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Wiedererwerbung der Druckausgabe der Dayak-Bibel von 1858

Ein Beitrag von Thoralf Hanstein.

Im Februar 2017 konnte die Staatsbibliothek einen Kriegsverlust ersetzen, der auch in anderer Hinsicht den Bestand der Bibliothek bereichert.

Alles begann 1840 mit der Reise von August Hardeland zu der bis dahin nur wenig erschlossenen „Ausseninsel“ Borneo, genauer zu den indigenen Stämmen der Ngaju-Dayak in Zentral-/Süd-Borneo. Niederländisch-Indien konzentrierte sich zu dieser Zeit hauptsächlich auf die Insel Java, und erst langsam wurden weitere Inseln des Archipels dem Kolonialreich einverleibt.

Der in Kirchenkreisen nicht unumstrittene Hardeland (s. „Hardelandkonflikt“) war für die Rheinische Mission als Missionar tätig. Einem neuen Ansatz seiner Missionsgesellschaft folgend, sollte er sich auf Borneo u.a. um die Ausbildung von „Nationalgehülfen“, also von einheimischen Hilfslehrern, kümmern. Zusammen mit Friedrich Becker fertigte er eine Übersetzung des Neuen Testaments in die dortige Lokalsprache an, und nach Beckers Tod im Jahre 1849 im Alleingang eine Übersetzung des Alten Testaments (Surat brasi Djandji idjä solake). Da die Ngaju-Dayak keine Schrift hatten, benutzte Hardeland das lateinische Alphabet. Er fertigte auf die Drucklegung ausgerichtete, eigenhändige Manuskripte an. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde anhand dieser Vorlage eine Druckfassung des Alten und Neuen Testaments 1858 in Amsterdam besorgt. Ein Jahr später reiste Hardeland erneut als Missionar nach Südafrika – und nahm dabei seine Manuskripte mit, wie man dem Autograph entnehmen kann:

Auf dem Schmutzblatt der Handschrift ist folgender Vermerk eingeklebt: „Het eigenhandig Handschrift van Aug. Hardeland. Zijne vertaling van het Oude testament in de taal der Dajaks van Zuid-Borneo. Bij zijn vertrek van Z.O. Afrika ten geschenk gegeven aan Millies“.

Auf Seite 1 dann folgender Eintrag: „This translation was given by Hardeland to Prof. Millies, and in 1858 was printed at Amsterdam. From Prof. Millies … , Utrecht. May 1870…Brugge“.

Dieser 309seitige Autograph des Alten Testaments fand seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek und wird unter der Signatur Ms. or. fol. 4319 im Handschriftenmagazin der Orientabteilung aufbewahrt.

Besitzt eine Bibliothek einen solchen Autograph, der auch noch als Basis zur Drucklegung diente, so ist es nur verständlich, dass auch dieser Druck zu den Beständen gehören sollte. Bis zum 2. Weltkrieg waren zwei Exemplare des zweibändigen Druckwerks des Alten Testaments in der damals noch Preußischen Staatsbibliothek verzeichnet – danach werden sie als Kriegsverlust geführt. Der Autograf selbst kam erst zu DDR-Zeiten in den Bestand der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost), und erhielt daher nach der Wiedervereinigung die Akzessionsnummer acc.ms.or.1991.38. Jetzt ist es gelungen, diese Druckausgaben antiquarisch in den Niederlanden zu erwerben, sodass Autograph und Druck (Signatur 4 A 55114-1 und -2) wieder unter einem „Bibliotheksdach“ vereint sind.

Ms. or. fol. 4319, S. 1

Quellen und weiterführende Literatur:

Karl Böhmer: Beobachtungen zu den ersten Hermannsburger Missionarskursen im Hardelandkonflikt. in: Jobst Reller: Ausbildung für Mission: Das Missionsseminar Hermannsburg von 1849 bis 2012. LIT Verlag Münster 2016, S. 149-164;

Jan Lodewyk Swellengrebel: In Leijdeckers voetspoor : anderhalve eeuw bijbelvertaling en taalkunde in de indonesische talen. in: Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde. Teil I: 1820-1900. Leiden: Brill, 1974, 68.

Bildquelle: Carl Schwaner: Borneo. Beschrijving van het stroomgebied van den Barito en reizen langs eenige voorname rivieren van het zuid-oostelijk gedeelte van dat eiland door Dr. C. A. L. M. Schwaner. Amsterdam, 1854. Titelbild von Band 2. (nach Auguste van Pers und Heinrich von Gaffron, lithographiert bei C. W. Mieling).

Unsere “orientalischen” Neuerwerbungen

Sie sind auf der Suche nach aktueller Literatur zum Islam? Sie beschäftigen sich mit armenischer Literatur und würden gerne wissen, welche Literatur die Staatsbibliothek vor kurzem oder in den letzten Jahren aus Armenien erworben hat? Oder Sie möchten sich zur Geschichte Südafrikas informieren?

Mit diesen und weiteren Literaturwünschen zu Asien oder Afrika werden Sie in den “orientalischen” Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin fündig. Die Orientabteilung der Staatsbibliothek deckt nämlich ein sehr viel größeres Gebiet ab, als man angesichts ihrer – historisch begründeten – Benennung zunächst annehmen könnte: Sie erwirbt nicht nur Titel mit Bezug zum Nahen Osten und Nordafrika, sondern auch zum subsaharischen Afrika, zu Mittel-, Süd- und Südostasien, zum asiatisch-pazifischen Raum sowie zu Ozeanien und den indigenen Völkern Australiens und Neuseelands. Auch Literatur zum Judentum, zum Hebräischen und Jiddischen wird hier gesammelt. Den Bereich Ostasien betreuen dagegen unsere KollegInnen aus der Ostasienabteilung.

Literatur mit Bezug zum Orient im obigen Sinne meint dabei sowohl Publikationen aus den genannten Regionen (unabhängig von ihrem Thema) als auch Publikationen über diese Regionen (unabhängig vom Erscheinungsland). Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Fächern Philosophie, Religionswissenschaft, Theologie, Geschichte, Politik, den Sozialwissenschaften und den Philologien.

Sie finden deshalb bei uns:

  • Wissenschaftliche Literatur mit Regionalbezug aus den genannten Fachgebieten in westlichen Sprachen sowie in ausgewählten Sprachen der jeweiligen Region
  • Quellen und Belletristik in Originalsprache (u.a. Arabisch, Türkisch, Armenisch, Hindi)

Neuerwerbungslisten der Orientabteilung

Um Ihnen die Orientierung in diesem vielfältigen Angebot zu erleichtern, bieten wir Ihnen seit kurzem neben dem stabikat einen weiteren Zugang zu diesen Beständen: Über die Neuerwerbungslisten der Orientabteilung können Sie sich die in den letzten Jahren erworbenen Titel geordnet nach Regionen, Ländern oder Themen anzeigen lassen und die gewünschte Literatur anschließend direkt in die Lesesäle oder zur Ausleihe nach Hause bestellen.

Neuerwerbungen der Orientabteilung nach Regionen/Ländern
Neuerwerbungen der Orientabteilung nach Themen

Über unsere Neuerwerbungen im Handschriftenbereich informieren wir Sie gesondert:
Neuerwerbungen von orientalischen Handschriften

Auch wenn das Durchstöbern einer Liste nicht ganz so viel Freude macht wie das Stöbern am Regal – wir freuen uns, wenn Sie diesen neuen Zugang nutzen, um den ein oder anderen spannenden Zufallsfund zu machen!

 

Übrigens:
Auch für die regionalen Sonderabteilungen Osteuropa und Ostasien sowie für den Hauptbestand bieten wir Neuerwerbungslisten:
Neuerwerbungen der Osteuropaabteilung
Neuerwerbungen der Ostasienabteilung
Neuerwerbungen des Hauptbestandes (nach Fachgebieten)

 

Digitalisierung auf Wunsch – CrossAsia DoD geht an den Start

Beim neuen CrossAsia Digitisation on Demand (DoD) wird das namensgebende „on Demand“ groß geschrieben. Ab sofort bietet „CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien“ mit diesem nachfrageorientierten und disziplinspezifischen Digitalisierungsservice die Möglichkeit, nicht digital und frei im Netz verfügbare Werke mit Relevanz für die Asienwissenschaften zu digitalisieren und nach dem Prinzip des Open Access zugänglich zu machen. Auf Basis von Digitalisierungswünschen soll damit der digital frei verfügbare asienwissenschaftliche Bestand gezielt und bedarfsgerecht in den kommenden drei Jahren um etwa 300 Bände aus den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) und circa 150 Bände aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Bibliothek des Südasien-Instituts (SAI) der Universität Heidelberg erweitert werden.

Zur Digitalisierung vorgeschlagen werden können gemeinfreie Werke – d.h. die Autorin bzw. der Autor ist seit mindestens 70 Jahren verstorben – und sogenannte „vergriffene Werke“ deutscher Verlage mit Erscheinungsjahr bis 1965 für die kein verlegerisches Angebot mehr besteht und die im Buchhandel nicht länger erhältlich sind. Willkommen für die Digitalisierung sind natürlich auch Werke, für die Autorinnen und Autoren CrossAsia die einfachen Nutzungsrechte zur Digitalisierung und Bereitstellung eines Werkes selbst übertragen.

Dank der Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann das Angebot Forscherinnen und Forschern aus dem Kreis der Asienwissenschaften kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Zur Realisierung der Digitalisierungswünsche steht ein Fond für die nächsten drei Jahre zur Verfügung, der es erlaubt die Bände im genannten Umfang zu digitalisieren. Die Mittel werden nach dem Prinzip first-come, first-served eingesetzt. Alle in diesem Zusammenhang angefertigten digitalen Reproduktionen werden unmittelbar als Open-Access-Titel in den jeweiligen Bibliotheken (Digitalisierte Sammlung der SBB bzw. Literatur zu Südasien – digital) online zur Verfügung gestellt.

In den Digitalisierten Sammlungen der SBB und am SAI sind bereits zahlreiche Werke aus den Altbeständen in Berlin und Heidelberg, d.h. erschienen bis Anfang des 20. Jahrhunderts, online frei zugänglich. Im Vergleich dazu strebt dieses – im Umfang durchaus kleinere – Angebot an, gezielt diejenigen Titel aus den Beständen in Berlin und Heidelberg zu digitalisieren, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre eigene Forschung benötigen. Damit möchte CrossAsia einen Beitrag zur Förderung spezialisierter Forschung im Bereich der Asienwissenschaften leisten.

Einen vergleichbaren Digitalisierungsservice für juristische Quellen und Studien bietet der Fachinformationsdienst Recht der SBB bereits seit Dezember letzten Jahres an.

Weitere Informationen zu dem CrossAsia DoD-Angebot finden Sie unter: http://crossasia.org/service/dod.html