Beiträge

Georg Hirth: Das deutsche Zimmer der Renaissance, München 1882. SBB PK: Signatur 1 C 345 | Stefan George: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod, Berlin 1900. SBB PK: Signatur Yo 28000 | CC BY-SA-NC 3.0

Werkstattgespräch zur Buchkultur im 19. Jahrhundert am 24.1.

Wissenswerkstatt
Buchkultur im 19. Jahrhundert – Zeitalter, Materialität, Gestaltung.
Eine Buchvorstellung

Dr. Monika Estermann, Dr. Frieder Schmidt und Prof. Dr. Wulf D. von Lucius,
Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst
Dienstag 24. Januar 2017
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Nach den Bänden zum 15., 16. und 18. Jahrhundert präsentiert die Maximilian-Gesellschaft nunmehr den zweiten von insgesamt drei Teilbänden zur Buchkultur des 19. Jahrhunderts – ein Publikationsprojekt, das ohne die umfassende Sammlungstätigkeit der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer historischen Vorgängereinrichtungen kaum möglich gewesen wäre. Während der erste, bereits im Jahr 2010 erschienene Teilband die technischen Grundlagen der Buchproduktion im Zeitalter der Industrialisierung behandelt, liegen die Schwerpunkte des vorzustellenden Werks auf der Präsentation des neuen Zeitalters anhand der epochemachenden großen Ausstellungen, auf der veränderten beruflichen Ausbildung der Drucker sowie den Wandlungen des Buchinneren: Thematisiert werden vor allem die Entwicklung des gesamten Titelbogens sowie die Neugestaltung der Satzusancen bei bestimmten Textgattungen. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Zusammenarbeit der bekannten Autoren mit ihren Druckern – darunter etwa Goethe, von Arnim und Brentano, George, Rilke und Holz – bei der Suche nach der adäquaten typographischen Form. Zwei abschließende Kapitel behandeln das Druck- sowie das Buntpapier. Der dritte, den Techniken der künstlerischen Buchgestaltung gewidmete Teilband soll im Lauf des kommenden Jahres folgen.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Wenn Schriftgötter auf Reformatoren treffen – Friedrich Forssmans 95 Thesen zur Neugestaltung der Lutherbibel

Wenn es um die Neugestaltung der Lutherbibel zum Reformationsjubiläum geht, dann sollte mit dieser Aufgabe schon ein „Schriftgott“ betraut werden – mindestens! Dass dieser allerdings nicht vom Olymp, sondern vielmehr von der Kasseler Wilhelmshöhe herabgestiegen sein muss, legt bereits seine Wahl der Documenta als Schrift für die frisch revidierte „Heilige Schrift“ nahe. Und tatsächlich hat sich Friederich Forssman – der zwar nicht von, aber immerhin im „Cicero“ so bezeichnete Schriftgott aus Kassel – der ebenso ehrenvollen wie herkulischen Herausforderung gestellt, den besonders leicht erkennbaren, weil seit Jahrhunderten kanonischen Buchtypus „Bibel“ einer gestalterischen Verjüngungskur zur Verbesserung von Lesefreundlichkeit und Klarheit zu unterziehen.

Klar ist aber auch, dass sich Friedrich Forssman dabei an jenen Kriterien guter Buchgestaltung messen lassen muss, die er anlässlich seines ersten Auftritts in unserer gemeinsam mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Universität Potsdam organisierten Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit benannt hat. Umso mehr freuen wir uns also darauf, diese Überprüfung ebenfalls im Rahmen unseres Dialogs mit der Forschung – so der programmatische Untertitel der auch im Reformationsgedenkjahr fortgesetzten Kooperationsveranstaltung – zusammen mit Ihnen vorzunehmen. Denn Friedrich Forssman wird uns am 7. Februar 2017 ebenso persönliche wie feinsinnige Einblicke in den Prozess der Neugestaltung der Lutherbibel geben – und zwar konsequenterweise in Form von 95. Thesen. Hoffen wir bloß, dass die Glastüren unseres denkmalgeschützten Hauses an der Potsdamer Straße den Abend heil überstehen werden.

Nur dort sind übrigens zeitgleich alle drei lateinischen Ausgaben der inzwischen zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählenden Ablassthesen – vor 500 Jahren gedruckt in Basel, Leipzig und Nürnberg – parallel zu sehen. Denn vom 3. Februar 2017 bis zum 2. April 2017 sowie während des Evangelischen Kirchentags laden wir Sie herzlich ein zu unserer großen Ausstellung BIBEL – THESEN – PROPAGANDA. Die Reformation erzählt in 95 Objekten.

Ganz gleich, ob nun Forssman- oder Luther-Thesen. In beiden Fällen gilt also: solum in Bibliotheca olim Regia Berolinensi.

Werkstattgespräch zum wissenschaftlichen Layout um 1500 am 10.1.

Wissenswerkstatt
Wissenschaftliches Layout um 1500
Werkstattgespräch mit Dr. Oliver Duntze, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dienstag 10. Januar 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts zieht im Bereich der Buchgestaltung deutliche Änderungen nach sich. Insbesondere für das Layout komplexer Textsynopsen, z.B. bei kommentierten Ausgaben literarischer oder religiöser Texte oder im Bereich des wissenschaftlichen Buches, musste dem neuen Medium und seinen technischen Möglichkeiten und Limitierungen angepasst werden. Der Vortrag soll anhand ausgewählter Beispiele zeigen, in welcher Weise zunächst handschriftliche Modelle mehr oder minder erfolgreich im Buchdruck imitiert wurden, sich aber um die Wende zum 16. Jahrhundert zunehmend eine eigene makrotypographische Formsprache für die Gestaltung komplexer wissenschaftlicher Texte ausbildet.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit – Ein Workshopbericht

Wie die Einrichtung der beiden Sonderforschungsbereiche Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa (Universität Hamburg) und Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften (Universität Heidelberg) dokumentiert, haben Forschungen zu Funktion und gesellschaftlichem Status von Handschriftlichkeit gegenwärtig Hochkonjunktur. Dabei profitiert dieser Aufschwung eminent von dem seit einiger Zeit wiedererwachten Interesse der Geistes- und Kulturwissenschaften an Artefakten – ein vielfach als material turn bezeichneter Prozess, der mit der Aufwertung von objekt- und sammlungsbezogenen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen einhergeht. Kein Wunder also, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als spartenübergreifendes Objektrepositorium von Weltrang und drittmittelaktive interdisziplinäre Forschungseinrichtungen ihre Aktivitäten auf den Feldern der material culture studies weiter ausbauen möchte – nicht zuletzt auch auf der Grundlage der im Rahmen der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit: Bibliothek und Forschung im Dialog geknüpften Wissenschaftskontakte.

Vor diesem Hintergrund fand am 29. September 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin unter der Leitung von Reinhard Altenhöner, Jochen Haug und Christian Mathieu ein stiftungsinterner Workshop zum Thema Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit statt, der den Auftakt zu einer Reihe von Folgeveranstaltungen und Arbeitstreffen markieren möchte – mit der klaren Perspektive, interdisziplinäre spartenübergreifende Forschungsaktivitäten sowie als Meilenstein auf diesem Weg zunächst eine gemeinsame Sommerschule in Kooperation mit der universitären Forschung zu realisieren. Dem integrativen Ansatz der von der Staatsbibliothek zu Berlin entfalteten Initiative gemäß waren nahezu alle Stiftungseinrichtungen auf dem Workshop vertreten.

 

Zwischen wissenschaftlicher Kompetitivität und spartenübergreifendem Integrationspotential

Auf Grundlage der im Lauf des Vormittags präsentierten Impulsvorträge umkreiste die lebhafte Plenumsdiskussion die bereits von Präsident Parzinger in seiner Begrüßungsrede angesprochene Herausforderung, die schiere Vielfalt der Forschungsaktivitäten innerhalb der Stiftung in eine für möglichst viele Sammlungen und Einrichtungen anschlussfähige, zugleich aber wissenschaftlich wettbewerbsfähige Fragestellung zu gießen. Im Zentrum der Debatte stand dabei zunächst der im call for papers entwickelte Vorgehensvorschlag, der eine Zweiteilung des Kurrikulums der geplanten Sommerschule in eher propädeutische, der Vermittlung materialbezogener Kompetenzen gewidmete sowie stärker theorieorientierte Lehrveranstaltungen – etwa in Auseinandersetzung mit einer jüngst von Christian Benne (Universität Kopenhagen) vorgelegten Studie – vorsieht. Dieser zufolge habe sich erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein spezifisches Nachlassbewusstsein herausgebildet, dessen Kennzeichen die Wertschätzung des Manuskripts als materiale Spur des literarischen Schreibvorgangs sei – ein auch durch die Referate von Falk Eisermann und Christoph Rauch akzentuierter Angriff auf den Linearitätsmythos des zunehmenden Bedeutungsverlusts von Handschriftlichkeit seit Erfindung des Buchdrucks. Freilich spricht einiges dafür, wie Eef Overgaauw in seinem Vortrag nahelegte, das Einsetzen des von Christian Benne beschriebenen Prozesses bereits ins 15. Jahrhundert zu datieren – eine Einschätzung, die sich im Rahmen der geplanten Sommerschule ohne weiteres anhand der zahlreichen in der Staatsbibliothek verwahrten Nachlässe überprüfen ließe.

Wichtige Anregungen erhielt die Diskussion vor allem von Markus Hilgert, der das grundlegende Spannungsverhältnis von spartenübergreifendem Integrationspotential und wissenschaftlicher Kompetitivität in seinem Eingangsstatement aus seiner persönlichen Doppelperspektive als ehemaliger Sprecher des eingangs erwähnten Heidelberger Sonderforschungsbereichs und Direktor des Vorderasiatischen Museums in den Blick nahm. Zwar unterstrich auch er das eminente forschungsstrategische Potential des vorgeschlagenen Untersuchungsfelds im Gefolge des material turn, plädierte zugleich aber dafür, das erkenntnisleitende Konzept der Literarizität schärfer zu fassen und die Erscheinungsformen von literarischer Handschriftlichkeit in ihrer diachronen wie diatopen Varianz zu betrachten. Anknüpfend an diese Empfehlungen wurde in der weiteren Diskussion sogar überlegt, die von einigen Teilnehmenden als zu statisch empfundene Scheidung zwischen literarischer und pragmatischer Handschriftlichkeit gänzlich aufzugeben und die angestrebte interdisziplinäre Sommerschule stattdessen der kulturvergleichenden Rekonstruktion von Strukturen des Skripturalen bzw. einer Genealogie oder Archäologie des Schreibens mit der Hand zu widmen. Im Interesse der sowohl für die Akquise von Fördermitteln als auch für die Gewinnung von Lehrenden unerlässlichen wissenschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sprach sich Markus Hilgert mit Nachdruck für ein konsequent entlang einer zentralen Forschungsfrage strukturiertes Sommerschulkurrikulum aus und formulierte zugleich Bedenken hinsichtlich einer eher additiv angelegten exemplarischen Gesamtinventur mit der Hand beschrifteter Artefakte in den einzelnen Sammlungen. Der Charakter der Stiftung als spartenübergreifender Verbund von Objektrepositorien wiederum wurde von zahlreichen Teilnehmenden als Alleinstellungsmerkmal hervorgehoben, das in äußerst profitabler Weise für die geplante Sommerschule genutzt werden könne und es zudem gestatte, ganz unterschiedliche Zielgruppen zu adressieren.

Damit aber war ein stärker integrierender Alternativansatz zum ursprünglich vorgeschlagenen Vorgehen formuliert – eine Spannung, die sich für den weiteren spartenübergreifenden Abstimmungsprozess auf dem Weg zu einer gemeinsamen Sommerschule in Kooperation mit der universitären Forschung mit hoher Wahrscheinlichkeit als produktiv erweisen dürfte. Ungeachtet der darin zugleich zum Ausdruck kommenden Vorbehalte bezüglich der Eignung von Christian Bennes These von der Erfindung des Manuskripts um 1750 zur Verklammerung des gesamten Sommerschulkurrikulums, herrschte dennoch Konsens darüber, dass der rezente Impuls der material culture studies zur Neubewertung von Handschriftlichkeit in den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen ebenso facettenreichen wie tonmächtigen Resonanzraum finden würde. Dies umso mehr, als diese doch – wie es Markus Hilgert mit Blick auf die Felder von Erschließung, Forschung und Vermittlung formuliert – als Rezeptionslabor von (literarischer) Handschriftlichkeit dienen könne.

