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Friedrich Nicolai und die erste chemische Fachzeitschrift

Gastbeitrag von Anna Gielas, University of St Andrews, Edinburgh

Streitlustig und streitbar soll Friedrich Nicolai (1733-1811) gewesen sein. Fest steht, dass der Berliner Buchhändler und Verleger zu den zentralen Akteuren der Aufklärung zählte. Heute gehört seine Korrespondenz zu den wichtigsten und meistbenutzten Nachlässen der Staatsbibliothek. Unter den 20.000 Briefen finden sich 130 Stück von einem Professor aus Helmstedt, dessen Name den meisten von uns nichts sagt – der jedoch den Lauf der Chemie nachhaltig beeinflusst hat.

Lorenz von Crell (1744–1816), Professor an der Universität Helmstedt

Dabei hat Lorenz Friedrich Crell (1744-1816) zeit seines Lebens weder eine wichtige chemische Entdeckung noch Erfindung gemacht. Stattdessen gründete Crell die erste chemische Fachzeitschrift – und schuf damit in der Zeit eines politisch zerklüfteten und späterhin in die Napoleonischen Kriege verstrickten Europas ein internationales Forum für den Austausch chemischer Forscher. Mithilfe seines Journals bot der Helmstedter einen regelmäßigen Fluss neuer wissenschaftlicher Beobachtungen, erlaubte seinen Lesern, diese zu kommentieren, aufzugreifen und weiter zu untersuchen – und synchronisierte auf diese Weise ein Stück weit die Bemühungen der europäischen Chemiker. Zum Vorteil der Forschung.

Crells Briefe im Nachlass Nicolais erlauben einen einzigartigen Einblick in die Entstehung und Leitung des chemischen Periodikums. In keinem anderen Archiv scheinen annähernd so viele Briefe des Helmstedters überdauert zu haben.

Crell begann seine Korrespondenz mit Nicolai als erfolgloser 33-jähriger Hochschuldozent. Streitlustig hat er den Berliner Verleger nicht erlebt, streitbar noch weniger: Der Helmstedter war Nicolai über Jahrzehnte hinweg in Dankbarkeit und Freundschaft zugetan. Auch als seine „Chemischen Annalen“ längst über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinweg bekannt waren, hielt er den Kontakt zu Nicolai.

Der Jungprofessor und der Verleger fanden sich im Jahre 1777, hauptsächlich über Nicolais „Allgemeine Deutsche Bibliothek“ (ADB), ein führendes Rezensionsorgan der Aufklärung. Im November 1777 schrieb Crell: „Ich kann diese Gelegenheit nicht vorbeylaßen, ohne Ihnen zu äusern, daß, wenn eine Stelle eines Recensenten in der practischen Arzneygelahrtheit, der Chemie, Mineralogie, oder Materia medi(c)a, für Ihre schätzbare allgemeine Deutsche Bibliothek etwa offen seyn sollte, und Sie sie durch mich wieder ausfüllenwollten, ich diesen Antrag mit vielem Vergnügen annehmen würde.“

Handschriftenabteilung der SBB, Nachlass Friedrich Nicolai: Crell an Nicolai, Brief 8, 27. Februar 1778

Obgleich Crell zu dieser Zeit an der ersten Ausgabe seines „Chemischen Journals“, des ersten seiner insgesamt neun chemischen Fachperiodika, arbeitete, verfasste er von November 1777 bis Anfang Februar 1778 mindestens sechzehn Rezensionen für Nicolais hochbeliebte Zeitschrift. Dabei besprach der Professor primär jene Publikationen, die für sein eigenes Journal wichtig waren.

Die beachtliche Sammlung von Crells Briefen an Nicolai zeigt, dass der Verleger sehr schnell zu einer essentiellen Ressource für den Jungredakteur wurde. Nicolai verfügte über jahrelange Erfahrung im Leiten einer Zeitschrift und hatte sowohl zahlreiche Möglichkeiten als auch den Willen, dem Helmstedter unter die Arme zu greifen. So ließ er Crell sogar seine chemische Zeitschrift für die ADB rezensieren: Hinter dem Schleier der Anonymität durfte der Jungredakteur sein eigenes Blatt preisen und weiterempfehlen.

