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Die deutschsprachigen Periodika in der habsburgischen Bukowina: Gedächtnisort und Austauschplattform in der Habsburgermonarchie

Gastbeitrag von Dr. Cristina Spinei

Die habsburgische Bukowina als Erkundungsraum bietet nicht nur in der Belletristik, sondern auch in den Periodika der Zeit Stoff für Auseinandersetzungen, Beobachtungen, objektive wie auch lyrische Reflexionen. Eine solche Dokumentation greift soziale, historische und literarische Diskurse auf, bringt sie in einem größeren Ganzen zusammen und reintegriert die einzelnen Konnotationen und Images, das Hintergrundwissen in unterschiedlicher Weise. Blättert man in den Czernowitzer Zeitungen – denn die meisten sind ja in der Hauptstadt erschienen –, stößt man immer wieder auf Spuren der Bukowiner Vergangenheit. Der chronologische Faden des wirtschaftlichen Aufstiegs und sozial-historisch bedingten Verfalls, der Lebensfreude und der Kapitulation, des Versponnenen und Visionären definieren den Genius loci dieser faszinierenden Provinz.

Blätter wie Czernowitzer Allgemeine Zeitung, Czernowitzer Morgenblatt, Bukowinaer Post, Bukowiner Rundschau oder Ostjüdische Zeitung – um nur einige Beispiele zu nennen – können als Ergebnis der Bukowiner Spurensuche betrachtet werden, und bei der Lektüre stößt man auf ein dichtes Netz an Erzählungen: über die Errichtung, Umgestaltung und Zerstörung einer Welt – der mitteleuropäischen Welt – und einer emblematischen Stadt – Czernowitz, bis zu den Lebenswegen und Erinnerungen der darin wirkenden Menschen.  So wird eine mehrdimensionale Perspektive auf das Leben in der damaligen Zeit eröffnet, und ein Stück Bukowiner Zeitgeschichte erschließt sich. Hinter den dargestellten Orten wird jene Atmosphäre kreiert, die den Genius loci eines Standortes beseelt und dessen sinnbildliche Wirklichkeit schafft. Es ist das erzählte Leben, das auch feste Mauern zum Schwingen bringt. Die Historien der Kaffeehäuser, Kasernen, Gymnasien, Theater, Pensionen stehen für einen ungewöhnlich beweglichen, aber auch tragischen Ausschnitt Bukowiner und habsburgischer Geschichte der Zwischenkriegszeit bis zum Zweiten Weltkrieges mit seinem virulenten Antisemitismus.

Ein Überblick über die beeindruckende Zahl von in Czernowitz bis 1940 gedruckten Zeitungen und Zeitschriften verweist auf eine modellhafte Legende des Urbanen: auf eine in Mitteleuropa einzigartige kulturelle Realität, in deren plurikulturellem Kontext die deutsche Sprache als lingua franca im Kontakt zwischen Sprachen, Konfessionen, Kulturen fungierte.

Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl der Bukowina, zeugen diese Periodika von einer im Vergleich zu anderen europäischen Regionen ungewöhnlich hohen Dichte von Kommunikationsmedien. Darüber hinaus stellten die deutschsprachigen Zeitungen in Czernowitz einen Mikrokosmos dar, der den Makrokosmos der heterogenen mitteleuropäischen Region widerspiegelt: Hier kommt die besondere und weitreichende Orientierung der lokalen Stadtbevölkerung an den mitteleuropäischen Kulturmustern (Wien, Budapest, Prag) zum Ausdruck.

Fakt ist, dass die ehemalige Bukowina und deren Hauptstadt Czernowitz ein historisches Schicksal hatten, an dem sich in vielerlei Hinsicht das demographische, politische und konfessionelle Szenarium der letzten 250 Jahre in Mitteleuropa ablesen lässt. In ihrer geografischen Umgebung verlief die Entwicklung in vielem ähnlich, dennoch besitzt die Region eine unbestreitbare, aus ihrer Geschichte abzuleitende Individualität.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Czernowitz mit dreisprachigen Straßenschildern versehen – Rumänisch, Deutsch und Ruthenisch. Dieses teilweise auch aus der habsburgischen Herrschaft ererbte pluriethnische Ambiente zerfiel zusammen mit der Monarchie unaufhaltsam, in der Bukowina konnten die alten, infolge von Gewalt und Terror degradierten Strukturen in fremd gewordenen Landschaften nicht mehr aufrechterhalten werden.  Die menschliche Vernichtung und die Negation humaner Werte, die Deportationen und ein mehrfacher Exodus aus der Bukowina am Anfang des Zweiten Weltkrieges änderten zusätzlich ihre demographische, kulturelle und soziale Struktur massiv. Die Errichtung der kommunistischen Diktatur in beiden Teilen der zertrennten Provinz wandelte sie dann noch einmal, kaum weniger radikal. Die Konturen der mitteleuropäischen Welt der Kindheit und Jugend von Schriftstellern wie Gregor von Rezzori oder Georg Drozdowski waren für immer entschwunden.

