Beiträge

Berlin vor hundert Jahren – tageszeitungsgenau

Zeitungen sind historische Quellen von unschätzbarem Wert. In den großen Bibliotheken Deutschlands wird seit einigen Jahren konzentriert an der Digitalisierung dieses Teils des schriftlichen Kulturerbes gearbeitet: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat einen entsprechenden Förderschwerpunkt definiert, es wird an dem Aufbau eines nationalen Nachweisportals für Zeitungen gearbeitet, der Katalog der Zeitschriftendatenbank, des zentralen Nachweisinstruments u.a. für Zeitungen aus den Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen Deutschlands und Österreichs, wurde grundsätzlich überarbeitet, und auch die Staatsbibliothek zu Berlin befasst sich in größeren Digitalisierungsprojekten vor allem mit der historischen Presse Berlins.

Was geschieht aber eigentlich mit den digitalisierten Zeitungen nachdem die Arbeit der Bibliothek beendet ist? Ein interessantes, auf die intermediale Vermittlung historischer Textzeugnisse abzielendes Beispiel ist der Podcast Aufdentaggenau. Drei Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen – Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich – haben sich im Jahr 2019 zusammengefunden, um exakt 100 Jahre alte Meldungen der Berliner Tagespresse – auf den Tag genau – in der Form eines Podcasts an die interessierte Zuhörerschaft zu bringen.

Der wissenschaftliche Anspruch und die professionelle Machart des Podcasts blieben nicht unbemerkt und führten u.a. dazu, dass das Format für die digitale Hochschullehre empfohlen wurde. Aber auch außerhalb der Universität vermag der Podcast durchaus seine informativen Reize zu entfalten. Die Staatsbibliothek zu Berlin unterstützt die Podcaster u.a. mit digitalisierten eigenen Beständen und freut sich auf weitere Einblicke in die Hauptstadtpresse vor 100 Jahren.

Mehr über diese Kooperation auf dem Feld der crossmedialen kulturellen Vermittlung erfahren Sie in der kommenden Ausgabe unseres Bibliotheksmagazins – zwar keine Zeitung, aber immerhin ein gedruckt wie digital erscheinendes Periodikum.

Text: Hans-Jörg Lieder

Zeitungsmetropole Berlin – Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Digitalisierung der historischen Hauptstadtpresse

Aufgrund von Umfang und Qualität ihrer historischen Zeitungssammlung sowie als Mitbetreiberin der nationalen Nachweisdatenbank für Periodika engagiert sich die Staatsbibliothek zu Berlin seit vielen Jahren für die Digitalisierung dieser in ihrer spezifischen Materialität so herausfordernden Gattung, z.B. im Rahmen von Europeana Newspapers. Dabei sind es keineswegs nur Format und Variantenvielfalt des Layouts von Zeitungsseiten, die hohe Ansprüche an die eingesetzte Scan- und Texterkennungstechnologie stellen. Auch das Urheberrecht erfordert besondere Vermittlungsformate wie unser DDR-Presseportal, denn kaum eine Quelle dürfte – zumindest für die zeithistorische Forschung – interessanter sein als die sprichwörtliche Zeitung von gestern.

Um den skizzierten Herausforderungen zu begegnen und die digitale Transformation dieses für zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen relevanten Mediums zu befördern, organisierte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Entwicklung eines nationalen Masterplans zur Zeitungsdigitalisierung – eine Initiative, an der neben der Deutschen Nationalbibliothek sowie den großen Häusern in Bremen, Dresden, Halle und München auch wir beteiligt waren.

Und auch bei der Umsetzung jenes Masterplans werden wir ebenfalls mit Förderung der DFG mit von der Partie sein, mit dem Projekt Die deutschsprachige Presselandschaft im ‚langen‘ 19. Jahrhundert – ein Beitrag zur Digitalisierung überregionaler Tages- und Wochenzeitungen aus Berlin und dem deutschen Osten. Ziel dieses Vorhabens ist es, ein Korpus von 22 Tages- und Wochenzeitungen hauptsächlich Berliner Provenienz von großer überregionaler Reichweite und Bedeutung mit einem Gesamtvolumen von etwa 2,7 Millionen Seiten zu digitalisieren und im Volltext unter der Public Domain Mark im Open Access zugänglich zu machen.

Zu den ausgewählten, das beispiellose Aufblühen der Berliner Presselandschaft im deutschen Kaiserreich dokumentierenden Zeitungen zählen so einflussreiche Titel wie Berliner Morgenpost, Berliner Tageblatt oder Deutsche Tageszeitung. Gemeinsam mit den übrigen werden diese Werke, die wir in den kommenden 36 Monaten bis zum Enddatum ihres Erscheinens, höchstens aber bis zum Jahr 1920 reproduzieren wollen, sowohl über unser Zeitungsinformationssystem ZEFYS und Europeana verfügbar sein als auch in dem ebenfalls mit unserer Unterstützung entstehenden Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Zeitungsjunkies werden also ganz sicher auf ihre Kosten kommen – und zwar garantiert kostenfrei!

