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Altes Recht im neuen technischen Gewand. Volltextsuche und mehr in den Reichsgerichtsentscheidungen RGZ und RGSt.

Noch immer ziehen Juristen und Juristinnen in Forschung, Ausbildung und Praxis die Urteile und Beschlüsse des Reichsgerichts in Zivil- und Strafsachen heran, so dass eine kontinuierliche Nachfrage nach der gedruckten und später digitalisierten Sammlung bestand. Mit der Lizenzierung der Entscheidungssammlungen RGZ und RGSt des Verlages De Gruyter als Nationallizenz im Jahre 2007 durch die Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) konnten die Inhalte einem breiten Interessentenkreis elektronisch zugänglich gemacht werden. Seit 2017 werden diese beiden Datenbanken an der SBB gehostet.

Die seinerzeit vom Verlag angebotene Suche und das Browsing waren funktional, aber wenig komfortabel. Die Oberfläche war aus heutiger Sicht wenig intuitiv und die Textsuche nur in den Leitsätzen möglich. Zudem konnte nicht grammatiktolerant gesucht werden. (Die Suche nach „Buße“ hätte „büßen“ nicht gefunden.) Das konnte für den Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, in dessen Zuständigkeit die fachliche Betreuung dieses Angebots fällt, nicht auf Dauer befriedigend sein. Aus diesem Grunde wurden durch die Abteilung Informations- und Datenmanagement der SBB technische Änderungen an den Datenbanken vorgenommen, die zunächst in einer neuen Benutzeroberfläche sichtbar wurden. Damit aber nicht genug, sollten doch auch die Suche und Ergebnisdarstellung verbessert werden. Um nicht nur in den Leitsätzen suchen zu können, wurden die vollständigen Entscheidungstexte mittels einer OCR-Software erkannt und in einen Index eingespielt. Damit ist nunmehr eine Volltextsuche möglich. Zugrunde liegt die Software Solr, die ein einfaches Suchen und Filtern relativ großer Datenmengen ermöglicht. In der Ergebnisliste werden Snippets mit dem gesuchten Begriff angezeigt, die allerdings selbst noch nicht mit dem Textteil verlinkt sind. Da die Textvorlagen in Fraktur gedruckt sind, ist die OCR-Erkennung zwar noch nicht hundertprozentig zuverlässig, aber die Verbesserung gegenüber der ausschließlichen Textsuche in den Leitsätzen ist erheblich. Zusätzlich kann die Ergebnisliste mit den Facetten Jahr, Band und Seite eingegrenzt werden. Ausführliche Informationen zu weiteren Suchmöglichkeiten in den Datenbanken finden Sie unter Hilfe. Für Sie interessante Entscheidungen können Sie mit der Checkbox Lesezeichen markieren und unter dem Reiter Lesezeichen jederzeit wieder abrufen. Über den Reiter Verlauf ist die Anzeige sämtlicher in einer Session getätigten Suchanfragen (und deren Ergebnislisten) möglich.

Wir hoffen, dass wir der interessanten Fachöffentlichkeit damit einen erheblich verbesserten Zugang zu RGZ und RGSt bieten können, geben uns mit dem bisherigen Stand jedoch nicht zufrieden. Denkbar wären noch die konkrete Anzeige, wo sich der Suchbegriff genau im Volltext befindet mit direkter Verlinkung zur Textstelle bzw. eine Markierung des Begriffs im PDF. Auch die OCR-Erkennung für Frakturschrift wird immer besser. Wir bleiben am Ball.

Dr. Oliver Schöner (IDM) und Ivo Vogel (FID für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung)

http://rgzrgst.staatsbibliothek-berlin.de/

Publikationskulturwandel – ein Online-Workshop zu Open Access in den Rechtswissenschaften

Auch in den Rechtswissenschaften gewinnt Open Access zusehends an Bedeutung. Einher geht die Öffnung akademischer Wissensbestände unter den Leitprinzipien von freier Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit mit einer Ausdifferenzierung der disziplinären Publikationskultur, wie gerade der anhaltende Erfolg juristischer Wissenschaftsblogs dokumentiert.

Um diese Prozesse nicht nur in ihrer medialen Vielfalt auszuloten, sondern zugleich auch für den prekären Status zahlreicher neuer Publikationsformate sowie für die kaum zu überschätzende Herausforderung der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle zu sensibilisieren, laden Open-Access-Büro Berlin und Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung am 10. Dezember 2020 (10:00 Uhr bis 15:00 Uhr) ein zu einem gemeinsamen Vernetzungsworkshop. Diese im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network organisierte Online-Veranstaltung richtet sich zwar in erster Linie an die Angehörigen von wissenschaftlichen Bibliotheken, Universitätsverwaltungen und anderen Einrichtungen der (inter)nationalen Informationsinfrastruktur. Aber selbstverständlich sind auch Forschende herzlich willkommen – eine Zielgruppe, die wiederum im Mittelpunkt eines Folgeworkshops zu Beginn des kommenden Jahres stehen soll.

Wir freuen uns in jedem Fall auf eine perspektivenreiche Tour de Publikationskultur – vielleicht sogar ja zusammen mit Ihnen?

Historische Rechtskultur & offene Publikationskultur – Alle Bände der ‘Edition Rechtskultur’ jetzt im Open Access

Pressemitteilung der Universität Regensburg

Befördert durch zahlreiche wissenschafts- und förderpolitische Impulse auf nationaler wie europäischer Ebene, gewinnt das Open Access-Publikationsmodell auch in den Rechtswissenschaften zusehends an Bedeutung. In der Absicht, die Idee des offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen in den Grundlagen- und interdisziplinären Grenzbereichen juristischer Forschung breiter zu etablieren, bereitet die von Martin Löhnig (Universität Regensburg) in Verbindung mit Ignacio Czeguhn (Freie Universität Berlin) herausgegebene Edition Rechtskultur ihre Open Access-Transformation vor. Als wichtige Etappe auf dem Weg zur geplanten Umstellung seines Geschäftsmodells hat der 2009 gegründete Verlag inzwischen die in drei Schriftenreihen überwiegend zu rechtshistorischen Themen erschienenen Bände seiner Backlist frei im Internet zugänglich gemacht.

Ermöglicht wird diese Initiative durch eine Kooperation mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung <intR>², der Zweitveröffentlichung, Langzeitarchivierung und bibliothekarischen Nachweis der insgesamt 30 Monographien, Dissertationen und Sammelwerke übernimmt.

Allen beteiligten Einrichtungen ist nicht nur das Bekenntnis zu Open Access gemeinsam, sondern auch das konkrete Engagement für dieses Publikationsmodell: Während die Universität Regensburg sowie die Freie Universität Berlin ihren Angehörigen mit institutionellen Finanzierungsfonds und elektronischen Publikationsangeboten günstige Rahmenbedingungen für das Veröffentlichen im Open Access schaffen, umfassen die Aktivitäten des Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung auf diesem Feld vor allem die Organisation von Finanzierungskonsortien sowie den Betrieb des Repositoriums <intR>²Dok für die Erst- und Zweitveröffentlichung rechtswissenschaftlicher Texte, Daten und audiovisueller Materialien.

Frei zugänglich sind die Bände der Edition Rechtskultur sowohl auf den Seiten der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Regensburg als auch von <intR>²Dok:

http://www.edition-rechtskultur.de/

https://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00009055 (= Rechtskultur.Wissenschaft: Grundlagen der modernen Rechtsordnung)

https://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00009056 (= Rechtskultur.Dogmatik: Geltendes Recht)

https://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00009057 (= Rechtskultur.Quellen)