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Direkter Leihverkehrsservice des FID Recht geht an den Start

Mit dem direkten Leihverkehrsservice hat im Oktober 2015 ein weiteres Serviceangebot des Fachinformationsdienstes für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung seine Dienste aufgenommen.

Ziel dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes ist es, allen planmäßig Lehrenden an den rechtswissenschaftlichen Fakultäten deutscher Universitäten und Hochschulen die Möglichkeit einzuräumen, wissenschaftliche Spezialpublikationen aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, die vor Ort nicht zugänglich sind, direkt beim Fachinformationsdienst Recht zu exklusiven Sonderkonditionen zu entleihen. Innerhalb weniger Tage können die Werke aus unseren Magazinen direkt an den gewünschten Ort geliefert werden!

Perspektivisch soll das Projekt in Kooperation mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kompetenzzentrum zur Lizenzierung elektronischer Ressourcen um eine zusätzliche Serviceinfrastruktur erweitert werden: Den Benutzerinnen und Benutzern des direkten Leihverkehrs soll ein Zugriff auf nachfrageorientierte hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Datenbanken, elektronische Zeitschriften und E-Book-Pakete zur Verfügung gestellt werden.

 

 

Vom Alexanderplatz in den Orbit

Editionsgeschichte und typographische Gestaltung des vielleicht wichtigsten Berlin-Romans des 20. Jahrhunderts – die Rede ist natürlich von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – standen am gestrigen Dienstag im Zentrum jenes Dialogs mit der Forschung, den die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Monaten mit dem Arbeitskreis Die Materialität der Literatur führt, einem Zusammenschluss von Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten.

Dabei ging es dem Referenten Dr. Bernhard Metz (Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin) vor allem darum, diese von Walter Benjamin so bezeichnete „äußerste, schwindelnde, letzte, vorgeschobenste Stufe des alten bürgerlichen Bildungsromans“ als überzeugend durchgestaltetes und nicht selten irritierendes Gesamtkunstwerk in allen seinen materialen Facetten zum Funkeln zu bringen. Denn der im Herbst 1929 bei S. Fischer in Berlin erschienene und von Georg Salter gestaltete Erfolgsroman ist in seiner ursprünglichen, montageartig zerschnittenen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt – nicht zuletzt das Resultat von Döblins Verfemung durch das nationalsozialistische Regime. Gerade vor diesem historischen Hintergrund zog Bernhard Metz Die Geschichte vom Franz Biberkopf – so der moritatenhafte Untertitel des Romans – zugleich auch zur Illustration von Problemen heran, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird.

Neu herausgebracht werden aber keineswegs nur erfolgreiche Texte – auch publikumswirksame Vortragsreihen sind vor Veränderungen nicht gefeit: Seien es die über die Stadt verstreuten Eventi collaterali der Biennale von Venedig, seien es die “außer Konkurrenz” gezeigten Filmbeiträge zur Berlinale – jedes Festival, das etwas auf sich hält, wird früher oder später von einem eigenen Satellitenprogramm begleitet. Und so freut sich auch die Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit über einen Halo thematisch anschlussfähiger Vorträge, die in den kommenden Monaten in loser Folge in ihrem Orbit sichtbar und vor allem hörbar werden sollen.

Den Startpunkt zu dieser begleitenden Expeditionsreise durch die unendlichen Weiten der Gutenberg-Galaxis markiert am 24. November der Vortrag Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung, in dessen Rahmen der Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich am Beispiel philosophischer Doktorarbeiten des 19. Jahrhunderts den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat unter Berücksichtigung materialer Aspekte rekonstruieren wird.

Bereits zwei Tage später – also am 26. November – möchten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) im interdisziplinären Dialog die zentralen Ergebnisse der 2011 von ihnen veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Produktionsorte und Importwege vorstellen. Konkret sollen dabei insbesondere die folgenden Fragenkomplexe diskutiert werden: Aus welchen Gründen und Motiven wurden Rechtshandschriften gesammelt? Wo verliefen die geographischen und institutionellen Wege des Handschriftentransfers, welche Akteure waren beteiligt? Welche Aufschlüsse gibt der Codex in der Materialität seiner Benutzung? Organisiert wird dieser Vortrag in Kooperation mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin sowie dem dort angesiedelten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung.

Sind Sie denn schon ready for Liftoff? Der Countdown für Ihren Flug in den Orbit der Materialität von Schriftlichkeit wurde jedenfalls schon gestartet. Und bitte vertrauen Sie uns: Ihre Reise wird ganz sicher nicht als Odyssee im Weltraum enden. Wir freuen uns auf Sie!

 

International Association of Law Libraries zu Gast bei uns

Nach Stationen in Toronto, Barcelona und Buenos Aires fand in der Zeit vom 20. September 2015 bis zum 24. September 2015 die 34. Jahrestagung der International Association of Law Libraries (IALL) in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Als einziger global agierender gemeinnütziger Zusammenschluss von juristischen Bibliotheken hat es sich die IALL zur Aufgabe gemacht, die grenzüberschreitende Vermittlung rechtswissenschaftlicher Fachinformationen zu befördern. 1959 gegründet und inzwischen auf über 600 Mitglieder aus mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten angewachsen, repräsentiert die IALL das gesamte Spektrum an Rechtsbibliotheken – von wissenschaftlichen Universalbibliotheken über Unternehmens-, Parlaments- und Nationalbibliotheken bis hin zu Verwaltungs- und Gerichtsbibliotheken.

An der Jahrestagung zum Thema „Within and in Between: German Legal Tradition in Times of Internationalization and Beyond“ haben insgesamt 151 Personen aus über 20 Nationen (in der Mehrzahl Angehörige des wissenschaftlichen Diensts internationaler Rechtsbibliotheken) teilgenommen, um sich aus Forschungsperspektive über die verschiedenen Facetten des Rechtssystems Deutschlands zu informieren. Die Konferenz wurde von 15 Sponsoren unterstützt, wovon 13 Verlage als Aussteller vor Ort ihr juristisches Verlagssortiment und ein breites Portfolio an rechtswissenschaftlichen Ressourcen präsentierten – darunter Wolters Kluwer, Law Business Research, Brill, Cambridge University Press, Oxford University Press, C.H. Beck und Nomos. Das umfangreiche akademische Programm schlug mit 15 Vorträgen einen inhaltlichen Bogen von der Transnationalisierung der Rechtswissenschaften über die Nürnberger Prozesse bis hin zu juristischen Blogs. Daneben wurden ausgewählte Aspekte der Grund-, Frauen- und Menschenrechte sowie des Europa- und Vereinigungsrechts ebenso aus forschungsorientierter Perspektive beleuchtet wie Fragen der Staatskriminalität, der Zugänglichkeit von Bibliotheken für Menschen mit Behinderung sowie des Schutzes von Kulturgütern.

Die Vorträge wurden von namhaften Forschenden wie Prof. Dr. Thomas Duve (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte), Prof. Dr. Georg Nolte (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Prof. Dr. Heike Schweitzer (beide Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Johanna Schmidt-Räntsch (Bundesgerichtshof/Humboldt-Universität zu Berlin) präsentiert. Überdies kamen sowohl Rechtspraktiker – unter ihnen Dr. Paul Klimpel (Rechtsanwalt/iRIGHTSlaw) – und leitende Behördenmitarbeiter wie Claus Koggel (Bundesrat) und Dr. Andreas Günther (Bundesjustizministerium) zu Wort als auch der wissenschaftliche Nachwuchs an den Berliner Universitäten in Person von Dr. Kim Christian Priemel, Dr. Marion Röwekamp, Hannah Birkenkötter und Jan-Michael Arend. Komplettiert wurde der Kreis der Vortragenden von den Bibliothekarinnen Anne Sieberns (Deutsches Institut für Menschenrechte) und Ursula Freyschmidt (Bibliothek des Bundestages). Eine Vielzahl der Vorträge sollen im International Journal of Legal Information veröffentlicht werden.

Das konferenzbegleitende Programm führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem in den Bundesrat, nach Sanssouci und Cecilienhof, in die Bundestagsbibliothek sowie hinter die Kulissen der Staatsbibliothek zu Berlin.

Die nächste Jahrestagung der IALL wird vom 31. Juli bis 3. August 2016 am Keble College in Oxford stattfinden.

Ivo Vogel

Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung