Beiträge

Vom »Zeitschriftenunwesen« zur Buchkunst im DDR-Untergrund: Werkstattgespräch am 5.7.

Wissenswerkstatt
ENTWERTER/ODER und die Folgen – vom »Zeitschriftenunwesen« zur Buchkunst im DDR-Untergrund
Werkstattgespräch mit Uwe Warnke (Uwe Warnke Verlag)

Dienstag, 5. Juli
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden (Eingang über Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Der Publikationswille des literarischen und künstlerischen Untergrunds (besser: der Zweiten Kultur) der 1980er Jahre in der DDR zeichnete sich durch eine große Vielfalt an Ausdrucksmitteln aus: Künstlerzeitschriften, original-grafische Editionen, Mappenwerke, Bücher. Die Künstlerzeitschriften waren das Experimentierfeld. Die Künstlerbücher folgten. Darüber spricht der Herausgeber des ENTWERTER/ODER.

Eine Veranstaltung aus der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit

Werkstattgespräch zu den Kalligrafischen Druckschriften Hermann Zapfs am 7.6.

Wissenswerkstatt
Kalligrafische Druckschriften Hermann Zapfs – von “Virtuosa” bis “Zapfino”
Werkstattgespräch mit Dr. Nikolaus Weichselbaumer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dienstag, 7. Juni
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden (Eingang über Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt in der Eingangshalle (Rotunde)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Hermann Zapf (1918-2015) war einer der einflussreichsten Kalligrafen, Buch- und Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts. Sein Werk überspannt mehr als sieben Jahrzehnte, in denen er für alle Schrifttechnologien der Druckgeschichte gearbeitet hat – vom Bleisatz bis zur modernen Font-Datei. Eine zentrale Rolle in diesem Oeuvre nehmen kalligrafische Schriften ein, die für Gestalter durch ihre ausladenden und unregelmäßigen Formen eine besondere Herausforderung darstellen. Der Vortrag stellt Zapfs wichtigste kalligrafische Schriftentwürfe in die Traditionslinien der Typographiegeschichte und rekonstruiert auf Basis erhaltener Entwurfszeichnungen und ergänzender Quellen Zapfs Arbeitstechniken. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf der Bedeutung von Technologie für die Formgebung von Schriften.

Eine Veranstaltung aus der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit

Frank Günther am 26.04.2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin

Shakespeare: Ein Untoter in der Staatsbibliothek

Shakespeare ist tot. Seit 400 Jahren. Seine Sprache, damals noch nicht standardisiert, ist fremd und den Alltag der elisabethanischen Zeitgenossen können wir in etwa so tief nachempfinden wie den von Marsmännchen. Dennoch ist Shakespeare allgegenwärtig, wird ständig neu adaptiert, vereinnahmt, verklärt und immer wieder als zeit- und grenzenlos deklariert. Er ist der kulturelle Beleg für eine anthropologische Konstante, die Menschen auf der ganzen Welt, über alle Zeitalter hinweg eint.

Den Shakespeare-Hype des Jubiläumsjahres nahm die Staatsbibliothek zu Berlin zum Anlass, um am 26. April 2016 die Wirkungsgeschichte des kosmopolitischen, majestätischen, allgegenwärtigen Riesen (frei nach dem amerikanischen Prediger William A. Quayle) einmal etwas gegen den Strich zu lesen. Die mit über 130 Gästen sehr gut besuchte Veranstaltung, die Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf mit einem Grußwort eröffnete, bot drei seltene alte Bücher, zwei wissenschaftliche Vorträge und eine philologische Performance.

Der Dietrich-Bonhoeffer-Saal war vollbesetzt (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Sabine Schülting, Professorin für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin und Herausgeberin des Shakespeare-Jahrbuchs, beleuchtete in ihrem Vortrag Shakespeare – der Untote? die internationale Bardolatrie, also die quasi-sakrale Verehrung Shakespeares. Sie diskutierte unter anderem die zahllosen Veranstaltungen der Reihe Shakespeare Lives, die unter der Federführung des British Council in diesem Jahr in rund 70 Ländern der Welt stattfinden. Ihr versöhnlicher Ausblick: Es lässt sich trotz aller inszenatorischer Überhöhung hinter den Mythos blicken und dort etwas vom Menschen Shakespeare erkennen.

