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Publish or Perish?! Veranstaltungsreihe für Promovierende ab 23.11.

Wissenswerkstatt

Publish or Perish?! Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende

Erst die fristgerechte Veröffentlichung der Dissertationsschrift schließt das Promotionsverfahren formal ab. Denn zur Erlangung dieses akademischen Ritterschlags ist nicht nur der eigene Forschungsbeitrag gegen die Kritik einer universitätsinternen Fachöffentlichkeit zu verteidigen, sondern darüber hinaus auch das Säurebad des internationalen Wissenschaftsdiskurses zu überstehen. Doch die Entscheidung, wie tief Sie überhaupt darin eintauchen wollen, liegt nicht zuletzt auch bei Ihnen. Denn Sie treffen die Wahl des für Ihre individuellen Interessen idealen – also mehr oder eben weniger sichtbaren – Publikationsorts.

Mit Blick auf Vielzahl und Varietät der in diesem Zusammenhang zu prüfenden Möglichkeiten sowie vor dem Hintergrund des aktuellen Strukturwandels der Wissenschaftskommunikation unter dem Paradigma der Open Science soll im Rahmen dieser vierteiligen modularen Veranstaltung das unübersichtliche Feld des rasant expandierenden akademischen Publikationsmarkts in groben Linien kartiert werden – als kleine Orientierungshilfe bei Ihrer Suche nach dem für Sie perfekten Publikationsort. Dabei werden so unterschiedliche Aspekte angesprochen wie die Gestaltung von Verlagsverträgen oder die Akquise von Druckkostenzuschüssen und Book Processing Charges.
Während der erste Termin übergreifenden Fragen sowie dem konventionellen Publizieren in Wissenschaftsverlagen gewidmet sein wird, sollen im Rahmen des zweiten Teils die verschiedenen Varianten des Open Access im Vordergrund stehen. Effektive Strategien sowohl zur Klärung von Bildrechten als auch zu Management und Publikation von Forschungsdaten sind Gegenstand der abschließenden beiden Veranstaltungsmodule.

Teil 1: Konventionelles Publizieren in Wissenschaftsverlagen
Donnerstag, 23. November, 16.30 Uhr

Teil 2: Wissenschaftliches Publizieren im Open Access
Dienstag, 28. November, 16.30 Uhr

Teil 3: Klärung von Bildrechten
Donnerstag, 30. November, 16.30 Uhr

Teil 4: Management und Veröffentlichung von Forschungsdaten
Mittwoch, 6. Dezember, 16.30 Uhr

Unsere Veranstaltungen für Promovierende:
http://sbb.berlin/promovierende


Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Bildausschnitt: Aquarell Breslau, Zuchthaus. Aus: Stridbeck, Johann: Skizzenbuch : Ms. boruss. qu. 9a , 1691 - Staatsbibliothek zu Berlin - PK

Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel: Werkstattgespräch am 1.11.

Wissenswerkstatt

“… höchst talentvolle Improvisatoren ihres Lebens …“ – Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel

Werkstattgespräch mit Dr. Agata Czarkowska,
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 1. November 2017
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ein Künstler, Erfinder, Dichter, der immer wieder etwas Neues geschaffen hat, aber auch immer wieder spektakulär gescheitert ist. Der andere ein akribischer Wissenschaftler und Germanist mit der Seele eines Rabauken. August Kopisch und Wilhelm Wackernagel. Ein gemeinsamer Punkt? Fehlanzeige, würde man auf den ersten Blick rufen. Kopisch, der als Maler Karriere machte, bereiste Mitte des XIX. Jahrhundert die italienische Küste, gilt sogar als Entdecker der sogenannten Blauen Grotte (Grotta Azzurra). Wackernagel wurde zu einem der etabliertesten Schweizer Professoren. Doch wer tiefer gräbt, findet immer etwas: Breslau. Die Stadt „am Rande des Reiches, fern von gebildeten Menschen…“, wie man in Reisetagebüchern vor 300 Jahren schrieb, nimmt tatsächlich einen wichtigen Platz in den Lebensläufen der beiden ein. Die Herren haben in der Breslauer Zeitung Rezensionen und Streitbriefe veröffentlicht, waren rege Akteure des Breslauer Vereinswesens, mit Mitgliedschaften in der sogenannten Zwecklosen Gesellschaft oder dem Breslauer Künstlerverein. In dem Vortrag wird versucht, den Bildungs- und künstlerischen Weg der beiden zu rekonstruieren, und zwar mit spezifischem Blick auf die Stadt, die 2016 Kulturhauptstadt Europas war.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt
Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

© Leiden University Libraries, Or. 6980

Texts of records, records of texts – Werkstattgespräch zur Handschrift Ms. Leiden Or. 6980 am 25.10.

