IF Design Award prämierte Ausstellung zu Gast

Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“

 Der Meersburger Droste-Nachlass, der zum Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin gehört, befindet sich seit dem Jahr 1967 als Dauerleihgabe in Münster. Die Projektgruppe »Droste | Reise | Landschaft« erarbeitete die Ausstellung, die mit dem IF Design Award 2018 ausgezeichnet wurde und für den German Design Award 2019 nominiert ist.

 

Ausstellungsdaten

12. April bis 7. Mai 2019
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-samstags 11-19 Uhr, freier Eintritt

 

6-fach frei »Im Grase«

Die Texte Annette von Droste-Hülshoffs sind hochmodern. Dies zeigen nicht nur die gegenwärtig zahlreichen literarischen Anknüpfungen an das Werk und Leben der westfälischen Autorin wie jüngst von Karen Duve oder das vor kurzer Zeit im de Gruyter-Verlag erschienene, mehr als 800 Seiten schwere wissenschaftliche Droste-Handbuch. Auch die literarische Wanderausstellung Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“ macht diese Modernität insbesondere mit dem Ausstellungsmodul ≫Ich-Ort der Poesie≪ eindrücklich erfahrbar. Zu sehen ist dies in Berlin ab dem 12. April in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße.

In der Ausstellung können sich die Besucher in bisher ungekannter Form und gewissermaßen mit allen Sinnen auf das Gedicht „Im Grase“ einlassen. In diesem für ihr Werk ganz zentralen Text unternimmt die Autorin eine höchst virtuose, imaginäre Reise – und gibt dabei zugleich Einsicht in ihren eigenen poetischen Schaffensprozess.

Für die Wanderausstellung ist eben dieses Gedicht in einer interdisziplinären Zusammenarbeit aus Literaturwissenschaftlern und Kuratoren, Gestaltern, Komponisten, Rezitatoren und Programmierern in eine virtuelle Realität überführt. Mittels einer Virtual-Reality-Brille ist diese Interpretation durch den Besucher erfahrbar: Bequem in einem Schaukelstuhl sitzend, kann die Installation durch Bewegungen beeinflusst und so die Erfahrung mit ihr ganz individuell gestaltet werden – eine Option innerhalb virtueller Realitäten, die „6DoF – 6 Dimensions of Freedom“ heißt, sechs Freiheitsgrade in der Bewegung eines Körpers im dreidimensionalen Raum (oben/unten, links/rechts, vor/zurück). Mit ihrer innovativen virtuellen Installation beschreitet die Literaturausstellung, die von der ≫Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft≪ getragen und konzipiert und von den Münsteraner Partneragenturen DBCO GmbH und BOK+Gärtner GmbH gestalterisch umgesetzt wurde, Neuland – und präsentiert sich ebenso modern, wie es die Texte Annette von Droste-Hülshoffs selbst sind.

Annette von Droste-Hülshoff konnte von derart vielfacher Freiheit, vom freien und ungebundenen Reisen großen Ausmaßes, nur träumen: Eingeschränkt durch eigene Krankheit, durch Familienpflichten wie Pflegedienste und – als alleinstehende adelige Frau im 19. Jahrhundert – zugleich durch gesellschaftliche Konventionen, spielte sich ihr Leben im Wesentlichen zwischen dem heimischen Münsterland und dem Bodensee ab, wo ihre Schwester lebte und wo Droste selbst 1843 das Fürstenhäuschen erwarb.

Dass sie die Landschaften, die sie bereisen konnte – neben dem Münsterland und dem Bodensee auch das Paderborner Land, das Sauerland und das Rheinland – vortrefflich zu beschreiben wusste, davon legen ihre Prosatexte wie „Westfälische Schilderungen aus einer westfälischen Feder“ und „Bei uns zu Lande auf dem Lande“ ebenso Zeugnis ab wie ihre zahlreichen Briefe und Gedichte. Viel weiter noch als in der Wirklichkeit reiste die für ihre Landschaftsgedichte wie „Der Knabe im Moor“ berühmte Autorin aber in ihrem Kopf – inspiriert von Lektüren und Gesprächen, getrieben von einer tiefen Sehnsucht in die Ferne und der eigenen dichterischen Phantasie. Neben den Reisebedingungen selbst werden in der Ausstellung auch diese imaginären Kopfreisen thematisiert, mit denen sich Droste eine Welt weit über die realen Reisen hinaus erschloss.

Auch nach Berlin schaffte es Droste nie. Doch auch wenn sie nie persönlich hier war – ihre zweite Gedichtausgabe, die 1844 im Stuttgarter Cotta-Verlag erschien, fand hier große Beachtung: „In Berlin scheinen die Gedichte sehr gut fortzukommen, Onkel Fritz sagt, August habe geschrieben, sie machten dort Furore, – du weist aber wie August die Taschen immer voll Mandeln und Rosinen hat, und ihm wird auch Jeder das Beste darüber sagen, – doch scheint‘s jedenfalls gut zu stehn, wenn man auch zwey Drittel substrahirt. … die Preußen sind allerdings auf meiner Seite“ (Brief Annette von Droste-Hülshoffs an ihre Schwester Jenny von Laßberg vom 20. Dezember 1844).

 

Die Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft

Die folgenden Institutionen haben die Ausstellung konzipiert und freuen sich, diese nun auch dem Berliner Publikum vorzustellen:

  • Droste-Forschungsstelle der Literaturkommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe,
  • Droste-Forum e.V.,
  • Kreismuseum Wewelsburg,
  • Stadtmuseum Brakel,
  • Stadtmuseum Paderborn

 

Honorarfreie Pressebilder

https://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

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