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Nachlass Alexander von Humboldts digital + erschlossen für jeden zugänglich Abschlusskonferenz mit Science-Slam

Für viele Zweige der Wissenschaften wie auch für all jene, die die Forschungen und Impulse des Forschers, Entdeckers, Netzwerkers und Europäers, des in jeder Hinsicht bemerkenswerten Berliners Alexander von Humboldt (1769-1859) aufnehmen wollen, gibt es jetzt keinerlei Beschränkungen mehr: Der gesamte Nachlass einschließlich der neun weltberühmten, im Jahr 2013 von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworbenen Amerikanischen Reisetagebücher ist im Netz digital zugänglich und erschlossen.

Alexander von Humboldts Nachlass online
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

Abschlusskonferenz am 17./18. Januar 2017
„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33
Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan
Kostenlose Anmeldung: http://sbb.berlin/ps64d9

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Zum bevorstehenden Abschluss des über drei Jahre vom Bund geförderten Projektes führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aus: „Mit Begeisterung unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das gemeinsame Vorhaben der Staatsbibliothek zu Berlin und der Universität Potsdam, die 2013 von der Bibliothek erworbenen neun Tagebücher der Amerikanischen Reise Alexander von Humboldts sowie seinen gesamten Nachlass digital aufzubereiten und nach bestimmten Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Denn für die Wissenschaften wie auch für jeden Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste ist es ein großer Gewinn, ohne irgendeine Einschränkung via Internet mit rund 75.000 Images den überlieferten Humboldt-Nachlass in seiner Gesamtheit lebendig werden lassen zu können. Die von ihm geschaffenen Inhalte wie auch die jeweiligen Erscheinungsbilder seiner Reistagebücher, Briefe, Notizen, Forschungsaufzeichnungen, Manuskripte und einzigartigen Themensammlungen sind jetzt in bester Qualität anzuschauen und zu recherchieren. Ich lade herzlich dazu ein, sich mit den von Humboldt in der Regel sehr eng beschriebenen Blättern und den teils über Jahrzehnte hinweg ergänzten Annotationen zu befassen, mit seinen zahlreichen Querverweisen auf frühere Erkenntnisse, mit seinen Zeichnungen von geologischen Formationen, von Tieren, Pflanzen und Menschen! Beispiele für die intensive Befassung mit einzelnen Fragestellungen präsentieren demnächst junge Wissenschaftler aus Potsdam – auch ich sehe gespannt den Ergebnissen ihrer dreijährigen Forschungen entgegen. Zunächst aber übergeben wir mit Freude der Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Fundus, der in der thematischen Breite und Tiefe seinesgleichen sucht und und dessen allgemeine komfortable Zugänglichkeit eben deshalb ein zentrales Anliegen der Staatsbibliothek zu Berlin war.“

Berlin und Krakau: Nachlass restauriert, digitalisiert, erschlossen

Generaldirektorin Schneider-Kempf bedankt sich besonders bei ihrem Amtskollegen Direktor Pietrzyk von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau. Dort befindet sich kriegsbedingt ein Teil des Nachlasses Alexander von Humboldts. Und so war es nur in gemeinsamer Anstrengung und im kollegialen Einvernehmen möglich, den Nachlass komplett zu digitalisieren und zu erschließen. Diese wichtige internationale Kooperation wurde über die umfangreiche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hinaus ab Oktober 2015 zusätzlich von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien finanziell unterstützt.
Vor der Digitalisierung wurde in Berlin und Krakau jedes einzelne Blatt dahingehend überprüft, ob restauratorische Schritte zu unternehmen waren. Zudem wurden alle Dokumente in neu beschriftete, säurefreie Mappen und Kästen umgelagert.

Insgesamt wurden von rund 22.000 Blatt des Nachlassteils in der Staatsbibliothek zu Berlin 50.000 Images gefertigt (darin rund 4.000 Images von den Amerikanischen Reisetagebüchern). Der Nachlassteil in Krakau umfasst etwa 11.000 Blatt, davon wurden 25.000 Images gefertigt. Insgesamt handelt es sich um 33.000 Blatt, teils sehr komplexe Dokumente, von denen 75.000 Images gefertigt wurden.

Potsdam: junge Wissenschaftler erforschten Reisetagebücher

Seit Anfang des Jahres 2014 arbeiten am Institut für Romanistik der Universität Potsdam unter der Leitung von Ottmar Ette in einem international besetzten Team drei Doktorandinnen und zwei Postdoktoranden an der Erforschung der neun Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die etwa 4.000 eng beschriebene Seiten umfassen.
Untersucht wurden die Tagebücher, die Humboldt während seiner Entdeckungs- und Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 geschrieben hatte, nach den Schwerpunkten Landschaftsdarstellung, Darstellung von Sklaverei sowie Skizzen und Zeichnungen. Eine der Untersuchungen galt der Darstellung einer italienischen Reise aus dem Jahr 1805, diese Aufzeichnungen hatte Humboldt in das Konvolut der Amerikanischen Reisetagebücher mit eingebunden. Zu jeder Untersuchung der Potsdamer Wissenschaftler entsteht derzeit je eine Monographie.
Für die Wissenschaftler gab es auch gemeinsame Fragestellungen, etwa nach der Arbeitsweise Alexander von Humboldts, der lebenslang an und mit den Tagebüchern arbeitete. Auch waren die Bedingungen, unter denen er reiste und forschte, sowie die literarischen Verfahren seines Schreibens von gemeinsamem Forschungsinteresse. Während der gesamten Projektlaufzeit von 2014 bis jetzt berichteten die jungen Wissenschaftler in Fachkreisen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit fortlaufend mit Vorträgen und Publikationen von ihren Forschungsergebnissen, weitere sind in Vorbereitung.