Crell suchte bei Nicolai auch Rat in essentiellen redaktionellen Fragen, etwa der Serialität seiner chemischen Publikation: „Sollte es hier am rahtsamsten seyn, das Journal (…) wieder so, wie bisher, 2 kl. Theile jede Meße, herauszugeben? oder Stückweise, zu 6 Bogen?“ Auch bat der Redakteur um Nachrichten zur chemischen Forschung in der preußischen Hauptstadt. Nicolai kannte die führenden Forscher seiner Zeit, darunter Johann Christian Wiegleb, Johann Friedrich Gmelin und Johann Friedrich Göttling. Crell wiederum war gleich doppelt isoliert, als er sein Journal ins Leben rief: Zum einen durch seinen Wohnort Helmstedt mit rund 4.000 Einwohnern in der östlichen Peripherie des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel; zum anderen durch einen Mangel an Kontakten zu weiteren Forschern der Chemie.

Nicolai schloss den rund zehn Jahre jüngeren Mann mit der Zeit ins Herz. Immer wieder bereitete er Crell Überraschungen. So schrieb der Jungredakteur: „auch bin ich Ihnen vorzügl. für das so reichl[ich]e Honorar. für Kirwan’s Übersetzg doppelt verbunden, weil es freywillig ist, u. ich es nicht so hoch erwartete.“ Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen fand Nicolai die Zeit, Crell in Helmstedt zu besuchen. Das festigte nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch die Zusammenarbeit, und Crell veröffentlichte mindestens acht Publikationen zur Chemie und Medizin im Nicolaischen Verlag.

Doch gerade für die Gründung und die ersten Jahre des „Chemischen Journals“

Deckblatt der ersten Ausgabe des “Chemischen Journals”, Exemplar der Bibliothek des Polytechnicums Carlsruhe

spielte Nicolai eine wesentliche Rolle. Er war, wie es scheint, der einzige einflussreiche Helfer des jungen Crell – und eine treibende Kraft hinter der ersten chemischen Fachzeitschrift. Die Briefe des Helmstedters können als neuer Beleg für die Vielseitigkeit von Nicolais Wirken und sein breites Engagement interpretiert werden.

 

Frau Anna Gielas, University of St Andrews, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2017 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: “Lorenz Crells Briefe an Friedrich Nicolai und die Genese sowie Konsolidierung der ersten chemischen Fachperiodika (1777 – 1785)”

Die ZHB 8 wird jetzt wieder abgebaut

Seit 2015 präsentieren wir Ihnen die Zeitschriften der Politik- und Sozialwissenschaft im Haus Potsdamer Straße in einem neuen Format und an einem neuen Ort, in der Cafeteria-Ebene im 1. Obergeschoss. In Anlehnung an die frühere Aufstellung vieler Zeitschriften in der HB 8 erhielt der neue Bereich den Namen ZHB 8 (Zeitschriftenauslage der Handbibliothek 8).

Leider ist die von uns erhoffte Nutzungssteigerung der Zeitschriften nicht eingetreten. Ganz im Gegenteil konnte insbesondere durch die Bestandsnutzungszählung im vergangenen November gezeigt werden, dass die im systematischen Zusammenhang mit den Monographien aufgestellten Zeitschriftentitel viel intensiver genutzt werden. Sie erinnern sich an das Einlegen der kanariengelben Streifen?

Da das Ganze von vornherein nur Projektcharakter hatte, entschlossen wir uns zum Rückbau. Das bedeutet, dass die Zeitschriftentitel, die früher in der HB 8 standen, dorthin zurückkehren werden. Von den früheren Magazinzeitschriften werden die wenigen, an denen ein erkennbar erhöhtes Nutzungsinteresse besteht, ebenfalls in die HB 8 umgestellt. Alle anderen ziehen in das Magazin zurück.

Es kann sein, dass die Umsetzung der Standortveränderung im Katalog und im Bestellsystem erst mit einer kleinen Verzögerung eintritt. Sie benötigen unbedingt einen Band, der gerade ins Magazin abgewandert ist, aber noch nicht bestellbar ist? Wenden Sie sich dann bitte an die Auskunftskräfte. Es gibt durchaus Möglichkeiten, Ihnen das Gewünschte zu verschaffen.

In die ZHB 8 wurde auch eine ganze Anzahl elektronischer Zeitschriften – sowohl Parallelausgaben zu gedruckten Zeitschriften als auch nur elektronische nutzbare – einbezogen. Wenn diese in die HB 8 umziehen, bleiben die angebrachten QR-Codes erhalten. Allerdings könnten auch diese Titel sich eines besseren Zuspruchs erfreuen.

Die ZHB 8 – aktuelle Zeitschriften der Politik- und Sozialwissenschaft kompakt!