Sabine Schülting

Sabine Schülting (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Ein materieller Ausdruck der frühen Shakespeare-Kanonisierung sind die Folio-Ausgaben von Shakespeares Werken, die in großformatigen Bänden in vier Auflagen zwischen 1623 und 1685 herausgegeben wurden. Von den vier Folianten konnten drei am Veranstaltungsabend ausgestellt werden. Eine Vitrine blieb leer. Durch die Auslagerung der Bücher im Zweiten Weltkrieg wurde der Bestand getrennt, der Second Folio befindet sich heute in Krakau. Andreas Wittenberg, Referatsleiter in der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, erläuterte die Folios und ihre Druck- und Provenienzgeschichte aus buchwissenschaftlicher Perspektive. Besondere Aufmerksamkeit richtete er auf ihre unterschiedlich verarbeiteten Einbände. Höchstpreise erzielt, wer heutzutage einen dieser seltenen Bände bei Sotheby’s versteigert, was angesichts der globalen Bardolatrie sicherlich wenig überraschend ist.

Andreas Wittenberg (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, CC NC-BY-SA)

Wittenbergs Ausführungen über die typografisch verschiedenartig gestalteten Bände konnte das Publikum in einer kurzen Umbaupause an den nur selten ausgestellten Folianten nachvollziehen.

Nach der Pause verwandelte Frank Günther den Abend, der entschieden kultur- und buchwissenschaftlich begonnen hatte, in eine Bühnenshow, die von den Leiden und Höhenflügen eines Literaturübersetzers handelte, der es wagte, den Meister herauszufordern und sein Gesamtwerk komplett neu ins Deutsche zu übersetzen. Frank Günther schleppte einen Arztkoffer voll mit Wörterbüchern, kommentierten Shakespeare-Ausgaben und verschiedenen Übersetzungen auf die Bühne. In wenigen Minuten zog er mit diesen Requisiten das Publikum in den Bann. Er zeigte, wie fremd heute Shakespeares English selbst für Muttersprachler ist und wie schwierig die Übersetzung der Texte in eine andere Sprache. Günther hat es sich zur Aufgabe gemacht, all die Metaphern, Wortspiele und Zoten aus den Originaltexten ins Deutsche zu übertragen und sich dabei von August Wilhelm Schlegels romantischer Übersetzungsvorlage zu emanzipieren. Eine Mammutaufgabe, an deren Übermut er das Publikum teilhaben ließ. Frank Günther stampfte über die Bühne, blätterte wild in den verschiedenen Ausgaben und Wörterbüchern, raufte sich die Haare, verzweifelte, bis er endlich den einen Geistesblitz hatte, der nicht nur Inhalt und Metaphorik, sondern auch Klang und Versmaß des Originals berücksichtigt. Und nur die Anwesenden (und LeserInnen von Günthers Shakespeare-Übersetzungen) wissen nun, wie aus dem medlar tree (Mispelbaum), unter dem Romeo zum ersten Mal von Julia fantasierte, der Vögelbaum wurde.

Werkstattgespräch zur Ästhetik, Ideologie und Poetizität der deutschen Schriftmuster am 3.5.

Werkstattgespräch
“Salvator. Goethe. Radio.” Ästhetik, Ideologie und Poetizität der deutschen Schriftmuster
Dr. Thomas Rahn, Freie Universität Berlin

Dienstag, 3. Mai
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
(Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt: Eingangshallsbereich (Rotunde)
Anmeldung


