Beiträge

Werkstattgespräch zum frühen arabischen Buchdruck am 5.4.

Werkstattgespräch
Der frühe arabische Buchdruck in einer Welt der Handschriften: Eine kulturhistorische Annäherung
Christoph Rauch, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Dienstag, 5. April
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
(Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt: Eingangshallsbereich (Rotunde)
Anmeldung


Christliche arabische Mönche bedienten schon im 17. Jahrhundert die Druckerpresse. Obwohl Ibrahim Müteferrika bereits ab 1729 in Konstantinopel wirkte, konnte sich der Buchdruck im islamischen Umfeld erst im 19. Jahrhundert durchsetzen. Worin liegen die Ursachen für das lange Festhalten an der handschriftlichen Überlieferung im islamischen Raum, und in welchem Kontext steht die Verbreitung gedruckter Bücher in der islamischen Wissenskultur? Am Beispiel zahlreicher handschriftlicher und gedruckter Exemplare eines sehr verbreiteten und häufig kommentierten Werkes, der arabischen Grammatik al-Kāfīya des Ibn Ḥāǧib (st. 647/1249), werden einige Merkmale der Textgestaltung und des Wissenstransfers sowohl im Zeitalter der Handschrift als auch des Buchdruckes veranschaulicht.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

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Die Beseitigung von Lesehindernissen – Friedrich Forssman zur Frage: “Was ist gute Buchgestaltung?”

Totgesagte leben bekanntlich länger – zumal im digitalen Zeitalter. Denn ebenso wie sich die Lesesäle von Bibliotheken auch und gerade bei Digital Natives immer größerer Beliebtheit erfreuen, erlebt das ambitioniert gestaltete gedruckte Buch gegenwärtig eine Phase der Hochkonjunktur. Hiervon zeugen etwa der Erfolg der von einer unserer prominenten Stammgäste herausgegebenen bibliophilen Bände zur Naturkunde – die Leserinnen und Leser unseres Hausmagazins sind einmal mehr im Vorteil – und nicht zuletzt auch der jüngste Abend in unserer gemeinsam mit den Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog. Denn mehr als 100 Personen interessierten sich am vergangenen Dienstag für die apodiktische Frage: Was ist gute Buchgestaltung?.

Da zu deren Beantwortung naturgemäß ein umfassender Überblick über das angesprochene Feld erforderlich oder zumindest wünschenswert ist, konnte zu unserer großen Freude kein Geringerer als der so bezeichnete Schriftgott aus Kassel für diese Aufgabe gewonnen werden – na klar, die Rede ist von Friedrich Forssman. Im Rahmen seines Vortrags präsentierte der renommierte Buchgestalter und Typograf, der selbst zur Theorie der Schwarzen Kunst publiziert und neuerdings auch lehrt, seine Ästhetik als ein changierendes Spiel mit den seit Johannes Gutenberg etablierten Konventionen. So solle eine gelungene Buchgestaltung zwar einerseits den an sie gerichteten Erwartungen entsprechen – wir alle rufen vermutlich recht ähnliche Vorstellungen von den Buchtypen „Reiseführer“ oder „Mathematik-Schulbuch“ auf – und sich durch die Beseitigung von Lesehindernissen gleichsam selbst unsichtbar machen, andererseits aber auch die Sinne reizen und Vergnügen schenken. Letzteres vermag Friedrich Forssman, wie schnell deutlich wurde, freilich nicht nur als Buchgestalter, sondern auch als Redner, begeisterte er doch sein Publikum mit einigen ebenso pointierten wie scharfzüngig vorgetragenen Beobachtungen.

Sollten Sie den Auftritt des Meistertypografen verpasst haben oder gar nicht genug von seinen Ausführungen bekommen können, so dürfen Sie bereits auf die im Herbst 2016 startende dritte Runde der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog vorfreudig gespannt sein. Denn Friedrich Forssman – für seine heroische Leistung, Zettel‘s Traum erstmals als gesetztes Buch erstehen zu lassen, wird der Wahl-Kasseler geradezu als Herkules gefeiert – hat fest versprochen: „I’ll be back!“ Über die genaue – ähm! – Terminierung seines Vortrags werden wir Sie natürlich frühzeitig an dieser Stelle informieren.

P.S. Und für eine Vorschau auf diesen Vortrag in der Rückschau empfehlen wir übrigens das Gespräch von Friedrich Forssman mit dem Kulturradio des RBB.

“Jewish Kabbalah and Magic in Ashkenaz” – Werkstattgespräch am 17.3.

Werkstattgespräch
Jewish Kabbalah and Magic in Ashkenaz – Examples from the Hebrew Manuscript Collection of Staatsbibliothek zu Berlin
Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Agata Paluch,
2015 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Donnerstag, 17. März
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)
Anmeldung

 

“Scholars of early modern Eastern European Jewry have suggested that by the 16th century, the speculative kabbalah (i.e. a strand of Jewish mysticism) became part and parcel of the educational curriculum of the Jewish intellectual elite, even among those of its members who were antagonistic to this esoteric lore, but whose critique of it often reveals extensive knowledge of the subject. At the same time, and especially in the course of the 17th century, the so-called ‘practical kabbalah’, associated with magic and a talismanic approach to ritual, was attracting numerous followers. These two strands of the mystical tradition permeated early modern Eastern Europe, but while the theoretical kabbalah of the elites exerted limited influence on the Jewish masses, popular magical traditions and practices did infiltrate the elitist kabbalah to a large extent.

On this basis, I suggest that the universal spread of the speculative doctrines of kabbalah in the early modern era may well have been facilitated by the wide dissemination of much more concrete magical and mystical practices, drawn out of an old stock of religious performance techniques, such as the invocation of angelic names, manipulation of the divine name, talismanic divinatory practices, and the like. This magical strand of the early modern kabbalah, with its special interest in the mystical dimension of language, was a latter-day development out of much earlier traditions. The lecture will attempt to demonstrate the significant role that magical rituals played in introducing the speculative doctrines of kabbalah into East-Central European Jewish culture, drawing examples from the Hebrew manuscripts collection of Staatsbibliothek zu Berlin, and other libraries.”

Poster zur Veranstaltung als Pdf

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Kunst und Politik im Einblattdruck / Flugblatt. Werkstattgespräch am 7.3.

Werkstattgespräch
Kunst und Politik im Einblattdruck / Flugblatt
Christiane Caemmerer (Staatsbibliothek zu Berlin)
Präsentation der Einblattdrucke von PalmArtPress mit Wolfgang Nieblich (Herausgeber) und Catharine Nicely (Verlegerin)

Montag, 7. März
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

In ihrem Vortag stellt Christiane Caemmerer das Medium Einblattdruck/ Flugblatt in seinem Wandel von der Reformationspropaganda Lucas Cranachs über die futuristischen Manifeste und die Flugblattgedichte Johannes R. Bechers bis zu den Blättern der Kommune 1 mit einem kurzen Ausflug in die Gegenwart vor.
Mit dem Projekt bildende Künstler und Autoren im modernen Einblattdruck zusammenzuführen, greifen die Einblattdrucke von PalmArtPress im 21. Jahrhundert die Traditionen dieses frühen publizistischen Mediums auf zu berichten, aufzuklären und zu polemisieren.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

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Poster zur Veranstaltung als Pdf

Der Simón-Bolívar-Saal ist nicht barrierefrei zugänglich. Bitte  informieren Sie uns vorab, falls Sie Unterstützung benötigen: pr@sbb.spk-berlin.de 

Sonderdrucke in Zeiten von PDF. Eine akademische Tradition wird reanimiert

Das Pulsieren von Herzblut war deutlich zu spüren, als am vergangenen Donnerstag im Rahmen eines von der Staatsbibliothek zu Berlin veranstalteten Podiumsgesprächs eine akademische Tradition wiederbelebt wurde, die mit dem Aufschwung des elektronischen Publizierens einen Gutteil ihres ursprünglichen Charakters einbüßen sollte. Denn unter den Bedingungen der unbegrenzten Reproduzierbarkeit elektronischer Dokumente muss jener exklusive „Für-Dich-Effekt“ zwangsläufig an Bedeutung verlieren, der aus der nur begrenzten Verfügbarkeit ansprechend gestalteter, mit einer handschriftlichen Widmung versehener und womöglich sogar persönlich überreichter papierener Sonderdrucke resultiert – eine Limitierung, die zumal in universitären Bewerbungsverfahren zuweilen freilich für herkulische Entscheidungsschwierigkeiten sorgen kann.

Angesichts der Unwirksamkeit von PDF-Dateien als Zeichen von kollegialer Verbundenheit und Zuneigung sowie in der Absicht, einen Publikationsort für herausragende studentische Arbeiten und eher unkonventionelle wissenschaftliche Texte zu schaffen, haben sich Anke te Heesen, Christina Wessely, Valentin Groebner und Michael Wildt der Rettung dieser gefährdeten oder zumindest aus der Mode gekommenen Tradition des akademischen Gabentauschs verschrieben und mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung die programmatisch betitelte Reihe “Sonderdruck” ins Leben gerufen. Den vier überdies für die Programmauswahl zuständigen Lehrenden steht der Leipziger Typograf Helmut Völter zur Seite, der sowohl das Format der Gesamtreihe als auch das Erscheinungsbild der ersten drei Einzelbände – diese handeln von Heiner Müllers Manuskriptkritzeleien, der deutschen Modefotografie in den 1930er Jahren sowie dem Mittelalterbild des Campus Galli – gestalterisch verantwortet. Um aber den individuellen, auf persönliche Kontaktaufnahme zielenden Charakter des Vorhabens noch stärker zu betonen, wird der buchkünstlerische Staffelstab von nun an im Jahresturnus von Hand zu Hand weitergegeben werden.

Allerdings bezeichnet der stete Wandel in der Gestaltung der künftig zu produzierenden Bände keineswegs die einzige Konstante dieser Reihe, werden doch die in einer Auflage von jeweils 400 Stück hergestellten Sonderdrucke niemals im Buchhandel zu kaufen, sondern ausschließlich als Geschenk zu erhalten sein. Demgemäß betonte auch der bekannte Feuilletonist und Literaturwissenschaftler Lothar Müller in seinem Festvortrag die verschiedenen Währungen, in denen die nicht von Geldströmen getragene Ökonomie des akademischen Gabentauschs ausgemünzt wird: Aufmerksamkeit, symbolisches Kapital und vor allem Lesezeit. Zugleich dokumentiert die Einladung gerade dieses Redners – Lothar Müller ist schließlich Autor einer viel beachteten Geschichte des Papiers – die besondere Sensibilität für die materiale Dimension von Sonderdrucken, was wiederum die Aufnahme des Podiumsgesprächs in die Folge der Begleitveranstaltungen zur gemeinsam von der Staatsbibliothek zu Berlin in Verbindung mit den Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Vortragsreihe Die Materialität der Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog erklärt. Nach historischen Dissertationen und mittelalterlichen Rechtshandschriften werden in diesem Zusammenhang – diese kurze Werbeunterbrechung sei hier bitte gestattet! – im Übrigen bereits in Kürze künstlerische Einblattdrucke im Fokus stehen.

Wie am Eröffnungsabend der 66. Berlinale auch kaum anders vorstellbar, wurde diese Veranstaltung zum wissenschaftlichen Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert natürlich für den YouTube-Kanal der Staatsbibliothek zu Berlin aufgezeichnet. Dru(e)cken Sie uns daher bitte fest die Daumen, dass die Berlinale-Jury unseren Film auch ja mit einem der begehrten Sonderpreise auszeichnen wird!

Was ist gute Buchgestaltung? Werkstattgespräch am 1.3. um 18.15 Uhr

Werkstattgespräch
Was ist gute Buchgestaltung?

Dienstag, 01. März
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Friedrich Forssman, Kassel –

Kriterien für gute Buchgestaltung sind: Angemessenheit (dafür gibt es eine hoch ausdifferenzierte Buch-Typologie), Leserlichkeit (was eher mit Überlieferung zu tun hat denn mit Physiologie) und Schönheit (spätestens da wird es komplizierter). Über diese Kriterien gibt es viel Konsens und immer wieder Debatten – Bücher sind einerseits Gebrauchsgegenstände, die funktionieren müssen, andererseits Objekte, die geliebt wurden, als sie noch handbeschriebene Rollen waren, und heute, längst zu Industrieprodukten geworden, immer noch geliebt werden können. Ein Buchgestalter berichtet aus seiner 25jährigen Arbeit für Verlage, Institutionen und Editionen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

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Werkstattgespräch zur Materialität von Spielbilderbüchern am 2.2.

Werkstattgespräch
Kein Kinderspiel. Spiel- und Verwandlungsbilderbücher vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Dienstag, 02. Februar
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Carola Pohlmann, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –

Der Vortrag beschreibt Entwicklungstendenzen von Spielbilderbüchern vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, analysiert die vielfältigen Bezüge zwischen Buch und Spiel, behandelt Übergangsformen vom Buch zum Spielobjekt und weist auf Besonderheiten in der Gestaltung und Produktion von Spiel- und Verwandlungsbilderbüchern hin.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Sonderdruck. Werkstattgespräch zum wissenschaftlichen Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert am 11.2.

Werkstattgespräch
Sonderdruck.  Wissenschaftliches Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert

Eine neue Veröffentlichungsreihe wird von Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) mit einem einführenden Vortrag vorgestellt sowie von den Herausgebern Valentin Groebner, Anke te Heesen, Christina Wessely, Michael Wildt und dem Gestalter der Reihe Helmut Völker präsentiert.

Donnerstag, 11. Februar
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

Die neue Reihe „Sonderdruck“ besteht aus kurzen, sehr sorgfältig gestalteten Heften im Umfang von 30 bis 40 Seiten von denen drei bis fünf pro Jahr publiziert werden. Sie enthalten in erster Linie außergewöhnlich gute Texte von Studierenden, Hausarbeiten oder Masterarbeiten, die üblicherweise keinen Weg in die Veröffentlichung finden. Darüber hinaus können aber auch Essays oder Reden arrivierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erscheinen und so ein Publikationsformat des kleinen Textes ergeben, das unhierarchisch, aber der Qualität verpflichtet ist, das nicht im Buchhandel vertrieben, sondern persönlich übergeben wird. Der Titel des Projekts knüpft deshalb an den schönen, aber weitgehend aus der Mode geratenen Sonderdruck an, der den veröffentlichten Zeitschriftenaufsatz als separat gehefteten Einzeltext dem Autor zum gelehrten Gabentausch zur Verfügung stellt.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Poster zur Veranstaltung als Pdf

Werkstattgespräch zur Materialität des Schreibens und Publizierens um 1800 am 5.1.

Werkstattgespräch
Manuskript, Buch, Makulatur. Zur Materialität des Schreibens und Publizierens um 1800

Dienstag, 05. Januar
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Univ.-Prof. Dr. Cornelia Ortlieb / Tobias Fuchs, M.A., Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg –

Der Vortrag stellt verschiedene Schreibformen von Kritik und Kommentar sowie die Nachahmung gedruckter Bücher am Beispiel der handschriftlich annotierten Bücher Friedrich Heinrich Jacobis und der frühen Exzerpthefte Jean Pauls vor – mit Blick auf die erhaltenen Bestände in der Staatsbibliothek zu Berlin. Besonders wird es dabei um die buchstäblich randständigen Praktiken des Anstreichens, Unterstreichens und Durchstreichens wie um das Abschreiben und Umschreiben gehen, somit um eben diejenigen Schreibakte, mit denen in der Moderne aus Büchern Bücher gemacht werden.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

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Kirchenslawische Typographie als Kunst und Waffe

Der elfte Vortrag in der von der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit Forschenden der Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit war zugleich eine Premiere. Denn erstmals wurde im Rahmen dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der Vortragsserie – ein Themenfeld jenseits des okzidentalen Kulturkreises betreten. Konkret interpretierte Vladimir Neumann, Fachreferent für Slawistik in der Osteuropa-Abteilung unseres Hauses, am Beispiel ausgewählter ostslawischer Drucke des 15. bis 17. Jahrhunderts die kirchenslawische Typographie der Vormoderne als Kunst und Waffe.

Der Vortrag behandelte kulturhistorische, sprachliche und drucktechnische Aspekte der ostslawischen Schriftlichkeit. Vielfalt und Traditionen der frühen ostslawischen Druckgeschichte wurden anhand der zentralen Akteure dargestellt – beginnend mit Francysk Skoryna, der in Prag und Wilna Kirchenbücher ins Slawische übersetzte und verlegte, sowie den Moskauer Erstdruckern Ivan Fedorov und Petr Mstislavec, die nach ihrer Vertreibung ihre Tätigkeit in Polen-Litauen fortsetzten. Weitere Stationen in dem so entfalteten Panorama waren die Kiewer Druckgeschichte unter Petro Mohyla (1596 – 1647), der Moskauer Druckerhof, der im Russland des 17. Jahrhunderts eine Monopolstellung beim Druck von Kirchenbüchern besaß, sowie das Schisma der russischen Kirche, aus dem die Altritualisten (Altorthodoxen) hervorgingen. Dabei stand stets die Materialität der kirchenslawischen Drucke, die von der Staatsbibliothek zu Berlin in einmaliger Fülle über Jahrhunderte hinweg gesammelt wurden, im Fokus. Im Anschluss an den Vortrag hatte das Publikum die Möglichkeit, einen genaueren Einblick in einige besonders rare Druckzeugnisse – entnommen aus dem etwa 300 Bände umfassenden Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin an vormodernen Kirchenslavica – zu nehmen.

 

Text: Vladimir Neumann (Osteuropa-Abteilung) und
Christian Mathieu (Wissenschaftliche Dienste)