 

Auf Ihren Wunsch nennen wir Ross und Reiter!
Konkret haben wir die folgenden Titel und Zeiträume im Blick:

 

Titel und ZDB-ID Erscheinungsverlauf (vereinfacht) Zu bearbeitender Zeitraum
1. Berliner Abendpost, 9300-2 1887 – 1921 1889 – 1921
2.  Berliner Morgenpost, 749437-3 1898 – 1945; 1952 – 1898 – 1920
3. Berliner Morgen-Zeitung, 1143083-7 1889 – 1939 1891 – 1920
4. Berliner Neueste Nachrichten, 22784-5 1881 – 1919 1889 – 1919
5. Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen …, 231505-1

6. Nachfolger: Spenersche Zeitung, 622827-6

1740 – 1872

1872 – 1874

1800 – 1874
7. Berliner Tageblatt und Handelszeitung, 341834-0 1872 – 1939 1872 – 1877
8. Das Deutsche Blatt, 1140702-5 1886 – 1908 1886 – 1908
9. Deutsche Tageszeitung, 253736-9 1894 – 1934 1894 – 1920
10. Deutsche Zeitung, 1140542-9 1896 – 1925 1896 – 1920
11. Nationalzeitung, 984287-1 1848 – 1938 1848 – 1910
12. Der Reichsbote, 125879-5 1873 – 1936 1873 – 1920
13. Staatsbürger-Zeitung, 1139513-8 1865 – 1914

1917 – 1926

1865 – 1920
14. Der Tag (Ausgabe A), 717057-9 1901 – 1921 1901 – 1921
15. Tägliche Rundschau, 749506-7 1881 – 1923

1925 – 1928

1930 – 1933

1881 – 1920
16. Urwähler Zeitung, 532362-9

17. Nachfolger: Volkszeitung, 532361-7749588-2

1849 – 1853

1853 – 1904

1849 – 1889
18. Neue Breslauer Zeitung, 824469-8

19. Nachfolger: Breslauer Zeitung, 985332-7

1820 – 1827

1828 – 1937

1820 – 1917
20. Königsberger Hartungsche Zeitung, 982123-5 1850 – 1928

1928 – 1933

1857 – 1920
21. Die konstitutionelle Monarchie, 1134521-4

22. Nachfolger: Ostpreußische Zeitung, 1000553-5

1851 – 1934 1850 – 1920

 

Fragen zum Projekt beantwortet: Hans-Jörg Lieder

Digitale Lektüretipps 10 – Aktuelle und historische Zeitungen: was gibt es online?

Ein Beitrag aus unserer Reihe Sie fehlen uns – wir emp-fehlen Ihnen: Digitale Lektüretipps aus den Fachreferaten der SBB

1955 sorgte ein Zeitungsstreik in Großbritannien dafür, dass u.a. in London über vier Wochen keine Zeitungen erschienen. Der B.Z. war dies damals Anlass genug, ihre Leser zu fragen: „Was fehlt uns, wenn die Zeitung fehlt?“ Schon seit dem 1. Dezember 2019 fehlt uns umzugsbedingt der Zeitungslesesaal im Westhafen und seit dem 14. März 2020 ist auf Grund der Corona-Prävention auch noch der Allgemeine Lesesaal im Haus Potsdamer Str. geschlossen. Nun werden sich viele fragen:

  • „Wie komme ich nun an meine Zeitungen?“
  • „Welche Zeitungen stehen mir digital zur Verfügung, kostenfrei oder im Remote Access?

Einen recht umfassenden Überblick bietet unsere Linksammlung zu elektronischen Ressourcen mit Verlinkungen zu Bibliothekskatalogen, Portalen und digital verfügbaren Einzeltiteln.

Aktuelle Zeitungen:

  • PressReader (nur letzte 90 Tage, teilweise 365 Tage von ca. 4000 Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt in diversen Sprachen)
  • Süddeutsche Zeitung ab 1991 bis heute mit Remote Access

Historische Zeitungen:

Im Zeitungsinformationssystem ZEFYS der SBB-PK stehen zur Verfügung:

  • Amtspresse Preußen mit Provinzial-Correspondenz (1863-1884), Neueste Mittheilungen (1882-1894), und Teltower Kreisblatt (1856-1896) mit Kalenderblatt- und Volltextsuche
  • DDR-Presse mit Neues Deutschland (1946-1990), Berliner Zeitung (1945-1993) und Neue Zeit (1945-1994), Kalenderblatt- und Volltextsuche mit Remote Access
  • 193 retro-digitalisierte Zeitungstitel mit Kalenderblattsuche (ohne Volltextsuche) und
  • weitere retro-digitalisierte Zeitungen in den Digitalisierten Sammlungen

Weitere Portale und Einzeltitel in Auswahl sind:

Für die Online-Ressourcen mit Remote Access beachten Sie bitte das neue, vereinfachte online-Anmeldeverfahren StabiOnline zunächst befristet bis zum 30.04.2020.

Auf der Seite Die Welt der Zeitungen – Zeitungen aus aller Welt finden Sie mit einer stabikat-Suche jetzt auch Zeitungen, die online im Remote Access oder kostenfrei zugänglich sind.

Christoph Albers