Der Vortrag widmet sich, mit Schwerpunkt auf dem Zeitraum zwischen 1870 und 1950, der Geschichte und Gestaltung einer wenig beachteten Gattung von Werbematerial: Die Schriftmusterhefte und Kataloge der Buchdruckereien und Schriftgießereien sind nicht allein als ästhetisch ambitionierte Leistungsschau des jeweils aktuellen Schriftdesigns interessant, sie lassen auch durch ihre Textauswahl die Strategie erkennen, einzelne Schriften jeweils mit einem bestimmten Programm zu versehen, sprich: mit konkreten semantischen Feldern zu verknüpfen. Gezeigt werden soll die funktionale und inszenatorische Bandbreite der Schriftmuster zwischen kalkulierter Ideologisierung (etwa ‚deutscher‘, ‚ökonomischer‘ oder ‚idyllischer‘ Schriften) einerseits und der quasipoetischen ‚typographie automatique‘ assoziativer (und manchmal ironischer) Wortkombinationen andererseits.

 

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Shakespeare in drei Akten am 26.4., 17 Uhr

Dienstag, 26. April 2016, 17.00 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Eine Anglistin, ein wissenschaftlicher Bibliothekar und ein Übersetzer gestalten anlässlich des 400. Todestages William Shakespeares am 26. April 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin einen Themenabend in drei Akten. Prof. Dr. Sabine Schülting von der Freien Universität Berlin hält einen Vortrag mit dem Titel „Shakespeare – der Untote?“, Andreas Wittenberg von der Staatsbibliothek zu Berlin präsentiert die Shakespeare-Folios der Staatsbibliothek, und der freie Übersetzer Frank Günther berichtet über die Freuden und Leiden der Übersetzung Shakespearescher Texte. Die Veranstaltung steht im thematischen Zusammenhang mit der Reihe „Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“, die von der Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit der Freien Universität Berlin, der Universität Potsdam sowie der Humboldt-Universität zu Berlin organisiert wird.

Sabine Schülting wirft in ihrem Vortrag einen kritischen Blick auf Geschichte und Gegenwart der internationalen Bardolatrie, der quasi-religiösen Verehrung Shakespeares als ein die Zeiten überdauerndes Universalgenie. “Shakespeare Lives” – “Shakespeare lebt” lautet das Motto der zahllosen Veranstaltungen, die unter der Federführung des British Council in diesem Jahr in rund 70 Ländern der Welt stattfinden. Aber ist Shakespeare tatsächlich ein globaler Autor? Ist er unser Zeitgenosse? Und ist er wirklich unsterblich?
Sabine Schülting ist Professorin für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Sie ist die Herausgeberin des Shakespeare-Jahrbuchs und Mitglied des Vorstands der Deutschen Shakespeare Gesellschaft.

Andreas Wittenberg präsentiert unter dem Titel „Nur Wort’ und Worte“ die Shakespeare-Folios der Staatsbibliothek zu Berlin. Diese Ausgaben von Shakespeares Werken gehören zu den bedeutendsten unter den Beständen der Bibliotheken. Auch die Preußische Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin, gehörte einst zu den Besitzern aller vier Ausgaben. Doch die Auslagerung der Bücher zum Schutz vor Kriegseinwirkungen und die Folgen des Zweiten Weltkriegs haben große und zum Teil bis heute noch nicht wieder geschlossene Lücken in die Bestände der Staatsbibliothek gerissen. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die drei Ausgaben, die heute wieder in der Staatsbibliothek vorhandenen sind – eine Ausgabe, der „Second Folio“, konnte bisher noch nicht wieder erworben werden. Andreas Wittenberg gibt Informationen zur Sammlung und stellt die exemplarspezifischen Merkmale der Bücher, ihre Drucker, Provenienzen und Einbände vor. Zum Abschluss illustriert er mit Beispielen aus der Sammlung Künstlerische Drucke, wie sich Buchkünstler immer wieder neu von den Werken Shakespeares inspirieren ließen.