 

Programm des Workshops am 29. September 2016

10:00 – 10:05 Uhr

Grußwort des ständigen Vertreters der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin


10:05 – 10:10 Uhr

Grußwort des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


Moderation:
Reinhard Altenhöner (SBB – Generaldirektion)


10:10 – 10:30 Uhr:
Jochen Haug | Christian Mathieu (SBB – Wissenschaftliche Dienste)

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit –
Möglichkeiten einer interdisziplinären spartenübergreifenden Sommerschule


10:30 – 10:50 Uhr:
Eef Overgaauw (SBB – Handschriftenabteilung)

Literarische Nachlässe des 15. und 16. Jahrhunderts


10:50 – 11:10 Uhr:
Falk Eisermann (SBB – Handschriftenabteilung)

Handschrift und Buchdruck im 15. Jahrhundert – Aspekte einer medialen Konvergenz

 

11:10 – 11:30 Uhr: Dominik Erdmann (SBB – Handschriftenabteilung)

Der Kosmos als Papierprojekt –
Anmerkungen zu Alexander von Humboldts material-gestützten Schreibverfahren


11:30 – 12:00 Uhr:

Kaffeepause


12:00 – 12:20 Uhr:
Viola König (SMB – Ethnologisches Museum) Der Vortrag musste leider entfallen

Bilderhandschriften aus Mesoamerika: Codices, Lienzos und Mapas


12:20 – 12:40 Uhr:
Jutta Weber (SBB – Handschriftenabteilung) | Michael Lailach (SMB – Kunstbibliothek)

Der Brief: Form und Inhalt


12:40 – 13:00 Uhr:
Christoph Rauch (SBB – Orientabteilung)

Materialität und Medialität arabischer Handschriften: Ein Diskussionsbeitrag


13:00 – 13:45 Uhr:

Mittagspause


13:45 – 14:30 Uhr:
Markus Hilgert (SMB – Vorderasiatisches Museum)

Die Materialität und Medialität literarischer Handschriftlichkeit –
Potentiale eines Themas aus der Doppelperspektive von Forschung und Museum


14:30 – 16:00 Uhr:
Plenumsdiskussion

Eine spartenübergreifende Sommerschule der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Dialog mit der universitären Forschung – Schaffen wir das?

 

Mit Nadel, Klebstoff und Papier: Werkstattgespräch zur Revision musikalischer Werke am 6.12.

Wissenswerkstatt
Mit Nadel, Klebstoff und Papier: materiale Aspekte der Revision musikalischer Werke
Werkstattgespräch mit Dr. Roland Schmidt-Hensel, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dienstag 6. Dezember 2016
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Musikhandschriften spiegeln in vielfältigen Facetten Entstehungs- und Bearbeitungsprozesse der darin überlieferten Werke wider. Dies reicht von Korrekturen, die der Komponist während des Kompositionsprozesses in seinem Arbeitsmanuskript vornimmt, über Revisionen und Neufassungen eigener Werke bis hin zur Bearbeitung, Einrichtung und Anpassung insbesondere von Bühnenwerken für eine bestimmte Aufführungssituation. In vielen Fällen schlagen sich solche Revisionen in den überlieferten Quellen nicht nur durch schriftliche Eintragungen, sondern auch in Form von Heraustrennungen, Einfügungen und Überklebungen einzelner Blättern oder Lagen nieder. Umgekehrt bedingen bisweilen auch praktische Aspekte des Arbeitens im und mit dem Notenmaterial die resultierende Gestalt eines Werkes bzw. einer Aufführungsfassung.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Rahmungen: Psalmen – Faust – Insel-Verlag. Werkstattgespräch am 8.11.

