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„Osterspaziergang von Johann Wolfgang von Goethe. Mit Bildern von Klaus Ensikat.“ Copyright: Kindermann-Verlag Berlin

Klaus Ensikat (nachträglich) zum 80. Geburtstag: Irgendwas stimmt immer nicht *

Freitag, 3. November 2017
18 Uhr

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Kinderbuch im Gespräch” feiern wir am 3. November nachträglich den 80. Geburtstag des herausragenden Graphikers und Illustrators, der seit Jahrzehnten zu den renommiertesten deutschen Buchkünstlern gehört. Klaus Ensikats Schaffen wurde national und international mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis des International Board on Books for Young People und dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Mehrere LaudatorInnen werden – jeweils aus ihrer Sicht und damit auf ganz unterschiedliche Weise – das bedeutende künstlerische Werk von Klaus Ensikat würdigen.

Wir würden uns freuen, Sie unter den Gästen begrüßen zu dürfen.

Werke von Klaus Ensikat im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, ob gedruckt oder im Original, finden Sie unter: http://sbb.berlin/gnrik2

Eintritt frei

Bitte melden Sie sich an unter kinderbuchabt@sbb.spk-berlin.de

* Zitat von Klaus Ensikat aus dem von Ute Wegmann geführten Interview im Deutschlandfunk am  11. März 2017 unter dem Titel „Ich versuche immer niedlich zu sein, aber es wird nichts”.

„Man empfindet Unruhe, wenn ein Tier irgendwo auftaucht.“

Am 11. September stellte der Kinderbuchautor und -illustrator Sebastian Meschenmoser im Rahmen des internationalen literaturfestals berlin sein neuestes Werk Die verflixten sieben Geißlein vor und sprach über seine Illustrationen zu der Neuübersetzung von Der Wind in den Weiden. Zu Beginn des Abends führte Carola Pohlmann, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, ein kurzes Interview, in welchem Meschenmoser über seine Arbeit als Illustrator und Maler berichtete. Im Anschluss daran las Meschenmoser aus beiden Werken vor und begeisterte mit einigen Live-Zeichnungen.

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geißlein (2017)

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geißlein (2017). Mit frdl. Genehmigung des Thienemann-Esslinger Verlags.

Bereits in der Schulzeit stand für Sebastian Meschenmoser das Berufsziel „Kinderbuchillustrator“ fest. Beatrix Potter, Ernest Shepard und der Autor Roald Dahl hätten ihn seit seiner Kindheit fasziniert, bekannte er. Für das Studium der Freien Kunst entschloss er sich dann aufgrund der Überlegung, sich in dem Rahmen frei entfalten und gleichzeitig nebenbei an seinen Illustrationen arbeiten zu können. Heute trennt Meschenmoser klar zwischen beiden Tätigkeiten, der des Künstlers und der des Illustrators. Letztlich ergänze sich aber doch beides, räumte er ein.

Der Arbeitsprozess für einen neuen Band beginnt bei Sebastian Meschenmoser mit den Illustrationen, erst danach schreibt er die Texte zu seinen Geschichten. Lediglich bei Rotkäppchen hat keine Lust ging er in umgekehrter Reihenfolge vor. Das liege daran, erklärte Meschenmoser, dass er sich seine Geschichten in Form von Bildern ausdenke, und deswegen sei es auch nicht verwunderlich, dass seine Bilder mehr erzählen können als der Text selbst. Abschließend erfolge jeweils eine kritische Prüfung durch „Testkinder“, so bekomme er einen Eindruck, wie seine Arbeit aufgenommen werde.

Zu seinem Werk Gordon und Tapir erzählte der Künstler, dass es stark von seinen Erfahrungen in WGs zu Studienzeiten beeinflusst wurde. Er sei sich aber nicht sicher, ob er Pinguin oder Tapir sei. Meschenmoser zeichnet vorzugsweise Tiere, da Leser gegenüber diesen keine Vorurteile hätten oder anders ausgedrückt: „Niemand hat schlechte Erfahrungen mit Tapiren.“ Tiere faszinieren ihn auch deshalb, da man nicht wisse, was in ihnen vorgehe und es eine gewisse Urangst vor Tieren – auch speziell in Räumen – zu geben scheine: „Man empfindet Unruhe, wenn ein Tier irgendwo auftaucht.“ Während seines Studiums in Mainz betrieb Meschenmoser Tierstudien im Frankfurter Zoo. Als Protagonisten seiner Geschichten wählt er heute nach Möglichkeit Tiere aus, die dem Charakter der Figuren entsprechen. Sich selbst dagegen, so Meschenmoser, zeichne man eigentlich eher aus Versehen. In dem Band Die verflixten sieben Geißlein habe er dagegen durchaus Spielzeuge seiner eigenen Kindheit verarbeitet. Auch eine ganz bestimmte Palme, die im Laufe der Jahre mitgewachsen sei, finde sich in seinen Büchern immer wieder.

