Beiträge

Erhalt durch Produktion – Erik Spiekermann erklärt post-digital letterpress

Mit einem fulminanten Auftakt startete unsere Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in ihre fünfte Auflage – ein gemeinsam mit Angehörigen der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie den Universitäten in Bielefeld, Potsdam und Erlangen-Nürnberg organisiertes Veranstaltungsformat.

Nachdem vor zwei Jahren bereits der Schriftgott aus Kassel Friedrich Forssman in diesem Kontext die Frage diskutiert hatte Was ist gute Buchgestaltung?, nahm am vergangenen Dienstag der international renommierte Typograph und Designer Erik Spiekermann das von ihm so bezeichnete Feld des Post-digital Printing in seiner Gesamtheit in den Blick. Anhand des jüngsten Schaffens seiner stets experimentierfreudigen Werkstatt-Galerie p98a – von den Bänden der Edition Suhrkamp Letterpress über die Druckausgabe des Krautreporters bis hin zur Rekonstruktion historischer Bauhaus-Schriften – zeigte Erik Spiekermann, wie Laserbelichtung, elektronischer Umbruch und andere digitale Produktionsmethoden dazu beitragen können, uns mit unserem industriellen und kulturellen Erbe zu verbinden und vom Aussterben bedrohte Berufe zu erhalten.

Eingeführt wurde in den ebenso inspirierenden wie unterhaltsamen Abend, den wir selbstverständlich für unseren Youtube-Kanal aufgezeichnet haben, durch die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin Dr. h.c. (NUACA) Barbara Schneider-Kempf – mit dem folgenden Grußwort:

 

“Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Erik Spiekermann,

ich freue mich sehr, Sie zu einer weiteren Veranstaltung unserer seit nunmehr vier Jahren gemeinsam mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie den Universitäten in Potsdam, Bielefeld und Erlangen-Nürnberg organisierten Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog willkommen zu heißen.

Sollten Sie, meine Damen und Herren, Ihren Weg in die Staatsbibliothek zu Berlin heute Abend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben – gleich, ob mit der BVG oder der S-Bahn –, so sehen Sie sich nicht nur aller Parkplatzsorgen entledigt, sondern obendrein auch besonders gut auf die folgenden 90 Minuten eingestimmt. Denn als Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin ist es mir eine Ehre und als Architektin zudem eine ganz persönliche Freude, mit Erik Spiekermann einen der weltweit bekanntesten Gestalter und Typographen begrüßen zu dürfen, dessen Werk u.a. auch den 2011 mit dem Designpreis der Bundesrepublik ausgezeichneten visuellen Auftritt der Deutschen Bahn sowie das Fahrgastleitsystem der Berliner Verkehrsbetriebe umfasst.

Erik Spiekermann bekennt selbst in seinem Spiekerblog, gewissermaßen seiner virtuellen Speakers’ Corner, unheilbar an Typomanie erkrankt zu sein – eine glücklicherweise nicht-letale Diagnose, die einen Besuch in unseren Häusern dennoch zu einem nicht geringen Risiko macht. Denn die Staatsbibliothek zu Berlin dokumentiert mit ihren Sammlungen die von dem kanadischen Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan so bezeichnete Gutenberg-Galaxis in ihrer schieren Weite. Dabei sind es nicht nur ihre teilweise sogar zum Weltkulturerbe zählenden Spitzenstücke, die die Staatsbibliothek zu einem zentralen Referenzpunkt für Berlins pulsierende Typographie-Szene machen, sondern auch ihre nach Hunderten zählende Sammlung von historischen Musterbüchern längst vom Markt verschwundener Schriftgießereien.

Zumal angesichts unserer beiden Standorte im Herzen einer weltoffenen Metropole ist es nämlich nur folgerichtig, dass die Staatsbibliothek Typenvielfalt besonders wertschätzt – damit meine ich sowohl unsere Leserinnen und Leser aus allen Teilen der Erde als auch solche Informationsangebote wie unser Typenrepertorium der Wiegendrucke, das buchwissenschaftlich Forschenden vor allem zur Identifikation unfirmierter Inkunabeln dient.

Und ebenso wie Inkunabeln – also alle vor 1500 mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher und Einblattmaterialien – die Ästhetik des non-typographischen Zeitalters in die Gutenberg-Galaxis überführen, verfolgt auch unser heutiger Gast das Ziel, das Beste zweier Welten in seinem Schaffen zu verschmelzen. So setzt Erik Spiekermann in seiner typografischen Werkstatt p98a unter dem Signet Post-digital Printing einen analogen, noch aus dem Industriezeitalter stammenden Maschinenpark dazu ein, digital hergestellte Vorlagen zu drucken – und zwar mit schönstem Erfolg, wie nicht zuletzt die hinreißenden Bände der Edition Suhrkamp Letterpress, einer Sammlung von sieben Literaturklassikern des 20. Jahrhunderts, dokumentieren. Mit der Staatsbibliothek bzw. ihrem von Hans Scharoun entworfenen Gebäude hat p98a – ein vibrierendes Labor purer Experimentierlust – übrigens keineswegs nur die Lage an der Potsdamer Straße sowie den Status eines Kreativorts gemeinsam: Denn nicht nur uns, sondern auch Erik Spiekermann ist die Bewahrung des nationalen Schriftkulturerbes Verpflichtung und Anliegen zugleich, wovon etwa der Erhalt der Werkstatt der legendären Rixdorfer Drucker in den Räumen von p98a greifbares Zeugnis gibt – aber davon werden wir gleich ja noch ausführlicher hören. Zudem sind beide Adressen aufs Engste mit dem Oeuvre des Berliner Künstlers Alexander Camaro verbunden, dessen zu monochromen Farbfeldern arrangierte Glasbausteinfenster diese Ikone der organischen Architektur zum Leuchten bringen.

Unseren heutigen Gast ins rechte Licht zu setzen und seine Leistungen angemessen zu würdigen, ist dagegen eine Aufgabe, der ich mich im Rahmen dieser kurzen Begrüßungsrede zu stellen habe. Zutreffender sollte ich eigentlich formulieren eine ebenso reizvolle wie kaum zu überschätzende Herausforderung, muss doch Erik Spiekermann im vollen Wortsinne als ein veritabler Tausendsassa gelten, weshalb ich in Anlehnung an den Titel seiner 2014 erschienenen Biographie Hallo, ich bin Erik lediglich einige kursorische Antworten ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit auf die Frage zu geben versuche: Hallo, wer ist Erik?

Erik Spiekermann ist also:

1. Autor mehrerer Fachbücher auf den Feldern von Design und Schriftgestaltung sowie sogar eines typographischen Romans;

2. international erfolgreicher Unternehmer – 1979 gründete er die Markenberatung MetaDesign und neun Jahre später das Schriftversandhaus FontShop;

3. weltbekannter und vielfach prämierter Kommunikationsdesigner und Schriftgestalter – ich erwähne stellvertretend nur den prestigeträchtigen Preis des Rats für Formgebung –, dessen Referenzenliste sich wie der Wirtschaftsteil einer überregionalen Tageszeitung liest;

4. Lehrer und Inhaber einer Honorarprofessur an der Hochschule für Künste Bremen;

5. Thema von Ausstellungen – 2011 wurde nicht nur seine Schrift Meta in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen, sondern auch das hiesige Bauhaus-Archiv widmete ihm im selben Jahr die Schau erik spiekermann. schriftgestalten;

und 6. schließlich – was nur die wenigsten wissen – Weissager.

Denn im Vorfeld der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft bewies Erik Spiekermann geradezu hellseherische Qualitäten, als er mit Blick auf ihr aus seiner Perspektive völlig missraten gestaltetes Trikot – in der FAZ sprach er wörtlich von eckiger Scheiße – unserer Nationalelf ein wenig erfolgreiches Turnier voraussagte.

Gerade vor dem Hintergrund dieser keineswegs abschließenden Aufzählung werde ich dagegen vermutlich kaum den Rang einer großen Prophetin oder Pythia für mich beanspruchen können, wenn ich Ihnen verspreche, dass wir nun einen ebenso inspirierenden wie unterhaltsamen Vortrag erleben werden.

Lieber Erik Spiekermann, die Bühne gehört Ihnen.”

 

Kontinuität durch Wandel – wir lassen unseren Forschungsdialog nicht abreißen

Obschon das Fußballsommermärchen in diesem Jahr für viele leider ausfallen musste, sind wir dennoch mit Herbert Grönemeyer der Ansicht: Zeit, dass sich was dreht – zumal wenn es um den Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften geht.

Nach 40 Vorträgen aus den unterschiedlichsten Disziplinen sowie nach zahllosen vorgestellten Exponaten aus unseren historischen Buchbeständen wird die seit 2014 von uns in Kooperation mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie den Universitäten in Bielefeld und Potsdam veranstaltete Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog ihren organisatorischen Zuschnitt ändern.

Ab Herbst wollen wir sowohl unseren bisherigen Vortragsturnus – in den vergangenen vier Jahren hieß es in jeder ersten Woche eines Monats: immer wieder dienstags kommt die Materialitätserläuterung – als auch unsere Bindung an den einen kanonischen Veranstaltungsort, nämlich unser Haus Unter den Linden, zugunsten eines etwas flexibleren Rhythmus aufgeben.

Da wir es mit den organisatorischen Veränderungen anderseits aber auch nicht übertreiben wollen, wird der erste Materialitätsvortrag unter neuen Rahmenbedingungen wie gehabt an einem Dienstag stattfinden – jedoch in unserem Haus Potsdamer Straße. Und selbstverständlich soll auch in Zukunft unsere bewährte Veranstaltungswebsite Ihre zentrale Anlaufstelle für alle Informationen zu den geplanten Vorträgen bleiben. Allerdings lohnt sich ein regelmäßiger Besuch dieser Seite künftig noch mehr, als wir doch kein festes Jahresprogramm mehr kuratieren, sondern vielmehr unsere Vortragenden spontan einladen wollen.

Um uns und vielleicht auch Ihnen den Ausstieg aus der gewohnten und womöglich sogar liebgewonnenen Routine etwas zu erleichtern, haben wir zu unserer großen Freude einen Referenten mit veritabler Sogwirkung gewinnen können. So wird die fünfte und potentiell ewige Fortsetzung unseres Dialogs mit der Forschung – wir haben schließlich schon 357 Jahre auf dem Buckel – am 23. Oktober von dem international bekannten Gestalter und Typografen Erik Spiekermann eröffnet, der uns Einblicke in die vielfältige Arbeit seiner Druckwerkstatt p98a geben und dabei vor allem enthüllen wird, was es mit Post-digital Printing auf sich hat.

Auch der Druckzylinder wird sich also drehen – und wir sagen: (Material) Turn Up!

 

SBB-PK CC BY-NC-SA

Kniga chudoschnikov – Russische Künstlerbücher der Gegenwart

Ein Beitrag von PD Dr. Viola Hildebrand-Schat (Goethe-Universität Frankfurt am Main). Zugleich ein Rückblick auf ihren Vortrag “Zur Materialität und Kontextualität des russischen Künstlerbuches der Gegenwart” im Rahmen der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog.

Nachdem die Vertreter der russischen Avantgarde dem Buch einen neuen Auftritt verschafft, mit ihren experimentellen Ansätzen Layout und Form revolutioniert haben, sind die Entwicklungen am Buch in Russland aus dem Blick geraten. Die rigide Kulturpolitik der Sowjetunion und die Abschottung gegen marktwirtschaftlich organisierte Länder haben den künstlerischen Austausch wie auch die Rezeption russischer Kunst erschwert. Und als mit dem Ende des Kalten Krieges der Blick auf die russische Kunst wieder frei wird, treten die Entwicklungen dort zur weltweiten Globalisierung in Konkurrenz. Dennoch haben gerade diese Verläufe auch dazu beigetragen, dass von Künstlern der Gegenwart konzipierte Bücher in private und öffentliche Sammlungen gelangten und das Interesse am russischen Künstlerbuch neuen Auftrieb erhielt.

Sergei Jakunin: „Objekte und Geschichten“ von Charms, 2015, Kasten mit handschriftlichen Zitaten und Masken, geschlossen ca. 30 x 40 x 20 cm, Unikat, Besitz des Künstlers

Es wäre allerdings absurd, die gegenwärtige künstlerische Nutzung des Buches in Russland auf einen Punkt bringen zu wollen. Die Konzepte und Ausdruckformen sind vielfältig, beziehen alle Formen von Techniken und Materialien ein, bis hin zu Grenzerfahrungen, die eine Verlagerung des Buchkörpers auf den Bildschirm oder auch dessen gänzliche Selbstauflösung vorsehen.

Dabei stellt sich aber auch die Frage, ob sich für das russische Künstlerbuch spezifische Merkmale benennen lassen, etwa solche, die sich aus der Geschichte des Buches in Russland erhellen, eine möglichen Orientierung an der Avantgarde oder an spezifischen Ausprägungen des Samisdat der Sowjetzeit bekunden.

Denn die künstlerische Nutzung des Buches ist nach den Jahren der Avantgarde keineswegs zu einem Stillstand gekommen. Das Buch hat weiterhin dem künstlerischen Experiment gedient. Gerade nonkonforme Künstler haben die Möglichkeit genutzt, über in Eigenregie produzierte Bücher ihre künstlerischen Konzepte zu kommunizieren. Die von ihnen in kleinen Auflagen, häufig auch als singuläre Exemplare verbreiteten Bücher nehmen Texte auf und weisen Gestaltungsformen vor, die innerhalb der offiziellen Kulturpolitik nicht in Erscheinung treten durften. Offiziell untersagt, inoffiziell teilweise dennoch toleriert, sahen sich die Künstler mit grundlegenden Fragen konfrontiert, wie der nach der Beschaffung von Arbeitsmaterial, aber auch der nach der Distribution ihrer Arbeiten. Die Verwendung alternativer Materialien und Reproduktionstechniken hat den Büchern eine spezifische Ästhetik aufgeprägt.

Pjotr Perevezensev: Zapiski raznykh dnei (Aufzeichnungen verschiedener Tage), 2001. 10 Seiten, 21 x 18 cm, Auflage: 12 Ex.

Spezifische ästhetische Ausprägungen, die im Anklang an die Vergangenheit der eigenen Ausdrucksabsicht unterstellt werden, prägen nun auch das Werk des einen oder anderen Zeitgenossen. Beispielhaft können Pjotr Perevezensev oder Sergej Jakunin angeführt werden. Beide Künstler greifen für ihre Buchproduktion auf Materialien zurück, die Spuren des Gebrauchs suggerieren. Zum Teil sind es bei Büroauflösungen aufgefundenen Kontingente alter Akzidenzen, zum Teil auch ein Werkstoff, der naturgemäß an Archivmaterial erinnert.

Neben der Materialspezifik zeichnet sich auch eine thematische Orientierung ab, die als signifikant für einen Typus des russischen Künstlerbuches erachtet werden kann. So fällt auf, dass die Auseinandersetzung mit Person und Werk von Daniil Charms etliche am Buch engagierte Künstler gefangen nimmt. Dem 1905 als Daniil Ivanowitsch Juvatschow geborenen Dichter war Zeit seines Lebens die Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen verwehrt geblieben. Erst Ende der 1990er Jahre erschien eine erste umfassende Ausgabe seiner Werke. Im Künstlerbuch setzte seine Rezeption deutlich früher ein. Künstler inszenieren seine Texte, verleihen ihnen über Bildfolgen wie Gesamtgestaltung ein besonderes Auftreten. Michail Karasik benannte den von ihm begründeten Verlag nach Charms und Sergei Jakunin stellt nahezu sein gesamtes Schaffen unter das Label „Charms-Kabinett“. Neben der Produktion von Büchern mit Charms’ Texten, inszeniert Jakunin ein eigens für den Dichter geschaffenes Ambiente, in dessen Zentrum die schreibenden Aktivitäten Charms’ stehen und das vom Buch sowie buchaffinen Elementen dominiert wird. Sie verweisen auf die vielfältigen Interessen Charms’, lassen gleichsam dessen Welt auferstehen.

Leonid Tischkov: Водолаз-Маяк (Die Taucher), Moscow: Dablus, 2009. 12 Seiten, 295 x 21 cm, Auflage: 50 Exemplare

Jakunins Buchwerk ist indes nur ein Beispiel aus einem breiten Spektrum thematischer und gestalterischer Fülle, die sich am zeitgenössischen russischen Künstlerbuch offenbart. Die Staatsbibliothek in Berlin verfügt über eine Sammlung an zeitgenössischen russischen Künstlerbüchern, deren Ausmaß sich nur ansatzweise erschließt. Die einzelnen Bücher aufzuspüren bedarf es konkreter Namen von Autoren oder Gestaltern, die am zeitgenössischen Künstlerbuch wirken. Neben Karasik, Jakunin oder Perevezensev seien unter vielen andern beispielhaft Michael Bensman, Tamara Ivanova, Leonid Sitnikov oder Leonid Tishkov aufgeführt.

Marina Spivak: Biblische Geschichten (Genesis), Kolomiagi: 1992. 32,4 x 25,4 cm, 12 gebundene Postkarten

Umfangreiche Bestände der russischen Avantgarde befinden sich in der Rara-Sammlung, eine Auswahl zeitgenössischer russischer Künstlerbücher ist Bestandteil der Sammlung Künstlerische Drucke. Beide Sammlungen werden von der Abteilung Historische Drucke betreut.

[Die Fotos wurden freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt.]

 

Weiterführende Links:

Events

SBB-PK CC BY-NC-SA

Flugblätter im Zweiten Weltkrieg. Werkstattgespräch am 10.10.

Werkstattgespräch zu Flugblättern im Zweiten Weltkrieg am 10.10.

  • Veranstaltung

    Klicken Sie auf den obigen Link um sich weitere Veranstaltungen anzeigen zu lassen.

  • Termin

    Di, 10. Oktober 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4

    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



SBB-PK CC BY-NC-SA


Wissenswerkstatt

Kommunikation unter Feinden. Transnationale und -mediale Aspekte der Flugblattpropaganda im Zweiten Weltkrieg

Werkstattgespräch mit Dr. Christiane Caemmerer, Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugblatt zu einem der wichtigsten Mittel der psychologischen Kriegsführung. Millionen und Abermillionen von meist sorgfältig getexteten und illustrierten sowie – im Verhältnis zu den Handzetteln der Weimarer Republik – aufwendig produzierten Flugblättern wurden an den Fronten und in den Zentralabteilungen der Propagandaministerien hergestellt und über Ballons, Granaten und als Bombenbeiladungen an die Soldaten und die Zivilbevölkerung verteilt.
Der Beitrag beschäftigt sich mit den transnationalen Argumentationsstrategien von Flugblättern und deren national geprägten Manifestationen, die klar an den unterschiedlichen Adressaten orientiert sind, und diskutiert Veränderungen in der Rezeption von lyrischen Texten, die durch einen Wechsel des Mediums: Flugblatt, Liederbuch, Rundfunkbeitrag und Gedichtband bedingt sind.
Die Materialbasis des Beitrages bilden die Flugblätter der Weißen Rose, die Flugblattbeiträge von Thomas Mann im Auftrag der Alliierten, die Amerikarezeption der deutschen Propagandaeinheit Südstern und die Lyrikproduktion von Erich Weinert und Johannes R. Becher für die sowjetische Propaganda aus der Kirchner‘schen Sammlung von Feindflugblättern in der Staatsbibliothek.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Schlagworte: , ,

SBB-PK CC BY-NC-SA

Der Roman als Buch. Werkstattgespräch am 7.11.

Der Roman als Buch. Seitenkomposition im Gegenwartsroman: Werkstattgespräch am 7.11., 18.15 Uhr

  • Veranstaltung

    Klicken Sie auf den obigen Link um sich weitere Veranstaltungen anzeigen zu lassen.

  • Termin

    Di, 07. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



SBB-PK CC BY-NC-SA


Dr. Thomas Boyken, Eberhard Karls Universität Tübingen

Seit 2000 trifft man in zahlreichen deutschsprachigen Gegenwartsromanen auf typographische Auffälligkeiten, die mit der Vorstellung eines linear-gleichförmigen Romantextes brechen: Im Ungeheuer (2013) von Terézia Mora geht ein horizontaler Strich durch den ganzen Roman und teilt die Geschichte in zwei Teile; in Jan Brandts Gegen die Welt (2011) entfärbt sich die Schrift, bis die Seite leer ist; David Wagner setzt in Leben (2013) eine schwarze Seite ein, um die Leerstelle einer Operation zu markieren; Nis-Momme Stockmanns Der Fuchs (2016) durchziehen mehrere vertikale Linien den Roman, um unterschiedliche Zeitebenen anzuzeigen; Albrecht Selge lässt die Buchstaben aus der Reihe tanzen, wenn die alkoholisierten Figuren zu lallen beginnen und in Die Unglückseligen (2016) bittet der Teufel den Setzer des Buches, das wir soeben in den Händen halten, das kleine „Frakturproblem“ zu lösen – gemeint ist freilich kein Knochenbruch, sondern die vom Teufel unterstellte Inkompetenz des Lesers, den bis dahin in gebrochener Schrifttype präsentierten Text überhaupt lesen zu können.
Handelt es sich bei solchen Darstellungsweisen um Spielereien neuerer Romane? Oder wird in den genannten Beispielen die semiotisch-materielle Modellierung des Romans als Buch produktiv für die Erzählung genutzt? Am Beispiel aktueller Gegenwartsromane möchte ich in diesem Kontext diese und weitere Fragen in den Blick nehmen: In welche Richtung entwickelt sich das zeitgenössische Romanverständnis insbesondere im Spannungsverhältnis von Illusionismus und Anti-Illusionismus. Welche Auswirkungen haben die medientechnischen Entwicklungen auf die Form des Romans? Auch die poetologische, gattungstheoretische und medientechnische Traditionslinie, in die sich diese Romane stellen, wäre zu diskutieren. Können die ‚Romanexperimente‘ provozieren und Neuerungen anstoßen? Handelt es sich vielleicht weniger um ‚Romanexperimente‘ als vielmehr um die Wiederentdeckung des Buchs in der Poetik des Romans?

Obwohl die Digitalisierung, so meine Ausgangsthese, Gelingensbedingung für die Konjunktur dieser Romane ist, wird in den neueren Romanen die mediale Darbietungsform des Romans als Buch betont. Wenn sich seit 2000 immer mehr Romane mit Typographie, Seitenkomposition und allgemein mit Aspekten der Druckgestaltung produktiv auseinandersetzen, dann könnte dies ein Hinweis auf einen Umbruch in der Romanpoetik bedeuten, den ich anhand der genannten Romane skizzieren möchte.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Schlagworte: , ,

SBB-PK CC BY-NC-SA

J.J.Chr. Bode und G.E. Lessing als Drucker und Verleger in Hamburg. Werkstattgespräch am 5.12.

Werkstattgespräch: J.J.Chr. Bode und G.E. Lessing als Drucker und Verleger in Hamburg

  • Veranstaltung

    Klicken Sie auf den obigen Link um sich weitere Veranstaltungen anzeigen zu lassen.

  • Termin

    Di, 5. Dezember 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



SBB-PK CC BY-NC-SA


– Univ.-Prof. Dr. Mark-Georg Dehrmann, Humboldt-Universität zu Berlin –

1766 kaufte Johann Joachim Christoph Bode – zu dieser Zeit schon ein bekannter Übersetzer – in Hamburg eine Druckerei. Kurz darauf wurde Gotthold Ephraim Lessing Teilhaber an der Unternehmung, als er seine Stellung am Hamburgischen Theater als Autor der Hamburgischen Dramaturgie antrat. Die Druckerei stand im Zeichen eines programmatischen Versuches, die ökonomischen Bedingungen für vielversprechende Autoren so zu verbessern, dass sie von ihrem Schreiben leben können sollten. Bode führte sie nach Lessings Ausscheiden 1768 noch für 10 Jahre weiter. Der Vortrag skizziert einige der Publikationsprojekte, die von hier ausgingen und die versuchen, literarische Tätigkeit als zu vergütende Arbeit im Dienste imaginärer Gemeinschaften wie des Publikums oder des Volkes zu begreifen. Gleichzeitig wird es auch um Probleme der Zuordnung von unbezeichneten Drucken zu bestimmten Offizinen gehen.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Schlagworte: , ,