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Slawistik-Workshop 2017

Workshop: Der Fachinformationsdienst Slawistik im Wandel der Informationsvermittlung

In Zusammenarbeit mit der Kommission für Fachreferatsarbeit des Vereins deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) und dem Deutschen Slavistenverband sowie mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) lädt die Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz zu einem Workshop ein. Dieser richtet sich an Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die slawistische Fachbibliotheken betreuen, sowie an Slawistinnen und Slawisten (Forschende, Lehrende, Promovierende und Studierende), die ihre Ideen und Anforderungen an die Weiterentwicklung des Fachinformationsdienstes und des Slavistik-Portals einbringen und gemeinsam diskutieren wollen.

Vor vier Jahren, im Oktober 2013, noch vor der Umstellung der DFG-Förderung von SSGs auf FIDs trafen sich Fachbibliothekar/innen der Slawistik zu einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Aktuelle Informationsangebote für die Slawistik – 15 Jahre SSG Slawistik an der Staatsbibliothek zu Berlin“, zogen ein Resümee der Arbeit am SSG und entwickelten gemeinsam Perspektiven für den geplanten Fachinformationsdienst Slawistik. Seit Anfang 2016 betreut die Osteuropa-Abteilung der SBB den FID Slawistik mit Unterstützung der DFG in der ersten Förderphase. In dieser Zeit gab es im Bereich Literaturbeschaffung große Umbrüche, deren Auswirkungen ebenso Thema sein werden wie die Perspektiven und Entwicklungspotentiale für die Fortsetzung des FID und für das Slavistik-Portal.

Termin: Donnerstag, 16.11.2017 (ab 13 Uhr) und Freitag, 17.11.2017 (bis ca. 15 Uhr)

Ort: Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin

Organisation:  Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – PK, Tel. +49-(0)30-266-435-601, E-Mail

Anmeldung: Zum Anmeldeformular

Es wird eine Tagungsgebühr in Höhe von € 50 erhoben (für Mitglieder des VDB und anderer bibliothekarischer Verbände € 30).


Programm

16. November 2017

13:00-13:30 Uhr Anmeldung

13:30 Uhr Begrüßung und Eröffnung

13:45-15:15 Uhr

Themenkreis 1: Fachinformationsdienst und Forschungsanforderungen

  • Zur Entwicklung des FID Slawistik
    Olaf Hamann (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Vom SSG zum FID – neue Aspekte der Abstimmung und Kooperation mit der slawistischen Forschung in Deutschland
    Abstract: Seit Januar 2016 entwickelt die SBB PK den Sammlungsschwerpunkt Slawistik im Rahmen des DFG-geförderten FID Slawistik. Die Medienlandschaft ist im Umbruch. Die Informationsspezialisten in den Bibliotheken stehen vor neuen Anforderungen an die Kooperation mit den Slawistinnen und Slawisten. Ein Fachbeirat unterstützt die SBB PK.
  • Die Anforderungen der Slawistik an die Informationsvermittlung
    Dr. Anja Otto (Humboldt-Universität zu Berlin, Universitätsbibliothek): Typische Probleme von Slawist*innen bei der Literaturrecherche – Anforderungen an Suchsysteme
    Abstract: Slawist*innen sind bei der Literaturrecherche mit einigen wiederkehrenden typischen Problemen konfrontiert. Diese haben ihre Ursache vor allem in den unterschiedlichen Transliterationssystemen, die verschiedenen Suchsystemen (Discovery-Systeme, Datenbanken) zugrunde liegen und sich auch auf die Funktionalität von Linkresolvern auswirken.  Anhand von einigen Beispielen aus der Praxis wird die Problematik illustriert und sich daraus ergebende Anforderungen an ideale Suchsysteme werden zur Diskussion gestellt.
  • Informationsressourcen für Slawisten
    Katrin Nagovnak (Paris Lodron Universität Salzburg, Universitätsbibliothek): „Informationsressourcen für Slawisten“: Best Practice und Desiderate in der slawistischen Informationsvermittlung
    Abstract: Die Slawistik als „kleine“ Philologie steht selten im Fokus der universitären Informationsvermittlung. Umso wichtiger ist es daher, StudentInnen und WissenschaftlerInnen gut zugängliche Alternativangebote bereitzustellen, um über die Möglichkeiten einer fachspezifischen Recherche und Forschung informieren zu können – insbesondere in Form von digitalen Informationsplattformen. Um diese optimal gestalten zu können, ist es wiederum wichtig, über die Stärken und Schwächen slawi(sti)scher Informationsinfrastrukturen Bescheid zu wissen. Doch was genau zeichnet die Slawistik als „Recherchefach“ aus und wie können sich SlawistInnen diese Stärken und Schwächen zu Nutze machen? Auf dieser Frage aufbauend soll überlegt werden wie man slawistische Informationsplattformen noch besser/effizienter/anders gestalten könnte.
  • Diskussion und Erfahrungsaustausch

