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Besucher im Sommer und Reisen um die Welt

Sommerzeit ist Reisezeit, auch oder gerade für Besucher des Lesesaals der Handschriftenabteilung.

Sie nutzen die vorlesungsfreie Zeit für Bibliotheksreisen, um neue Projekte zu starten und alte Manuskripte zu sehen. Unter Manuskript, aus dem lateinischen manu scriptum,  von Hand geschrieben, verstehen wir weit mehr als die umgangssprachlichen Druck- oder Sendevorlagen. Mit einem Einband versehene, gebundene Handschriften, auch Codices genannt, werden unter regionalen, sprachlichen, inhaltlichen Aspekten oder nach ihrer Herkunft gesammelt und erschlossen. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert. Manuskripte befinden sich natürlich auch in Nachlässen. Der Nachlass einer Person oder Vereinigung wird nach Materialarten in Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente und Sammlungen gegliedert. Da kein Stück dem anderen gleicht gibt es eine Unzahl von Signaturen und Nachweisen. Die Fülle der abendländische Handschriften mit 37 Signaturenreihen  zeigt die Signaturenübersicht der Homepage. Durch kriegsbedingte Verlagerungen, die Teilungsgeschichte der Bibliothek und unzählige Sonderfälle gibt es noch weit mehr Nachweisinstrumente als den Stabikat. Denn für solch individuelle Stücke ist der Stabikat noch nicht das geeignete Nachweisinstrument.

Auskunft im Lesesaal

Wenn Sie auf Nachweise mit Hdschr. Ham. und  Alb.am., Nachl. oder Dep . stoßen und zunächst nichts damit anfangen können, so lohnt sich eine direkte Nachfrage bei der Auskunft im Lesesaal. Nur eine korrekte Signatur führt zu dem gewünschten Objekt.

Voranmeldungen aus aller Herren Länder gibt es  besonders jetzt im Sommer. Gestern wird die mail abgeschickt, heute steht der Besucher schon im Lesesaal und bestellt, wo er schon mal da ist vielleicht auch 10 und mehr Handschriften und Nachlasskästen. Das bringt dann die Kollegen aus dem Magazin ins Schwitzen, denn Folio- und Großfolio-Bände mit Eichenbrettern als Material für die Einbanddeckel können sehr schwer sein.

Empfindliches als Faksimile und in der Digitalen Bibliothek

Bei manchmal unvermeidlichen tropischen Temperaturen, auch im Lesesaal, kann dann eine Handschrift, besonders wenn es eine Zimelie ist, also eine besonders wertvolle Handschrift, nicht bereitgestellt werden. Denn solche Temperaturschwankungen und die Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit sind aus konservatorischen Gründen Gift für alte Werke. Besonders Pergamenthandschriften reagieren darauf sensibel. In der Antike bezeichnete man diesen Beschreibstoff, der vor allem vor der Erfindung des Papiers verwendet wurde, nach dem Ort Pergamon in Kleinasien, der heutigen Türkei. Auch nach 500 oder 1000 Jahren reagieren diese ursprünglichen,  nur leicht bearbeiteten und getrockneten Tierhäute mit Ausdehnung. Der Handschriftenband passt nach der Benutzung nicht in seinen Schutzbehälter, Schließen können nicht geschlossen werden. Für Wissenschaftler ist die Arbeit mit den Originalen unverzichtbar, aber zum Glück besitzen wir eine außerordentlich große Sammlung an Faksimiles und  auch unsere digitalen Sammlungen weisen immer mehr Handschriftenbände nach. Schaut man sich die digitalisierten Seiten von

Ms. Phill. 1896  aus dem 8./9. Jh. an,

kann man genau die Fleisch- und die Haarseite des Pergaments erkennen, sowie die zerstörerische Kraft der Eisengallus-Tinte.

