Beiträge

Werkstattgespräch zur Materialität des Schreibens und Publizierens um 1800 am 5.1.

Werkstattgespräch
Manuskript, Buch, Makulatur. Zur Materialität des Schreibens und Publizierens um 1800

Dienstag, 05. Januar
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Univ.-Prof. Dr. Cornelia Ortlieb / Tobias Fuchs, M.A., Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg –

Der Vortrag stellt verschiedene Schreibformen von Kritik und Kommentar sowie die Nachahmung gedruckter Bücher am Beispiel der handschriftlich annotierten Bücher Friedrich Heinrich Jacobis und der frühen Exzerpthefte Jean Pauls vor – mit Blick auf die erhaltenen Bestände in der Staatsbibliothek zu Berlin. Besonders wird es dabei um die buchstäblich randständigen Praktiken des Anstreichens, Unterstreichens und Durchstreichens wie um das Abschreiben und Umschreiben gehen, somit um eben diejenigen Schreibakte, mit denen in der Moderne aus Büchern Bücher gemacht werden.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

“Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin …” – Weitere Vorträge zur Materialität von Schriftlichkeit

Mit einem geradezu faustischen Programm startete in dieser Woche eine Serie von Vorträgen, mit denen unsere etablierte Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in loser Folge flankiert werden soll. Selbstverständlich ist damit keinesfalls auf eine wie auch immer geartete Beteiligung Mephistos an der Konzeption dieses neuen Formats angespielt, sondern vielmehr auf dessen Themenprofil, denn von der Philosophie ging es stracks auf das Feld der Rechtswissenschaften. Ob es uns freilich gelingen wird, die frisch begründete Reihe mit Beiträgen zu medizinischen und theologischen Inhalten fortzusetzen? Ein Blick in das „geheimnisvolle Buch, von Nostradamus’ eigner Hand“ würde vermutlich die Antwort verraten. Aber lassen Sie sich doch lieber überraschen, denn der nächste Termin ist bereits für Mitte Februar 2016 geplant!

Den Auftakt jedenfalls markierte am vergangenen Dienstag der Berliner Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich mit einer Analyse der Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung. Auf Quellenbasis von an der Philosophischen Fakultät der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten Doktorarbeiten aus den Jahren 1817 bis 1883 rekonstruierte der Referent unter Einsatz von Verfahren des distant reading den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zur wissenschaftlichen Textsorte, wie wir sie heute kennen. Dabei nahm die im Vortrag vorgestellte quantitativ-statistisch angelegte Untersuchung, die im Übrigen selbst im Rahmen eines an der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelten Promotionsvorhabens durchgeführt wird, vor allem die Materialität der Dissertationsschriften in den Fokus – konkret etwa deren Format, Seitenzahl und Kapitellänge.

Bereits zwei Tage später – also am gestrigen Donnerstag – widmeten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) den zweiten Themenabend der Materialität kanonistischer Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Anlass für diesen Dialog zwischen den Perspektiven von Kodikologie und rechtshistorischer Forschung gab das Erscheinen der Akten der von den beiden Referentinnen an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters: Produktionsorte und Importwege. Eingeladen hatten der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung gemeinsam mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Neben dem unmittelbaren wissenschaftlichen Ertrag für die Vermessung von historischen Sammlungskontexten und Transferprozessen mittelalterlicher Rechtscodices gab der Gemeinschaftsvortrag zugleich anregende Impulse, das Potential der Forschung zu materialen (Text)Kulturen in interdisziplinärer Perspektive weiter auszuloten – zumal mit Blick auf zwei aktuelle wissenschaftspolitische Debatten. Denn zum einen sollte die “Wiederentdeckung” der Objekte  im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eminent dazu beitragen können, die Position der – wie der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands warnt – von ihrer Marginalisierung bedrohten Historischen Grundwissenschaften zu stärken. Zum anderen aber dürfte das Paradigma des new materialism gerade auch die von Seiten des Wissenschaftsrats geforderte Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer und transdisziplinäre Öffnung der Rechtswissenschaften rasant befördern. Die anbrechende Epoche der “Neuen alten Sachlichkeit” hat insofern also die Chance, zu einem veritablen Goldenen Zeitalter etwa der Rechtsarchäologie und -ikonographie zu werden. Und vielleicht wird man schon in wenigen Jahren von den Angehörigen der juristischen Fakultäten sagen: “Hier ist das Wohlbehagen erblich, Die Wange heitert wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund.

 

 

 

Workshops der Wissenswerkstatt im Dezember

Im Dezember bieten wir Ihnen wieder Workshops  zu unterschiedlichen Themen an: Neu dabei ist die Recherche zur Medienwissenschaft. Wir zeigen Ihnen in den Veranstaltungen nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die Ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.