15:15-15:45 Uhr Kaffeepause

15:45-17:15 Uhr

Themenkreis 2: Aktuelle Aspekte der Erwerbung slawistikrelevanter Medien, Oder: Im Osten geht die Sonne auf! Zu alten und neuen Partnern im Erwerbungsgeschäft

    • Neue Lieferanten für Literatur aus slawischsprachigen Ländern
      Olaf Hamann/Ivo Ulrich (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Alte und neue Lieferanten slawistikrelevanter Veröffentlichungen – Erfahrungen der Osteuropa-Abteilung
      Abstract: Die Erwerbung von Literatur aus Osteuropa steht vor neuen Herausforderungen. Aktuelle Marktbereinigungen auf Lieferantenseite, aber auch verbesserte Bestell- und Versandmöglichkeiten erlauben jetzt den Einkauf von Literatur direkt in den Erscheinungsländern. Die Diversifizierung des Lieferantenportfolios erfordert initial einen erhöhten Verwaltungsaufwand, bringt aber durch Approval Plans, direkten Kontakt und oft bessere Einkaufspreise mehr Kontinuität und ein höheres Erwerbungsvolumen. Letztlich erreicht die Staatsbibliothek zu Berlin damit auch eine gewisse ‚Lieferanten-Ausfallsicherheit‘. Das Einwerben von Lizenzen für elektronische Publikationen bleibt nach wie vor eine besondere Herausforderung. Steht hier im Osten ein Sonnenaufgang unmittelbar bevor?
    • Medienerwerbung und Verwaltung
      Nina Imhof (SBB PK, Abteilung Bestandsaufbau): Aspekte der administrativen Abwicklung von Buchimporten aus EU- und Nicht-EU-Ländern – Ein Erfahrungsbericht
      Abstract: Vorgestellt werden die steuer- und zollrechtlichen Hintergründe bei innergemeinschaftlichen Erwerbungen und Einfuhren aus Drittländern, die Anforderungen an die Rechnungsgestaltung sowie die praktische Abwicklung der monatlichen Umsatzsteuer-Voranmeldung bzw. Zollanmeldung (für eine Bibliothek mit der Bewilligung zum Vereinfachten Anmeldeverfahren).
    • Lizenzen für elektronische Publikationen zur Slawistik – ungenutzte Potentiale?
      Dr. Vladimir Neumann/Olaf Hamann (SBB PK, Osteuropa-Abteilung)
      Abstract: Die Angebote elektronischer Medien nehmen einen immer breiter werdenden Raum im täglichen Erwerbungsgeschäft ein. Zahlreiche Anbieter treten mit unterschiedlichen Modellen an die Bibliotheken heran. Die Wünsche und Bedürfnisse der potentiellen Nutzer dieser Informationsangebote stimmen nicht immer mit diesen Angeboten überein. Für eine Diskussion sollen Erfahrungen im Umgang mit Lizenzen für elektronische Inhalte zu folgenden Fragen dargelegt werden: Welche Anbieter slawistikrelevanter elektronischer Medien treten am Markt auf? Welche Erwerbungsmodelle werden angeboten? Wie können unterschiedliche Schnittstellen effektiv eingesetzt werden? Welche neuen Medienformen sind zu verarbeiten? Können interdisziplinäre Lizenzen für die Slawistik effektiv ausgewertet werden oder ist die Einbindung kleinerer aber hochspezialisierter Lizenzangebote effektiver und sinnvoller?  Nützen den Slawist*innen Repositorien? Sind Anbieter wie Academia.edu, Europeana, Präsident-Jelzin-Bibliothek Sankt Petersburg mit ihren unterschiedlichen Konzepten geeignete Anbieter elektronischer Informationen?
    • Kompetenzzentrum für die Lizenzierung elektronischer Ressourcen – Aktueller Stand der Entwicklung und Perspektiven
      Moritz Böhme (SBB PK, Abteilung Bestandsaufbau)
      Abstract: Im Rahmen des DFG-geförderten Programms der „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ agiert das Kompetenzzentrum für Lizenzierung (KfL) seit 2014 als bundesweite Serviceeinrichtung für die Fachinformationsdienste. Seit 2017 befindet sich das KfL in der zweiten Förderphase, betrieben wird es von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, der Bayerischen Staatsbibliothek München und der Staatsbibliothek zu Berlin. Basisdienstleistung des KfL ist die Verhandlung, Lizenzierung und überregionale Bereitstellung digitaler Medien nach den sog. „DFG-Grundsätzen“. Der Fokus des Vortrags liegt auf dem in diesem Kontext neu geschaffenen Lizenztyp der FID-Lizenz, daneben soll auch die technische Infrastruktur des KfL kurz vorgestellt werden.
    • Diskussion und Erfahrungsaustausch

