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Digitale Lektüretipps 57: Im Zeichen des Hieronymus

Ein Beitrag aus unserer Reihe Sie fehlen uns – wir emp-fehlen Ihnen: Digitale Lektüretipps aus den Fachreferaten der SBB

Schritt für Schritt öffnen die Lesesäle wieder ihre Türen und verstärken die Zugangsmöglichkeiten zu unseren Ressourcen. Gerne versorgen wir Sie aber weiterhin mit unseren digitalen Lektüretipps.

Haben Sie beim Ansehen einheimischer Bestsellerlisten schon einmal einen Widerspruch gespürt? Neben deutschen wimmelt es darauf von amerikanischen, skandinavischen und anderen Autoren, doch die Titel sind (fast) alle deutsch! Spätestens wenn Sie gefragt werden, von wem Romane wie „Ein Sohn ist uns gegeben“ oder „Ihr Königreich“ sind, wären Sie dankbar für einen Hinweis auf den Originaltitel oder zumindest die Angabe, ob es sich um eine Übersetzung aus ggf. welcher Sprache handelt. Denn schließlich hat Donna Leon nicht „Ein Sohn ist uns gegeben“ geschrieben, sondern „Unto us a son is given“, der neue Roman von Jo Nesbø heißt „Kongeriket“, nicht „Ihr Königreich“, und genauso wenig hat Elena Ferrante „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ geschrieben, sondern „La vita bugiarda degli adulti“. Es sind Übersetzungen, in den genannten Fällen von Werner Schmitz, Günther Frauenlob bzw. Karin Krieger, die uns die Werke nahebringen. Und so war es schon immer. Heutzutage nennen deutsche Verlage immerhin in den Büchern selbst i.d.R. den Originaltitel und geben an, wer übersetzt hat – auf den Bestsellerlisten beispielsweise sucht man solche Angaben vergeblich.

Um die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Übersetzens zu sensibilisieren, erklärte die Fédération Internationale des Traducteurs (FIT) im Jahre 1991 den 30. September zum Internationalen Übersetzertag. Er wurde im Mai 2017 von den Vereinten Nationen als International Translation Day anerkannt. Seit einigen Jahren begeht auch der Verband Deutschsprachiger Übersetzer Literarischer und Wissenschaftlicher Werke (VdÜ) den 30. September als Hieronymustag: Literaturübersetzerinnen stellen in Lesungen und Gesprächen ihre Arbeit vor.

Doch warum dieses Datum, und warum Hieronymus? Namensgeber ist Sophronius Eusebius Hieronymus (um 345 ‑ 419/20), der die erste vollständige lateinische Bibelübersetzung, die „Vulgata“, schuf. Diese Leistung qualifizierte ihn zum Schutzpatron der Übersetzerzunft. Sein Todestag am 30. September wurde ihm als Gedenktag gewidmet.

Auch wir möchten den Tag standesgemäß begehen und stellen Ihnen ein Werk vor, das ähnlich wie seine Protagonisten mehr in den Fokus gerückt zu werden verdient: das Germersheimer Übersetzerlexikon  (kurz UeLEX).

Herausgegeben wird es vom Germersheimer Fachbereich https://fb06.uni-mainz.de/ Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz als digitales, online frei zugängliches Nachschlagewerk zur Kulturgeschichte des Übersetzens. Die darin publizierten Texte dürfen ausdrücklich für private, wissenschaftliche und nicht kommerzielle Zwecke genutzt und zitiert werden. Im Frühjahr 2015 erschienen die ersten Beiträge. Das Vorhaben geht auf eine Konferenz vom Juni 2013 zurück, auf der über die mögliche Konzeption eines Übersetzerlexikons beraten wurde. Der im Anschluss daran entwickelte „Leitfaden“ zur konkreten inhaltlichen Ausgestaltung ist, geringfügig aktualisiert, im Online-Lexikon hintergelegt.

Inhaltlich geht es in erster Linie, ganz klar, um Personen, die übersetzt haben. Zu Grunde gelegt ist eine Orientierung auf die deutsche Sprache und auf die neuzeitliche Epoche. Das Lexikon widmet sich Literaturübersetzern wie auch solchen philosophischer, naturwissenschaftlicher, religiöser oder politischer Texte. Darunter befinden sich Namen, die uns aus anderen Zusammenhängen bekannt sind – bisweilen überraschend, wie z.B. Rosa Luxemburg oder Georg Forster. Besondere Aufmerksamkeit verdienen aber gerade auch die anderen, die „Nur-Übersetzer“, die kaum je andernorts erwähnt wurden und werden.

Zugang zu den einzelnen Beiträgen bietet eine alphabetische Liste der Übersetzernamen. Jeder vollständige Eintrag besteht aus einem essayistischen Porträt und einer Bibliographie. Die Essays zu Leben und Werk heben nicht nur den Kontext der translatorischen Tätigkeit der Porträtierten heraus, sondern gehen idealerweise auch auf deren eigene übersetzungspoetologische Äußerungen ein. Abschließend werden für weitergehende Studien Hinweise auf Sekundärliteratur und die Quellenlage (etwa Nachlässe, Archivbestände) gegeben. Besonderer Stellenwert kommt dem bibliographischen Teil zu. Er ist sehr detailliert angelegt und strebt Vollständigkeit hinsichtlich des übersetzerischen Œuvres der jeweiligen Person an: Sowohl selbständig und unselbständig erschienene als auch unveröffentlichte Übersetzungen werden, soweit ermittelt, aufgeführt. Dazu kommen Herausgeberschaften, Originaltexte – unter besonderer Berücksichtigung translationstheoretischer Arbeiten – und schließlich Sekundärliteratur. Je weniger bekannt und beforscht die Person ist, desto größere Vollständigkeit wird auch hier angestrebt. Empfangene Literaturpreise werden in einer Rubrik am Ende aufgeführt. Es gibt ein umfassendes Verlinkungssystem zwischen Namen, Titeln, Preisen, Sprachen, über das alle relevanten Einträge zusammengeführt werden können.

Eine andere Zugriffsoption gruppiert die Personen nach den Sprachen, aus denen sie übersetzt haben – es liegt in der Natur der Sache, dass hier einige Namen mehrfach erscheinen. Dieser Einstieg ermöglicht prinzipiell einen Überblick darüber, aus welchen Sprachen besonders häufig und aus welchen überhaupt ins Deutsche übersetzt wurde. Dabei verwundert es nicht, dass Englisch, Französisch, Russisch und Italienisch die vorderen Plätze einnehmen.

Thematische Artikel  sind ergänzend vorgesehen, bislang aber kaum ausgearbeitet.

Auch wenn der betrachtete Zeitraum konzeptionell von Luther bis zu Personen reicht, auf deren neue Übersetzungen wir uns weiterhin freuen können, gehen die vorliegenden Einträge nicht weiter als bis in das 18. Jahrhundert zurück. Aufschluss darüber gibt eine Zeitachse, die alle einem beliebig wählbaren Zeitraum zugehörigen Namen aus der Datenbank herausfiltert. Unter Forschung wird diese Zeitachse noch einmal angeboten, zusammen mit einer kleinen Chronik der Germersheimer Übersetzerforschung.

Eine Stichwortsuche “In Beiträgen und Bibliographien” kann durch Eingabe eines Suchbegriffs im Suchschlitz rechts außen aktiviert werden.Die Lemmata selbst werden davon jedoch nicht erfasst. Hierfür gibt es die alphabetische Liste Alle Artikel, zu der man mit Klick auf Übersetzer gelangt. Neben der Namensliste gibt es dort zur Auswahl eine Gesamtliste aller Einträge, jeweils separat die thematischen Artikel und Informationen zu den Literaturpreisen – letztere Option ist besonders interessant, weil auf die Preise kein anderer systematischer Zugriff angeboten wird.

Sollten Sie die Übersetzer Ihrer Lieblingslektüre vermissen, kann das zum einen daran liegen, dass das Lexikon keine Vollständigkeit anstrebt. Anliegen ist es, bedeutende und interessante Personen vorzustellen, vor allem solche mit in irgendeiner Hinsicht innovativer Übersetzungsleistung. Die verschiedenen Zeiträume innerhalb der neuzeitlichen Epoche sollen abgedeckt, möglichst viele Sprachen und Kulturräume berücksichtigt werden, was ausdrücklich kleine Sprachen und distante Kulturräume einschließt. Ziel ist es schließlich, neue Perspektiven auf die Geschichte des Übersetzens zu gewinnen.

Zum anderen liegt kein fertiges Produkt vor, sondern es werden fortlaufend neue Beiträge ergänzt. Etwas versteckt gibt es eine Liste der in Arbeit befindlichen Artikel: Die über 100 Positionen machen deutlich, dass noch eine Menge geplant ist. Bislang werden überdies nur Übersetzer aufgenommen, die ins Deutsche übersetzt haben. Eine Erweiterung um jene, die aus dem Deutschen übersetzt haben, ist für die Zukunft denkbar.

So sehr dieses Projekt eine Lücke füllen mag, so ist es doch nicht das erste seiner Art. Dieser Rang gebührt dem Svenskt Översättarlexikon, das 2009 an den Start ging und dem Germersheimer Redaktionsteam als Vorbild diente.

Digitale Lektüretipps 56: Die Tour zum Turm – die Volltextplattform “Torrossa Digital Library” für geistes- und sozialwissenschaftliche E-Publikationen aus Italien

Ein Beitrag aus unserer Reihe Sie fehlen uns – wir emp-fehlen Ihnen: Digitale Lektüretipps aus den Fachreferaten der SBB

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Sie mögen Cappuccino am Morgen und zu späterer Stunde manchmal einen Aperitivo, sagen wir einen Aperol Spritz, Campari oder Negroni? Dann sind Sie vermutlich ebenso hoffnungslos Italien verfallen, dem Bel Paese, dem Stiefel, dem Land, in dem die Zitronen blühen. Und wenn Ihre Liebe zu einer professionellen wissenschaftlichen Beschäftigung mit Italien geführt hat, wird Sie der heutige Beitrag zur Volltextplattform Torrossa interessieren, in der Sie auf der Suche nach E-Books und E-Journals aus Bella Italia fündig werden.

Der Name Torrossa geht der Legende nach auf den roten Turm zurück, der den historischen Firmensitz, das malerische Anwesen der Firma „Casalini Libri“ in Fiesole in der Nähe von Florenz krönt.