Workshop
Medien & Medienwissenschaft: Einführung in Datenbankrecherchen
Dienstag, 1. Dezember, 16-17.30 Uhr

Workshop
Kein Geheimtipp für Philologen: MLA
Donnerstag, 3. Dezember, 15.30-17 Uhr

Workshop
Literaturrecherche in der Philosophie: Kataloge, Datenbanken, Volltexte, Digitalisate
Donnerstag, 10. Dezember, 16-17.30 Uhr

Workshop
Feldforschung im Trockenen – Literaturrecherche für EthnologInnen
Dienstag, 15. Dezember, 15-16.30 Uhr

Workshop
Schnelle Suche Sozialwissenschaften
Donnerstag, 17. Dezember, 15-16.30 Uhr

 

Poster mit allen Terminen

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Werkstattgespräch zur kirchenslawischen Typographie am 1.12.

Werkstattgespräch
Kirchenslawische Typographie als Kunst und Waffe: Am Beispiel der ostslawischen Drucke des 15. bis 17. Jahrhunderts

Dienstag, 01. Dezember
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Dr. Vladimir Neumann –

Der Vortrag widmet sich verschiedenen Aspekten der kirchenslawischen Schriftlichkeit. Anhand ausgewählter Drucke aus drei Jahrhunderten aus dem ostslawischen Raum soll vor allem die Funktion der kirchenslawischen Schrift dargestellt werden. Dabei stehen nicht nur die Fragen des Ästhetischen im Vordergrund, die bei der Gestaltung der slawischen Drucke in spezifisch osteuropäischer Art und Weise zum Tragen kommen, sondern auch die der religiösen Polemik zwischen der Slavia Latina und der Slavia Orthodoxa, die mancherorts, wie beispielsweise in den Randgebieten der Rzeczpospolita, im 17. Jahrhundert den Charakter einer bewaffneten Auseinandersetzung angenommen hatte. Am Beispiel ausgewählter Werke von bekannten ostslawischen Druckern wie Francysk Skaryna, Ivan Fedorov, Jelysej Pleteneckyj und Simeon Polockij sowie einer Reihe von Drucken aus weniger bekannten Druckereien auf dem weißrussischen, ukrainischen und russischen Boden soll die Vielfalt und die Kontinuität des kirchenslawischen Drucks vom 15. bis zum 17. Jahrhundert skizziert werden.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Dissertationsmonat November

Als hochseriöse Forschungsbibliothek und ehemals preußische Einrichtung werden Sie vermutlich kaum einen Beitrag zum lieblichen Wonnemonat Mai von uns erwarten, “denn eine Staatsbibliothek ist, bitte sehr! kein Vergnügungsetablissemang.” Naturgemäß stehen bei uns viel eher die arbeitssamen und etwas spröderen Jahreszeiten im Fokus, weshalb wir hiermit den November zum Dissertationsmonat erklären: Möge das Licht der wissenschaftlichen Erkenntnis diesen Nebelmonat ein wenig aufhellen!

Für klare(re) Sicht auf das steinige Feld der Doktorarbeit wollen wir in den kommenden Wochen mit zwei Veranstaltungen sorgen – und das sowohl aus Praxisperspektive als auch unter Forschungsaspekt.

Gerade mit Blick auf den aktuellen Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation unter dem Leitbild der Open Science und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Forschenden laden wir Promovierende aller Fachrichtungen sehr herzlich ein, am 12. und 19. November an einem zweiteiligen Workshop zum wissenschaftlichen Publizieren teilzunehmen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine konventionelle oder eine elektronische Veröffentlichung planen, ob im Open Access oder vielleicht sogar als bereits von der ersten Idee an offene Doktorarbeit. Denn unsere Themenvorschläge – von der Gestaltung von Verlagsverträgen über Strategien zur Bildrechteklärung und Akquise von Druckkostenzuschüssen bis hin zur Wahl des “richtigen” Publikationsorts – möchten wir am konkreten Fallbeispiel Ihres Veröffentlichungsprojekts mit Ihnen diskutieren. Und sollten Sie sich zudem auch für Publikationsmöglichkeiten für Forschungsdaten oder für neuere Entwicklungen im Bereich der alternativen Bibliometrie interessieren, so stehen wir Ihnen auch in diesen Belangen sehr gerne mit einigen Tipps zur Seite.