 

Frau Dr. Cristina Spinei, Universität Iaşi, Rumänien, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2017 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: “Gruppenidentität in der Bukowina als kommunikative Konstruktion der Nation: Das Beispiel der Czernowitzer Presselandschaft (1890 – 1914)”

Buchpatenschaft für den Monat September

Die Buchpatenschaft für den Monat September ist der einzige in Deutschland erhaltene Band des Allensteiner Kreis=Blatt aus dem Jahr 1868/69. Am Sonnabend, 1. August 1868  ist hier zu lesen:  “Derjenige, welcher Reib= oder Streichhölzer, Phosphor, Pyropapier, Aether, Photogen, Petroleum oder andere leicht entzündliche Gegenstände, oder ätzende Flüssigkeiten unter unrichtiger Deklaration oder mit Verschweigung des Inhalts der Sendung zur Post aufgiebt, wird mit einer Geldstrafe bis zu 10 Thlr. belegt.” Neben amtlichen Veröffentlichtungen dieser Art und Nachrichten wird man auch darüber informiert, welche Waren und Dienstleistungen angepriesen werden. So empfiehlt “hochachtungsvoll S. Salzmann” Walnüsse, bunte Paraffin- und bemalte Wachslichte im Allensteiner Kreis=Blatt für Weihnachten in der Beilage zu Sonnabend, 27. November 1869.

 

 

Schäden am Einband des Allensteiner Kreisblatt, Doppeljahrgang 1868/69

Einband von Allensteiner Kreisblatt, Jahrgang 1868/1869, Bibliothekssignatur: Ztg 633; Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 Staatsbibliothek zu Berlin-PK.

Allensteiner Kreisblatt – 1868/69
Bibliothekssignatur: 8° Ztg 633

Das Alleinsteiner Kreisblatt wurde von dem aus Leipzig stammenden Verleger Karl-Heinrich Harich in Allenstein, Ostpreußen (heute Olsztyn in Polen) von 1842 bis 1869 herausgegeben. Es war das zentrale Veröffentlichungs-, Verkündigungs- und Anzeigenblatt des preußischen Landkreises Allenstein, der von 1818 bis 1945 in Ostpreußen das süd-westliche Ermland umfasste und südlich und westlich an Masuren grenzte.

Der vorliegende, auf sehr gut erhaltenem Hadernpapier gedruckte, kleinformatige Doppeljahrgangsband 1868/69 umfasst 396 gezählte Seiten und ist unikal in Deutschland. Ein früherer Schimmelbefall in Folge eines Wasserschadens wurde im Jahr 2014 durch Trockenreinigung beseitigt.

Nötige Reparaturen: Einband- und Buchblockschaden beheben

Aufgeschlagene Seite aus dem Band "Allensteiner Kreisblatt" vom 27. November 1869

Beilage zur Nr. 50 des “Allensteiner Kreisblatt”, Sonnabend, den 27. November 1869

Kalkulierte Kosten: 215 €

 

 

 

 

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieser Zeitungsband restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de
  • Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.
Leihschein ade - Zeitungen online bestellen - Lizenz: CC-BY-NC-SA

Das Ende der Zettelwirtschaft – Materialien der Zeitungsabteilung online bestellbar

Lange hat es gedauert, aber seit Montag, dem 22. Mai 2017, ist für die Bestellung von Materialien aus der Zeitungsabteilung auch das Online-Zeitalter angebrochen. Bislang mussten sich nicht nur die Leserinnen und Leser sondern auch die Beschäftigten der Zeitungsabteilung im Ausfüllen gelber Bestellscheine für die Bereitstellung von Zeitungen auf Mikrorollfilm oder als Papieroriginal bemühen. Das war nicht nur umständlich und fehleranfällig, sondern vor allem auch sehr zeitaufwändig.

Damit ist es nun vorbei. Wie bei den Beständen aus dem Hauptmagazin schon seit langem üblich, sind nun auch die Magazinbestände der Zeitungsabteilung im StabiKat mit einer Verfügbarkeitsanzeige versehen und können über das Ausleihsystem bestellt werden. Einige Besonderheiten gibt es allerdings zu beachten:

  • Nicht online bestellbar bleiben alle Papieroriginalbände, die bereits verfilmt sind, von denen es also schon Mikrorollfilme gibt, die online bestellbar sind.
  • Alle Mikrorollfilme, die von der Freien Universität Berlin als Dauerleihgabe an die Staatsbibliothek zu Berlin gegeben worden sind, können aus technischen Gründen nicht in der Mediendatenbank erfasst werden, in Form einer Freitextbestellung können aber auch sie elektronisch bestellt werden.
  • Weiterhin gibt es Bestandsübernahmen aus anderen Einrichtungen, die noch nicht eingearbeitet wurden. Diese Bestände können wie bisher nur vor Ort, telefonisch oder per E-Mail bestellt werden.
  • Die in der Zeitungsabteilung bestellten Materialien werden nicht auf dem Bibliothekskonto verbucht, aber Leser/innen erhalten in ihrem Bibliothekskonto eine Information über den Status der jeweiligen Bestellung, z.B. dass die bestellten Materialien zur Einsicht im Lesesaal bereitliegen oder nicht bereitgestellt werden konnten mit der Angabe des jeweiligen Grundes.

Kleiner Wermutstropfen: Leider können derzeit noch nicht mehrere physische Medieneinheiten auf einmal bestellt, sondern immer nur einzeln. Die Einführung der sogenannten „Warenkorbfunktion“ ist aber geplant.

Wenn zum Start der Online-Bestellung ab dem 22. Mai noch nicht alles ganz rund laufen sollte, bitten wir um Nachsicht und freuen uns auf Ihr Feedback, damit wir schnell alle Fehler und Mängel erkennen und beseitigen können. Am besten schreiben Sie uns per E-mail an die Adresse: zeitungsabteilung@sbb.spk-berlin.de mit dem Betreff: „Feedback Online-Bestellung“.

Vielen Dank sagt das Team der Zeitungsabteilung