Firmensitz des Bibliotheksdienstleisters „Casalini Libri“ im toskanischen Fiesole, mit freundlicher Genehmigung von Casalini Libri ©

Firmensitz des Bibliotheksdienstleisters „Casalini Libri“ im toskanischen Fiesole, mit freundlicher Genehmigung von Casalini Libri ©

Was ist das für eine Firma und was hat sie mit meiner Recherche nach wissenschaftlicher Literatur aus Italien zu tun? Machen wir doch einmal einen kleinen Spaziergang, eine kleine passeggiata über die florentinischen Hügel und werfen nebenbei einen Blick hinter die Kulissen von wissenschaftlichen Bibliotheken.

Welchen Service leisten Library Supplier für Bibliotheken?

Gedruckte Bücher und Zeitschriften

Casalini Libri ist ein sogenannter „Library Supplier“, ein Dienstleister, der sich auf das Zusammenspiel zwischen Verlagen und wissenschaftlichen Bibliotheken in aller Welt (aktuell über 50 Länder) spezialisiert hat. Gegründet wurde die Firma 1958 von Mario Casalini als Versandbuchhandlung für die italienische Buchproduktion. Über die beeindruckende Logistik informiert ein Firmenvideo.

Rund 400.000 geistes- und sozialwissenschaftliche Bücher aus 4.000 Verlagen, Museen, Stiftungen und Universitätsverlagen werden pro Jahr im Lager der Firma angeliefert, darunter Monografien, Zeitschriften, Konferenzschriften, Faksimiles, vergriffene Publikationen und limitierte Auflagen. Die Bücher werden katalogisiert und mit Schlagworten und bibliothekarischen Klassifikationen versehen.

Wenn Sie sich vorgestellt hatten, man wähle als Spezialist für ein Fachgebiet an einer Bibliothek die zu erwerbenden Neuerscheinungen aus, indem man genüsslich in einer hübschen Buchhandlung von Regal zu Regal schlendert und mal hier-, mal dahinein blättert, muss ich Sie enttäuschen. An dieser Stelle ist der Job doch wesentlich nüchterner: wir wählen meist nur anhand von trockenen Literaturlisten aus, entweder aus Nationalbibliografien oder aus fachlich zugeschnittenen Listen und Datenpaketen, die Library Supplier wie Casalini generieren. Die dann bestellten Bücher können „shelf-ready“ geliefert werden: mit Einbänden versehen (bei Casalini stets die leuchtend roten), auf Wunsch auch mit Signaturschildchen, Besitzstempel der Bibliotheken und Medienetikett für die Ausleihe. Die Literaturangaben werden in die Datenbanken der Bibliotheksverbünde eingespielt und ersparen so den Bibliotheken Katalogisierungsarbeit.

E-Books und E-Journals

Seit etwa 20 Jahren hat Casalini Libri (neben einer Ausweitung auf den Buchmarkt in Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland) auch eine weitere Funktion übernommen: die eines Hosts für die elektronischen Publikationen bedeutender Wissenschaftsverlage aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Spektrum für Teile der Romania.

Die Plattform für diese elektronischen Ressourcen trägt, wie schon erwähnt, den hübschen Namen Torrossa. Schauen wir uns diesen roten Turm doch einmal näher an. Und genau hinschauen muss man auch, denn es ist gar nicht so einfach, diese in vielfältiger Variation sich darstellende Datenbank, die beinahe an ein toskanisches Turmgewirr, etwa an die Geschlechtertürme von San Gimignano erinnert, zu entflechten.

Über die Plattform Torrossa, die als Aggregator ca. 43.000 E-Books und über 1.000 E-Journals aus derzeit 285 geistes- und sozialwissenschaftlichen Verlagen vornehmlich aus Italien und Spanien fungiert, werden im Wesentlichen drei Pakete angeboten:

  • eines für institutionelle Nutzer, die Torrossa Digital Library, bei der wissenschaftliche Bibliotheken ganz nach Bedarf unterschiedliche Inhalte lizenzieren können,
  • eines für Privatnutzende, den Torrossa Online Digital Bookstore, über den einzelne Kapitel, Artikel oder auch ganze E-Books oder Hefte für den Privatgebrauch erworben werden können und
  • eine Open-Access-Datenbank namens TorrossaOpen.

Die Anfänge: Editoria Italiana Online (EIO) und die Nationallizenz

Begonnen hatte das Unterfangen unter dem Namen EIO – Editoria italiana online mit zwei Unterdatenbanken EIO monografie für selbstständig erschienene elektronische Bücher und EIO periodici für elektronische Zeitschriften. Diese Namen wurden bis 2011 verwendet und tauchen manchmal noch in Bibliothekskatalogen oder im Zusammenhang mit sogenannten „Nationallizenzen“ auf. Zwischen 2004 und 2011 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Erwerb von abgeschlossenen Datenbanken als Nationallizenz für öffentlich geförderte Hochschulen und Forschungseinrichtungen, damit nicht alle wissenschaftlichen Bibliotheken eigene Lizenzverhandlungen mit den Datenbankanbietern tätigen mussten. Die Nationallizenz EIO / Torrossa Periodici enthält 232 Online-Zeitschriften, die Nationallizenz EIO / Torrossa Monografie beinhaltet 1.519 elektronische Monografien und Kongressberichte bekannter italienischer Wissenschaftsverlage bis zum Erscheinungsjahr 2010 im Volltext.