Konferenz zum Abschluss des BMBF-Verbundprojektes
am 17./18. Januar 2017 in Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Universität Potsdam laden nun unter dem Titel „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“ zur abschließenden Konferenz ihres Verbundprojektes ein.
Eine moderne Form der Auseinandersetzung mit Humboldts Werk und Schaffen wird der Wissenschafts-Slam am Nachmittag des 17. Januar sein: Eine Kunsthistorikerin, ein Physiker und eine Alt-Amerikanistin werden je zehn Minuten über Die Maisgöttin, ein 37 x 17 x 16 cm großes, aus Tuffstein geschaffenes und über 6,5 kg schweres Objekt aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ‚slammen‘. Alexander von Humboldt schenkte diese mexikanische Aztekenfigur dem Preußischen König.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy beantwortet die mit dem Titel ihrer Rede gestellte Frage „Kultur(gut) besitzen?“. Von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau spricht Monika Jaglarz zu „Ein ungehobener Schatz? Die Berliner Sammlungen in Krakau“. Ottmar Ette von der Universität Potsdam spricht über „Humboldts globale Landschaften“. Julian Drews von der Universität Potsdam und Sandra Ewers von der Staatsbibliothek zu Berlin beleuchten die Bedeutung und den Verlauf des gesamten BMBF-Verbundprojektes. Am Schluss der Konferenz stellen Jutta Weber und Barbara Schneider-Kempf, beide Staatsbibliothek zu Berlin, weitere Perspektiven von Kooperationen vor.

Link zum vollständigen Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan

Fig. 1. Humboldt’s “Naturgemälde der Anden” (1807). It was originally published in 1805 as the “Tableau physique des Andes et pays voisins” with the "Essai sur la géographie des plantes". Source: Wikimedia.

Vertical Thinking in the Time of Humboldt

Gastbeitrag von Patrick Anthony, Vanderbilt University

The Prussian naturalist Alexander von Humboldt has long been celebrated for his representations of mountains. The most recognizable among them is the “Tableau physique des Andes” (or “Naturgemälde der Anden”), which depicts the botanical geography of the Ecuadorian Volcano Mt. Chimborazo (Fig. 1). But mountains were only part of the picture – or rather, the Naturgemälde (literally meaning “nature-painting”). Humboldt’s life was framed by two other vertical discoveries: that of the subterranean, around the time of his birth in 1769, and that of the submarine, in the decades preceding his death in 1859. These were not discoveries in any traditional scientific sense (e.g. the discovery of a new species or planet) but in a broader conceptual sense – discoveries of natural spaces as destinations and objects of study. Humboldt acted as a red thread between them, linking mines, mountains, and oceans.

Humboldt’s early life was marked by both an intellectual and a professional interest in the subterranean. He attended the Bergakademie in Freiberg and served as a mining official in Franconia in a time of unprecedented mobility through the cavernous underground. Beginning in the 1760s, a new wave of literature arose in which mines and caves were described by and for travellers. Franz Ludwig Cancrin, for instance, wrote his Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke  (1767) “in order to give dilettantes and travellers a taste of the mines” before venturing down themselves. Later, in 1793, Wilhelm Heinrich Wackenroder described the aim of his travels as “coming to know Nature over and under the earth.” Those with an eye for natural history, like Goethe, observed how geognostic phenomena “expose themselves as much through nature as through the hands of men.” Humboldt himself laid “the groundwork for a subterraneous meteorology” after discovering in the mines “the most exquisite fungi and lichen…and an entire subterraneous Creation of animals [Thierschöpfung].” At the same time, he partook in a flourishing visual culture in which mining officials and surveyors sought to depict mines, dams, land plots, geological layers, and technical apparatuses from vertical perspectives (Fig. 2).

Fig. 2. Representation of a water capstan (Wassergöpel) in a Freiberg mineshaft by J. C. Zeller (1820). Source: Sächsisches Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 3100.

What the late eighteenth century had been for the subterranean, the mid-nineteenth century was for the ocean. This was particularly true in England and America, but also to a lesser extent in German lands. Above the waves, as Helen Rozwadowski and Michael Reidy have written, “the ocean transformed from highway to destination.” Below them, oceanographers like Matthew Fontaine Maury (Director of the U.S. Naval Observatory) believed their sounding leads had revealed a “telegraphic plateau” where a cable might be laid to connect the Old and New Continents. From Berlin in 1856, Humboldt read in the National Intelligencer  that the bottom of the Atlantic had been “found of down-like softness” over which “our beautiful ocean river glides along…as gently as the current of time.” Moreover, even the deepest parts of the ocean were found to contain a variety of “life-forms [Lebensformen].” As Humboldt’s protégé Christian Gottfried Ehrenberg proclaimed before the Königliche Akademie der Wissenschaften in 1856, “animal life…lifted 16,200 feet out of the depths” now made it impossible “to take the form-rich ocean bed for dead” (Fig. 3).