    Gemeinsames Abendessen


     

    17. November 2017

    9:00-10:30 Uhr

    Themenkreis 3: Recherchieren lernen und vermitteln: Suchstrategien für moderne, elektronische und historische Medienformen und Informationsquellen

    • Das Slavistik-Portal – erweiterte Dienste im neuen Gewand
      Dr. Vladimir Neumann (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Neue Inhalte und Suchoptionen im Slavistik-Portal
      Abstract: Seit genau zehn Jahren ist das Slavistik-Portal online verfügbar. Geplant und konzipiert als elektronische Erweiterung zum Sondersammelgebiet „Slawische Sprachen und Literaturen“, gewann das Portal seit 2016 eine neue Funktion als das Recherche-Werkzeug im Rahmen des Fachinformationsdienstes Slawistik. Die technische Basis des Portals wurde ständig verbessert, verfeinert und erweitert. Gleiches gilt für die slawistischen Daten, die aus über 50 verschiedenen Quellen (Datenbanken, Bibliographien, Katalogen) gesammelt, gefiltert und aufbereitet werden. Der Vortag möchte näher auf die Frage eingehen, wie eine effiziente Suche im Portal genau funktioniert. Welche Suchmechanismen, -routinen und  strategien gibt es und wie können sie am optimalsten eingesetzt werden? Dabei sollen nicht nur die Möglichkeiten einer parallelen indexbasierten Suche, sondern auch die der Browsing-Funktionen betrachtet werden. Beide Möglichkeiten stellen ein effektives Werkzeug zum Auffinden und für den Zugang zu slawistischen Fachinformationen für alle slawistikorientierten Interessengruppen dar.
    • Alte Sammlungen neu präsentiert
      Susanne Henschel (SBB PK, Benutzungsabteilung): Slawistik im Altbestand der Staatsbibliothek zu Berlin – Erschließungssystematik nun vollständig online
      Abstract: Der historische Druckschriftenbestand der SBB PK der Erscheinungsjahre 1501 bis 1955 mit einem Umfang von drei Millionen Büchern und Zeitschriften ist im Alten Realkatalog (ARK) in einer fein gegliederten Systematik verzeichnet. Die Slawistik ist dabei gut vertreten, nicht nur im Abschnitt „Slavische Literaturen“, sondern auch in anderen Katalogteilen, bisweilen an unerwarteter Stelle. Im ARK-Online-Projekt wurde die historische Systematik so aufbereitet, dass alle relevanten Sachstellen über eine Recherche sowohl mit alten Katalogbezeichnungen als auch mit modernen Schlagwörtern und mit Hilfe der Basisklassifikation gefunden werden können. Die Zuordnung der Titel im ARK folgt streng sachlichen Kriterien ohne Berücksichtigung der Publikationssprache. Slawischsprachige Werke können sich also an allen Sachstellen finden.
    • Sabine Kaiser (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Gedanken zur Inhaltserschließung von FID-Literatur – Eine Diskussionsvorlage über Perspektiven, Anforderungen und Aufgaben
      Abstract: Mit der Ankündigung der DNB, von intellektueller auf maschinelle Inhaltserschließung umzustellen,  haben die Diskussionen über den Stellenwert und die Anforderungen an qualitative Literaturerschließung einen neuen, wichtigen Impuls erhalten. Knapper werdende finanzielle (personelle) Mittel und verbesserte technische Möglichkeiten legen die schrittweise Ablösung von klassischer Referententätigkeit zugunsten maschineller Erschließungsverfahren nahe. Gegenstand dieser Betrachtungen ist in der Regel die deutsch- und englischsprachige Literatur. Welche Besonderheiten ergeben sich in dieser Frage hinsichtlich der sachlichen Erschließung der FID-Literatur, die zu einem hohen Prozentsatz in osteuropäischen Originalsprachen erworben wird? Welche Erfahrungen gibt es und welche Anforderungen, Wünsche und Ziele lassen sich für die Zukunft formulieren, um die Auffindbarkeit von originalsprachlicher FID-Literatur zu optimieren?
    • Diskussion und Erfahrungsaustausch

    10:30-11:00 Uhr Begrüßung durch die Sponsoren: Neue Dienstleistungsangebote für Bibliotheken in Deutschland

    11:00-11:30 Uhr Kaffeepause

    11:30-13:00 Uhr

    Themenkreis 4: Total digital?

    • Slawistische Forschung im Wandel? Zur Rolle elektronischer Quellen und digitaler Informationen in der slawistischen Forschung
      Dr. Erda Lapp (Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum): Hochschulbibliographie als Service und Networking in der Slavistik
      Abstract: Die Hochschulbibliographie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) enthält auch zahlreiche Eintragungen der Bochumer Slavisten. Durch die Bibliographie trägt die UB zur Sichtbarkeit der Slavistik-Forschung an der RUB bei. Gleichzeitig habe ich als Fachreferentin die Forschungsthemen der Community unmittelbar im Blick. Über die Bibliographie hinaus suche und finde ich aber auch das Gespräch mit den Bochumer Slavisten und Osteuropa-Historikern bei Vorträgen und Veranstaltungen im Institut oder in der UB und im Café der Bibliothek.
    • Digitisation on Demand (DoD) für die slawistische Forschung
      Ulrike Meyer-Plieske (SBB PK, Osteuropa-Abteilung)
      Abstract: Der FID Slawistik bietet zukünftig einen DoD-Service für die slawistische Forschung an. Bis zum Ende der ersten FID-Förderphase können – gefördert durch die DFG – etwa 150 urheberrechtsfreie Werke  der Fachliteratur digitalisiert und in die Digitalisierten Sammlungen der SBB integriert werden.  Erläutert werden die Voraussetzungen und Optionen für die FID-Digitalisierungen und der Ablauf vom Digitalisierungswunsch bis zur Bereitstellung des Digitalisats.
    • Der virtuelle Nutzer virtueller Angebote – eine Gleichung mit zwei Unbekannten?
      Yevgeniy Pautz (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Kirchenslavica digitalisieren und präsentieren
      Abstract: Seit Ende 2016 wird in der SBB das Projekt „Kirchenslavica digital“ realisiert. Dabei sollen etwa 170 kirchenslawische Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert digitalisiert werden. Grundlage sind die Geschäftsgänge nach GOOBI. In einer Zwischenbilanz werden aus Sicht des bearbeitenden Bibliothekars Ziele und Probleme bei  der praktischen Umsetzung des Projekts herausgearbeitet und die Grundlagen für die Strukturdatenerfassung erläutert.
    • Diskussion und Erfahrungsaustausch

    13:00-13:30 Uhr Mittagspause

    13:30-ca. 15:00 Uhr

    Zusammenfassung und Abschlussdiskussion:

    • Hat der FID Slawistik eine Zukunft?
    • Welche Herausforderungen sollen im Mittelpunkt einer zweiten Förderphase stehen?
    • Braucht die Slawistik in Deutschland ein eigenes Repositorium?
    • Ist GOOGLE der SLAWIST der Zukunft?
    • Wie gestalten wir themenbezogene Suchmaschinen wie das Slavistik-Portal?
    • Welchen Wert hat verlässliche und überprüfbare Information?
    • Passen Geisteswissenschaften und Facebook oder Twitter zusammen?
    • Welche technischen Perspektiven hat die Informationsvermittlung?
    • Welche inhaltlichen Schwerpunkte sehen die Slawist*innen für die FID-Entwicklung?

    Olaf Hamann (SBB PK, Osteuropa-Abteilung): Zusammenfassung und Schlusswort

    Ca. 15:00 Uhr Ende der Fortbildungsveranstaltung

Slawistik-Workshop 2017

Call for Papers: Der Fachinformationsdienst Slawistik im Wandel der Informationsvermittlung

Am 16./17. November 2017 in der Staatsbibliothek zu Berlin

Im Oktober 2013 trafen sich Fachbibliothekare der Slawistik zu einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Aktuelle Informationsangebote für die Slawistik – 15 Jahre SSG Slawistik an der Staatsbibliothek zu Berlin“. Mittlerweile erfolgte eine Umstellung der SSG auf Fachinformationsdienste (FID). Seit 2016 betreut die Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft den FID Slawistik. Da ist es an der Zeit, eine Bilanz der Umstellung und Neuorientierung zu ziehen und Aufgaben für die Weiterentwicklung des FID und des Slavistik-Portals (SP) in Abstimmung mit den Fachbibliothekaren und der Fachwissenschaft herauszuarbeiten. In Zusammenarbeit mit der Kommission für Fachreferatsarbeit des Vereins deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) und dem Deutschen Slavistenverband lädt die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz zu einem Workshop ein.


Wir schlagen folgende Themen für Vorträge, Kurzreferate oder Workshops vor:

  • Die Anforderungen der Slawistik an die Informationsvermittlung
  • Slawistische Forschung im Wandel? Zur Rolle elektronischer Quellen und digitaler Informationen in der slawistischen Forschung
  • Das Slavistik-Portal – erweiterte Dienste im neuen Gewand
  • Lizenzen für elektronische Publikationen zur Slawistik – ungenutzte Potentiale?
  • Digitisation on Demand (DoD) für die slawistische Forschung
  • Neue Lieferanten für Literatur aus slawischsprachigen Ländern

Die Tagung richtet sich an Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die slawistische Fachbibliotheken betreuen sowie an Slawistinnen und Slawisten (Studierende, Promovierende, Lehrende, Forschende etc.), die ihre Ideen und Anforderungen an die Weiterentwicklung des Fachinformationsdienstes vorstellen wollen. Das Team des FID Slawistik freut sich über Ihre Vorschläge für Beiträge zu den oben genannten Themen oder ergänzende Fragestellungen.


Termin: Donnerstag, 16.11.2017 (ab 13 Uhr) und Freitag, 17.11.2017 (bis ca. 15 Uhr)
Ort: Staatsbibliothek zu Berlin
Länge der Beiträge inklusive Diskussion: wahlweise 15 oder 30 Minuten
Konferenzsprache: Deutsch
Organisation: Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz


Für die Planung der Räume bitten wir auch um Interessenbekundungen bezüglich einer Teilnahme ohne geplanten Vortrag bis 28.7.2017 per E-Mail.

Es wird eine Teilnahmegebühr in Höhe von € 50 erhoben (für Mitglieder des VDB und anderer bibliothekarischer Verbände € 30).

Bitte senden Sie Ihren Abstract (bis 3000 Zeichen) bis zum 28.07.2017 per E-Mail.

Hinweis: Ein Zuschuss für Übernachtungs- und Reisekosten kann für Vortragende bei Bedarf bis max. 200 Euro gewährt werden.

Včera i segodnja, mit Stempel zur Neuinventarisierung

Gestern und heute – ein literarischer Almanach aus der frühen Sowjetzeit

Mit bewegter Geschichte: jüngst erworben für die Osteuropa-Sammlungen der Staatsbibliothek

Včera i segodnja : al’manach byvšich pravonarušitelej i besprizornych. – Moskva, Leningrad : Gosudarstvennoe Izdat. Chudožestvennoj Literatury, 1931-
Signatur: Zsn 130859

Man sieht dem kleinen Band an, dass er nicht nur eine bewegte Geschichte beschreibt, sondern eine solche auch hinter sich hat. Die Vorderseite des Schutzumschlages ist sorgfältig auf einen neueren festen Einband aufgeklebt. So konnten die beiden kleinen Illustrationen im konstruktivistischen Stil erhalten bleiben. Sie sind von Alexander Tschob (Aleksandr Ivanovič Čob) gestaltet worden.

Vorderer Einband nach der Gestaltung von A. Tschob

Vorderer Einband nach der Gestaltung von A. Tschob

Genau wie die Autoren der Texte gehörte er zu der großen Gruppe von bis zu sieben Millionen verwaister, obdachloser und kleinkrimineller Kinder und Jugendlicher, die in den Jahren nach Weltkrieg, Revolutionen und Bürgerkrieg durch das Land streiften, aufgegriffen und in Kolonien für minderjährige Straftäter und Herumstreicher eingewiesen wurden. Nach Ideen des Pädagogen, Schriftstellers und Geheimdienstoffiziers Anton S. Makarenko wurden dort Maßnahmen zur Umerziehung, Bildung und Resozialisierung der Jugendlichen umgesetzt. Einige dieser Kolonien entwickelten sich später zu Kommunen, in denen die Insassen durch Übertragung von individueller Verantwortung und größeren Freiheiten an ein selbstständiges ziviles Leben herangeführt werden sollten.
Literatur und Kunst wurden in die pädagogische Arbeit integriert. Vor allem in der von Makarenko gegründeten Gorki-Kolonie, für die der Schriftsteller Maxim Gorki (Maksim Gorkij oder Aleksej Maksimovič Gorkij) eine Art Patenschaft übernahm und die er mehrfach u.a. auch gemeinsam mit dem französischen Schriftsteller und Politiker Henry Barbusse besuchte, entwickelte sich ein reiches kulturelles Leben. Auf Anregung Gorkis widmete sich der Kolonieinsasse Pawel Schelesnow (Pavel Il’ič Železnov) der Vorbereitung eines Bandes mit Texten anderer Insassen solcher Kolonien.

