Die Vermessung der Handschrift
Interdisziplinäre Zukunftsfelder der Handschriftenforschung zwischen Digital Humanities, Materialanalytik und Kodikologie
Tagung vom 6.–8. Oktober 2027 in Hamburg
Im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften werden Handschriften heute – nicht zuletzt dank technologischer Entwicklungen wie Digitalisierungsverfahren, Datenprozessierung und Materialanalyse – intensiver als je zuvor als unikale Objekte in ihrer physischen Beschaffenheit erforscht. Zwar ist Handschriftenforschung von jeher ein genuin interdisziplinäres Feld; mit dem Einsatz digitaler und materialanalytischer Methoden gewinnt diese Interdisziplinarität jedoch eine neue Qualität, erfordert sie doch einen fächer- und institutionenübergreifenden Austausch in mehreren Dimensionen: zwischen verschiedenen kodikologisch orientierten Disziplinen ebenso wie zwischen geisteswissenschaftlichen und natur- bzw. informationswissenschaftlichen Fächern, darüber hinaus zwischen Forschungs- und bestandshaltenden Kulturerbeeinrichtungen.
Der Einsatz neuer Technologien bringt große Herausforderungen mit sich, sowohl im organisatorisch-infrastrukturellen Bereich als auch hinsichtlich ethischer Aspekte sowie der Transparenz und Reproduzierbarkeit von Forschungsprozessen; zugleich liegt in dem damit einhergehenden interdisziplinären und transinstitutionellen Dialog eine immense Chance für alle beteiligten Akteur:innen, Synergien zu schaffen, gemeinsame Infrastrukturen aufzubauen und nicht zuletzt auch neue förderpolitische Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Die geplante Tagung versteht sich daher als Plattform für den Austausch und die Vernetzung über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg sowie als Ideenwerkstatt für einen gemeinsamen Weg in eine zukunftsorientierte datenzentrierte Handschriftenforschung.
Zum Konzept der Tagung
Im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften werden Handschriften heute intensiver als je zuvor als unikale Objekte in ihrer physischen Beschaffenheit erforscht. Dass sich dieser Forschungsansatz in der Breite etablieren konnte, wurde durch technologische Entwicklungen wie Verfahren zur (Massen-)Digitalisierung, Datenprozessierung und Materialanalyse überhaupt erst ermöglicht: So sind in jüngerer Zeit nicht nur große Mengen handschriftenbezogener Daten im virtuellen Raum niedrigschwellig verfügbar geworden; auch für das menschliche Auge unsichtbare physische Eigenschaften von schrifttragenden Objekten können nun mit hoher Präzision sichtbar gemacht und analysiert werden. Dies eröffnet neue Perspektiven auf die materielle Überlieferung von Texten, bringt zugleich aber auch grundlegende Veränderungen von Forschungsdesigns und -prozessen mit sich.
Handschriftenforschung ist von jeher ein genuin interdisziplinäres, vom Zusammenwirken verschiedener geisteswissenschaftlicher Fächer geprägtes Feld. Mit dem Einsatz digitaler und materialanalytischer Methoden gewinnt diese Interdisziplinarität jedoch eine neue Qualität, erfordert sie doch einen fächer- und institutionenübergreifenden Austausch in mehreren Dimensionen: zwischen verschiedenen kodikologisch orientierten Disziplinen ebenso wie zwischen text- bzw. inhaltsbezogenen geisteswissenschaftlichen und natur- bzw. informationswissenschaftlichen Fächern, darüber hinaus zwischen universitären und bestandshaltenden Einrichtungen sowie auch zwischen verschiedenen Sparten von Kulturerbeeinrichtungen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit kann dabei nicht nur punktuell erfolgen, denn sie betrifft den gesamten Forschungsprozess von der Konzeption über die Durchführung bis hin zur nachhaltigen Ergebnispublikation und -sicherung.
Den Ausgangspunkt technikgestützter Untersuchungsverfahren bildet das physische Objekt. Als Ergebnis entstehen jedoch häufig umfangreiche Datenmengen, die dieses Objekt im digitalen Raum abbilden und in vielen Fällen einer komplexen fachübergreifenden Interpretation bedürfen, um für kodikologische Fragestellungen nutzbar zu werden. In diesem Prozess gilt es, sich interdisziplinär und über Institutionengrenzen hinweg über Aspekte der Transparenz und Reproduzierbarkeit bezüglich der Datenproduktion und -qualität sowie über ethische Belange zu verständigen, insbesondere bei KI-erzeugten oder -bearbeiteten Daten. Auch organisatorisch-infrastrukturelle Aufgaben hinsichtlich der Herstellung und Archivierung von Daten lassen sich nur kooperativ bewältigen.
In dem durch neue Technologien eröffneten interdisziplinären und transinstitutionellen Dialog liegt neben den genannten Herausforderungen zugleich eine immense Chance für alle beteiligten Akteur:innen, Synergien zu schaffen, gemeinsame Infrastrukturen aufzubauen und nicht zuletzt auch integrative Strategien sowie neue förderpolitische Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Die geplante Tagung versteht sich daher als Plattform für den Austausch und die Vernetzung über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg sowie als Ideenwerkstatt für einen gemeinsamen Weg in eine zukunftsorientierte datenzentrierte Handschriftenforschung.
Zu Format und Ausrichtung der Tagung
Die geplante Tagung steht in enger Verbindung mit der 2023 in Freiburg durchgeführten Konferenz „Archäologie der Handschrift – Erschließung, Präsentation und Forschung im digitalen Raum“ und versteht sich sowohl hinsichtlich ihres thematischen Fokus als auch ihres Formats als deren Fortsetzung. Auch die Hamburger Tagung wird von einem institutionenübergreifenden Team aus Forschungs- und Kulturerbeeinrichtungen vorbereitet: Mit dem Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) / Exzellenzcluster Understanding Written Artefacts (Universität Hamburg) ist ein durch seine interdisziplinäre und materialanalytische Ausrichtung bedeutsamer universitärer Akteur beteiligt; die Seite der Kulturerbeeinrichtungen wird durch die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg sowie durch das Handschriftenzentrum der Staatsbibliothek zu Berlin repräsentiert. Ein Programmausschuss von ausgewiesenen Forschenden und Angehörigen weiterer Bibliotheken und Archive unterstützt die Organisator:innen.
Zielpublikum der Tagung sind das wissenschaftliche Personal von Kulturerbeeinrichtungen (Handschriftenzentren, Altbestandsbibliotheken, Archive und Museen) ebenso wie handschriftenbezogen Forschende an Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen (z.B. Akademien). Ein Novum stellt die geplante verstärkte Einbindung auch von Vertreter:innen aus Forschungsfördereinrichtungen und Wissenschaftspolitik dar, um Möglichkeiten gemeinsamer strategischer Zielsetzungen auszuloten.
Um eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit den angesprochenen Themen zu ermöglichen und zugleich ausreichend Raum für Vernetzung und Gespräche zu schaffen, wurden unterschiedliche Formate konzipiert. Die in fünf Sektionen gegliederten Vorträge werden jeweils vor der Diskussion durch eine kurze Responsio einer Person aus einem anderen institutionellen bzw. fachlichen Kontext ergänzt. Zudem sind Formate zum niedrigschwelligen Austausch wie eine Poster- und eine Vernetzungssektion vorgesehen.