Wissenswerkstatt
Rahmungen: Psalmen – Faust – Insel-Verlag
Werkstattgespräch mit Dr. Philip Ajouri, PD Dr. Ursula Kundert, PD Dr. Carsten Rohde, Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel
Dienstag 8. November 2016
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Der Vortrag fragt nach dem Effekt materialer Rahmungen bei der Präsentation kanonischer Werke. Im Kontrast von Stoffen, Gattungen, Produktionszusammenhängen und Zeitpunkten werden Beispiele medialer Konstellationen beschrieben, welche zur systematischen und mediengeschichtlichen Diskussion anregen: War zum Beispiel der Einband für norddeutsche Psalmen des 15. Jahrhunderts, für Medialisierungen des Faust-Stoffes im 19. Jahrhunderts sowie für Bände des Insel-Verlages zu Anfang des 20. Jahrhunderts gleichermaßen wichtig und wirkmächtig? Welche mediengeschichtlichen Veränderungen gehen mit je unterschiedlichen Rahmungen einher? Welche Rahmungen sind über alle genannten Faktoren hinweg erstaunlich konstant?

Philip Ajouri, Carsten Rohde und Ursula Kundert bilden das Projekt „Text und Rahmen“ im Forschungsverbund des Deutschen Literaturarchivs Marbach, der Klassik Stiftung Weimar und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

“Der Bogen als Medium der Literatur” – Werkstattgespräch am 4.10.

Wissenswerkstatt
Der Bogen als Medium der Literatur: am Beispiel Goethes
Werkstattgespräch mit Dr. Carlos Spoerhase, Humboldt-Universität zu Berlin
Dienstag 4. Oktober 2016
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

In Adornos Essay über den „Spätstil Beethovens“ stehen der späte Beethoven und der späte Goethe einträchtig nebeneinander: In ihrem Unvermögen, die vorhandenen „Stoffmassen“ angemessen zu formen. Überraschend ist an dieser weiterhin hochinteressanten Problemanzeige, dass der immer nachdrücklich auf die Materialität des Kunstwerks und der Produktion von Kunstwerken hinweisende Adorno hier die Gelegenheit achtlos verstreichen lässt, näher zu bestimmen, was genau mit „Stoffmassen“ gemeint ist. Was genau sind für den späten Goethe die „Stoffmassen“, die im Rahmen einer Poetik des Spätwerks ins Zentrum der eigenen Produktivität rücken? Ich möchte vorschlagen, dass der späte Goethe tatsächlich ein ganz eigenes Verhältnis zu „Stoffmassen“ gewinnt und dass dieses Verhältnis sich nirgendwo so deutlich ablesen lässt, wie in seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Materialität der poetischen Buchform.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Aller guten Materialitäten sind drei – mindestens!

Unser Dialog mit der Forschung …

Die Aufwertung von objektbezogenen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eröffnet gerade für Forschungsbibliotheken mit herausragenden Spezialbeständen und historischen Sondersammlungen ungeahnte Chancen für ihre Neupositionierung gegenüber Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Vor diesem Hintergrund organisieren die Staatsbibliothek zu Berlin und der Arbeitskreis Materialität der Literatur seit 2014 die beliebte Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit“. Ziel dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der Veranstaltungsserie – ist es, theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und moderne Künstlerbücher mit aus der Praxis entwickelten Fragestellungen zu konfrontieren und dabei den Dualismus von Trägersubstanz und semiotischer Ebene von Texten zu überwinden.

Als integrierende Klammer der ausgewählten Vorträge dient das Forschungsprogramm des von Angehörigen der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam getragenen Arbeitskreises. Konkret geht es den sich in den Grenzbereichen von Literatur- und Buchwissenschaft sowie von Analytischer Bibliographie, Typographiegeschichte, Materialitätsstudien und Artefaktanalyse verortenden Mitgliedern dieses Netzwerks darum, die Möglichkeiten vor allem literaturwissenschaftlicher Forschung durch die theoretische und systematische Beschäftigung mit den materialen und medialen Grundlagen von Texten zu erweitern: Im Zentrum stehen dabei sowohl die Theorie der textuellen Materialität und Dinghaftigkeit als auch die historische Beschäftigung mit den Trägermaterialien und Technologien, Schreibgeräten und Schreibstoffen, Formaten und Formen materieller Texte.