Schelesnows Porträt von Alexander Nemzow

Schelesnows Porträt von Alexander Nemzow

Er sammelte ihre Berichte, Erzählungen und Gedichte. Ergänzt durch Fotografien erschien 1931 dieser erste Almanach „Gestern und heute: Almanach gewesener Gesetzesbrecher und Straßenkinder“ mit einem Vorwort von Maxim Gorki. Dort hebt Gorki hervor: „Neben seiner agitatorischen, pädagogischen Bedeutung hat dieses von Straßenkindern geschriebene Buch einen ganz eigenen Wert: es berichtet davon, dass im ‚Nachtasyl‘ begabte Menschen leben, und erinnert daran, dass sie in alter Zeit niemals aus diesem Nachtasyl herausgefunden hätten“. Der Originaltitel des Stückes Nachtasyl lautet „Na dne“ – wörtlich übersetzt „am Boden, auf dem Grund, ganz unten“. Gorki verwendet hier diese Bezeichnung in direktem Bezug auf sein Werk für die sozial am schlechtesten gestellten und geächteten Bevölkerungsgruppen.
Neben Tschop und Schelesnow treten in dem Band weitere Autoren hervor, deren Lebensweg in der Kindheit und frühen Jugend durch soziale Perspektivlosigkeit, Kleinkriminalität und Landstreicherei gekennzeichnet war und die später dennoch Schriftsteller wurden. In verschiedenen Kolonien konnten sie alle eine grundlegende Schulbildung erhalten, Vorstellungen von sozialem Zusammenleben und sozialer Verantwortung entwickeln, zum Teil sogar studieren und letztlich eben eine Schriftstellerlaufbahn einschlagen. Dies trifft beispielsweise auf Iwan Dremow (Ivan Afanas’evič Dremov) zu, der in dem Band schon als Student der „Litrabfak“ – der Arbeiter- und Bauernfakultät für Literatur am Gorki-Literaturinstitut – einige Gedichte beitrug und auch später mehrere Gedichtbände veröffentlichte. Auch der spätere als Schriftsteller und Übersetzer Wiktor Awdejew (Viktor Fedorovič Avdeev) publizierte hier erstmals die Erzählungen „Karapet“ (Held der armenischen Mythologie) und „Schiga‘s Triumph“ (Toržestvo Žigi). Für ihn blieb das Schicksal der Straßenkinder das wichtigste Thema seines späteren Schaffens.

Titelblatt mit gelöschten Eigentumszeichen sowjetischer Bibliotheken

Titelblatt mit gelöschten Eigentumszeichen sowjetischer Bibliotheken

1976 gab er zusammen mit Dremow und Alexander Burtynski (Aleksandr Semenovič Burtynskij) unter dem Titel „Gestern und heute“ einen Sammelband zu diesem Thema heraus.
Die zahlreichen Vorbesitzerstempel im Exemplar der SBB PK zeugen ebenfalls von einer bewegten Geschichte.

Der Band muss durch hunderte Hände gegangen sein. Alle früheren Eigentumsstempel sind von Einrichtungen des sowjetischen Schriftstellerverbandes: „Bibliothek des Schriftstellerklubs der Föderation sowjetischer Schriftstellerverbände“ (FOSP – Federacija organizacij sovetskich pisatelej,

Ungültiger Stempel der FSOP-Bibliothek

Ungültiger Stempel der FSOP-Bibliothek

„Bibliothek des Hauses sowjetischer Schriftsteller“, „Bibliothek des Zentralen Hauses der Literaten“. Ein vierter Stempel zeugt von einer Neuinventarisierung.

Damit stellt sich die Frage, ob die Stempel nicht alle einer einzigen Einrichtung zuzuordnen sind, ob bei Namensänderungen der Bibliothek nicht einfach ein neuer Stempel aufgebracht wurde und somit eigentlich nur ein Vorbesitzer zu verzeichnen ist? Um diese Frage eindeutig zu beantworten, müsste jedoch länger recherchiert werden. Fest steht jedoch: Alle alten Stempel sind mit russischen „Pogascheno“ -Stempeln ordnungsgemäß ungültig gemacht worden. Nunmehr hat das Büchlein mit seiner interessanten Geschichte heute in den Sammlungen der Staatsbibliothek ein bleibendes Zuhause gefunden.
Übrigens erschien 1933 ein zweiter Almanach. Doch dieser steht dem deutschen Leser leider noch nicht zur Verfügung. Die SBB-PK wird sich aber um seine Erwerbung bemühen.

Mehr zum Thema

Werke von Wiktor Awdejew im Stabikat
Werke von Iwan Dremow im Stabikat
Werke von Pawel Schelesnow im Stabikat

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