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Buchpatenschaft für den Monat September 2018

Unter den vielen Büchern, Noten, Karten, Zeitungen, die wir für eine Buchpatenschaft vorstellen könnten, haben wir uns für September eines aus dem Sachgebiet der Hymnologie ausgesucht. Was das ist? Es ist die Lehre vom Kirchenlied und die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt eine in sich geschlossene, einzigartige Sammlung von Gesangbüchern. Sie gehörte zur Fürstlich Stolbergschen Bibliothek, einer der größten und schönsten Privatbibliotheken Norddeutschlands und sie war im Schloss zu Wernigerode aufgestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen musste sich das Stolbergsche Fürstenhaus von dieser reichen Sammlung trennen. Anfang der 1930er Jahre erwarb die Preußische Staatsbibliothek die Sammlung mit großzügiger Unterstützung des Antiquars Martin Breslauer (1871-1940), der selbst dem ersten Föderverein “Freunde der Preußischen Staatsbibliothek” angehörte.

Titelblatt von Fabricius, Johann: Rosen Gärtlein : Christlicher Rosengarte/ Daraus ein jeder Christ in allerleyCreutz/ Trübsal/ Angst/ und Noth/ Kräutlein/ blümlein/ und mancherley schöne Rößlein zur Labung und erquickung/ abbrechen und hinweg nehmen mag / In diesen Zeiten gantz tröstlich und lieblich zu lesen zugericht. – Nürnberg: Heussler, 1602. Bibliothekssignatur Slg Wernigerode Hb 540.

Fabricius, Johann: Rosen Gärtlein : Christlicher Rosengarte/ Daraus ein jeder Christ in allerleyCreutz/ Trübsal/ Angst/ und Noth/ Kräutlein/ blümlein/ und mancherley schöne Rößlein zur Labung und erquickung/ abbrechen und hinweg nehmen mag / In diesen Zeiten gantz tröstlich und lieblich zu lesen zugericht. Nürnberg: Heussler, 1602.

Bibliothekssignatur Slg Wernigerode Hb 540

Lederband, handkoloriertes Titelblatt, 108 Blatt; Johann Fabricius (*???-1598), Kantor an der Berliner St. Nikolai-Kirche 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, Gesangbuch (Nur Text, ohne Melodien). Das Gesangbuch stammt aus der Sammlung des Oberkonsistorialrats und Pfarrers zu S. Jacobi in Berlin D. J. F. Bachmann (1799–1876), die im Juli 1888 für die Fürstlich Stolbergischen Bibliothek zu Wernigerode angekauft wurde. Diese Erwerbung brachte einen erheblichen Zuwachs für die Sammlung und offenbar einige Verwirrung in die Signaturenvergabe (Näheres hierzu: https://provenienz.gbv.de/F%C3%BCrstlich-Stolberg-Werniger%C3%B6dische_Bibliothek#Literatur).

Die Gesangbuchsammlung Wernigerode kann heute wohl als die bedeutendste hymnologische Sammlung im deutschen Sprachraum bezeichnet werden. Dieses Buch ist eines von 6.037 Bände aus einem Zeitraum von 500 Jahren (16.-20. Jahrhundert). Nicht nur deutschsprachige auch fremdsprachige wie zum Beispiel holländigesche, französische, rätomanische und schwedische Gesangbücher. Sie sind für die Musikgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft eine einzigartige Quelle zur Geschichte des evangelischen und katholischen Kirchenlieds.

Weitere Informationen zur Sammlung Werningerode und den Ankauf der Preußischen Staatsbibliothek finden sich in dem Aufsatz von Ute Nawroth: Die Gesangbuchsammlung Werningerode – Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Band XXVIII, Signatur: Zsn17602-28.1991.

 

 

 

Fabricius, Johann: Rosen Gärtlein : Christlicher Rosengarte…  Nürnberg: Heussler, 1602. Bibliothekssignatur Slg Wernigerode Hb 540.

 

Nötige Reparaturen: Trockenreinigung, erste und letzte Lage abnehmen, wässern und stabilisieren, Risse schließen, Blattränder stabilisieren – handkoloriert. Einband erhalten, Rücken mit passendem Leder ergänzen, hohl arbeiten, Kanten und Ecken festigen.

Kalkulierte Kosten: 800 €

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieses Gesangbuch restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.  Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Buchpatenschaft für den Monat Juni 2018

Im Juni stellen wir Ihnen eine besondere Patenschaft aus der Musikabteilung vor:
eine Partiturabschrift von Mozarts Klavierkonzert in d-Moll (KV 466).

Im frühen 19. Jahrhundert entstanden in verschiedenen europäischen Musikzentren große private Musiksammlungen, welche die Musik der Vergangenheit in Drucken, Autographen und Abschriften sammeln und so für die Wissenschaft und Nachwelt zu bewahren suchten. Zu diesen Sammlern gehörte Joseph Fischhof (*4. Apr. 1804 in Butschowitz / Mähren – †28. Juni 1857 in Wien), der zunächst ab 1822 Medizin studierte und sich nebenbei in Komposition und Klavier ausbilden ließ. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1827 widmete Fischhof sich ganz der Musik.  Von 1833 bis 1856 war er am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde als Professor angestellt und galt als glänzender Pianist.

Seine umfangreiche Musiksammlung ging 1859 nach Vermittlung von Julius Friedlaender großenteils in den Besitz der heutigen Staatsbibliothek Berlin. Josef Fischhof selbst dürfte die vorliegende Partiturabschrift von Mozarts d-Moll-Konzert aus dem Nachlass des Wiener Kontrabassisten und Musiklehrers Otto Hatwig erworben haben, der die Partiturabschrift laut Datumseinträgen zwischen dem 1. und 15. Januar 1831 anfertigte.

 

Titelblatt von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Concerto in D moll pour le Piano Forte, Nr. 13. Avec Accompagnement de deux Violons, deux Violes, Flute…(KV 466). Partiturabschrift von Otto Hatwig (1766-1834) aus dem Jahr 1831. Bibliothekssignatur: Mus.ms. 15483/1.

Mozart, Wolfgang Amadeus (1756-1791): Concerto in D moll pour le Piano Forte, Nr. 13. Avec Accompagnement de deux Violons, deux Violes, Flute…(KV 466).  Abschrift von Otto Hatwig (1766-1834) aus dem Jahr 1831.
Bibliothekssignatur: Mus.ms. 15483/1

120 S.; Pappband mit Marmorpapier bezogen.

Mozart schrieb nur zwei Klavierkonzerte in Moll; dieses ist das erste. Es entstand Anfang Februar 1785 in Wien und wurde bereits am 11. Februar im Wiener Casino „Zur Mehlgrube“ uraufgeführt, wobei Mozart selbst den Solopart übernahm. Das Klavierkonzert markiert einen Wendepunkt in Mozarts Konzertschaffen; “es beginnt die Reihe der großen Selbstzeugnisse, mit denen Mozart sich aus der Welt des Tages heraus- und in die Ewigkeit der Kunst hineinspielte” (Reclams Klaviermusikführer, Band 1, Stuttgart 1996, S. 579).

Der Vater Leopold Mozart nahm an der Uraufführung teil und lobte die Komposition als “ein vortreffliches Clavierkonzert” in einem Brief an die Tochter Marianne.

 

Nötige Reparaturen: Trocken reinigen, Überzugspapier am Rücken ablösen, Rücken neu hinterkleben, vorderen Deckel neu ansetzen, als hohler Rücken neu rekonstruieren und alte Rückenfragmente wieder aufbringen, Schutzverpackung.

Kalkulierte Kosten:  480 €

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass diese Partiturabschrift restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.  Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Großzügige Schenkung für die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Eine wunderbare Ergänzung erhielt die Porträtsammlung der Musikabteilung Ende Juni 2017 von einem Londoner Antiquariat. Bei der Schenkung handelt es sich um ein Konvolut von 18 Lithografien aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Grafiken stammen aus dem Nachlass des Weißenfelser Musikpädagogen Ernst Julius Hentschel (1804-1875).

Bemerkenswert an dieser Sammlung ist, wie exakt sich die Lebensstationen Hentschels an der Auswahl der Porträtierten und deren Umfeld ablesen lässt. Neben Schlesien spielt auch Berlin eine wichtige Rolle in diesem „preußischen“ Konvolut.
Im Jahre 1823 hielt sich Hentschel in Berlin auf, wo er bei Carl Friedrich Zelter (1758-1832) Gesangsunterricht und bei Johannes Bernhard Logier (1777-1846) Harmonieunterricht nahm. Am königlichen Schauspielhaus wurde in diesem Jahr mehrmals die Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit Heinrich Blume (1788-1856) in der Hauptrolle aufgeführt. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Hentschel an einer Aufführung zugegen war, denn es findet sich ein vortreffliches Porträt von Heinrich Blume mit der handschriftlichen Notiz „Don Juan“ in der Sammlung. Die Titelrolle des „Don Giovanni“ galt als seine Glanzrolle, er konnte aber auch gleichzeitig die Rollen des Leporello, des Masetto und des Il Commendatore (des Komturs) singen. Die Vorzeichnung dieser seltenen Lithografie schuf der berühmte Porträtist und Pferdemaler Franz Krüger (1797-1857), der Blume auf einem späteren Gemälde „Parade auf dem Opernplatz“ nochmals verewigen sollte.

[Text von Titus Mehlig]