Frank Günther nimmt die Zuhörer an diesem Abend mit auf eine „abenteuerliche Reise in Shakespeares Sprachwunderwelten“. Der Sprachkünstler Shakespeare hat in seinen Werken „a great feast of language“ angerichtet, wie es in Verlorene Liebesmüh heißt – ein Festmahl der Sprache. Die Rezepte hat Shakespeare neu ersonnen, seine spezifischen Zutaten stammen vom reichen Acker der englischen Sprache: Ein Schlemmermahl des Englischen. Rezepte kann man nachkochen – aber wie kocht man in einer Übersetzung Shakespeares Festmähler nach, wenn die Zutaten aus dem deutschen Sprachgemüsegarten kommen müssen? Wenn die Zutaten ganz anders schmecken als die englischen?
Frank Günther ist seit mehr als vier Jahrzehnten Übersetzer des Gesamtwerks von William Shakespeare ins Deutsche. Seine vielfach ausgezeichneten Übersetzungen sind bei dtv und in einer bibliophilen Ausgabe bei Ars Vivendi erschienen. 2014 erschienen von ihm Unser Shakespeare sowie Shakespeares Wort-Schätze. Im Wintersemester 2007/08 hatte er die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin inne, die die Hochschule mit dem Deutschen Übersetzerfonds 2007 gemeinsam ins Leben rief und trägt.

Weitere Informationen

 

Kontakt:

Wissenschaftliche Dienste
Dr. Jochen Haug, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
T. 030 / 266 433 153

Presse
Jeanette Lamble, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
T. 030 / 266 431444

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog.
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt

Werkstattgespräch zum frühen arabischen Buchdruck am 5.4.

Werkstattgespräch
Der frühe arabische Buchdruck in einer Welt der Handschriften: Eine kulturhistorische Annäherung
Christoph Rauch, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Dienstag, 5. April
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
(Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt: Eingangshallsbereich (Rotunde)
Anmeldung


Christliche arabische Mönche bedienten schon im 17. Jahrhundert die Druckerpresse. Obwohl Ibrahim Müteferrika bereits ab 1729 in Konstantinopel wirkte, konnte sich der Buchdruck im islamischen Umfeld erst im 19. Jahrhundert durchsetzen. Worin liegen die Ursachen für das lange Festhalten an der handschriftlichen Überlieferung im islamischen Raum, und in welchem Kontext steht die Verbreitung gedruckter Bücher in der islamischen Wissenskultur? Am Beispiel zahlreicher handschriftlicher und gedruckter Exemplare eines sehr verbreiteten und häufig kommentierten Werkes, der arabischen Grammatik al-Kāfīya des Ibn Ḥāǧib (st. 647/1249), werden einige Merkmale der Textgestaltung und des Wissenstransfers sowohl im Zeitalter der Handschrift als auch des Buchdruckes veranschaulicht.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Die Beseitigung von Lesehindernissen – Friedrich Forssman zur Frage: “Was ist gute Buchgestaltung?”

Totgesagte leben bekanntlich länger – zumal im digitalen Zeitalter. Denn ebenso wie sich die Lesesäle von Bibliotheken auch und gerade bei Digital Natives immer größerer Beliebtheit erfreuen, erlebt das ambitioniert gestaltete gedruckte Buch gegenwärtig eine Phase der Hochkonjunktur. Hiervon zeugen etwa der Erfolg der von einer unserer prominenten Stammgäste herausgegebenen bibliophilen Bände zur Naturkunde – die Leserinnen und Leser unseres Hausmagazins sind einmal mehr im Vorteil – und nicht zuletzt auch der jüngste Abend in unserer gemeinsam mit den Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog. Denn mehr als 100 Personen interessierten sich am vergangenen Dienstag für die apodiktische Frage: Was ist gute Buchgestaltung?.

