11. Dezember

Schön, dass Sie den Weg durch unser heutiges Türchen gefunden haben – machen Sie doch gleich mit einer Handvoll virtueller Briefe weiter. Obwohl statt von Briefen hier eher von kleinen Kunstwerken die Rede sein müsste. Denn das postalische Konvolut, das Sie heute entdecken können, stammt aus der Feder des Graphikers Fritz Fischer (1911–1968). Fischer hatte an den Kunstakademien in Dresden und Leipzig studiert und sich als Pressezeichner und Buchillustrator verdingt. Für verschiedene Verlage, von Insel bis Bertelsmann, illustrierte er Werke von E.T.A. Hoffmann, Wilhelm Hauff oder Honoré de Balzac. Sein vielseitiges Werk reicht von Illustrationen für Pflanzenbücher, über die erwähnten belletristischen Buchgestaltungen, bis hin zu satirischen Skizzen und Karikaturen.

Hören und sehen Sie in unserer kleinen multimedialen Auswahl, welche Themen und Begebenheiten Fritz Fischer in dem Briefwechsel kommentiert und illustriert!

Fischer erkundigt sich nach Schneiders Befinden und berichtet euphorisch von einer fruchtbaren Schaffensphase.

Hören Sie, wie Fritz Fischer Schneider darum bittet, aus den bereits an diesen versendeten Heften mit Illustrationen zu den Elixieren des Teufels von E.T.A. Hoffmann, einen für eine Weihnachtskarte passenden Satz herauszusuchen.

Fischer schreibt begeistert von seiner Arbeit an Wilhelm Raabes Vom alten Proteus.

Fischer berichtet in bissiger Weise von seinen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit einem Autor, den er als „nonchalanten Säulenheiligen“ bezeichnet – samt passender Karikatur auf dem Kuvert.

Fischer verwendete vielfältige Briefformate, hier länglich und auf Buntpapier. Er berichtet von anstregenden Arbeitsphasen, die hinter ihm liegen und schöpft neue Inspiration.

Auf diesem Kuvert setzte er ein Interview-Zitat des Künstlers Ernst Wilhelm Nay in eine Karikatur um.

Im Brief selbst wird der geschriebene Text zum Teil der Zeichnung. Hinter den handschriftlichen Zeilen lässt sich ein Mann erkennen, der durch die Wand aus Text hindurchlugt – eine Anspielung auf die Novelle „Der Mann, der durch die Wand gehen konnte“ des französischen Schriftstellers Marcel Aymé.

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Der Briefwechsel wird in der Handschriftenabteilung aufbewahrt und wurde auch im Hoffmann-Portal schon einmal vorgestellt. Versammelt sind hier die die Briefe, die Fritz Fischer ab dem Jahr 1958 an den befreundeten Lyriker, Übersetzer und Lehrer Georg Schneider schrieb. Fischer und Schneider hatten gemeinsam an dem Band ‚Fasching – Fastnacht – Karneval: Gedichte und Prosa‘ gearbeitet, der 1960 in München erschien, und auch danach weiter Briefkontakt gehalten. Georg Schneider war für Fischer dem Briefwechsel nach ein wichtiger Kontakt nach München, da dieser mehrfach Illustrationshefte an Verleger vermittelte oder in München andere Kontakte herstellen konnte. Der Briefwechsel jedenfalls lädt zu vielversprechenden Auseinandersetzungen ein: etwa mit den Zeichenpraktiken eines Buchgraphikers, der Zirkulation von Zeichnungen und Skizzen oder der Ökonomie illustrierter Bücher in der jungen Bundesrepublik.

Fischer thematisiert und bebildert im Briefwechsel aber nicht nur seine jeweils aktuellen Arbeitsprojekte. Genauso bestückt er Berichte von Disputen mit seinen Verlegern, Kommentare zur Kulturpolitik, dem Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft oder den Eigenheiten der schwäbischen Kleinstadtbevölkerung mit zahlreichen Zeichnungen. Der Briefwechsel vermittelt einen einmaligen Eindruck vom vielseitigen Schaffen des Graphikers. Er belegt seine äußerst gewissenhafte Arbeitsmethode (Fischer schrieb häufig ganze Werke ab, um sich in deren Inhalt zu versenken) und gleichzeitig seinen Sinn für feine Ironie. Im Brief vom 12. Dezember finden Sie Hinweise zum effizienten Erstellen von Weihnachts-Grußkarten – vielleicht ein nützlicher Tipp für die eigenen Weihnachtsvorbereitungen?

Rechtshinweis: Das Briefmaterial ist urheberrechtlich geschützt.

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