Fig. 3. “Drawings of Brooke’s Deep-sea Sounding Apparatus, for bringing up specimens from the bottom.” Source: Matthew Fontaine Maury, „Physical Geography of the Sea“, New York: Harper & Brothers Publishers, 1855.

Evidence suggests that Humboldt and his contemporaries also conceptualized the subterranean and the submarine in similar ways, employing mountains as measuring rods with which to imagine spaces hidden beneath the surface of the earth and its oceans. In Kosmos,  for example, Humboldt calculated “a vertical distance of about 48,000 feet…from the highest pinnacles of the Himalayas to the lowest basins containing the vegetation of an earlier world, sunk as far below the surface of the sea as Chimborazo is elevated above it.” Similarly, in the documents Humboldt kept in his “Sea and Depths” folder, we see how mountains could be used to reckon the depths of the ocean. On one note (Fig. 4) Humboldt observed how British naval officer James Clark Ross described the deepest point of the ocean as being “beneath its surface very little short of the elevation of Mount Blanc above it.” Beside this note is a letter from the Irish astronomer Edward Sabine, who in 1853 wrote to Humboldt “of a successful attempt which has been made by Captain Denham of the Royal Navy … to reach the bottom of the sea at a depth much exceeding that of the highest summits of the Himalaya.” Humboldt’s notes on the summits of the Himalaya illustrate the same method in reverse, now using the depths of the ocean to take stock of the heights of mountains. When in 1849 Joseph Dalton Hooker sent Humboldt the latest measurements of Tibet’s tallest peaks, the latter compared them not only with Chimborazo and Montblanc, but also with “sea soundings [by] Ross” (Fig. 5).

Fig. 4. (Left) Humboldt’s notes on James Ross’s A Voyage of Discovery and Research in the Southern and Antarctic Regions (1847). Notice especially: “Tiefe des Meeres wie Montblanc James Ross T. I p. 26.” Fig. 5. (Right) Humboldt’s notes on personal letters from Joseph Dalton Hooker. In the center of the page, below Mt. Ararat, are the words “Sonde Meer Roß 25990 par[iser] F[uss].” Source: SBB-PK, Nachl. Alexander von Humboldt, gr. Kasten 11, Nr. 72, Blatt 7r and gr. Kasten 8, Nr. 48a, Blatt 4r. Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/

Fig. 4. (Left) Humboldt’s notes on James Ross’s „A Voyage of Discovery and Research in the Southern and Antarctic Regions“ (1847). Notice especially: “Tiefe des Meeres wie Montblanc James Ross T. I p. 26.” Fig. 5. (Right) Humboldt’s notes on personal letters from Joseph Dalton Hooker. In the center of the page, below Mt. Ararat, are the words “Sonde Meer Roß 25990 par[iser] F[uss].” Source: SBB-PK, Nachl. Alexander von Humboldt, gr. Kasten 11, Nr. 72, Blatt 7r and gr. Kasten 8, Nr. 48a, Blatt 4r. Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/

In this way, Humboldt’s Nachlass at the Staatsbibliothek zu Berlin reveals the final decades of his life as a period in which the observable world seemed to expand ever more along nature’s vertical axis. In the same years that estimations of the ocean’s deepest point descended from the 4,600 fathoms sounded by Ross to the 7,000 probed by Denham, the roof of the world grew from Chimborazo, measured by Humboldt himself at 20,100 Paris feet, to Kinchinjunga, reported by Hooker at 26,400 (Fig. 6). It was during this dynamic period that Humboldt, Ross, and Sabine had learned to use one aspect of nature to make sense of another: mountains became the means of a depth-epistemology.

Fig. 6. Joseph Dalton Hooker’s letter of 26 April 1849 to Humboldt, containing a sketch of the Himalaya and “Plains of India.” It shows his route in red and the snow line in blue. Source: SBB-PK Nachl. Alexander von Humboldt, gr. Kasten 8, Nr. 41b, Blatt 10 r. Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/

In a 1799 publication on “species of gas” in mines, Humboldt proclaimed “Nature knows no over- and underground.” His aim was not to dissolve the barrier between the terrestrial and the subterrestrial, but to acknowledge the equal significance of scientific inquiry in both realms. In 1853, he made a related conceptual maneuver while communicating Sabine’s letter to the Königliche Akademie – or rather, while assimilating Denham’s soundings into an interpretive framework animated by his quest for a totalizing “physical description of the earth.” After reporting that the ocean’s deepest point was beyond earth’s tallest measuring rod—“nearly 17,000 Paris feet greater than the heights of Kintschinjunga”—Humboldt argued that “only once we view the earth like the moon, without its liquid shroud, will the mountain-masses and peaks, indeed the entire surface of the earth, appear in their true form.” By acknowledging the equal significance of geography above and below the surface of the sea, Humboldt’s conception of islands as the peaks of submerged mountains had taken on a global significance.