Es kann für Sie als Wissenschaftler_in mit ständigem Wohnsitz in Deutschland interessant sein, sich für einen kostenlosen Zugriff registrieren zu lassen, falls Sie keinen Zugang zur Datenbank Torrossa Digital Library über eine wissenschaftliche Bibliothek oder ein Universitätsnetz zu Ihrer Verfügung haben. In diesem Fall melden Sie sich hier an und erhalten nach einigen Tagen einen Zugriffscode per E-Mail. Wie gesagt: Sie erhalten dann Zugang auf eine abgeschlossene Version der Datenbank, die Titel lediglich bis zum Erscheinungsjahr 2010 umfasst. Wenn Sie sich einloggen, müssen Sie angeben, dass Sie zu einer „abonnierten Institution“ gehören und erhalten dann den Zugang über den Bibliotheksverbund GBV in Göttingen.

Dies ist aber wirklich nur für den Fall eine Teillösung, wenn Sie keinen Benutzungsausweis einer wissenschaftlichen Bibliothek Ihr Eigen nennen. Wenn Sie Nutzer_in der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) sind, reicht es, wenn Sie sich über den lizenzierten SBB-Zugang anmelden. Sie erhalten dann sämtliche lizenzierten Daten, auch die der Nationallizenz.

Eine Besonderheit: Torrossa als FID-Lizenz

Kurz erwähnen möchte ich eine andere Art der Förderung von Online-Ressourcen für die Wissenschaft durch die DFG, die sogenannten FID-Lizenzen. Fachinformationsdienste (FID), die Nachfolger von Sondersammelgebieten (SSG), sind an wissenschaftlichen Bibliotheken angesiedelte Projekte, die neben der Erwerbung von Literatur weitere Services zur Unterstützung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufbauen, u.a. in den Bereichen Literaturrecherche, Forschungsdatenmanagement und Open-Access-Publizieren. Der FID Romanistik beispielsweise, der an der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn und der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg angesiedelt ist, hat für registrierte Nutzerinnen und Nutzer, die an einer deutschen Forschungseinrichtung (v.a. romanistische Universitätsinstitute) forschen, eine besondere Torrossa-Lizenz im Angebot, über die Sie sich hier informieren können. Es besteht Zugriff auf 36 E-Journals des Anbieters Casalini mit Bezug zum Fachgebiet Romanistik; teilweise handelt es sich hierbei um die Fortsetzungen der E-Journals aus der Nationallizenz, aber auch eine recht junge Zeitschrift wie Todomodo zum italienischen Schriftsteller Leonardo Sciascia ist hier zugänglich. Für die Nutzung müssen Sie sich als Forschender registrieren.

Die derzeitigen FID-Lizenzen von Torrossa im Überblick (Stand: August 2020):

Digital Library: Die Torrossa-Lizenz der Staatsbibliothek zu Berlin

Schauen wir uns nun die von der Staatsbibliothek zu Berlin lizenzierte Version der Datenbank an, die Ihnen als Nutzenden einen kostenlosen Zugriff auf zahlreiche E-Ressourcen bietet. Wenn Sie einen anderen als den Staatsbibliothek-Ausweis haben, können Sie möglicherweise über den Link https://access.torrossa.com/ mit den Zugangsdaten Ihrer Einrichtung (Shibboleth oder ein Log-In-Code) in die Datenbank gelangen.

Als registrierte/r Nutzer_in der Staatbibliothek zu Berlin kommen Sie über folgenden Link in die  Torrossa Digital Library hinein, entweder über DBIS oder direkt: http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/376829060. Sie haben auch Zugriff auf die Datenbank im Remote Access, d.h. von außerhalb der Bibliothek. Mitunter hat die Datenbank einen Schluckauf und Sie müssen, nachdem Sie sich mit Ihrer Bibliotheksausweisnummer und Ihrem Passwort authentifiziert haben, noch einmal auf „Gehören Sie zu einer abonnierten Institution?“ klicken.

Über den Zugang der Staatsbibliothek sind etwa 1.600 Titel aus so renommierten Verlagen wie Olschki, Longo, Firenze University Press, École Française de Rome und CLUEB verfügbar. Hinzukommen ca. 250 E-Journals. Dies entspricht etwa 44.000 Zeitschriftenartikeln, über 4.000 Zeitschriftenheften und 24.000 Buchkapiteln (Stand: August 2020).

Um Ihnen einen Einblick in die elektronischen Zeitschriften zu geben, möchte ich Ihnen hier ein Ensemble klingender Namen in rein subjektiver Auswahl präsentieren:

