Max-Herrmann-Preis 2019 an Freshta Karim aus Kabul/Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad/Irak

Die wichtigste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird, geht am Dienstag, 24. September 2019, an zwei junge Frauen, die sich in ihren von Krieg teils zerstörten Heimatstädten für den Zugang zu Bildung einsetzen: Freshta Karim aus Kabul/Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad/Irak. Die Laudatio hält Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin.

Die Preisträgerinnen:

Die 27-jährige Freshta Karim kehrte nach ihrem Studium in Oxford zurück und gründete 2017 die gemeinnützige Organisation „Charmaghz“ und begann mit dem Aufbau einer mobilen
Bibliothek. Hier können Kinder Bücher entdecken, hier wird ihre Neugierde geweckt, hier bekommen sie Antworten auf ihre Fragen. Freshta Karim ist überzeugt davon, dass kritisches
Denken entscheidend ist für eine lebenswerte Gesellschaft, für den Aufbau von Afghanistan.

Bara’a Al Bayati studierte zunächst Ingenieurwissenschaften, bevor sie als erste Frau eine Buchhandlung eröffnete und so in das traditionsreiche, stets von Männern dominierte Gewerbe
einbrach. Zugang zu Bildung, zu Literatur will ihr Laden jedem ermöglichen. Sie sieht sich selbst als Beispiel, dass Frauen ein Recht auf Bildung, auf Selbständigkeit und eine eigene hörbare Stimme haben.

Die Begründung der Jury:

„Freier Zugang zu Büchern und Bildung für alle mag uns Europäerinnen und Europäern selbstverständlich sein. Wie leicht vergessen wir darüber, dass in vielen Ländern dieser Welt dieser Reichtum in Büchern zur Bildung des Geistes wie des Herzens nur wenigen offensteht. Geringes Einkommen, das falsche Geschlecht, eine zerstörte Infrastruktur – es gibt viele Hindernisse auf dem Weg zur Bildung. Wenn wir Freshta Karim und Bara’a Al-Bayati auszeichnen, so sind sie sicherlich nicht die einzigen, die sich für Bildung als Signal der Hoffnung für eine bessere und gerechtere Zukunft in ihrem Land einsetzen. Sie tun dies aber in ihren von kriegerischen Konflikten bis heute stark gezeichneten Ländern. Das verdient Anerkennung, die wir mit der Verleihung des Max-Herrmann-Preises zum Ausdruck bringen wollen.“, begründet der Juryvorsitzende und Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., André Schmitz, die Entscheidung.

Max-Herrmann-Preis:

Seit dem Jahr 2000 verleihen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V.  den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht hat. Zu den von einer Jury ausgewählten Preisträgern gehörten bislang neben anderen der frühere Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe, Dr. Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, der Schriftsteller Günter de Bruyn, der israelische Künstler Micha Ullman, der Filmregisseur Wim Wenders sowie im vergangenen Jahr die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB).

 

Max Herrrmann, Photographie, entstanden im Atelier Hülsen, , Datum der Aufnahme unbekannt. Staatsbibliothek zu Berlin – PK

Zur Biographie von Max Herrmann:

Der Preis ist nach dem bedeutenden Literaturwissenschaftler Max Hermann (1865 – 1942) benannt, der 1923 an der Humboldt-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. 1933 verlor Max Herrmann seine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und hatte unter den weiteren Schikanen des nationalsozialistischen Regimes zu leiden. So durfte er in der Staatsbibliothek keine Bücher mehr ausleihen, durfte diese lediglich – über siebzigjährig – am Stehpult einsehen. Im Jahr 1942 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert und starb dort nach wenigen Wochen.

 

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