Fig. 7. “Vertical Section – North Atlantic” from Matthew Fontaine Maury’s „Physical Geography of the Sea“ (1855). By David Rumsey; Source: www.davidrumsey.com. Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/

Humboldt’s historical legacy is bound to that of Mt. Chimborazo, and rightly so. Matthew Fontaine Maury, who self-consciously used Humboldt’s phrase in the title of his book Physical Geography of the Sea (1855), also took part in the Chimborazo legacy while introducing his vertical profile-map of the North Atlantic (Fig. 7). “From the top of Chimborazo to the bottom of the Atlantic,” Maury wrote, “the distance in a straight line, is nine miles.” Four years earlier, in 1851, Maury had written to Humboldt about his plans “to present a vertical section of the Atlantic basin and compare it with a vertical section of this continent between the same parallels.” Maury’s nature, too, knew no over and under. And if in 1809 Humboldt wrote of his endeavor “to represent whole countries after a method, which until now has only been applied in mining and canal projects” – that is, by depicting landscapes from aerial and vertical perspectives (Fig. 8) – Maury now represented whole oceans as such.

Fig. 8. A multiple perspective depiction (Grund- und Durchschnittsriss) of a mine-reservoir dam near Freiberg by August Friedrich Bollner (1796). Source: Sächsisches Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 2927.

Humboldt and Maury were respectively interested in extracting metal ore from the depths of the earth and laying telegraphic cables along those of the ocean. But metals—in their ore and cable forms – were not the only things circulating above and below nature’s horizontal axis. Humboldt yielded from the mines a way of thinking about, describing, and representing nature that Maury transposed into the sea. It is fitting, then, that perhaps the most apt verses to describe this way of thinking are found on the bell in St. Peter’s Tower in Freiberg, whose tolling once sounded the daily rhythm of the miners:

Auf, Auf, zur Grube ruf’ ich Euch,

ich die ich oben steh;

so offt Ihr in die Tiefe fahrt,

so dencket in die Höh.

 [„Up, up, to the mines, I call you / I, who stand above / So often as you go into the depths / Think up to the heights.“]

How true indeed this rings for Humboldt and the vertical thinkers of his time.

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References

Archival Sources

  • Nachlass Alexander von Humboldt, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • Sächsisches Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg
  • Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

Primary Sources in Print

  • Alexander von Humboldt, Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts, 1787-1799, herausgegeben von Ilse Jahn und Fritz G. Lange, Berlin: Akademie Verlag, 1973.
  • Alexander von Humboldt, Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, Stuttgart und Tübingen, J.C. Cotta’scher Verlag, 1845.
  • Alexander von Humboldt, Versuch über den politischen Zustand des Königreichs Neu-Spanien, Tübingen: J. G. Gotta’schen Buchhandlung, 1809.
  • Captain Sir James Ross, A Voyage of Discovery and Research in the Southern and Antarctic Regions, During the Years 1839-43, London: 1847.
  • Franz Ludwig Cancrinus, Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke, Frankfurth an dem Main, 1767.
  • Friedrich Alexander von Humboldt, Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel, ihren Nachtheil zu vermindern: Ein Beytrag zur Physik der praktischen Bergbaukunde, Braunschweig: Friedrich Vieweg, 1799.
  • Ingo Schwarz (Hg.), Alexander von Humboldt und die Vereinigten Staaten von Amerika. Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 19. Briefwechsel, Berlin: Akademie Verlag, 2004.
  • Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe Sämtliche Werke, Band 12. Zur Naturwissenschaft überhaupt, herausgegeben von Hans J. Becker, Gerhard H. Müller, John Neubauer und Peter Schmidt, München: Carl Hanser Verlag, 1989.
  • Matthew Fontaine Maury, Physical Geography of the Sea, New York: Harper & Brothers Publishers, 1855.
  • Wilhelm Heinrich Wackenroder, Reisebriefe, herausgegeben von Heinrich Höhn, Berlin, 1938.

Secondary Sources

  • Ingo Schwarz und Gerhard Kortum, “Alexander von Humboldt and Matthew Fontaine Maury—two pioneers of marine sciences,” Historisch-Meereskundliches Jahrbuch. Band 10, Straslund, Germany: Deutsches Meeresmuseum, 2003/4, 157-185.
  • Michael S. Reidy and Helen M. Rozwadowski, “The Spaces in Between: Science, Ocean, Empire,” Isis 105, no. 2 (2014): 338-351.

 

Herr Patrick Anthony, Vanderbilt University (Nashville, TN), war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2016 als Stipendiat an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: „Alexander von Humboldt’s First Journey: Learning Weltbürgertum from Georg Forster“

Humboldts Bilder – Wissenschaft als Kunst. Werkstattgespräch am 14.9.