  • Literaturwissenschaften:
    Letteratura italiana antica : rivista annuale di testi e studi, Humanistica : an International Journal on Early Renaissance Studies, La lingua italiana : storia, struttura, testi : rivista internazionale, Seicento e Settecento : rivista di letteratura italiana, Studi sul Settecento e l’Ottocento : rivista internazionale di italianistica, Studi e problemi di critica testuale, Rassegna europea di letteratura italiana, Critica letteraria, Italianistica : rivista di letteratura italiana, Lettere italiane, Medioevo letterario d’Italia, Rivista di letteratura italiana, Filologia italiana, Dante : rivista internazionale di studi su Dante Alighieri, Studi petrarcheschi, Studi pasoliniani, Rivista italiana di dialettologia, Francofonia, Cultura tedesca, Links : rivista di letteratura e cultura tedesca = Zeitschrift für deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft, Bollettino di studi latini, Appunti romani di filologia, History of Education and Children’s Literature : HECL, Studi slavistici, …
  • Altertumswissenschaft, Archäologie, Orientalistik:
    Ostraka : rivista di antichità, Marmora, Mediterraneo antico, Studi di egittologia e papirologia, Aegyptus : rivista italiana di egittologia e papirologia, Kaskal : rivista di storia, ambiente e culture del vicino oriente antico, Rivista degli studi orientali, Rivista di studi fenici, Geographia antiqua, …
  • Religionswissenschaft, Theologie, Philosophie:
    Rivista di storia e letteratura religiosa, Ricerche di storia sociale e religiosa, Rivista di storia della Chiesa in Italia, Annales theologici, Archivio di filosofia, Acta philosophica, Historia philosophica : International Journal, Studi kantiani, …
  • Kunstwissenschaft, Musik-, Theater- und Filmwissenschaft:
    Ricerche di storia dell’arte, Eidola : International Journal of Ancient Art History,  Musicalia : annuario internazionale di studi musicologici, Cinéma & cie : international film studies journal, La valle dell’Eden : semestrale di cinema e audiovisivi, …
  • Geschichtswissenschaften und Geschichte der Naturwissenschaften:
    Studi storici, Italia contemporanea, Archivio storico italiano, Annali di storia moderna e contemporanea, Storia di Venezia, Rassegna storica toscana, Physis : rivista internazionale di storia della scienza, Bollettino di storia delle scienze matematiche, …
  • Sozialwissenschaften:
    Rassegna di psicologia, Rivista internazionale di scienze sociali , La critica sociologica, Studi di sociologia, Studi sulla questione criminale, Storia delle donne, Rivista di sessuologia, History of Economic Ideas, Il pensiero economico italiano, Il pensiero politico : rivista di storia delle idee politiche e sociali, Rassegna di pedagogia = Pädagogische Umschau; Giornale di storia costituzionale, Jus : rivista di scienze giuridiche, …

Die Sprach- und Literaturwissenschaften haben – da war meine subjektive Auswahl nicht zufällig so umfangreich – mit 26% der über den Staatsbibliothek-Account zugänglichen E-Books und E-Journals tatsächlich den höchsten Anteil. Es folgen die Sozialwissenschaften mit 22%, die Geschichts­wissenschaft mit 17% sowie die Religionswissenschaft mit 13%. Naturwissenschaft und Technik bzw. deren Geschichte sind mit 10%, Kunstwissenschaft mit 7% und fächerübergreifende Titel mit 5% vertreten.

Torrossa Fächerverteilung an der SBB | SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0

Torrossa Fächerverteilung an der SBB | SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0

 

Alle lizenzierten Titel, die über die Staatsbibliothek in Torrossa zugänglich sind, sind auch im StaBiKat verzeichnet; die E-Journals zusätzlich in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) und in der Elektronischen Zeitschriften­biblio­thek (EZB).

Recherchetipps für Torrossa

Torrossa ist eine Volltextdatenbank, das bedeutet: Wenn Sie sich in die Datenbank einloggen und Ihr Suchwort eingeben, recherchieren Sie in den Volltexten sämtlicher Aufsätze und Buchkapitel. Dies kann ein Vorteil und ein Nachteil sein. Einerseits kommen Sie durch diese Wort-für-Wort-Durchsuchbarkeit auf Texte, die Sie sonst vermutlich nicht finden würden. Andererseits sind es mitunter so viele Treffer, dass man sich manchmal etwas erschlagen fühlen kann.

Geben Sie zum Beispiel „Firenze“ in den einzeiligen Suchschlitz ein, erhalten Sie beim Zugang der Staatsbibliothek über 33.000 Treffer, da nicht nur in den Titel von Büchern oder Aufsätzen nach diesem Suchwort gesucht wird, sondern auch in den Volltexten einzelner Aufsätze und Buchkapitel.

Auf diese große Treffermenge können Sie nun vielfältige Filter anwenden, z.B. nach Sprache, nach Erscheinungsjahren, nach Autoren und Verlagen, aber auch (zumindest für einen Teil der Titel) nach fachlicher Zugehörigkeit und nach Erscheinungsland. Außerdem können die Titel nach „Relevanz“, alphabetisch nach Titel oder nach Erscheinungsjahr sortiert werden. Bei der Sortierung nach Relevanz erscheinen z.B. diejenigen E-Books oder Buchkapitel, die „Firenze“ im Titel tragen, ganz oben in der Trefferliste.

Alternativ haben Sie in der Ricerca avanzata / Erweiterten Suche die Möglichkeit, Ihre Suchanfrage spezifischer zu formulieren, indem Sie z.B. festlegen, ob Ihr Suchwort „Firenze“ lediglich im Titel einer Publikation auftauchen soll. Damit klammern Sie alle Bücher, die Florenz als Verlagsort haben, aus der großen Treffermenge bereits aus. Außerdem kann es helfen, das Wissenschaftsfach festzulegen: dazu haken Sie in einer der angebotenen Klassifikationen (der Klassifikation der Library of Congress (LC) oder der Dewey-Dezimalklassifikation) den gewünschten Fachbereich an.