Seit fast einem Jahr präsentieren wir Ihnen die Zeitschriften der Politik- und Sozialwissenschaft im Haus Potsdamer Straße in einem neuen Format, an einem neuen Ort – in der ZHB 8, das ist die Zeitschriftenauslage der Handbibliothek 8. Diese finden Sie in der Cafeteria-Ebene im 1. Obergeschoss. Dort bieten wir Ihnen alle Zeitschriftentitel und Hefte, die Sie zuvor in der Handbibliothek 8 (HB 8) einsehen konnten. Zusätzlich finden Sie eine große Anzahl von Titeln, die Sie bis dahin aus dem Magazin bestellen mussten. Doch nicht nur das: Wir können Ihnen einige Zeitschriften in gedruckter oder digitaler Form anbieten und zugleich auch viele Titel, die sowohl auf Papier als auch elektronisch zur Verfügung stellen.

Die neuesten und noch ungebundenen Hefte finden Sie in den jeweiligen grünen Schubern im Regal. Über die dort aufgeklebten QR-Codes kommen Sie zudem bequem zu den elektronischen Artikeln, die Sie über unser WLAN auf Ihrem Smartphone oder Tablet lesen können. Wenn Sie die QR-Codes nicht nutzen möchten, erreichen Sie die Volltexte auch über die im Stabikat bei den entsprechenden Titeln angegebenen Links. Die letzten fünf Jahrgänge der jeweiligen Titel finden Sie in gebundener Form ebenso in der ZHB 8. Natürlich können Sie auch die Zeitschriften des Fachgebietes systematisch durchsehen und das in einer Vielzahl westeuropäischer Sprachen.

Nutzen Sie unser Angebot, nehmen Sie die Zeitschriften mit an Ihren Arbeitsplatz in den Lesesaal, zum Scannen in den Copy-Shop oder lesen und informieren Sie sich gleich vor Ort. Für Letzteres haben wir weitere Sitzgruppen aufgestellt. So können Sie die Bestände der ZHB 8 direkt vor Ort nutzen und wir hoffen, Ihre Aufenthaltsqualität damit zu verbessern.

Haben Sie weitere Anregungen und Wünsche? Teilen Sie uns mit, wie Ihnen die ZHB 8 gefällt, was wir verbessern können oder was Sie vermissen. Kommt Ihnen diese separate Aufstellung für Ihre Forschung entgegen oder bevorzugen Sie die Zeitschriftenaufstellung im Bereich der Handbibliothek (HB 8)? Sagen Sie uns Ihre Meinung, kommentieren Sie hier in unserem Blog, nutzen Sie die Feedbackbox vor Ort oder  nutzen Sie das Feedback-Formular ‚Fragen Sie uns‘ auf unseren Webseiten.

Abbestellung von Elsevier-Zeitschriften zum 31. Dezember 2016

Zum 31. Dezember 2016 bestellen wir 77 (und damit den größten Teil) der aktuell von der Staatsbibliothek zu Berlin-PK gehaltenen Zeitschriften des Elsevier-Verlags ab. Wir unterstützen damit aktiv die derzeit laufenden Verhandlungen im Rahmen des Projekts „DEAL – bundesweite Lizenzierung der Angebote großer Wissenschaftsverlage“ (lesen Sie mehr zu den Hintergründen von DEAL auf der Seite der Hochschulrektorenkonferenz: http://sbb.berlin/elg1tq). Um den Verhandlungen, die derzeit mit Elsevier geführt werden, mehr Nachdruck zu verleihen, kündigen wie wir zahlreiche Bibliotheken in Deutschland derzeit ihre Elsevier-Zeitschriften, vorausgesetzt, die jeweiligen Verträge lassen dies zu.

Von den Abbestellung der Staatsbibliothek sind vorwiegend Titel aus den Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften betroffen. Darunter befinden sich maßgebliche Zeitschriften dieser Disziplinen wie Journal of Urban Economics, Social Networks, Social Science Research, Geoforum und auch eines der medizinischen Flaggschiffe, The Lancet. Nicht von den Abbestellungen betroffen sind sieben Elsevier-Titel im Kontext unserer Fachinformationsdienste, hier besteht für uns aufgrund der DFG-Förderung eine besondere Verantwortung für die überregionale Literaturversorgung.

Ab 1. Januar 2017 können Sie also zunächst weder in gedruckter noch in elektronischer Form auf diese Titel zugreifen. Natürlich streben wir,  sofern die DEAL-Verhandlungen mit dem Verlag erfolgreich abgeschlossen werden können, an, die Elsevier-Titel wieder in unseren Bestand aufzunehmen.