Der Wind in den Weiden / illustriert von Sebastian Meschenmoser. (2017)

Der Wind in den Weiden / illustriert von Sebastian Meschenmoser. (2017). Mit frdl. Genehmigung des NordSüd-Verlags.

Um sich für die von Sybil Gräfin Schönfeld neu übersetzte Ausgabe von Der Wind in den Weiden inspirieren zu lassen, suchte Meschenmoser nach Bildideen in früheren Ausgaben des Klassikers von Kenneth Grahame. Als Beispiel nannte er die eher düster wirkenden Illustrationen Robert Ingpens. Meschenmoser hingegen wollte eine eher leichte Seite der Geschichte hervorheben.

Das Besondere an diesem Werk liegt im Wechsel zwischen Öl und Aquarell. Jedes Kapitel ist mit jeweils einem Ölbild sowie einigen Aquarellen ausgestattet. Meschenmoser erklärte, dass er die Leser dadurch bewusst irritieren wolle, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Als eine Art Testlauf betrachtete er insofern den Band Herr Eichhorn und der König des Waldes, in dem er erstmals einige Ölbilder verwendete. Eine spezielle Schwierigkeit, Grahames Roman zu illustrieren, habe darin bestanden, das Verhältnis Tier-Mensch-Tier umzusetzen, da es neben den Tieren als Charaktere auch Nutztiere gab und es galt, diesen Unterschied auch bildlich klarzumachen.

Sebastian Meschenmoser zeichnet Kröterich zur Lesung von Carola Pohlmann.

Das abschließende Highlight des Abends waren die Live-Zeichnungen von Kröterich und von Herrn Dachs, die Sebastian Meschenmoser anfertigte, während Carola Pohlmann aus dem Kapitel „Kröterichs Abenteuer“ vorlas. Besonders Kröterich hatte es Sebastian Meschenmoser während der Arbeit an den Illustrationen angetan, da er interessant zu zeichnen war. Ein besonderes Merkmal von Herrn Dachs ist sein Rauschebart, der sehr an Harry Rowohlt erinnert, was der Künstler dadurch erklärte, dass er während seiner Arbeit stets dem Hörbuch zu Der Wind in den Weiden gelauscht habe. Sprecher: Harry Rowohlt.

 

Text: Salome Berhanu

Kooperation bereichert Lehre und Forschung

Ein Gastbeitrag von Ariane Born, Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin

Kinder- und Jugendbücher sind ein unentbehrlicher Bestandteil des kulturellen Lebens einer Gesellschaft, die es zu bewahren, zu dokumentieren und zu vermitteln gilt.

Die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin zählt hinsichtlich der Bedeutung wie des Umfangs ihrer Bestände zu dem engsten Kreis wissenschaftlicher Spezialsammlungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Das einzigartige Sammelprofil sowie die einmaligen Bestände, in denen Primär- wie Sekundärquellen gleichermaßen verfügbar sind, bieten einen unerschöpflichen Fundus für die wissenschaftliche Forschung und Lehre.

Titelkupfer aus: Reisen der Zöglinge zu Schnepfenthal / Christian Gotthilf Salzmann. – Schnepfenthal, 1799. – Signatur: B XV 2a, 97-1 R

Seit nunmehr drei Semestern ergänzt Frau Carola Pohlmann dank ihren fundierten Vorträgen und ihrem umfangreichen Bestand an historischen und modernen Kinder- und Jugendbüchern aus aller Welt, Zeitschriften, Originalillustrationen zum Kinderbuch, Bilderbogen und Plakaten meine literaturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Anders als es im Lehrbetrieb der Universität sonst möglich ist, können die Studierenden des Instituts für deutsche Literatur bei ihrem Besuch in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin Erfahrungen mit historischen Quellen erwerben, die so in Lehrveranstaltungen nicht gegeben sind. Abbildungen und digitalisierte Texte können den unmittelbaren Eindruck historischer Werke nicht ersetzen.

Eingebettet und umrahmt wird die Präsentation von sachkundigen und kurzweiligen Vorträgen Frau Pohlmanns, die Einblick in den historischen Zusammenhang, in dem die Quellentexte stehen, geben.

Das Kooperationsprojekt bot in den zurückliegenden drei Semestern bereits knapp 200 Studierenden einen Einblick in den gesamten zur Verfügung stehenden Bestand der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Die Studierenden werden so auch zu eigenständigen und kreativen Forschungsprojekten im Rahmen ihres Studiums angeregt.

Umschlag der Jubiläumsausgabe (25. Aufl.) von: Backfischchens Leiden und Freuden / Clementine Helm. – Leipzig, 1884. – Signatur: B VIII, 2272

Es darf an dieser Stelle ein Dankeschön an Frau Pohlmann für ihre stete Bereitschaft, meine Studierenden an ihrem Wissen teilhaben zu lassen und ihre umfangreichen Bestände regelmäßig für die universitäre Lehre zugänglich zu machen, nicht fehlen.

Mit herzlichem Dank und Vorfreude auf weitere Zusammenarbeit, verbleibe ich

mit besten Grüßen

Ariane Born