Diese beiden Klassifikationen stehen Ihnen auch in einer gesonderten thematischen Suchmaske (Naviga per materia / Nach Thema suchen) zur Verfügung. Dies eignet sich insbesondere, wenn Sie sich erst einmal einen Überblick über die Angebote der Datenbank zu Ihrem Fachgebiet verschaffen wollen. Suchen Sie z.B. Literatur zur Geschichte Italiens, öffnen Sie bei der Dewey-Dezimalklassifikation im Feld „Geschichte, Geographie und Biographie“ mit dem Pluszeichen ein Untermenü. Hier wählen Sie „Allgemeine Geschichte Europas“ und öffnen die nächste Klassifikationsstufe mit einem weiteren Pluszeichen, bis Sie zu „Geschichte der italienischen Halbinsel und benachbarter Inseln“ gelangen und hier 645 Treffer aufrufen können. Bei der LC-Klassifikation wäre der Pfad: World History → Italy (History) (135 Treffer). Am besten gehen Sie also beide Wege, um eine vollständige sachliche Suche durchzuführen.

Die meisten Texte sind dann für Sie kostenlos herunterladbar. Für jeden Titel wurden von den Verlagen, die ihre E-Books und E-Journals in Torrossa einspeisen, die Rechte im sogenannten „Digital Rights Management“ (DRM) festgelegt: die meisten Titel kann man problemlos herunterladen, manche Anbieter erlauben aber nur die Online-Lektüre oder eine zeitliche Beschränkung der Nutzung. Um diese Rechte in der Software verankern zu können, sind die Volltexte ausschließlich mit dem Acrobat Reader herunterladbar. Nicht verwirren lassen sollten Sie sich von der Angabe „disponible in parti / verfügbar in Teilen“ bei Sammelbänden. Dies bedeutet nicht, dass nur manche Aufsätze verfügbar sind und andere nicht, sondern dass Sie die Aufsätze nur einzeln herunterladen können und nicht das Recht haben, den gesamten Sammelband auf einmal downzuloaden. Oder zu downloaden. Wie auch immer.

Sie haben auch die Möglichkeit, sich nach dem Einloggen in den Staatsbibliothekszugang einen persönlichen Account anzulegen, um z.B. öfter benötigte Titel in Ihrem „Workspace“ abzuspeichern. Dazu klicken Sie auf „Log in / Registrazione“ oder, wenn Sie die Sprache der Datenbank-Oberfläche (oben rechts im Menü) auf Deutsch umgestellt haben, auf „Einloggen / Registrieren Sie sich“. Hier geben Sie Ihren Namen und eine E-Mail-Adresse an und bestätigen die Benutzungsbedingungen. Wenn Sie nun noch einmal „Firenze“ als Suchwort abfragen, erhalten Sie statt der 33.000 Treffer plötzlich über 165.000 Treffer. Sie sind nun nämlich mit der Gesamtdatenbank verbunden, in der auch Titel angezeigt werden, die die Staatsbibliothek nicht lizenziert hat und die für Sie daher nicht kostenlos zugänglich sind. Hier wird Ihnen Ihr Suchwort im Kontext angezeigt, wodurch Sie besser überprüfen können, ob der Titel für Sie relevant ist. Sie können diese interessanten Titel nun z.B. in Ihre Literaturliste aufnehmen. Über „Cite“ können Sie die bibliografischen Angaben des Titels in das Format verschiedener Literaturverwaltungsprogramme exportieren (Zotero, Mendeley, Endnote, RefWorks). Um einen Titel in Ihren „Workspace“ aufzunehmen, vergeben Sie nach dem Klick auf „Workspace“ am besten zunächst einen Kurztitel für Ihre Literaturliste (z.B. Florenz-Literatur) und können dann mit einem Klick auf das Pluszeichen Ihren Titel in diese Liste aufnehmen. Sie können auch verschiedene Listen erschaffen und wählen dann beim nächsten zu ergänzenden Titel die entsprechende Liste aus.

Titel, die nicht über die Staatsbibliothek lizenziert sind, können lediglich mit ihren bibliografischen Angaben exportiert werden. Eine Möglichkeit, sie als Privatperson käuflich zu erwerben, wird bei dem hier beschriebenen Zugang (Einloggen in den SBB-Account, anschließendes Einloggen mit den persönlichen Zugangsdaten) nicht angeboten. Hierzu müssen Sie einen anderen Weg wählen: den Torrossa Online Bookstore.

Der Torrossa Online Digital Bookstore

Casalini Libri bietet mit dem Torrossa Online Digital Bookstore eine Datenbankversion an, die sich an Privatpersonen wendet. Dies können Personen sein, die keinen Zugang auf die von einer Bibliothek lizenzierte (und damit für Sie als Nutzer_in kostenlose) Version der Torrossa-Datenbank haben oder die aus anderen Gründen Titel auf eigene Kosten käuflich erwerben möchten.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert: Wenn Sie einen Titel im Bestand der Staatsbibliothek vermissen, haben Sie ja auch immer die Möglichkeit, uns einen Anschaffungsvorschlag zu schicken. Sofern der Titel in unser Erwerbungsprofil passt und wir noch über ausreichend Etat verfügen, beschaffen wir den Titel gern für Sie, allerdings nimmt dies ein paar Tage in Anspruch. Sollten Sie einen Titel subito ed adesso, d.h. auf der Stelle, benötigen, dann könnten Sie ihn für sich persönlich im Torrossa Bookstore erwerben.

