Gemeinsame Ausstellung im Pergamonmuseum: Biblische Traditionen in der islamischen Welt vom 14.7.-15.10.17

  • Ausstellung

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  • Öffnungszeiten

    Mo – Mi         10 – 18 Uhr
    Do                 10 – 20 Uhr
    Fr – So          10 – 18 Uhr

  • Ausstellungsort

    Pergamonmuseum
    Staatliche Museen zu Berlin
    Museumsinsel Berlin
    Bodestraße 1-3
    10178 Berlin

    Besuchereingang über den Kolonnadenhof

  • Anfahrt

    U-Bahn U6 (Friedrichstraße)
    S-Bahn S1, S2, S25 (Friedrichstraße); S5, S7, S75 (Hackescher Markt)
    Tram M1, 12 (Am Kupfergraben); M4, M5, M6 (Hackescher Markt)
    Bus TXL (Staatsoper); 100, 200 (Lustgarten); 147 (Friedrichstraße)

Abbildung aus der koptischen Bibel mit der Signatur Ms. or. oct. 331 fol. 3r || Reproduktion: Staatsbibliothek zu Berlin || CC BY-SANC 3.0

Eine Sonderausstellung des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz und der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

Anhand von herausragenden Handschriften zeigt die Ausstellung “Gläubiges Staunen” die Vielfalt der christlichen Traditionen im Vorderen Orient – von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert.

Bibelhandschriften jüdischer und orientalisch-christlicher Glaubensgemeinschaften werden gemeinsam mit islamischen Handschriften, die biblische Sujets reflektieren, präsentiert. Neben prächtig illuminierten armenischen Evangeliarien, syrischen Pergamentbibeln oder koptischen Papyri werden u.a. auch indische Miniaturen mit christlichen Motiven zu sehen sein.

Der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften war im östlichen Mittelmeerraum ein häufiges Phänomen. Die Bibel entstand im Orient – Judäa, Ägypten und Persien sind einige ihrer historischen Schauplätze. Der Islam wiederrum entstand in einem von Judentum und Christentum geprägten Umfeld; und der Koran bezieht sich an mehreren Stellen auf den biblischen Text und setzt diese Themen und Gestalten als bekannt voraus.

In der Ausstellung werden hochkarätige Handschriften aus den reichen Beständen der Orientabteilung der Staatsbibliothek für drei Monate mit islamischer Buchkunst aus der Privatsammlung Vollmer und dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Dialog treten. Anhand zahlreicher Beispiele werden so die Verbindungen zwischen christlicher und islamischer Buchkunst sichtbar: Die Illustrationen in manchen islamischen Bilderhandschriften haben nicht selten verblüffende Ähnlichkeiten mit zeitgenössischen christlichen Vorbildern aus byzantinischen, armenischen und syrischen Manuskripten, besonders aus illustrierten Bibeln. Umgekehrt reflektieren auch die christlichen Bibelhandschriften den jahrhundertelangen Kulturkontakt mit ihrer muslimischen Umwelt.

Die Ausstellung beginnt bei den Ursprüngen der Bibel mit hebräischen und griechischen Urtexten: Ein früher koptischer Kodex (4. Jh. n.Chr.) aus Ägypten mit den Sprüchen Salomos ist das älteste Objekt. Eine Besonderheit stellt eine samaritanische Tora dar, die an der Stelle des Aaronitischen Segens von den Küssen der Gläubigen dunkel gefärbt ist. Sehr seltene biblische Zeugnisse aus dem einstmals christlichen Nubien des 10./11. Jahrhunderts, die ersten jemals gefundenen Texte der nubisch-christlichen Kultur, werden zu sehen sein. Leuchtende Farben und eine direkte Bildsprache zeichnen die äthiopischen Pergamenthandschriften aus, Zeugen einer ungebrochenen tiefen Religiosität, die bis heute das christliche Äthiopien prägt. Für die reiche arabisch-christliche materielle und geistige Kultur stehen ein Evangeliar aus dem Palästina des 11. Jahrhunderts und ein wunderbar illuminiertes Prophetenbuch aus dem frühen 14. Jahrhundert. In den gezeigten muslimischen Handschriften treten vertraute biblische Gestalten und Geschichten gleichsam verändert auf und sind doch immer wiederzuerkennen. Den zahlreichen im Koran und anderen islamischen Überlieferungen zu findenden biblischen Gestalten sind etwa die Qiṣaṣ al-anbiyāʾ (Erzählungen von den Propheten) gewidmet. Die indischen Miniaturen mit zahlreichen Heiligen- und Madonnendarstellungen aus der Sammlung Vollmer zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit europäischer Kunst, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu beobachten ist.