayitz Shel Aviya

Israel 1988, ca. 95. Min., Regie: Eli Cohen, Drama, Hebräisch mit deutschen Untertiteln

In den Sommerferien 1951, kurz nach der Gründung Israels, besucht die zehnjährige Aviya ihre depressive Mutter Henya in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv. Henya hat im Zweiten Weltkrieg in einem KZ die Schoa überlebt und ist nach der Befreiung nach Israel emigriert. Ihre Vergangenheit kann sie, gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, noch immer nicht verarbeiten. Mutter und Tochter stoßen in dem kleinen Dorf auf das Unverständnis der Einheimischen, werden verspottet.

Im Anschluss Gespräch mit Cilly Kugelmann, Programmdirektorin

 

WO Jüdisches Museum Berlin, Altbau EG, Auditorium

EINTRITT frei

ANMELDUNG   erbeten unter Tel. 030 259 93 488 oder per E-Mail an reservierung@jmberlin.de

Unsere Blog-Nachricht zur Ausstellung:
http://blog.sbb.berlin/ausstellung-im-juedischen-museum-sammlung-der-staatsbibliothek-displaced-persons-3-9-15-12-2015/