Wissenswerkstatt
Humboldts Bilder – Wissenschaft als Kunst
Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Oliver Lubrich (Universität Bern)

Mittwoch, 14. September
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (i-Punkt)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Alexander von Humboldt ist bekannt als Autor des Kosmos und der Ansichten der Natur, als “Zweiter Entdecker Amerikas” und als Protagonist der “Vermessung der Welt”. Weniger bekannt ist, dass der Naturforscher und Reiseschriftsteller auch Zeichner und Graphiker war. Seine Schriften enthalten mehr als 1.500 Abbildungen. Als Ethnologe skizzierte er Menschen, Gebäude und Alltagsgegenstände. Als Botaniker, Zoologe und Anatom zeichnete er Pflanzen, Tiere und Körperdetails. Als Geologe, Geograph und Kartograph erfasste er Gebirge, Gewässer und Kontinente. In Humboldts Bildern wird die Wissenschaft zur Kunst und die Kunst zur Wissenschaft. Oliver Lubrich macht Alexander von Humboldts Graphisches Gesamtwerk erstmals zugänglich.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Besucher im Sommer und Reisen um die Welt

Sommerzeit ist Reisezeit, auch oder gerade für Besucher des Lesesaals der Handschriftenabteilung.

Sie nutzen die vorlesungsfreie Zeit für Bibliotheksreisen, um neue Projekte zu starten und alte Manuskripte zu sehen. Unter Manuskript, aus dem lateinischen manu scriptum,  von Hand geschrieben, verstehen wir weit mehr als die umgangssprachlichen Druck- oder Sendevorlagen. Mit einem Einband versehene, gebundene Handschriften, auch Codices genannt, werden unter regionalen, sprachlichen, inhaltlichen Aspekten oder nach ihrer Herkunft gesammelt und erschlossen. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert. Manuskripte befinden sich natürlich auch in Nachlässen. Der Nachlass einer Person oder Vereinigung wird nach Materialarten in Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente und Sammlungen gegliedert. Da kein Stück dem anderen gleicht gibt es eine Unzahl von Signaturen und Nachweisen. Die Fülle der abendländische Handschriften mit 37 Signaturenreihen  zeigt die Signaturenübersicht der Homepage. Durch kriegsbedingte Verlagerungen, die Teilungsgeschichte der Bibliothek und unzählige Sonderfälle gibt es noch weit mehr Nachweisinstrumente als den Stabikat. Denn für solch individuelle Stücke ist der Stabikat noch nicht das geeignete Nachweisinstrument.

Auskunft im Lesesaal

Wenn Sie auf Nachweise mit Hdschr. Ham. und  Alb.am., Nachl. oder Dep . stoßen und zunächst nichts damit anfangen können, so lohnt sich eine direkte Nachfrage bei der Auskunft im Lesesaal. Nur eine korrekte Signatur führt zu dem gewünschten Objekt.

Voranmeldungen aus aller Herren Länder gibt es  besonders jetzt im Sommer. Gestern wird die mail abgeschickt, heute steht der Besucher schon im Lesesaal und bestellt, wo er schon mal da ist vielleicht auch 10 und mehr Handschriften und Nachlasskästen. Das bringt dann die Kollegen aus dem Magazin ins Schwitzen, denn Folio- und Großfolio-Bände mit Eichenbrettern als Material für die Einbanddeckel können sehr schwer sein.

Empfindliches als Faksimile und in der Digitalen Bibliothek

Bei manchmal unvermeidlichen tropischen Temperaturen, auch im Lesesaal, kann dann eine Handschrift, besonders wenn es eine Zimelie ist, also eine besonders wertvolle Handschrift, nicht bereitgestellt werden. Denn solche Temperaturschwankungen und die Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit sind aus konservatorischen Gründen Gift für alte Werke. Besonders Pergamenthandschriften reagieren darauf sensibel. In der Antike bezeichnete man diesen Beschreibstoff, der vor allem vor der Erfindung des Papiers verwendet wurde, nach dem Ort Pergamon in Kleinasien, der heutigen Türkei. Auch nach 500 oder 1000 Jahren reagieren diese ursprünglichen,  nur leicht bearbeiteten und getrockneten Tierhäute mit Ausdehnung. Der Handschriftenband passt nach der Benutzung nicht in seinen Schutzbehälter, Schließen können nicht geschlossen werden. Für Wissenschaftler ist die Arbeit mit den Originalen unverzichtbar, aber zum Glück besitzen wir eine außerordentlich große Sammlung an Faksimiles und  auch unsere digitalen Sammlungen weisen immer mehr Handschriftenbände nach. Schaut man sich die digitalisierten Seiten von

Ms. Phill. 1896  aus dem 8./9. Jh. an,

kann man genau die Fleisch- und die Haarseite des Pergaments erkennen, sowie die zerstörerische Kraft der Eisengallus-Tinte.

