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Über die ästhetische Erziehung. Adam Friedrich Oeser und der junge Goethe.

Vortrag mit Dr. Petra Maisak

„Was binn ich Ihnen nicht schuldig, Theuerster Herr Professor, dass Sie mir den Weeg zum Wahren und Schönen gezeigt haben? Den Geschmack den ich am Schönen habe, meine Kenntnisse, meine Einsichten, habe ich die nicht alle durch Sie?“ Goethe, 9. November 1768.

Als das „Kollektivwesen“ Goethe sich frühzeitig zu formen begann, trug Adam Friedrich Oeser (1717–1799) maßgeblich zur Entfaltung bei. Goethe, der sein reguläres Studium in Leipzig ziemlich lustlos absolvierte, lebte auf, als er 1765 mit 16 Jahren in die von Oeser geleitete Zeichenakademie in der Pleißenburg eintrat. In Oeser fand der Student einen Mentor und Freund, der ihn in die Schönen Künste einführte und in seinen Familienkreis aufnahm. Der Zeichenunterricht spielte dabei eine nebensächliche Rolle; viel wichtiger war die Schule des künstlerischen Sehens, die Bildung des Geschmacks und der ästhetischen Urteilskraft. Oeser verstand es, bei seinem Schüler Begeisterung zu wecken, so dass seine Anregungen auf fruchtbaren Boden fielen. Natur und Gefühl, das Schöne und das Wahre wurden für den jungen Goethe zu Schlüsselbegriffen, die seine ästhetische Wahrnehmung lange bestimmten.

Im Kontrast zu den spätbarocken, biederen Frankfurter Künstlern war der weltläufige, gut ausgebildete Oeser auf der Höhe seiner Zeit. In seinem Werk verband er Elemente der Empfindsamkeit mit dem Frühklassizismus, den er als Freund von Winckelmann auch seinen Schülern nahebrachte. Wie tiefgreifend der Einfluss war, der in Leipzig von Oeser ausging, beweist die authentische Korrespondenz. In historisch und literarisch gefilterter Form zeugt auch das 8. Buch von „Dichtung und Wahrheit“ davon.

Es gibt noch ein Nachspiel: Bevor Goethe nach Weimar ging, hatte Oeser schon gute Beziehungen zu Herzogin Anna Amalia aufgebaut. Er arbeitete lange Jahre für den Weimarer Hof und trat damit wieder in Kontakt zu seinem früheren Schüler. Das gute Verhältnis endete mit Goethes Italienreise und schlug während der Weimarer Klassik in Kritik um.

Eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Berlin e.V.