Wissenswerkstatt

Texts of records, records of texts – Ms. Leiden Or. 6980

Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Dr. Anne Regourd (University of Copenhagen),
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 25. Oktober 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Ms. Leiden Or. 6980, an item of the Christiaan Snouck Hurgronje collection, is a remarkable manuscript from several points of view. It was brought to the University Library of Leiden in 1936. Its paper, a product from the well-known Galvani mills in Friuli (Italy), has not previously been recorded, but nonetheless defines a terminus a quo for its production. The text of Or. 6980 is equally interesting. It lists the texts of 133 sung poems, each with the name of a singer and some musical instruments, all of it in a document which was produced before 1936. Some of these poems can be connected to an exceptional collection of songs recorded on wax cylinders commissioned by C. Snouck Hurgronje. But it is the text edition of ms. Or. 6980 that reveals the many mutations of these texts since their origin.

 

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Das Gebäude der Königlichen Bibliothek am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909 – Werkstattgespräch am 24.10.

Wissenswerkstatt

Zwischen Mangelverwaltung und Innovation – Das Gebäude der Königlichen Bibliothek in Berlin am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909

Werkstattgespräch mit Dr.-Ing. Elke Richter, BTU Cottbus-Senftenberg
Einführung von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
Dienstag, 24. Oktober 2017
18.15 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Bis zum Umzug in ihr Haus Unter den Linden im Jahr 1909 hatte die Königliche Bibliothek zu Berlin als Vorgängerinstitution der heutigen Staatsbibliothek 125 Jahre lang ihren Sitz in dem Gebäude am Bebelplatz, das den leicht abwertenden Spitznamen „Kommode“ trägt. Im Gegensatz zu seiner barocken, schon damals nicht mehr modernen Architektursprache wurde mit dem Bau ein modernes Bibliothekskonzept verwirklicht, an dem sich die Entwicklung von der barocken Saalbibliothek zur Magazinbibliothek des 19. Jahrhunderts ablesen lässt.

Die Geschichte des Bibliotheksgebäudes ist geprägt von den Versuchen, die Buchunterbringung, die interne Abläufe und die Benutzbarkeit zu verbessern. In ihrem Vortrag beleuchtet Elke Richter die verschiedenen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, in denen hochmoderne Entwicklungen des zeitgenössischen Bibliotheksbaus aufgegriffen wurden. Die Rolle der Oberbibliothekare im komplexen Netzwerk von Planungsbeteiligten wird ebenso betrachtet wie die Funktion des Bibliotheksgebäudes als Ort von Beziehungen zwischen Bibliothekaren und Nutzern und zwischen Menschen und Büchern.

Das Werkstattgespräch wird begleitet von einer Kabinettausstellung mit ausgewählten Beständen der Staatsbibliothek zum Gebäude der Königlichen Bibliothek.

 

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Werkstattgespräch zu Flugblättern im Zweiten Weltkrieg am 10.10.

Wissenswerkstatt

Kommunikation unter Feinden. Transnationale und -mediale Aspekte der Flugblattpropaganda im Zweiten Weltkrieg

Werkstattgespräch mit Dr. Christiane Caemmerer, Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung
Dienstag, 10. Oktober 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugblatt zu einem der wichtigsten Mittel der psychologischen Kriegsführung. Millionen und Abermillionen von meist sorgfältig getexteten und illustrierten sowie – im Verhältnis zu den Handzetteln der Weimarer Republik – aufwendig produzierten Flugblättern wurden an den Fronten und in den Zentralabteilungen der Propagandaministerien hergestellt und über Ballons, Granaten und als Bombenbeiladungen an die Soldaten und die Zivilbevölkerung verteilt.
Der Beitrag beschäftigt sich mit den transnationalen Argumentationsstrategien von Flugblättern und deren national geprägten Manifestationen, die klar an den unterschiedlichen Adressaten orientiert sind, und diskutiert Veränderungen in der Rezeption von lyrischen Texten, die durch einen Wechsel des Mediums: Flugblatt, Liederbuch, Rundfunkbeitrag und Gedichtband bedingt sind.
Die Materialbasis des Beitrages bilden die Flugblätter der Weißen Rose, die Flugblattbeiträge von Thomas Mann im Auftrag der Alliierten, die Amerikarezeption der deutschen Propagandaeinheit Südstern und die Lyrikproduktion von Erich Weinert und Johannes R. Becher für die sowjetische Propaganda aus der Kirchner‘schen Sammlung von Feindflugblättern in der Staatsbibliothek.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

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Logo des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.

Eine Sprache für Völkerverständigung, für Frieden, für Kulturaustausch

??? — Esperanto!  – Solch eine Sprache muss einfach begeistern! Das Werkstattgespräch in der Staatsbibliothek am 21. September “Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache” findet dementsprechend im Vorfeld weites Interesse. So machte sich Friederike Schmidt von der Abteilung Medien und Kommunikation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf, suchte Kontakt zum Referenten des Abends, Fritz Wollenberg von der Esperanto-Liga Berlin, und führte mit ihm ein Interview.

Fritz Wollenberg beim Sommerfest auf dem Esperantoplatz. Foto: Susanne Misere

Wie kaum ein zweiter in Berlin kennt Fritz Wollenberg die Kultur der Esperantosprecher, die die vor 130 Jahren entwickelte und heute in mehr als 120 Ländern gesprochene Plansprache Esperanto verwenden. Das engagierte Mitglied der Esperanto-Liga Berlin wird am 21. September den Jubiläumsband „Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“ im Werkstattgespräch der Staatsbibliothek zu Berlin vorstellen. Wir sprachen mit Fritz Wollenberg über die Vorzüge der Sprache, Begeisterungswürdiges und Fundstücke in der Staatsbibliothek.

31.08.2017

Als Plansprache hat Esperanto nur sehr wenige Muttersprachler. Wie sind Sie eigentlich zu Esperanto gekommen, oder wie ist Esperanto zu Ihnen gekommen?

Fritz Wollenberg: Das ist lange her. Als Schüler hörte ich während eines Ferienjobs von Esperanto und bekam mein erstes Lehrbuch. Ich war vom Aufbau der Sprache und der dahinterstehenden Idee unglaublich fasziniert. Während des Studiums sah ich dann eine Anzeige in der Zeitung: „Esperanto-Kurs in Prenzlauer Berg“. Dort lernte ich dann endlich die Sprache. Ein Jahr später kam die erste große Reise nach Ungarn. Dort merkte ich, dass es sehr viele Esperanto-Sprecher gibt, und eine ganz neue Welt öffnete sich.

Vor 130 Jahren veröffentlichte Ludwig Zamenhof die internationale Plansprache “Esperanto”. Vor und nach dem Esperanto gab es auch andere Plansprachen – 1887 hatte das Volapük schon eine gewisse Verbreitung erlangt, 1908 erschien Ido und fand seine Anhänger. Auch danach entstanden immer wieder neue Plansprachen, aber die meisten sind in Vergessenheit geraten – nicht das Esperanto. Warum?

Esperanto ist eine sehr regelmäßige Sprache. Bei der „Planung“ seiner Internacia Lingvo (Internationalen Sprache), wie er sie nannte, untersuchte Zamenhof bestehende Sprachen wie Latein und auch die englische Sprache auf ihre Eignung als Weltsprache. Jedoch waren diese seiner Ansicht nach in ihrer grammatischen Struktur, in Wortbildung und Orthografie zu kompliziert. Er überlegte lange, welche grammatikalischen Ausdrucksformen der einzelnen Sprachen sinnvoll sind und experimentierte viel mit der Wortbildung. Zamenhof kam zu dem Schluss, dass eine Weltsprache neutral sein muss und daher die Schaffung einer neuen – einer Plansprache – notwendig ist, die aber auf den bestehenden Sprachen aufbaut, damit man Wörter wiedererkennen kann. Deshalb kam für ihn auch das Volapük von Johann Martin Schleyer oder eine philosophische Sprache wie die von Leibniz entwickelte nicht in Betracht. Für Esperanto entwickelte er ein System von Vor- und Nachsilben, die eine bestimmte Bedeutung tragen und vor oder hinter die Wortwurzel gesetzt werden, um deren Bedeutung zu modifizieren. Die Sprache funktioniert wie ein Baukastensystem. Zum Beispiel gibt es die Nachsilbe -in, die die weibliche Form ausdrückt. Aus la knabo = der Junge wird la knabino = das Mädchen. Eine weitere Regelmäßigkeit ist, dass Substantive immer auf -o, Adjektive auf -a enden. Man kann also aus dem Substantiv ganz einfach ein Adjektiv bilden: aus patro = Vater wird patra = väterlich. Diese Sprachstruktur ist extrem übersichtlich und leicht erlernbar. Das ist einer der Gründe, warum Zamenhof Erfolg mit dieser Sprache hatte.

Ido, der Nachkömmling der Sprache, sollte ein verbessertes Esperanto sein. Doch wurden die Regeln und der Wortbestand immer wieder verändert, was das Erlernen von Ido kompliziert machte und Wörterbücher schnell veralten ließ. Zamenhof dagegen hatte von Anfang an die Sprache der Sprachgemeinschaft übergeben und 1905 dem ersten Esperanto-Weltkongress ein „Fundamento de Esperanto“ vorgelegt, ein Grundregelwerk, das nicht mehr verändert werden sollte. Es wurde beschlossen und ist bis heute gültig. Zamenhof hatte damit eine Sprachstruktur mit produktivem Wortbildungssystem festgeschrieben, die die Entwicklungsfähigkeit der Sprache garantierte. Zugleich war für Stabilität gesorgt.

Es gibt aber auch außersprachliche Aspekte. Der Erschaffung des Esperanto liegt eine Weltanschauung zugrunde. Die Sprache steht für Völkerverständigung, für Frieden, für Kulturaustausch. Diese Ideen spielten und spielen in der Sprachgemeinschaft eine große Rolle und sind für viele eine wichtige Motivation dafür, Esperanto zu lernen.

Sie haben gerade auch Englisch als einen der Ausgangpunkte für die Studien Zamenhofs angesprochen. Warum ist heute trotz der vielen Vorteile von Esperanto immer noch Englisch die Weltsprache?

Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, dann zeigt sich, dass gar nicht so viele Menschen Englisch sprechen. In der EU sind das etwa 50%. Ein sehr viel geringerer Prozentsatz beherrscht die Sprache exzellent. Als Wissenschaftssprache ist Englisch von überragender Bedeutung. Weil Esperanto eine sehr junge Sprache ist, ist der Bereich der Wissenschaft eher schwierig. Dennoch hat sich auch hier viel getan. Ich denke da an den Fachwortschatz einiger Disziplinen. Es gibt natürlich entscheidende Unterschiede zwischen Englisch und Esperanto. Zunächst muss betont werden, dass jeder, der Esperanto lernt, die Sprache freiwillig lernt. Englisch hat sich hingegen aufgrund der politischen und ökonomischen Macht des British Empire und der Vormachtstellung der USA stark verbreitet. Viele Menschen lernen heute deshalb Englisch, weil ein ökonomischer Zwang besteht, man braucht es für den Beruf oder für das Studium. Es werden enorm große Ressourcen zur Verfügung gestellt, um Englisch zu unterrichten, um die Sprache zu verbreiten. Diese Ressourcen hat das Esperanto natürlich nicht, die Sprachgemeinschaft ist so etwas wie eine Bürgerbewegung. Insofern ist es erstaunlich, was in diesen 130 Jahren passiert ist. Ich sehe die Sache somit eher als ein halbvolles Glas.

Wie viele Esperanto-Sprecher gibt es denn weltweit? Können Sie eine Zahl nennen?

Es gibt keine allgemeinen Erhebungen. Mittels verschiedener Quellen lassen sich Vermutungen anstellen. Zum einen gibt es Wikipedia auf Esperanto mit inzwischen über 240.000 Einträgen. Esperanto gehört damit zu den 35 Sprachen mit den meisten Einträgen und ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit Dänisch. Zum anderen geben bei Facebook 330.000 Menschen an, Esperanto zu benutzen. Drittens möchte ich auf den Online-Sprachkurs duolingo.com hinweisen. Für den Kurs Englisch-Esperanto haben sich bisher über 1 Mio. Menschen registriert. Somit lässt sich grob erahnen, wie groß die Sprachgemeinschaft ist.

Am 21. September referieren Sie beim Werkstattgespräch der Staatsbibliothek zum Thema “Esperanto – eine Sprache, die begeistert”. Was begeistert Sie an Esperanto?

Mich begeistert vor allem der soziale Aspekt. Ich habe seit dem Internationalen Esperanto-Pädagogikseminar 1967 in Szeged, Ungarn, meinem ersten großen Esperanto-Kulturerlebnis, unwahrscheinlich viele Veranstaltungen besucht, bei denen ich Leute aus unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Sprachen kennenlernte, die sich untereinander und mit mir in Esperanto verständigen konnten. Es gibt touristische Treffen, Kulturfestivals, Fachkonferenzen, Familientreffen für Esperanto-Muttersprachler, ganz viele Begegnungen rund um die Welt… Dieser Aspekt ist für mich am wichtigsten. Die Esperanto-Kultur hat enorm viel zu bieten. Seit längerem interessiert mich auch die Geschichte des Esperanto sehr und ich habe dazu einiges veröffentlicht.

Nun zur Literatur: Ihr Vortrag findet in der Staatsbibliothek statt. Warum ist gerade die Staatsbibliothek für die Esperanto-Community interessant?

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist einer der Orte der Esperanto-Kultur in Berlin. Zum einen gibt es die spezielle Esperanto-Sammlung, und zum anderen gibt es eine sehr große Zahl an Büchern in und über Esperanto und andere Plansprachen im allgemeinen Bibliotheksbestand. Somit hat die Community Zugang zu wichtiger Literatur.

Die Esperanto-Sammlung ist eine historische Sammlung – die ehemalige Bibliothek des Esperanto-Instituts für das Deutsche Reich, die 1936 in die Staatsbibliothek kam. Dieses Institut hatte als staatliche Institution vor allem die Aufgabe, den Stand der Entwicklung des Esperanto festzuhalten. Der Briefwechsel zwischen dem letzten Direktor des Esperanto-Instituts, das nach dem Verbot der Esperanto-Verbände vor seiner Auflösung stand, und der Staatsbibliothek ist erhalten. In den 60er Jahren, kurz nach der Aufhebung des Esperanto-Verbotes in der DDR, wollten Ostberliner Esperantisten die Sammlung erschließen. Führend dabei waren Karl Maier und seine Frau Hedwig, die diese Sammlung sichteten, reinigten und einen Zettelkatalog anlegten, der bis in die 90er Jahre die Grundlage für den Zugang zur Esperanto-Sammlung war. Somit hat die Sammlung auch innerhalb der Staatbibliothek eine interessante Geschichte. Hochinteressante Werke sind die Erstausgabe des „Fundamento de Esperanto“ von 1905, die „Internationale Sprachnormung in der Technik, besonders in der Elektrotechnik“ von Eugen Wüster, dem Begründer der Terminologiewissenschaft, und seine Esperanto-Übersetzung von „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Chamisso. Ein besonders interessantes Stück der Sammlung ist eine Akte von 1922: In diesem Jahr befasste sich der Völkerbund mit Esperanto. Es gab unter anderem eine Konferenz, bei der Frankreich sein Veto einlegte, da es Bedenken hatte, dass Esperanto der Stellung der französischen Sprache schaden würde. Der allgemeine Bestand ist natürlich auch interessant. Das Bemerkenswerteste ist hier vielleicht das „Dua libro de l’lingvo internacia“, das zweite Buch Zamenhofs, 1888 kurz nach der Entstehung der Sprache erschienen. Man kann auch aktuelle Ausgaben der Zeitschrift des Esperanto-Weltbundes im Lesesaal in der Potsdamer Straße lesen.

Sie kennen die Esperanto-Sammlung ja sehr gut, was ist Ihr Lieblingsstück?

Da möchte ich eine Satire-Zeitschrift nennen, LA PIRATO. Sie stammt aus den 30er Jahren und wurde von Raymond Schwartz, dem berühmten Esperanto-Satiriker herausgegeben. Die Staatsbibliothek hat einiges von ihm. Seine Werke schätze ich sehr.

Die Fragen stellte Friederike Schmidt.

 

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Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Werkstattgespräch am 21.9.

Wissenswerkstatt

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache

Werkstattgespräch mit Fritz Wollenberg, Esperanto-Liga Berlin
Donnerstag, 21. September 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Esperanto-Sprachgemeinschaft hat in 130 Jahren nicht nur die Sprache selbst weiterentwickelt, auch eine vielfältige Esperanto-Kultur ist entstanden. Längst hat sie dabei unter Beweis gestellt, dass Esperanto eine Sprache ist, die sich für die internationale Kommunikation eignet.

Welche Besonderheiten hat diese internationale Plansprache? Was sind ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln? Wer lernt Esperanto, und wie wird es verwendet? Welche kulturellen Leistungen hat die Esperanto-Sprachgemeinschaft hervorgebracht?

Für eine Kultur, deren Existenz in der Öffentlichkeit immer wieder bestritten oder unterschätzt wird, hat die Esperanto-Kultur erstaunlich viel zu bieten:

den Esperanto-Weltbund (Rotterdam) mit 72 Landesverbänden, die Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, das Deutsche Esperanto-Institut mit der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen, die jährlichen Esperanto-Weltkongresse in verschiedenen Ländern, Kulturfestivals wie ARKONES in Poznań, die Esperanto-Akademie, die Literarische Esperanto-Akademie, das Esperanto-PEN-Zentrum, die Esperanto-Wikipedia, Web-Seiten wie Lernu!net, Apps wie Amikumu, die Esperanto-Redaktion von Radio China International, das Polnische Internet-Radio in Esperanto,  Verlage wie Edistudio in Pisa und Sezonoj in Kaliningrad und so weiter, und so weiter.

Fritz Wollenberg, Pädagoge und Kenner der Sprache und ihrer Kultur, wird sich in seinem Vortrag auf  eine Auswahl von Esperanto-Publikationen aus dem reichhaltigen Bestand,  darunter der Esperanto-Sondersammlung, der Staatsbibliothek zu Berlin beziehen, und natürlich auf die von ihm zusammengestellten zweisprachigen (Esperanto und Deutsch) Jubiläumsbücher der Esperanto-Liga Berlin (2006) und des Esperanto-Verbands Berlin-Brandenburg (2017):

„Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“, Mondial-Verlag, New York, Berlin.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Die materialistischen Vier – Unser Dialog mit der Forschung geht in eine neue Runde

Was wären die drei Musketiere ohne D’Artagnan – oder die drei ??? ohne Alfred Hitchcock?

Insofern ist es wohl auch nur konsequent, unsere beliebte, in Kooperation mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam organisierte Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog ab Oktober 2017 in eine vierte Runde zu schicken. Zu unserer Freude können wir inzwischen sogar noch eine weitere Universität als Mitveranstalterin begrüßen, deren sicherlich berühmtester Angehöriger ein ganz eigentümliches materiales Aufschreibesystem pflegte. Klar, die Rede ist von der Universität Bielefeld bzw. von Niklas Luhmanns legendärem Zettelkasten, der übrigens im Rahmen eines langfristigen Akademievorhabens gegenwärtig digitalisiert wird.

Zwar ließe sich die abermalige Fortsetzung unserer Veranstaltungsreihe mit dem systemtheoretischen Instrumentarium des berühmten Soziologen durchaus als autopoietische Basisoperation analysieren. Aber wir wollen uns hier schließlich nicht verzetteln:

Freuen Sie sich vielmehr auf ein gewohnt vielfältiges Vortragsprogramm, das den Bogen vom mittelalterlichen Codex über Propagandaflugblätter des Zweiten Weltkriegs bis zum zeitgenössischen russischen Künstlerbuch spannt, das schlecht gemachten Büchern ebenso zu ihrem Recht verhelfen will wie dem von den Literaturwissenschaften allzu leichtfertig übersehenen Schreibtisch und das Ihnen Gotthold Ephraim Lessing zur Abwechslung einmal als Verleger vorstellen möchte. Erfahren Sie in dieser Reihe, dass Frakturprobleme nicht zwangsläufig etwas mit komplizierten Knochenbrüchen zu tun haben müssen und Kopieren nicht erst in der Postmodene als Sampling zur Kunst wurde. Werfen Sie einen Blick in die disziplinierenden Regale der chinesischen Sammlung der Kurfürstlichen, Königlichen und Preußischen Staatsbibliothek und lassen Sie sich von der Aura ausgewählter Manuskripte aus dem Walter Benjamin Archiv faszinieren.

Apropos Walter Benjamin: Es versteht sich, dass im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit einige Vorträge der kommenden Veranstaltungsserie auch auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht werden. Dort können Sie sich zudem bereits einen kleinen Eindruck von den ersten drei Folgen unseres Dialogs mit der Forschung verschaffen.

Und vielleicht wollen Sie auch unserer herzlichen Einladung folgen, an den unregelmäßig stattfindenden Begleitveranstaltungen teilzunehmen, in deren Rahmen wir –  so viel sei schon verraten – gemeinsam mit internationalen Forschenden die Perspektiven des Materialitätsparadigmas diskutieren oder mit einem weltbekannten Überraschungsgast die Möglichkeiten des post-digitalen Buchdrucks sowie der Herstellung von Druckbuchstaben im 21. Jahrhundert ausloten möchten.

Bleiben Sie also gespannt. Wir freuen uns derweil auf Sie!

 

Werkstattgespräch zur typographischen Gestaltung von Libretto-Drucken am 4.7.

Wissenswerkstatt

Lieto fine – zur typographischen Gestaltung von Libretto-Drucken

Werkstattgespräch mit Rainer Falk, Universität Potsdam
Dienstag, 4. Juli 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Immer schon wurden Opern – einerseits in Partituren bzw. Partitur-Auszügen, andererseits in Libretto-Drucken – publiziert, standen Notenausgaben ebenso wie Texteditionen in vielfältigen Wechselbeziehungen zu den Aufführungen der Werke. Bei der typographischen Gestaltung des Librettos wurde lange Zeit – zumindest solange der Zuschauerraum nicht abgedunkelt war – vor allem ein pragmatisches Ziel verfolgt, nämlich das Mitlesen während der Aufführung zu erleichtern. Durch buchgestalterische und drucktechnische Aufmachung sollte aber auch die Materialität des Ereignisses der Opernaufführung, die im Medium der Schrift verlorenzugehen drohte, bewahrt und in die Materialität des Drucks hinein verlängert werden. Diesem Phänomen geht der Vortrag anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Epochen der Operngeschichte nach.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Eugen Ruge | Privatarchiv © Martina Ruge

Werkstattgespräch mit Schriftsteller Eugen Ruge am 26.6.

Wissenswerkstatt

Leben wir in Zeiten des abnehmenden Lichts? Aus dem Atelier.

Der Schriftsteller Eugen Ruge im Gespräch über sein Leben und seine Bücher
Mit einer Einführung von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
Montag, 26. Juni 2017
18.15 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Mit seinem 2011 erschienenen Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, einer opulenten Familiensaga, gelang Eugen Ruge fast über Nacht ein auch international vielgerühmter Bestseller. In über 20 Sprachen übersetzt, ist er unlängst verfilmt worden. Das Drehbuch stammt von Wolfgang Kohlhaase, Regie führte Matti Geschonneck. Filmstart ist, passend zu unserem Werkstattgespräch, am 1. Juni.

Eugen Ruge wurde schon mit einigen renommierten Preisen geehrt. So 2009 mit dem Alfred-Döblin-Preis und 2011 mit dem Deutschen Buchpreis für „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Zu seinem Werkspektrum gehören Theaterstücke, Hörspiele und nicht zuletzt Übersetzungen aus dem Russischen. Seine besondere Liebe gehört Anton Tschechow. Von dessen Stücken „Der Kirschgarten“, „Onkel Wanja“ und anderen hat Eugen Ruge Neuübersetzungen vorgelegt.

In unserem Werkstattgespräch berichtet er über seine Arbeitsweise als Autor, seine interessante Biographie und über neue Projekte. Natürlich wird er auch aus neuen Texten lesen.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.