Zu Hause rund um die Welt

Gut, die schönsten Reisen finden sprichwörtlich im Kopf oder vielleicht beim Lesen statt. Für alle Daheimgebliebenen kann es daher spannend sein, Reisebeschreibungen zu lesen. Es gibt unzählige gedruckte Werke dieser Art, auch in unserem Bestand. Die Reisetagebücher der großen Weltreisenden wie Alexander von Humboldt,  Georg Forster,   Adelbert von Chamisso  sind bekannt und  ihre erlebnisreichen Aufzeichnungen können sogar über digitale Portale betrachtet werden. Weniger bekannte Schilderungen findet man aber auch in den digitalen Sammlungen, wie eine Beschreibung der  Reise von Bamberg nach Jerusalem im Jahr 1467.

Adelbert von Chamisso, der spätere Weltreisende, schrieb in der Abgeschiedenheit des brandenburgischen Kunersdorf im Jahr 1813 „Peter Schlemiels Schicksale“ nieder: Als Ms. germ. qu. 1809 ging das Heft mit der Geschichte um den Mann ohne Schatten und seine lange Reise  in unsere Bestände ein. Als solches kann man das Heft in den digitalen  Sammlungen sehen oder als Faksimile erwerben. 

Zwei Jahre später brach er im Juli 1815 in Berlin auf und begann am 17.August 1815 seine Weltreise auf dem Expeditionsschiff „Rurik“ unter Otto von Kotzebue. Er bezeichnete den 17. Juli 1816 als den Beginn der „Sommercampagne“, den Beginn der Nordfahrt durch die Beringsee und die angrenzenden Regionen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent.  Seine Manuskripte, auch  zum Nachlesen gibt es im Katalog „Weltreise- Forster-Humboldt-Chamisso-Ottinger “, ein wunderbares  Werk mit zwei Bänden, auf temperatur- und alterungsbeständigem Papier gedruckt. Im Lesesaal kann man es studieren oder sein eigenes Exemplar – für den Balkon- erwerben.

Es liegt auf der Hand, Reisen bildet…

An der Handschrift mit der Signatur Ms. Phill. 1479 scheint etwas besonders  Reizvolles zu sein. Diese kleine griechische Handschrift mit fünf Abschnitten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde bislang selten benutzt. In der Datenbank Manuscripta Mediaevalia wird sie kurz  verzeichnet. Jetzt ist das Interesse daran so groß, dass innerhalb von vier Monaten Besucher aus Frankreich, Italien und den USA diesen Band  sehen wollen, der noch nicht digitalisiert wurde. Sie enthält zwei griechische Tragödien nach Euripides und Traktate zu prognostischen Methoden. Vielleicht sind es ja die charmanten Zeichnungen mit Angaben zur Handlesekunst und ein Text zur Chiromantie.

Die politik- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriften jetzt auf einen Blick

Nutzen Sie doch Ihre Arbeitspause mal, um etwas zu erfahren über die vielfältigen Aspekte der Flüchtlingssituation, den Stand der Dinge in Osteuropa, die Moral der Ganztagsschule  oder Gender Mainstreaming!

Die regelmäßigen Besucher in der Potsdamer Straße haben es sicher schon längst gesehen, alle anderen können jetzt auch auf Entdeckungsreise gehen: zur Zeitschriftenauslage für die Sozial- und Politikwissenschaften. Wo Zeitschriften bisher oft aus dem Magazin bestellt werden mussten, liegen die aktuellen Ausgaben jetzt in Regalen offen zugänglich im Ost-Foyer in der Nähe der Cafeteria aus.  Sie finden dort alle Zeitschriftentitel und Hefte, die Sie vorher bei den Büchern in der Handbibliothek (HB) 8 einsehen konnten, und zusätzliche eine große Anzahl von Titeln, die vorher in den Magazinen aufbewahrt wurden. Manche Hefte haben wir auch in elektronischer Form. Und viele Zeitschriften können wir Ihnen sowohl auf Papier als auch elektronisch zur Verfügung stellen. Diese Hefte haben einen aufgeklebten QR-Code an den jeweiligen Schubern im Regal. Über den QR-Code kommen Sie bequem zu den elektronischen Artikeln und können sie auf Ihrem Smartphone oder Tablet in Ruhe lesen. Eine gute Neuigkeit für alle Nutzer mobiler Endgeräte: seit Ende letzten Jahres funktioniert das W-LAN auch im Ost-Foyer einwandfrei.

Zeitschriften mit QR-Code

Zeitschriften mit QR-Code

Und sollten Sie kein Smartphone oder Tablet zur Hand haben, bekommen Sie dennoch einen guten Überblick sowohl über unsere gedruckten, als auch unsere elektronischen Zeitschriftenangebote. Vielleicht entdecken Sie hier noch eine Zeitschrift, die Ihnen bis jetzt noch nicht in die Hände fiel, weil es sie nur elektronisch gibt. Auch ohne mobile Technik können sie diese dann am Laptop oder PC aufrufen und lesen.

Die Titel der Zeitschriften reichen dabei von „The American Statistician“ oder „Emma“ über das „Journal of Marriage and Family“ und das „Journal of Muslim Minority Affairs“, bis hin zu Reihen wie „Militätgeschichtliche Zeitschrift“, „Problems of Post-Communism“, „Rotfuchs“ oder „Urban Studies“.

Auch sprachlich ist die Vielfalt groß: Sie können Hefte auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch oder Schwedisch lesen.

Es gibt die aktuellen Ausgaben in Heftform und (in gebundener Form) die letzten 5 Jahrgänge. Sie können also einfach mal stöbern gehen und eintauchen in  die schier endlose Vielfalt aktueller Themen. Sie finden Aufsätze wie „Refugee in Germany“, „Europe’s Troubled Borders“,  „Blackbox Iran“ oder die „Innere Sicherheit und Einbruchskriminalität“. Sie können sich einlesen in die „Battlefleet Tactics of the Royal Navy 1900 – 1914“, der Frage nachgehen, ob Politiker Machtmenschen sind, oder sich informieren über die Lage der Näherinnen in Bangladesch nach dem Unfall von Rana Plaza.

Sie können selbstverständlich auch systematisch die Zeitschriften Ihres Fachgebietes durchsehen und so immer auf dem Laufenden bleiben!

All diese spannenden Hefte und Bände können mit in den Lesesaal oder zum Copy-Shop genommen werden. Für unsere Statistik wäre es schön, wenn Sie die Hefte nach dem Lesen in die Metallbehälter an den Kopfenden der Regale legen könnten. Dann sehen wir gleich, wie gut unser Angebot angenommen wird und ob diese Auslage etwas ist, was wir dauerhaft zur Verfügung stellen sollten. Ihre Meinung ist für uns sehr wichtig!

Auf Ihre Anregungen und Wünsche wartet eine Box auf einem der Tische neben den Regalen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

 

Lesesaal im Haus Unter der Linden – Auslastung

Zurzeit ist unser Lesesaal im Haus Unter den Linden sehr gut besucht. Das nahende Semesterende, Ihre Prüfungsvorbereitung oder die fristgerechte Abgabe von Hausarbeiten lässt die Auslastung an ihre Grenzen stoßen.

Da eine Vielzahl der hiesigen Arbeitsplätze zudem reserviert ist, bleibt das Platzangebot darüber hinaus eingeschränkt. Deshalb eine Bitte: Räumen Sie Ihre Plätze, wenn Sie diese längere Zeit nicht nutzen.

Als Alternative können wir Ihnen viele freie Plätze in unserem Lesesaal im Haus an der Potsdamer Straße anbieten. Ihr SBB-Bibliotheksausweis ist auch dort gültig. Von Unter den Linden ist das Haus Potsdamer Straße mit der Bus-Linie 200 oder den S-Bahn-Linien 1, 2 und 25 in wenigen Minuten erreichbar.