Da zu deren Beantwortung naturgemäß ein umfassender Überblick über das angesprochene Feld erforderlich oder zumindest wünschenswert ist, konnte zu unserer großen Freude kein Geringerer als der so bezeichnete Schriftgott aus Kassel für diese Aufgabe gewonnen werden – na klar, die Rede ist von Friedrich Forssman. Im Rahmen seines Vortrags präsentierte der renommierte Buchgestalter und Typograf, der selbst zur Theorie der Schwarzen Kunst publiziert und neuerdings auch lehrt, seine Ästhetik als ein changierendes Spiel mit den seit Johannes Gutenberg etablierten Konventionen. So solle eine gelungene Buchgestaltung zwar einerseits den an sie gerichteten Erwartungen entsprechen – wir alle rufen vermutlich recht ähnliche Vorstellungen von den Buchtypen „Reiseführer“ oder „Mathematik-Schulbuch“ auf – und sich durch die Beseitigung von Lesehindernissen gleichsam selbst unsichtbar machen, andererseits aber auch die Sinne reizen und Vergnügen schenken. Letzteres vermag Friedrich Forssman, wie schnell deutlich wurde, freilich nicht nur als Buchgestalter, sondern auch als Redner, begeisterte er doch sein Publikum mit einigen ebenso pointierten wie scharfzüngig vorgetragenen Beobachtungen.

Sollten Sie den Auftritt des Meistertypografen verpasst haben oder gar nicht genug von seinen Ausführungen bekommen können, so dürfen Sie bereits auf die im Herbst 2016 startende dritte Runde der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog vorfreudig gespannt sein. Denn Friedrich Forssman – für seine heroische Leistung, Zettel‘s Traum erstmals als gesetztes Buch erstehen zu lassen, wird der Wahl-Kasseler geradezu als Herkules gefeiert – hat fest versprochen: „I’ll be back!“ Über die genaue – ähm! – Terminierung seines Vortrags werden wir Sie natürlich frühzeitig an dieser Stelle informieren.

P.S. Und für eine Vorschau auf diesen Vortrag in der Rückschau empfehlen wir übrigens das Gespräch von Friedrich Forssman mit dem Kulturradio des RBB.

Kunst und Politik im Einblattdruck / Flugblatt. Werkstattgespräch am 7.3.

Werkstattgespräch
Kunst und Politik im Einblattdruck / Flugblatt
Christiane Caemmerer (Staatsbibliothek zu Berlin)
Präsentation der Einblattdrucke von PalmArtPress mit Wolfgang Nieblich (Herausgeber) und Catharine Nicely (Verlegerin)

Montag, 7. März
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

In ihrem Vortag stellt Christiane Caemmerer das Medium Einblattdruck/ Flugblatt in seinem Wandel von der Reformationspropaganda Lucas Cranachs über die futuristischen Manifeste und die Flugblattgedichte Johannes R. Bechers bis zu den Blättern der Kommune 1 mit einem kurzen Ausflug in die Gegenwart vor.
Mit dem Projekt bildende Künstler und Autoren im modernen Einblattdruck zusammenzuführen, greifen die Einblattdrucke von PalmArtPress im 21. Jahrhundert die Traditionen dieses frühen publizistischen Mediums auf zu berichten, aufzuklären und zu polemisieren.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Poster zur Veranstaltung als Pdf

Der Simón-Bolívar-Saal ist nicht barrierefrei zugänglich. Bitte  informieren Sie uns vorab, falls Sie Unterstützung benötigen: pr@sbb.spk-berlin.de 

Sonderdrucke in Zeiten von PDF. Eine akademische Tradition wird reanimiert

Das Pulsieren von Herzblut war deutlich zu spüren, als am vergangenen Donnerstag im Rahmen eines von der Staatsbibliothek zu Berlin veranstalteten Podiumsgesprächs eine akademische Tradition wiederbelebt wurde, die mit dem Aufschwung des elektronischen Publizierens einen Gutteil ihres ursprünglichen Charakters einbüßen sollte. Denn unter den Bedingungen der unbegrenzten Reproduzierbarkeit elektronischer Dokumente muss jener exklusive „Für-Dich-Effekt“ zwangsläufig an Bedeutung verlieren, der aus der nur begrenzten Verfügbarkeit ansprechend gestalteter, mit einer handschriftlichen Widmung versehener und womöglich sogar persönlich überreichter papierener Sonderdrucke resultiert – eine Limitierung, die zumal in universitären Bewerbungsverfahren zuweilen freilich für herkulische Entscheidungsschwierigkeiten sorgen kann.