Zu Hause rund um die Welt

Gut, die schönsten Reisen finden sprichwörtlich im Kopf oder vielleicht beim Lesen statt. Für alle Daheimgebliebenen kann es daher spannend sein, Reisebeschreibungen zu lesen. Es gibt unzählige gedruckte Werke dieser Art, auch in unserem Bestand. Die Reisetagebücher der großen Weltreisenden wie Alexander von Humboldt,  Georg Forster,   Adelbert von Chamisso  sind bekannt und  ihre erlebnisreichen Aufzeichnungen können sogar über digitale Portale betrachtet werden. Weniger bekannte Schilderungen findet man aber auch in den digitalen Sammlungen, wie eine Beschreibung der  Reise von Bamberg nach Jerusalem im Jahr 1467.

Adelbert von Chamisso, der spätere Weltreisende, schrieb in der Abgeschiedenheit des brandenburgischen Kunersdorf im Jahr 1813 „Peter Schlemiels Schicksale“ nieder: Als Ms. germ. qu. 1809 ging das Heft mit der Geschichte um den Mann ohne Schatten und seine lange Reise  in unsere Bestände ein. Als solches kann man das Heft in den digitalen  Sammlungen sehen oder als Faksimile erwerben. 

Zwei Jahre später brach er im Juli 1815 in Berlin auf und begann am 17.August 1815 seine Weltreise auf dem Expeditionsschiff „Rurik“ unter Otto von Kotzebue. Er bezeichnete den 17. Juli 1816 als den Beginn der „Sommercampagne“, den Beginn der Nordfahrt durch die Beringsee und die angrenzenden Regionen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent.  Seine Manuskripte, auch  zum Nachlesen gibt es im Katalog „Weltreise- Forster-Humboldt-Chamisso-Ottinger “, ein wunderbares  Werk mit zwei Bänden, auf temperatur- und alterungsbeständigem Papier gedruckt. Im Lesesaal kann man es studieren oder sein eigenes Exemplar – für den Balkon- erwerben.

Es liegt auf der Hand, Reisen bildet…

An der Handschrift mit der Signatur Ms. Phill. 1479 scheint etwas besonders  Reizvolles zu sein. Diese kleine griechische Handschrift mit fünf Abschnitten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde bislang selten benutzt. In der Datenbank Manuscripta Mediaevalia wird sie kurz  verzeichnet. Jetzt ist das Interesse daran so groß, dass innerhalb von vier Monaten Besucher aus Frankreich, Italien und den USA diesen Band  sehen wollen, der noch nicht digitalisiert wurde. Sie enthält zwei griechische Tragödien nach Euripides und Traktate zu prognostischen Methoden. Vielleicht sind es ja die charmanten Zeichnungen mit Angaben zur Handlesekunst und ein Text zur Chiromantie.

„Weltreise“ geht auf Wanderschaft

Im Zentrum der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger in der Staatsbibliothek zu Berlin standen neben den Filmen Ulrike Ottingers die Tagebücher, Briefe und Zeichnungen Alexander von Humboldts, Reinhold Forsters und Adelbert von Chamissos.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Ulrike Ottinger folgte 2014 den Spuren Chamissos, der von 1815-1818 an der russischen Entdeckungsreise des Grafen Romanzoff teilnahm, in die Beringsee und die angrenzenden Regionen sowohl auf dem amerikanischen als auch dem asiatischen Kontinent. Von den Aleuten, Kamtschatka, Tschukotka, Alaska brachte sie beeindruckendes Filmmaterial mit zurück, aus dem vier Filme für die Ausstellung entstanden. Die Filme widmen sich den Themen: Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften.

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

Aus der Konfrontation der zeitgenössischen Filme mit einzigartigen historischen Handschriften aus der Staatsbibliothek und Objekten aus den Beständen des Ethnologischen Museums, des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums entsteht eine spannungsreiche Erzählung, die von den ersten Vorbereitungen einer Expeditionsreise bis zur Rückkehr der Reisenden reicht. Ihre Erkenntnisse, Eindrücke und Ideen spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

 

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ab März 2016 selbst auf Weltreise gehen. Dabei wird sie nie dieselbe sein, denn, so sieht es das Konzept vor, die Auswahl der Ausstellungsstücke übernimmt jede Station selbst; und damit auch die Erzählung, die im Rund der Vitrinen stattfinden wird. Einzig die vier Filme von Ulrike Ottinger sind eine Konstante, ebenso wie die Ausstellungsarchitektur, die einer Jurte nachempfunden ist. Beides wird mit auf Reisen gehen. Auf diese Weise verändert sich die Ausstellung von Ort zu Ort und kann der Dialog zwischen den Filmen und den Ausstellungsobjekten lebendig bleiben. Diese fortwährende Aktualisierung ist die treibende Kraft der Wanderausstellung, die an jedem Ausstellungsort auch einen neuen Titel tragen wird. Lediglich das Wort „Weltreise.“ ist fester Bestandteil des Titels.

Bei Interesse, die Ausstellung zu zeigen, wenden Sie sich bitte per Email an Dr. Jutta Weber: jutta.weber@sbb.spk-berlin.de

Dieser Blogbeitrag wird in Kürze mit allen notwendigen Informationen zur Wanderausstellung ergänzt. Bitte schauen Sie bei Interesse noch einmal hier vorbei.

Im Rahmen der Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin ist eine zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von Ulrike Ottinger und einem Ausstellungskatalog erschienen. Sollten Sie daran interessiert sein, die Publikation im Rahmen Ihrer Ausstellungspräsentation zu verkaufen, wenden Sie sich bitte an Herrn Björn Vogler: publikationen@sbb.spk-berlin.de

Grundriss des Ausstellungsbaus samt der Maßangaben (pdf): Weltreise_SBB_Abmessungen

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König am 6.02., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung am 6. Februar um 16 Uhr ein:

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin, über die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger und das Reisen als Filmemacherin.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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„Ich reise, um zu verstehen. Wenn man sich anderen Kulturformen, anderen Vorstellungen nähern möchte, ist eine narrative Form weniger geeignet, da sie meist nur bestehende Konzepte aus der eigenen Perspektive und Kultur weiterführt. Mich interessiert vielmehr, dass sich ein genuines Interesse entwickelt und ein Austausch mit anderen Kulturen stattfindet.“ Ulrike Ottinger

Mit Hanns Zischler auf Weltreise

Am 30. Januar war Hanns Zischler zu Gast in der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist, las Hanns Zischler unter anderem aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso. Den Auftakt der Lesung machte Zischler mit einer Passage aus Johann Gottfried Herders Journal meiner Reise im Jahr 1769, in dem der Philosoph schreibt: „Philosoph der Natur, das sollte dein Standpunkt seyn, mit dem Jünglinge, den du unterrichtest! Stelle dich mit ihm aufs weite Meer, und zeige ihm Fakta und Realitäten, und erkläre sie ihm nicht mit Worten, sondern laß ihn sich alles selbst erklären.“

Es folgten Ausschnitte aus Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte, aus Georg Forsters Reise um die Welt und aus einem Brief von Alexander von Humboldt an seinen Freund Carl Ludwig Willdenow. Zum Abschluss las Zischler ein Märchen, das Ulrike Ottinger 2014 während ihrer Reise verfasst hat und das den Titel Das Seeottermädchen trägt und von der Begegnung zwischen einem Seeottermädchen und einem Jäger handelt. (Das Märchen ist in Band 1 Chamissos Schatten der zweibändigen Ausstellungspublikation nachzulesen, die sie unter anderem im Ausstellungsshop für 39,90€ erwerben können.)

Wir bedanken uns bei Hanns Zischler für seinen lebendigen und mitreißenden Vortrag dieser unterschiedlichen Texte und damit für eine wunderbare Veranstaltung, an der mehr als 100 Gäste teilgenommen haben!

Vorschau: Am 6. Februar findet um 16 Uhr ein Gespräch zwischen der Künstlerin Ulrike Ottinger und Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums, im Simón-Bolívar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33 statt.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Hanns Zischler liest Reisetexte am 30.1., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung ein:

Hanns Zischler liest am Samstag, dem 30. Januar 2016 um 16 Uhr aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso und Ulrike Ottinger.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Ich habe schon oft Gelegenheit gehabt, jüngeren Freunden einen Rat zu erteilen, den noch keiner befolgen mochte. Ich würde, sagte ich ihnen, wenn ich von einer wissenschaftlichen Reise zurückkehrte, über die ich berichten müßte, in der Erzählung derselben den Gelehrten ganz verleugnen und nur das fremde Land und die fremden Menschen, oder vielmehr nur mich selbst in der fremden Umgebung dem theilnehmenden Leser zu vergegenwärtigen trachten; und entspräche der Erfolg dem Willen, so müßte sich jeder mit mir hinträumen, woeben uns die Reise hinführte.“ Adelbert von Chamisso

Jetzt zur WELTREISEN-Konferenz 25. – 27.2. anmelden

Die von Deutschland ausgehenden (Welt)reisen um 1800 stehen im Fokus der 3. Internationalen Chamissokonferenz

Weltreisen.
Aufzeichnen, aufheben, weitergeben – Forster, Humboldt, Chamisso

25. – 27.2. 2016, Staatsbibliothek zu Berlin
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin

Programm sowie Online-Anmeldung zur Konferenz:
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen


Mit Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso verbindet sich eine Horizonterweiterung des intellektuellen Feldes im deutschsprachigen Raum, die den Eintritt in die Moderne nicht nur markiert, sondern wesentlich mitbestimmt. Der Rückgriff auf die Genannten ist daher auch nicht nur hinsichtlich der Genese moderner Wissensordnungen relevant, sondern kann auch als Ansatz für Schwerpunktverschiebungen im Verständnis unserer eigenen Gegenwart und Zukunft nutzbar gemacht werden. So kommen beispielsweise im Nachdenken über ein postnationales Europa nicht nur die Mehrsprachigkeit der Schriftsteller Forster, Humboldt und Chamisso, sondern auch deren Erfahrungen als ‚Reisende‘, als ‚Fremde‘, als ‚Nomaden‘ und als ‚Migranten‘ in den Blick. In der Reflexion des Anthropozäns wird die selbstverständliche Engführung natur- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen bei den Forschungsreisenden epistemologisch relevant. Die Beschäftigung mit ihnen zeigt, statt bewegter Subjekte, die eine starre Topographie durchqueren, vielmehr die Beweglichkeit und Relationalität von Konzepten wie „Preußen“, „Europa“, „Empirie“ „Welt“ oder eben „Moderne“.

Neben den bekannten Publikationen haben die genannten Reisenden auch Texte, Skizzen, Zeichnungen sowie Proben von Artefakten und Naturalien in Sammlungen hinterlassen, die in den letzten Jahren verstärkt zu Gegenständen der Forschung geworden sind. In diesen Hinterlassenschaften manifestieren sich Themenkomplexe zwischen den Begriffs- und Bestimmungspolen von Natur und Kultur – Tier- und Pflanzenwelt der Reise, Landschaften, Kartographien, Menschenbilder um 1800 –, die nicht zu trennen sind von den medialen Formaten ihres Erscheinens wie dem Tage- und Notizbuch, dem Skizzenheft, dem Gemälde, dem Briefwechsel oder der Sammlung. Diese stellen nicht nur hermeneutische Aufgaben, sondern erfordern eine Konservierungs- und Editionspraxis, die als zeitgemäße Grundlagenforschung zunehmend Mittel, Methoden und Perspektiven der digitalen Geisteswissenschaften aufnimmt und in die historische Erschließung integriert.

Die Konferenz wird veranstaltet von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Potsdam und der Chamisso-Gesellschaft e.V. Sie findet zum Abschluss der von der Staatsbibliothek zu Berlin zusammen mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger präsentierten Ausstellung WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt.

Aufbruch ins Unbekannte

Bevor Adelbert von Chamisso (1781-1838), Autor und Naturforscher, 1815 aufbrach, um an der Romanzoff’schen Expedition teilzunehmen, war er voller Vorfreude, an einer Weltreise teilnehmen zu können und er schrieb in Reise um die Welt (1836): „Ich schaute, freudiger Tatkraft mir bewußt, in die Welt, die offen vor mir lag, hinein, begierig in den Kampf mit der geliebten Natur zu treten, ihr ihre Geheimnisse abzuringen.“

Ulrike Ottinger, Filmemacherin und Künstlerin, machte sich 2014 mit einem Filmteam auf, um die Route, die einst auch Chamisso auf der nördlichen Hemisphäre genommen hatte, nachzureisen. Ihr Interesse gilt dabei den Themen Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften, die sie filmisch und fotografisch umsetzt. Ihr künstlerisch-ethnographischer Ansatz zeigt zum einen Regionen unserer Welt rund um das Beringmeer, die uns weitestgehend verborgen bleiben. Zum anderen, und genau dies zeichnet sowohl die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger aus als auch ihren neuen Film Chamissos Schatten, kombiniert sie ihre Filmaufnahmen mit den Texten, Bildern und Objekten früherer Reisender wie Georg Wilhelm Steller, Adelbert von Chamisso, James Cook, Johann Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und weitere mehr.

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin entstand die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar 2016 im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist. Vier Filme zu den oben benannten Themenfeldern werden hier in Beziehung gesetzt zu historischen Reisedokumenten und Objekten, die aus der Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Museum für Naturkunde, dem Ethnologischen Museum und dem Botanischen Museum stammen. Im Innern einer dunkelblauen, runden Zeltkonstruktion, die einer Jurte ähnelt und in der Meeresrauschen und Vogelgeschrei eine besondere Atmosphäre entstehen lassen, führen die Ausstellungsstücke von den Vorbereitungen einer Weltreise, über die zahlreichen Beobachtungen, die die Reisenden machten, hinzu dem, was am Ende von einer solchen Reise bleibt. Dabei lässt das Zusammentreffen von zeitgenössischen Filmaufnahmen und historischen Objekten ein besonderes Spannungsfeld entstehen, auf das man sich kontemplativ einlassen kann.

Dieser Blog wird in den nächsten Wochen weitergeführt und mit interessanten Informationen zu einzelnen Exponaten der Ausstellung erweitert. Außerdem werden hier Veranstaltungen, die im Rahmen der Ausstellung stattfinden, angekündigt. Schauen Sie immer wieder vorbei und entdecken Sie die Welt aus der Perspektive von Weltreisenden vom 18. bis zum 21. Jahrhundert.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin Foto: Udo Meinel

Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

 

 

Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger

2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016

Staatsbibliothek zu Berlin, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamerstraße 33

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag 11–19 Uhr

Donnerstag 13–21 Uhr

sonn- und feiertags geschlossen

Sonderöffnungszeiten Weihnachten und zum Jahreswechsel: 22., 23. und

28.–30.12.2015, 9–17 Uhr; 24.–26.12., 31.12.2015 sowie 1., 2.1.2016 geschlossen.

Eintritt frei

 

Weitere Veranstaltungen von Ulrike Ottinger in Berlin:

Fotoausstellung

CHAMISSOS SCHATTEN

05.12.2015 – 27.02.2015

Johanna Breede Photokunst

 

Screenings: WELTREISEN

08.12.2015 – 02.2016

Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V.