Sie erreichen den Bookstore über den Link mit dem kommerziellen Domainkürzel „.com“: https://www.torrossa.com/. Sie können in dieser Datenbank auch ohne Registrierung recherchieren; eine Registrierung ist nur notwendig, um Titel zu erwerben und Zusatzfunktionen wir den Workspace zu nutzen. Wenn wir hier unser „Firenze“ als Suchwort eingeben, erhalten wir wieder knapp 165.000 Treffer. Ganz auffällig ist bereits, dass nun schon in der Überblicksliste der Treffer die Preise für den Kauf von E-Books, Buchkapiteln oder Aufsätzen genannt werden. Einzelne Buchkapitel oder Aufsätze liegen oft um die 10 Euro. Die Preise für E-Books variieren je nach Verlag und Umfang stark. Wenige Titel liegen im einstelligen Euro-Bereich, viele zwischen 10 und 50 Euro, manche auch deutlich darüber. Der renommierte Verlag Olschki verlangt ab 20 Euro aufwärts, gestattet dann aber nur das Herunterladen, nicht aber das Ausdrucken. Spitzenreiter beim Suchwort Firenze ist ein über 400 umfassender rechtswissenschaftlicher Titel des Verlages Erma Bretschneider für 152 Euro, bei dem immerhin das Drucken erlaubt ist. Für den Erwerb von Titeln müssen Sie sich registrieren, erhalten dann eine E-Mail und können sich beim „Accesso Personale“ mit Ihrer Mailadresse und Ihrem Passwort in den „Digital Bookstore“ einloggen. Als Zahlungsmöglichkeiten werden PayPal oder Kreditkarte angeboten.

Einige der Titel im Torrossa Online Digital Bookshop sind kostenlos. Dies sind zum einen Beiträge mit einer Seitenzahl von maximal vier Seiten, zum anderen genuine Open-Access-Titel. Für diese Titel gibt es auch wiederum ein eigenes Datenbankpaket.

Die Open-Access-Datenbank TorrossaOpen

Die letzte hier vorgestellte Variante der Plattform Torrossa ist dem Open Access verpflichtet: über den Link https://oa.torrossa.com/ kommen Sie in TorrossaOpen hinein und haben freien Zugriff auf gut 850 E-Books und fast 90 E-Journals, die meisten aus dem Universitätsverlag der Universität Florenz, gefolgt von demjenigen der Universität Salamanca. Insgesamt können mehr als 7.000 Artikel bzw. fast 4.000 Buchkapitel kostenfrei heruntergeladen werden. Die Webseite verspricht auch, dass Wissenschaftler_innen über die Plattform ihre Arbeiten einem internationalen Publikum bekannt machen können – ob dies aber indirekt über die Sammelwerke und Zeitschriften gemeint ist oder als Repositorium für freie wissenschaftliche Publikationen, wird nicht erläutert.

Das könnte ich sicher einmal bei einem caffè im historischen Gebäude der Firma Casalini erfragen, wenn mich mein Weg hoffentlich bald wieder nach Italien führt. Eine kleine Tour könnte ich dorthin unternehmen – originell ist doch, dass la torre vom Lateinischen turris (f) kommt, genauso wie französisch la tour. Es heißt also La torre rossa, ebenso wie La tour Eiffel, der Eiffelturm. Hingegen lautet es auf Französisch Le tour de France, die Tour de France, das vom Lateinischen tornare (drechseln) über das Altfranzösische tor, torn (Wendung, Drehung, Rundgang…) zu uns gekommen ist. Da kann einem schon schwindlig werden. Aber von dem soliden roten Turm aus hat man sicher den Überblick – und Sie jetzt auch.

Digitale Lektüretipps 55: Als virtuelle Kreuzfahrende rund um den Stiefel – mit AIDA zu Italiens Wissenschaft

Ein Beitrag aus unserer Reihe Sie fehlen uns – wir emp-fehlen Ihnen: Digitale Lektüretipps aus den Fachreferaten der SBB

Schritt für Schritt öffnen die Lesesäle wieder ihre Türen und verstärken die Zugangsmöglichkeiten zu unseren Ressourcen. Gerne versorgen wir Sie aber weiterhin mit unseren digitalen Lektüretipps – jetzt nicht mehr als kleiner Ersatz für die fehlenden Recherchemöglichkeiten vor Ort, sondern in etwas gemächlicherem Turnus als gleichsam unterhaltsame wir informative Ergänzung. Heute geht es virtuell auf hohe See:

Man könnte jetzt lange über die missliche Lage von Kreuzfahrschiffpassagieren und -besatzung zum Ausbruch der Pandemie schreiben, aber irgendwann ist es auch einmal gut mit den ganzen Analogien. Vielleicht stellen wir uns lieber vor, auf einem luxuriösen Schiff zu den italienischen Gefilden der Geistes- und Sozialwissenschaft zu segeln. Der Name Aida taucht – möglicherweise inspiriert vom arabischen Frauennamen Ayda – erstmals in einer Erzählung des französischen Ägyptologen Auguste-Édouard Mariette auf und wurde durch Giuseppe Verdis gleichnamige Oper, die auf dieser Erzählung fußte, populär. Offenbar fake news ist, dass Verdi die Oper anlässlich der Eröffnung des Sueskanals komponiert habe, doch damit war die Verbindung zur Seefahrt geschaffen und diese inspirierte ein bekanntes Kreuzfahrtunternehmen, seine Flotte nach Aida zu benennen.

In unserem heutigen Beitrag geht es aber um eine andere AIDA, ein zauberhaftes Akronym einer eher nüchternen, aber natürlich umwerfend nützlichen Datenbank, die auf den vollen Namen Articoli Italiani di Periodici Accademici hört (AIPA hätte tatsächlich nicht ganz so gut geklungen). Der deutsche Titel dieses Dampfers der Literaturrecherche heißt Bibliographie der italienischen Zeitschriftenliteratur und sie kann mit einem Bibliotheksausweis der Staatsbibliothek auch von zuhause (oder vom Sonnendeck) aus im remote access benutzt werden.