Angesichts der Unwirksamkeit von PDF-Dateien als Zeichen von kollegialer Verbundenheit und Zuneigung sowie in der Absicht, einen Publikationsort für herausragende studentische Arbeiten und eher unkonventionelle wissenschaftliche Texte zu schaffen, haben sich Anke te Heesen, Christina Wessely, Valentin Groebner und Michael Wildt der Rettung dieser gefährdeten oder zumindest aus der Mode gekommenen Tradition des akademischen Gabentauschs verschrieben und mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung die programmatisch betitelte Reihe “Sonderdruck” ins Leben gerufen. Den vier überdies für die Programmauswahl zuständigen Lehrenden steht der Leipziger Typograf Helmut Völter zur Seite, der sowohl das Format der Gesamtreihe als auch das Erscheinungsbild der ersten drei Einzelbände – diese handeln von Heiner Müllers Manuskriptkritzeleien, der deutschen Modefotografie in den 1930er Jahren sowie dem Mittelalterbild des Campus Galli – gestalterisch verantwortet. Um aber den individuellen, auf persönliche Kontaktaufnahme zielenden Charakter des Vorhabens noch stärker zu betonen, wird der buchkünstlerische Staffelstab von nun an im Jahresturnus von Hand zu Hand weitergegeben werden.

Allerdings bezeichnet der stete Wandel in der Gestaltung der künftig zu produzierenden Bände keineswegs die einzige Konstante dieser Reihe, werden doch die in einer Auflage von jeweils 400 Stück hergestellten Sonderdrucke niemals im Buchhandel zu kaufen, sondern ausschließlich als Geschenk zu erhalten sein. Demgemäß betonte auch der bekannte Feuilletonist und Literaturwissenschaftler Lothar Müller in seinem Festvortrag die verschiedenen Währungen, in denen die nicht von Geldströmen getragene Ökonomie des akademischen Gabentauschs ausgemünzt wird: Aufmerksamkeit, symbolisches Kapital und vor allem Lesezeit. Zugleich dokumentiert die Einladung gerade dieses Redners – Lothar Müller ist schließlich Autor einer viel beachteten Geschichte des Papiers – die besondere Sensibilität für die materiale Dimension von Sonderdrucken, was wiederum die Aufnahme des Podiumsgesprächs in die Folge der Begleitveranstaltungen zur gemeinsam von der Staatsbibliothek zu Berlin in Verbindung mit den Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Vortragsreihe Die Materialität der Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog erklärt. Nach historischen Dissertationen und mittelalterlichen Rechtshandschriften werden in diesem Zusammenhang – diese kurze Werbeunterbrechung sei hier bitte gestattet! – im Übrigen bereits in Kürze künstlerische Einblattdrucke im Fokus stehen.

Wie am Eröffnungsabend der 66. Berlinale auch kaum anders vorstellbar, wurde diese Veranstaltung zum wissenschaftlichen Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert natürlich für den YouTube-Kanal der Staatsbibliothek zu Berlin aufgezeichnet. Dru(e)cken Sie uns daher bitte fest die Daumen, dass die Berlinale-Jury unseren Film auch ja mit einem der begehrten Sonderpreise auszeichnen wird!

Was ist gute Buchgestaltung? Werkstattgespräch am 1.3. um 18.15 Uhr

Werkstattgespräch
Was ist gute Buchgestaltung?

Dienstag, 01. März
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Friedrich Forssman, Kassel –

Kriterien für gute Buchgestaltung sind: Angemessenheit (dafür gibt es eine hoch ausdifferenzierte Buch-Typologie), Leserlichkeit (was eher mit Überlieferung zu tun hat denn mit Physiologie) und Schönheit (spätestens da wird es komplizierter). Über diese Kriterien gibt es viel Konsens und immer wieder Debatten – Bücher sind einerseits Gebrauchsgegenstände, die funktionieren müssen, andererseits Objekte, die geliebt wurden, als sie noch handbeschriebene Rollen waren, und heute, längst zu Industrieprodukten geworden, immer noch geliebt werden können. Ein Buchgestalter berichtet aus seiner 25jährigen Arbeit für Verlage, Institutionen und Editionen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt