22. Dezember

Die Kurfürstenbände sind das Herz der Bibliothek! Sie bezeugen mit ihrer charakteristischen Erscheinung den Gründungsbestand der Staatsbibliothek zu Berlin, die im Jahre 1661 als Kurfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) gegründet wurde.

Ursprüngliche Pläne sahen ein eigenes repräsentatives Bibliotheksgebäude in der Nähe des Berliner Schlosses vor, in dessen sogenanntem Apothekenflügel sich die kurfürstliche Bibliothek im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts befand. Für eine prachtvolle kurfürstliche Bibliothek sollten nun auch die Bücher einen repräsentativen Einband erhalten: in roter Farbe und goldverziert. Ein vollständiges Ersetzen der vorhandenen Einbände war aus Kostengründen nicht möglich. So wurden lediglich die Einbände mit Firnis rot gefärbt und für ein einheitliches Erscheinungsbild im Regal die Buchrücken ersetzt. Auf jedem dieser Buchrücken befinden sich die Initialen des Großen Kurfürsten FW und das Kurzepter unter dem Kurhut. Die ursprünglich mit goldener Farbe versehene Prägung ist neben der typischen roten Färbung das Erkennungsmerkmal der Kurfürsteneinbände bis in die Gegenwart.

Nicht nur dieses Beispiel zeigt: Bucheinbände können spannende Geschichten erzählen, die weit über den Inhalt des Buches hinausgehen. Sie bezeugen mitunter frühere Buchbesitzer oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Buchsammlungen. Die Verzierungen auf historischen Bucheinbänden lassen Rückschlüsse auf die Buchbindewerkstatt und die verwendeten Werkzeuge zu. Die Einbandforschung ist ein Schwerpunkt der Arbeit in der Abteilung Historische Drucke.

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