AIDA, ein Produkt des Verlages De Gruyter-Saur, enthält fast 287.000 Zeitschriftenaufsatztitel aus rund 1.400 italienischen geistes- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriften. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Es handelt sich also nicht nur um Zeitschriften, die sich mit der italienischen Kultur oder Gesellschaft oder Geschichte beschäftigen, sondern Organe zu sämtlichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachgebieten, die in Italien erforscht und herausgegeben werden. Zugegeben: es ist viel Italianistik, italienische Geschichte und Geistesgeschichte darunter, aber auch Germanistik und klassische Philologie, Geografie, Soziologie, Kunstgeschichte und Architektur, Rechtswissenschaft, Philosophie, Theologie, Ethnologie, sogar Stadtplanung und Tourismusforschung, um nur einige zu nennen. Sollte Ihr Fachgebiet darunter sein, werden Sie nicht im Trüben fischen. Oder paddeln. Whatever. Hier finden Sie die Liste aller ausgewerteten Zeitschriften. 10.000 neue Einträge kommen pro Jahr hinzu. Angeblich sind nur Daten ab 1997 enthalten, tatsächlich kann man aber auch (mithilfe der Suchmöglichkeit nach Jahreszahlen) Zeitschriftenaufsätze aus dem Archivio storico italiano ab 1849 finden. Im Klappentext heißt es: „Veröffentlichungen aus allen Gebieten der Geisteswissenschaften, auch aus Randbereichen, werden einbezogen. Zusammen mit italienischen Bibliothekaren wird ein möglichst repräsentativer Querschnitt der aktuellen geisteswissenschaftlichen Literatur erstellt. Die Aufsatztitel werden von einem italienischsprachigen Redakteur ausgewertet und zusammengestellt. AIDA ist daher eine ideale Ergänzung zur IBZ.“

IBZ ist, falls Sie diese Datenbank noch nicht kennen, die Internationale Bibliographie der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur mit 3,2 Millionen Zeitschriftenaufsätzen aus 11.500 Zeitschriften der Jahre 1983ff. Jährlich kommen über 120.000 Eintragungen hinzu. Auch hier sind italienische Fachzeitschriften ausgewertet (z.B., um im Thema zu bleiben: Aegyptus. Rivista italiana di egittologia e di papirologia oder Africa. Rivista trimestrale di studi e documentazione dell’Istituto Italiano per l’Africa e l’Oriente oder auch das Archivio Storico Italiano). Alle diese Zeitschriften sind auch in AIDA ausgewertet. Dafür finden sich in AIDA noch mehr Spezialorgane, z.B. Afriche e orienti. Rivista di studi ai confini fra Africa e Mediterraneo e Medio Oriente oder auch Archeologia africana, außerdem Terra d’ Africa ebenso wie die Studi di Egittologia e papirologia). Und so könnte man immer weiter aufzählen. Da capo al fine.

Hinweise zur Eingabe Ihrer Suchanfragen in die Datenbank finden Sie hier. Voreingestellt ist die Suche in den „Volltexten“. Dies sind allerdings „nur“ die Volltexte der Literaturangaben, nicht die Volltexte der Zeitschriftenaufsätze. Letztere sind in dieser rein bibliographischen Datenbank leider nicht enthalten, sondern müssen in einem zweiten Schritt recherchiert und aufgerufen oder bestellt werden. Angegeben sind zwar italienische Bibliotheken, die die jeweiligen Zeitschriften in ihrem Bestand haben. Das nützt Ihnen wahrscheinlich leider wenig.

Die Datenbank ist aber mit einem SFX-Button ausgestattet, den Sie finden, wenn Sie die Vollanzeige des Treffers aufrufen. SFX steht in der Filmindustrie für „special effects“. Der special effect dieses Buttons, der in unseren Datenbanken „SBB link“ heißt, ist, dass Sie Unterstützung bei der Recherche nach den Zeitschriften, in denen Ihr Wunschartikel veröffentlicht wurde, erhalten. Das kleine Programm sucht automatisch, ob es eine elektronische Version des Aufsatzes im Bestand der Staatsbibliothek gibt, also ein e-Journal oder eine retrodigitalisierte Druckausgabe der Zeitschrift. Manchmal funktioniert es, dass Sie sich dann direkt in diese Onlineausgabe weiterklicken, manchmal muss man sich auch neu identifizieren. Das Archivio storico italiano ist beispielsweise in der Datenbank JSTOR enthalten. Für diese müssen Sie sich noch einmal neu als Benutzer_in der SBB ausweisen. Sollte es keine elektronische Fassung geben, verrät Ihnen „SBB link“, ob eine gedruckte Zeitschrift des gesuchten Jahrgangs in der Staatsbibliothek vorrätig ist. Und wenn das alles nicht der Fall ist, kommt nicht ganz „subito“, also sofort / sogleich, aber de facto nach ein paar Tagen Ihre kostenpflichtige Bestellung über den Lieferdienst Subito zu Ihnen in den Briefkasten. Oder Sie nutzen unseren Fernleihservice, der auch wieder angelaufen ist. Allora – auf zu neuen Ufern der Recherche! Viel Erfolg dabei und ahoi!