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Arbeiten im Lesesaal des Hauses Potsdamer Str. am 9.5.2019

Am 9.5.2019 findet im Haus Potsdamer Straße von 17 – 23 Uhr wieder die Lange Nacht der Recherche statt. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf das Ostfoyer und den Gruppenarbeitsraum. Bitte richten Sie sich dennoch darauf ein, dass es im gesamten Lesesaal unruhiger werden kann als üblich.

Wenn Sie nicht an den Angeboten teilnehmen möchten, können Sie an diesem Abend von den längeren Öffnungszeiten profitieren. Der Lesesaal steht Ihnen bis circa 22.15 Uhr zur Verfügung.

Im Haus Unter den Linden sowie in der Kinder- und Jugendbuchabteilung und Zeitungsabteilung am Westhafen finden keine Veranstaltungen statt. Beide Häuser stehen Ihnen zur gewohnten Zeit mit gewohntem Service zur Verfügung.

 

“Ich bin nach Weisheit weit umher gefahren”- ein Museum für Chamisso

Adelbert von Chamisso (1781-1838), der Dichter der Romantik, Naturforscher, Botaniker, und Weltreisende schrieb:

Ich bin Franzose in Deutschland und Deutscher in Frankreich, Katholik bei den Protestanten, Protestant bei den Katholiken, Jakobiner bei den Aristokraten und bei den Demokraten ein Adliger… Nirgends gehöre ich hin, überall bin ich der Fremde.“

Seit dem 13. April 2019 hat Chamisso eine Heimstatt. Nach jahrelangen Bemühungen wurde in der ehemaligen Dependance des einstigen Cunersdorfer Schlosses unter großer Beteiligung von Mitgliedern des Fördervereins Kunersdorfer Musenhof, Spendern und Vertretern der Politik das weltweit erste Chamisso-Museum eröffnet.

Es befindet sich in Kunersdorf im Oderbruch, idyllisch zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder gelegen.

Das eigentliche Schloss Cunersdorf wurde im Krieg zerstört, doch den Schlosspark von Peter Joseph Lenné gibt es noch, hier finden wir einen Gedenkstein für Chamisso.

Bei schönem Wetter sitzt man auch im Garten, unterm Obstbaum, und kann im Faksimile der Novelle “Peter Schlemihls wundersame Geschichte” lesen.

Die farbenfrohe und elegante Ausstellung im Museum zeigt in 5 Räumen Leben und Werk des Künstlers, der mehrere Monate im Cunersdorfer Schloss weilte und dort 1813 die zur Weltliteratur gehörende Novelle schrieb.

Schlemihl Bl. 5r

 

Das ist  unsere Handschrift, „Peter Schlemiels Schicksale“ Ms. germ. qu. 1809,  und auch  der Erstdruck von 1814  werden hier  vorgestellt. In einem eigenen Raum werden alle gedruckten Ausgaben des Werkes präsentiert.

Einen Zugang zum gesamten Nachlass Chamissos bieten die digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek. Denn der Nachlass des Dichters und Jahrhundert-Forschers hat schon lange in der Staatsbibliothek zu Berlin seine Heimstatt gefunden.

Doch auch diese Papiere haben eine weite Reise hinter sich: Der während des II. Weltkrieges ausgelagerte Nachlass wurde nach Kriegsende beschlagnahmt und an die Lenin-Bibliothek in Moskau übergeben. 1958 erfolgte die Rückgabe des Nachlasses an die damalige Deutsche Staatsbibliothek in Berlin. Im Verbundkatalog Kalliope wurden nun sämtliche Lebenszeugnisse, Manuskripte und Korrespondenzen Chamissos aus dem Besitz der Staatsbibliothek archivalisch und wissenschaftlich erschlossen, seit 2014 ist der Nachlass online verfügbar.

Scriptorium: Codicological and Paleographical Aspects of Islamic Manuscripts, with a Special Focus on Manuscript Notes


Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Scriptorium: Workshops on the study of Oriental manuscripts” führte die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit der Freien Universität und der Al-Furqan Islamic Heritage Foundation vom 25.-29. März 2019 einen Workshop zum Thema „Codicological and Paleographical Aspects of Islamic Manuscripts, with a Special Focus on Manuscript Notes” durch. Obwohl sich der Workshop thematisch an ein sehr spezialisiertes Publikum mit weit fortgeschrittenen Arabisch- und Handschriftenkenntnissen richtete, gab es erfreulich viele Anmeldungen.

In einer Zeit, in der die meisten Texte in den Handschriften bekannt und erforscht sind, wendet sich der Fokus der Experten immer mehr zum Studium der Geschichte der Handschriften als Objekte hin. Die Kultur der Manuskriptvermerke/Paratexte in der „Islamicate World“ ist dabei einzigartig vielfältig und bietet erstaunliche Möglichkeiten, u. a. zur Generierung einer belastbaren Sozialgeschichte. Durch Leser- und Eignervermerke in den Handschriften können ganze historische Bibliotheken rekonstruiert oder auch Generationen von gelehrten Nutzern identifiziert werden.

Gemäß dem Anspruch des Workshops, auch als „training course“ zu dienen, wurde neben den theoretischen Einführungen und Fachvorträgen ein starker Fokus auf die so genannten „hands-on sessions“ gelegt. Damit wurde den Teilnehmern die Gelegenheit gegeben, das neu erworbene oder vertiefte Wissen direkt in der Praxis an den Handschriften umsetzen zu können. Thematisch vertieft wurden Überlieferungs-, Eigner-, Stiftungs- und Kollationsvermerke, aber auch die Bestimmung von Papier über Wasserzeichen und die Besonderheiten von „Signaturen“ in islamischen Miniaturen.

Allein in einer Handschrift konnten mehrere Besitzer und Leser identifiziert werden. Weiterhin fanden sich in derselben Handschrift aber auch datierte Vermerke zu Geburten von Söhnen und Töchtern, zu Schäden an Gebäuden bei einem Erdbeben und bei einem Hochwasser des Flusses Baradā in Damaskus; sogar die Geburt eines schwarzen Maultiers wurde festgehalten.

All diese bisher in der Kodikologie eher etwas stiefmütterlich behandelten Vermerke in Handschriften und die daraus gewinnbaren Informationen bieten also noch ein weites Betätigungsfeld für die Forscher der verschiedensten Fachrichtungen.

Das Feedback der Teilnehmer war überaus positiv. Da schon die Nachfrage bei der Anmeldung deutlich höher war als die Zahl der verfügbaren Plätze, wird die Scriptorium-Reihe auch in den nächsten Jahren kontinuierlich weitergeführt werden.