An ein allgemeines Publikum wendet sich dagegen die zweite hier anzuzeigende Veranstaltung, in deren Zentrum die zwischen 1817 und 1883 an der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten philosophischen Dissertationen stehen sollen. Unter dem Vortragstitel Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung erwartet Sie der Versuch des Medien- und Kunsttheoretikers Stefan Heidenreich, den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat zu rekonstruieren. Da der Referent dabei auch die Veränderung der materialen Dimension von Dissertationsschriften beleuchtet, organisieren wir dieses Werkstattgespräch in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog, zumal an deren Konzeption gleich drei Einrichtungen mit Promotionsrecht beteiligt sind.

Ob mit oder ohne Doktortitel – seien Sie uns herzlich willkommen!

Workshops der Wissenswerkstatt im November

Im Novemver bieten wir Ihnen Workshops  zur Kunst- und Filmwissenschaft, aber auch zu interdisziplinären Themen an. Wir zeigen ihnen dabei nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.


Workshop

Alles so schön bunt hier! (Bild-) Datenbanken für die Kunstgeschichte
Donnerstag, 05. November, 15.00-16.30 Uhr

Workshop
Einführung in die Literaturverwaltung mit zotero
Dienstag, 10. November, 16.00-17.30 Uhr

Workshop
Publish or Perish – Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende
Teil 1: Donnerstag, 12. November, 16.30-19 Uhr
Teil 2: Donnerstag, 19. November, 16.30-19 Uhr

Workshop
Alles nur gespielt?! – E-Ressourcen für die Theater-, Tanz- und Filmwissenschaft
Dienstag, 24. November, 16-17.30 Uhr


Poster mit allen Terminen

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Werkstattgespräch: „Nomade wider Willen“ – Rudolf-Frank-Lesung am 6.11.

„NOMADE WIDER WILLEN“ – Ein literarischer Abend
Gundula Köster und Monika Lennartz lesen Texte von Rudolf Frank (1886 – 1979) über Krieg, Antisemitismus und Exil

anlässlich der Veröffentlichung des Bandes ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe‘ – Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk Rudolf Franks herausgegeben von Lutz Winckler

Freitag, 06. November
18.00 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

Rudolf Frank (1886-1979) ist von Berlin über Wien 1938 in die Schweiz emigriert. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat dem Theaterkritiker, Dramaturgen und Schriftsteller 2013 eine Ausstellung und ein Kolloquium gewidmet, dessen Vorträge 2015 unter dem Titel ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe’. Beiträge zum künstlerischen und literarischen Werk R. Franks  im Verlag der Staatsbibliothek veröffentlicht wurde. Anlässlich des Erscheinens des von Lutz Winckler, Ursula Jäcker und Cornelia Kosmol herausgegebenen Bandes lädt die Staatsbibliothek zu einem literarischen Abend ein, an dem die Berliner Schauspielerinnen Gundula Köster und Monika Lennartz literarische Texte von Rudolf Frank aus der Zeit der Weimarer Republik und dem Exil lesen. Der in Basel lebende Sohn Dr. Vincent Frank-Steiner ist anwesend.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Werkstattgespräch zu Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« am 3.11.

Werkstattgespräch
»Sie redet Fraktur mit ihm.«
Zur Editionsgeschichte und typographischen Gestaltung von Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz«

Dienstag, 03. November
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Anmeldung

Dr. Bernhard Metz, Freie Universität Berlin

Der vielleicht wichtigste Berlin-Roman des 20. Jahrhunderts, Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, ist heute so bekannt und verbreitet wie nie zuvor. Freilich hat er Döblins andere Arbeiten weitgehend verdrängt und diesen in der öffentlichen Wahrnehmung zum Ein-Buch-Autor werden lassen, eine auch in Übersetzungen in andere Literaturen anzutreffende Verengung. Dabei ist auffällig, dass sein im Herbst 1929 erstmals bei S. Fischer in Berlin veröffentlichter und bis 1933 in vier Folgeauflagen in 50000 Exemplaren erschienener Roman in der ursprünglichen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt ist und spätere Auflagen das Bewusstsein um dieses überzeugend durchgestaltete Gesamtkunstwerk verdecken konnten. Der Vortrag versucht, den Roman in der materialen Form, in der er bei Erscheinen gefeiert wurde und bis 1947 ausschließlich rezipierbar war, neu zu erschließen. Berlin Alexanderplatz dient dabei auch zur Illustration von Problemen, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird, sowie der Frage, wie mit typographischen Auffälligkeiten umgegangen wird, wenn sie in einem regulären und wenig markierten Rahmen auftauchen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Die Materialität von Schriftlichkeit – Der Dialog zwischen Bibliothek und Forschung geht weiter

Die Aufwertung der lange als bloße Hilfswissenschaften geltenden objektbezogen-bibliothekarischen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eröffnet gerade für Forschungsbibliotheken mit herausragenden Spezialbeständen ungeahnte Chancen zur Schärfung des eigenen Profils. Vor diesem Hintergrund hat die Staatsbibliothek zu Berlin im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem von Forschenden der Universitäten in Berlin und Potsdam getragenen Arbeitskreis Materialität der Literatur die Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit organisiert. Ziel dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der mehrteiligen Reihe – ist es, theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und Künstlerbücher mit aus der Praxis entwickelten Fragestellungen zu konfrontieren.

Am vergangenen Dienstag startete die Veranstaltungsserie mit einem Vortrag in ihre zweite Runde, der unter gleich mehreren Aspekten paradigmatisch für die Konzeption der Gesamtreihe stehen kann: So wurden Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher – die wohl spektakulärste Neuerwerbung unseres Hauses in jüngster Zeit – von zwei Vertreterinnen der Staatsbibliothek zu Berlin in Verbindung mit dem Leiter des an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Editionsvorhabens Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung vorgestellt. Zutreffender wäre es vor diesem Hintergrund eigentlich, von einem Trialog zwischen Bibliothek und Forschung zu sprechen, nahmen doch Dr. Jutta Weber, stellvertretende Leiterin unserer Handschriftenabteilung, und Julia Bispinck-Rossbacher, verantwortlich für die Restaurierungswerkstätten der Staatsbibliothek zu Berlin, ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Nach einem Überblick über die formale wie inhaltliche Erschließung der Amerikanischen Reisetagbücher im Nachweisportal Kalliope stand der kodikologische Befund der Handschriftenbände im Zentrum, der wiederum die Grundlage für die geplante hybride Edition der höchst komplex aufgebauten und nur mit detektivischem Gespür zu entziffernden Quelle liefert. Denn – wie Dr. Tobias Kraft anschließend eindrucksvoll zeigte – nur eine um die Erkenntnismöglichkeiten materialwissenschaftlicher Forschung erweiterte Lektüre ermöglicht es, die vielschichtigen Dimensionen der lebenslangen Schreibprozesse in Alexander von Humboldts Amerikanischen Reisetagebüchern nachzuvollziehen.

Aber auch in Hinblick auf die aktuellen wissenschaftspolitischen bzw. förderstrategischen Rahmenbedingungen dokumentiert der Gemeinschaftsvortrag die durch den Material Turn beförderte neue Qualität des Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung. Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher sind nämlich zugleich auch Gegenstand eines von der Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit der Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur der Universität Potsdam durchgeführten Forschungsprojekts. Gefördert wird dieses Gemeinschaftsvorhaben im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung lancierten mehrteiligen Ausschreibung Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen, die darauf zielt, die Hinwendung der Geistes- und Kulturwissenschaften zu den Dingen weiter zu beschleunigen.

Sollten Sie nun schleunigst erfahren wollen, welche Themen Sie im Rahmen der ersten Vortragsrunde verpasst haben, so werfen Sie doch einfach einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Bibliotheksmagazins der Staatsbibliotheken in Berlin und München, in der wir die zurückliegenden Abende im Zeichen der Materialität von Schriftlichkeit in aller Kürze Revue passieren lassen. Ausgewählte Beiträge aus der zweiten Veranstaltungsserie werden Sie dagegen schon demnächst als Podcast im Youtube-Kanal der Staatsbibliothek zu Berlin finden können.

Und was die noch fernere Zukunft der überaus publikumswirksamen Reihe anbetrifft, so halten wir es mit unserer Nachbarschaft im Regierungsviertel und versprechen Ihnen: Wir werden den Dialog mit der Forschung nicht abreißen lassen!

Workshops der Wissenswerkstatt im Oktober

Im Oktober bieten wir Ihnen Workshops und Vorträge zu verschiedenen Fächern, aber auch zu interdisziplinären Themen an. Wir zeigen ihnen dabei nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.

Workshop
Allgemeine Recherche
Teil 1: Dienstag, 13. Oktober, 17.00 Uhr
Teil 2: Dienstag, 20. Oktober, 15.00 Uhr

Workshop
Von Ausreiseantrag bis Zentralkomitee DDR Geschichte online – das Portal DDR- Presse sowie Quellen, Fakten, Archive und Aufarbeitung
Donnerstag, 15. Oktober, 17.00 Uhr

Workshop
To search or not to search: that is NOT the question!
Donnerstag, 22. Oktober, 16.00 Uhr

Workshop
Google der Wissenschaften – die fächerübergreifende Datenbank Web of Science core collection
Dienstag, 27. Oktober, 15.00 Uhr
Außerdem startet die zweite Runde unserer Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Poster mit allen Terminen

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.