Beiträge

Max-Herrmann-Preis 2019 an Freshta Karim aus Kabul/Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad/Irak

Die wichtigste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird, geht am Dienstag, 24. September 2019, an zwei junge Frauen, die sich in ihren von Krieg teils zerstörten Heimatstädten für den Zugang zu Bildung einsetzen: Freshta Karim aus Kabul/Afghanistan und Bara’a Al-Bayati aus Bagdad/Irak. Die Laudatio hält Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin. Weiterlesen

Buchpatenschaft für den Monat Dezember 2018

 

 

Seit es das Angebot für eine Buchpatenschaft jeden Monat in diesem Blog gibt, ist der Dezember einem Kinderbuch vorbehalten. So soll es auch in diesem Jahr sein. Ausgewählt haben wir eine besonders schöne, im Jugendstil illustrierte Fassung des Nibelungenlieds ausgewählt.

 

Keim, Franz: Die Nibelungen : dem deutschen Volke wiedererzählt / von Franz Keim. Bilder und Ausstattung von C. O. Czeschka. Wien [u.a.] : Gerlach & Wiedling, [ca. 1920]. [67] S. : zahlreiche Illustrationen ; octavo. (Gerlach’s Jugendbücherei 22)

Abbildung aus dem Innenteil. Keim, Franz: Die Nibelungen : dem deutschen Volke wiedererzählt / von Franz Keim. Bilder und Ausstattung von C. O. Czeschka. Wien [u.a.] : Gerlach & Wiedling, [ca. 1920]. [67] S. : octavo. (Gerlach’s Jugendbücherei ; 22). Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Der Band „Die Nibelungen“ gehört zu den Ikonen der österreichischen Jugendstilkunst und gilt als Hauptwerk des Grafikers und Malers Carl Otto Czeschka (1878-1960). Czeschka schuf ein vielfältiges Werk, zu dem neben Buchillustrationen auch Bühnenbilder, Möbel, Glasfenster, Schmuck und Postkarten gehören. Der Text zu den „Nibelungen“ wurde von dem österreichischen Schriftsteller Franz Keim (1840-1918) für Kinder bearbeitet.

Der besondere Reiz des Buchs besteht in dem Kontrast zwischen den prächtigen, monumental wirkenden Illustrationen und dem kleinen Format von nur 15 x 14 cm. Der unscheinbare graue Leineneinband, der ausschließlich typographisch gestaltet ist, lässt nicht erahnen, dass sich im Innern des Büchleins kunstvolle, mit Goldauflage gedruckte Buchgemälde verbergen, deren Doppelseiten perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Der Band erschien in der berühmten Reihe „Gerlachs Jugendbücherei“, die zwischen 1901 und 1924 im Verlag Gerlach & Wiedling in Wien herausgegeben wurde. Diese Reihe sollte nach dem Willen des Verlegers Martin Gerlach sen. einen „Bücherschatz zur Literaturbildung und Kunsterziehung der Jugend“ darstellen. Mit dem Illustrieren der Texte wurden deshalb so namhafte Künstler wie Hugo Steiner-Prag, Berthold Löffler oder Franz Wacik beauftragt. Der Band „Die Nibelungen“ ist der bekannteste und antiquarisch am meisten gefragte Titel aus „Gerlachs Jugendbücherei“, der weit über die Jugendliteratur hinaus Bedeutung erlangt hat. Czeschkas Nibelungen-Illustrationen gelten bspw. als wichtige Inspirationsquelle für den gleichnamigen Stummfilm von Fritz Lang und Thea von Harbou.

 

Nötige Reparaturen: Entfernen der rostigen Klammerheftung und neu heften, beschädigte Ecken des Einbands stabilisieren

Kalkulierte Kosten: 130 €

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft
bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieses Kinderbuch restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.  Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Max-Herrmann-Preis 2018 an die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken

In diesem Jahr, am 30. November 2018, erhält die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) den Max-HerrmannPreis, die wichtigste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird. Die Laudatio hält die Schauspielerin Iris Berben. Die Preisverleihung wird musikalisch von dem Diplomatischen Streichquartett umrahmt.

Die Preisträger 2018

Die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) wurde 1998 gegründet als offener Zusammenschluss von Bibliotheken an authentischen oder symbolischen Orten sowie von Bibliotheken von Dokumentationszentren, Forschungseinrichtungen und Geschichtsvereinen mit dem Ziel, sich fachlich auszutauschen und in einem Online-Verbundkatalog die Bestände zu vernetzen.

Gedenkstättenbibliotheken sammeln Dokumente, Berichte, wissenschaftliche Texte und Erzählungen in größtmöglichem Umfang. Sie erschließen die Bestände systematisch und stehen allen Interessierten ebenso wie Wissenschaftler*innen offen. Auf diese Weise sind sie wichtige Akteure der Erinnerungskultur.

Die Mitarbeitenden verstehen die Bibliothek als Begegnungsort und als Konfrontationsort mit der Vergangenheit; sie engagieren sich, um Opfern, Überlebenden und deren Nachkommen, aber auch Angehörigen aus Täterfamilien mit ihren Fragen zu helfen.

Den Blick in die Zukunft zu richten, heißt einen bedeutenden bildungspolitischen Auftrag wahrzunehmen. Hier, in den Gedenkstättenbibliotheken, werden neue Methoden der Aufklärung, der Information über das NS-Regime und andere Diktaturen entwickelt. „Gedenkstättenbibliotheken sind also keineswegs Orte des Büchersammelns allein. Sie sind in ihrem Selbstverständnis wichtiger Bestandteil der Aufarbeitung und der Information für alle und wahrlich nicht zuletzt für die nächste Generation, die keine Zeitzeugen mehr kennenlernen kann.“, begründet der Juryvorsitzende und Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. André Schmitz, die Entscheidung.

Max-Herrmann-Preis

Seit dem Jahr 2000 verleihen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. mindestens alle zwei Jahre den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht hat. Zu den von einer Jury ausgewählten Preisträgern gehörten bislang neben anderen der langjährige Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe, Dr. Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staat­lichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, der Schriftsteller Günter de Bruyn, der israelische Künstler Micha Ullman sowie der Filmregisseur Wim Wenders.

 

Max Herrrmann, Photographie, entstanden im Atelier Hülsen, Datum der Aufnahme unbekannt. Staatsbibliothek zu Berlin – PK

Zur Biografie von Max Herrmann

Der Preis ist nach dem bedeutenden Literaturwissenschaftler Max Hermann (1865 – 1942) benannt, der 1923 an der Humboldt-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. 1933 verlor Max Herrmann seine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und hatte unter den weiteren Schikanen des nationalsozialistischen Regimes zu leiden. So durfte er in der Staatsbibliothek keine Bücher mehr ausleihen, durfte diese lediglich – über siebzigjährig – am Stehpult einsehen. Im Jahr 1942 wurde er nach KZ Theresienstadt deportiert und starb dort nach wenigen Wochen.