Zwischenzeitlich können alle angemeldeten Nutzerinnen und Nutzer der Staatsbibliothek selbstverständlich aktuelle Aufsätze aus Elsevier-Zeitschriften  mittels Fernleihe und Dokumentenlieferdiensten bestellen.

Beitrag von: Sebastian Nix / Heinz-Jürgen Bove / Gudrun Nelson-Busch

Die politik- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriften jetzt auf einen Blick

Nutzen Sie doch Ihre Arbeitspause mal, um etwas zu erfahren über die vielfältigen Aspekte der Flüchtlingssituation, den Stand der Dinge in Osteuropa, die Moral der Ganztagsschule  oder Gender Mainstreaming!

Die regelmäßigen Besucher in der Potsdamer Straße haben es sicher schon längst gesehen, alle anderen können jetzt auch auf Entdeckungsreise gehen: zur Zeitschriftenauslage für die Sozial- und Politikwissenschaften. Wo Zeitschriften bisher oft aus dem Magazin bestellt werden mussten, liegen die aktuellen Ausgaben jetzt in Regalen offen zugänglich im Ost-Foyer in der Nähe der Cafeteria aus.  Sie finden dort alle Zeitschriftentitel und Hefte, die Sie vorher bei den Büchern in der Handbibliothek (HB) 8 einsehen konnten, und zusätzliche eine große Anzahl von Titeln, die vorher in den Magazinen aufbewahrt wurden. Manche Hefte haben wir auch in elektronischer Form. Und viele Zeitschriften können wir Ihnen sowohl auf Papier als auch elektronisch zur Verfügung stellen. Diese Hefte haben einen aufgeklebten QR-Code an den jeweiligen Schubern im Regal. Über den QR-Code kommen Sie bequem zu den elektronischen Artikeln und können sie auf Ihrem Smartphone oder Tablet in Ruhe lesen. Eine gute Neuigkeit für alle Nutzer mobiler Endgeräte: seit Ende letzten Jahres funktioniert das W-LAN auch im Ost-Foyer einwandfrei.

Zeitschriften mit QR-Code

Zeitschriften mit QR-Code

Und sollten Sie kein Smartphone oder Tablet zur Hand haben, bekommen Sie dennoch einen guten Überblick sowohl über unsere gedruckten, als auch unsere elektronischen Zeitschriftenangebote. Vielleicht entdecken Sie hier noch eine Zeitschrift, die Ihnen bis jetzt noch nicht in die Hände fiel, weil es sie nur elektronisch gibt. Auch ohne mobile Technik können sie diese dann am Laptop oder PC aufrufen und lesen.

Die Titel der Zeitschriften reichen dabei von „The American Statistician“ oder „Emma“ über das „Journal of Marriage and Family“ und das „Journal of Muslim Minority Affairs“, bis hin zu Reihen wie „Militätgeschichtliche Zeitschrift“, „Problems of Post-Communism“, „Rotfuchs“ oder „Urban Studies“.

Auch sprachlich ist die Vielfalt groß: Sie können Hefte auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch oder Schwedisch lesen.

Es gibt die aktuellen Ausgaben in Heftform und (in gebundener Form) die letzten 5 Jahrgänge. Sie können also einfach mal stöbern gehen und eintauchen in  die schier endlose Vielfalt aktueller Themen. Sie finden Aufsätze wie „Refugee in Germany“, „Europe’s Troubled Borders“,  „Blackbox Iran“ oder die „Innere Sicherheit und Einbruchskriminalität“. Sie können sich einlesen in die „Battlefleet Tactics of the Royal Navy 1900 – 1914“, der Frage nachgehen, ob Politiker Machtmenschen sind, oder sich informieren über die Lage der Näherinnen in Bangladesch nach dem Unfall von Rana Plaza.

Sie können selbstverständlich auch systematisch die Zeitschriften Ihres Fachgebietes durchsehen und so immer auf dem Laufenden bleiben!

All diese spannenden Hefte und Bände können mit in den Lesesaal oder zum Copy-Shop genommen werden. Für unsere Statistik wäre es schön, wenn Sie die Hefte nach dem Lesen in die Metallbehälter an den Kopfenden der Regale legen könnten. Dann sehen wir gleich, wie gut unser Angebot angenommen wird und ob diese Auslage etwas ist, was wir dauerhaft zur Verfügung stellen sollten. Ihre Meinung ist für uns sehr wichtig!

Auf Ihre Anregungen und Wünsche wartet eine Box auf einem der Tische neben den Regalen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.