… geht natürlich weiter

Gerade mit Blick auf das neue Forschungsinteresse der Geistes- und Kulturwissenschaften nach ihrem Material Turn an Artefakten und “Nonhumans” (Bruno Latour) ist es insofern wohl auch nur folgerichtig, dass wir im Rahmen unserer Veranstaltungsaktivitäten das gute alte Sprichwort beherzigen, dem zufolge aller guten Dinge drei sind – oder vielmehr: mindestens drei. Denn von unserer Nachbarschaft im Berliner Regierungsviertel wissen wir ja nur zu gut, wie wichtig es ist, den Dialog keinesfalls abreißen zu lassen.

Seien Sie also herzlich eingeladen zur dritten Staffel unserer gemeinsamen Vortragsreihe “Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog”, die wir natürlich nicht im Pay-TV, sondern wie immer live und exklusiv in unseren Räumen übertragen und gelegentlich auch über unseren YouTube-Kanal im Nachgang zugänglich machen. Während wir uns schon auf Sie freuen, dürfen Sie sich auf ein gewohnt abwechslungsreiches Programm freuen, das gewissermaßen den Bogen vom Druckbogen zum Geigenbogen schlägt und zum Reformationsjubiläum mit einem echten Hammerthema aufwarten möchte. Neugierig geworden? Dann werfen Sie doch einfach einen Blick in unsere Informationsmateriali(tät)en unter:

www.staatsbibliothek-berlin.de/materialitaet

P.S. Die Vortragsreihe ist Bestandteil eines übergreifenden Akademieprogramms, unter dessen Dach die Staatsbibliothek zu Berlin voraussichtlich ab 2017 ihre Veranstaltungsaktivitäten bündeln möchte.

Vom »Zeitschriftenunwesen« zur Buchkunst im DDR-Untergrund: Werkstattgespräch am 5.7.

Wissenswerkstatt
ENTWERTER/ODER und die Folgen – vom »Zeitschriftenunwesen« zur Buchkunst im DDR-Untergrund
Werkstattgespräch mit Uwe Warnke (Uwe Warnke Verlag)

Dienstag, 5. Juli
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden (Eingang über Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Der Publikationswille des literarischen und künstlerischen Untergrunds (besser: der Zweiten Kultur) der 1980er Jahre in der DDR zeichnete sich durch eine große Vielfalt an Ausdrucksmitteln aus: Künstlerzeitschriften, original-grafische Editionen, Mappenwerke, Bücher. Die Künstlerzeitschriften waren das Experimentierfeld. Die Künstlerbücher folgten. Darüber spricht der Herausgeber des ENTWERTER/ODER.

Eine Veranstaltung aus der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit

Werkstattgespräch zu den Kalligrafischen Druckschriften Hermann Zapfs am 7.6.

Wissenswerkstatt
Kalligrafische Druckschriften Hermann Zapfs – von “Virtuosa” bis “Zapfino”
Werkstattgespräch mit Dr. Nikolaus Weichselbaumer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dienstag, 7. Juni
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden (Eingang über Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Hermann Zapf (1918-2015) war einer der einflussreichsten Kalligrafen, Buch- und Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts. Sein Werk überspannt mehr als sieben Jahrzehnte, in denen er für alle Schrifttechnologien der Druckgeschichte gearbeitet hat – vom Bleisatz bis zur modernen Font-Datei. Eine zentrale Rolle in diesem Oeuvre nehmen kalligrafische Schriften ein, die für Gestalter durch ihre ausladenden und unregelmäßigen Formen eine besondere Herausforderung darstellen. Der Vortrag stellt Zapfs wichtigste kalligrafische Schriftentwürfe in die Traditionslinien der Typographiegeschichte und rekonstruiert auf Basis erhaltener Entwurfszeichnungen und ergänzender Quellen Zapfs Arbeitstechniken. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf der Bedeutung von Technologie für die Formgebung von Schriften.

Eine Veranstaltung aus der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit