Beiträge, die auch im Stiftungskontext Relevanz haben können.

Translating Self-Translation (The Case of Nabokov). Werkstattgespräch am 12.11.

…doves and lilies, and velvet… Translating Self-Translation with Remarks on Synaesthesia and Bilingualism (The Case of Nabokov)

  • Termin

    Mo, 12. November 2018
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Schulungsraum K3 im Lesesaal
    (Treffpunkt I-Punkt im Foyer)
    Potsdamer Straße 33
    10785 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestelle
    H Potsdamer Brücke (Bus M29)
    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)
    H Kulturforum (Bus M48)

  • Alle Veranstaltungen

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Russian writer Vladimir Nabokov (1899 - 1977) in Rome to work on the film screenplay of his most famous book, ‚Lolita‘. (Photo by Keystone/Getty Images) | Britannica ImageQuest © Keystone / Hulton Archive / Getty Images / Universal Images Group


Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Zsuzsa Hetényi, University ELTE, Budapest

From the point of view of translation studies Nabokov’s case is very apt to shed light on some new aspects of practical and theoretical problems of literary translation. First of them is that the fact of self-translation result two original versions representing a double authenticity.
The lecture will also challenge the notion of the minimal and maximal unity and a number of practical problems that translating Nabokov to a third language raises.

I argue that in Nabokov’s poetic prose-texts letters can generate sense by their graphic exponents and obtain an independent sense developed into leitmotifs as discrete letters become bearers of sense, isolated from the words, in their independent visual appearance alone. Nabokov’s texts demand a duplex, two-way strategy of reading with a special, now gliding, now stopping eye-movement: the sense is given not (only) by the consecutive line of words, but in very “flesh of the text”. This statement will be demonstrated on some letter-motives of Nabokov’s oeuvre. I will also discuss Nabokov’s synaesthetism as linked to the perception of letters as images. “[…] the color sensation seems to be produced by the very act of my orally forming a given letter while I imagine its outline…”—writes Nabokov in his Speak, Memory.

The interference of sense of taste and the visual activity of mind, originated in Nabokov’s synesthetic capacities developed due to his multilingualism, and complemented by many biographical circumstances merge in Nabokov’s special concept or philosophy of the language. This unique complex has a close correlation both with Russian Symbolist and Avant-garde experiments in language otherwise usually regarded in opposition.

AUSSTELLUNG im November

Ausstellung im November

  • Öffnungszeiten

    Mo-Fr 9-21 Uhr

    Sa 10-19 Uhr

  • Ausstellungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Eingangsfoyer
    Potsdamer Straße 33
    10785 Berlin

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestelle
    H Potsdamer Brücke (Bus M29)
    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)
    H Kulturforum (Bus M48)



© SBB-PK, CC NC-BY-SA



Anlässlich des 100. Gedenkjahres der Novemberrevolution zeigt die Ausstellung Reproduktionen von Flugblättern, Handzetteln und Zeitungssonderdrucken aus dem Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin, die von der deutschen Revolution 1918 bis zum Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 entstanden sind. Die Objekte werden in einer collageartigen Zusammenstellung an Säulen im Eingangsfoyer der Staatsbibliothek gezeigt, die ihrer originalen Verwendung im Straßenraum nachempfunden ist und mit denen der Betrachter daher zunächst unvermittelt konfrontiert werden soll. Separat präsentierte, erklärende Texte liefern die notwendigen Hintergrundinformationen und binden die Quellen in den historischen Kontext ein.

Die Ausstellung konzentriert sich auf fünf Themenfelder: die Revolution in Berlin vom November 1918 bis zum Januar 1919, die Revolution in Braunschweig im November 1918, die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung im Januar 1919, die Münchner Räterepublik im April 1919 und der Kapp-Lüttwitz- Putsch im März 1920.

Eröffnung: 8.11.2018 / 18 Uhr / Dietrich-Bonhoeffer-Saal / Vortrag “100 Jahre Novemberrevolution: Gedenken, Erinnern, Vergessen”, Dr. Mark Jones, Assistant Professor am University College Dublin / Eintritt frei / Anmeldung bis 1.11. unter: pr@sbb.spk-berlin.de.

Weitere Ausstellungen und Veranstaltungen zu diesem Thema finden Sie hier. Sie verlassen die Seite der Staatsbibliothek zu Berlin.

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist Partner des Themenwinters “100 Jahre Revolution – Berlin 1918/19”. Ein Projekt der Kulturprojekte Berlin.

© Kulturprojekte Berlin

Superheldencomics als mobiles Archiv

Huch, ein Batman-Heftchen neben Kants ledergebundenen Schriften oder einer Musikhandschrift? Gar nicht so abwegig: Seit 2015 sammelt die Staatsbibliothek zu Berlin erstmals auch systematisch Comics und Graphic Novels für Erwachsene. Dass Comics ein relevanter Forschungsgegenstand sind, zeigen regelmäßige Vorträge von Comicexperten. Anlässlich der Schenkung einer Sammlung amerikanischer Comics sprach Prof. Dr. Daniel Stein von der Universität Siegen über Superheldencomics als mobiles Archiv.

Vitrinenpräsentation ‘SuperheldInnen’ – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Lizenz: CC BY-SA-NC 3.0

70.000 Hefte – so groß ist die Sammlung, die Johannes Ruscheinski der Staatsbibliothek zu Berlin überlässt. „Dadurch vervielfacht sich unser Comic-Bestand“, sagt Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung in der Staatsbibliothek. „Die Sammlung, die im Wesentlichen den Zeitraum von Mitte der 1980er Jahre bis 2014 umfasst, ist in ihrer Vollständigkeit so überzeugend, dass wir dieses Geschenk selbstverständlich gerne angenommen haben.“ Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf weiblichen Figuren – Superheldinnen wie Wonder Woman, Ms. Marvel, Batwoman oder Red Sonja.

Daniel Stein zeigte sich im Werkstattgespräch begeistert über das Sammlungsinteresse der Staatsbibliothek im Bereich der Comics. Dies sei keineswegs eine Selbstverständlichkeit: Zwar seien etwa Graphic Novels sehr beliebt und schon länger Gegenstand institutioneller Sammlungsbemühungen, doch würden gerade Superheldencomics oft noch als sammlungsunwürdige „Trivialliteratur“ betrachtet und vernachlässigt. Dabei seien letztere wegen ihrer Präsenz in der Populärkultur, etwa im Blockbusterkino und in Fernsehserien, aber auch als Werbeträger, von gesellschaftlicher Bedeutung. Es sei daher interessant, die Entwicklungs- und Entstehungsgeschichte dieser breiten Präsenz zu untersuchen, um den Erfolg solcher narrativen Formate zu verstehen.

Prof. Dr. Daniel Stein. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Lizenz: CC BY-SA-NC 3.0

In seinem Vortrag stellte Daniel Stein seinen Ansatz vor, Superheldencomics als mobile Archive zu betrachten. Zwei Fragen standen dabei im Vordergrund: Wie werden sie archiviert? Und wie tragen sie selbst zu ihrer Archivierung bei? Dabei versteht Stein „Archiv“ nicht als statische Struktur, sondern als gesellschaftliche Praxis der Auswahl, Ordnung und Bewahrung von Vergangenem.

Dies hängt erstens damit zusammen, dass Comics in der Regel serielle Erzählungen sind. Bis in die 1950er Jahre hinein kommen Comics als abgeschlossene Episoden vor: Mit jedem Kapitel fängt die Handlung wieder beim Ursprungszustand an, vorausgegangene Geschehnisse sind irrelevant. Doch dann setzt sich eine neue Form des episodenübergreifenden Erzählens durch, mit der eine wachsende Relevanz der Serienvergangenheit einhergeht. Bereits Erzähltes kann nun nicht mehr ignoriert werden. Jede neue Folge baut auf einer Seriengeschichte auf, die schon feststeht und nur noch variiert, nicht aber negiert werden kann. Die Kenntnis der Vergangenheit wird für die Autoren notwendig – im Zweifel muss das Serienarchiv konsultiert werden.

Zweitens spielt bei Comics die Fankultur eine große Rolle. Schon früh bringen sich die Fans mit Leserbriefen und eigenen Fanzines ein. Darüber hinaus sorgen sie mit ihren Serienkollektionen und Tauschbörsen für eine Systematisierung der Seriengeschichten: Comics werden auf diese Weise Teil eines Archivs.

Vortrag von Prof. Dr. Stein “Superheldencomics als mobiles Archiv” – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Lizenz: CC BY-SA-NC 3.0

Neben dieser aktiven Leserschaft tragen, so Daniel Stein, aber auch die Comics selbst mit bestimmten Mechanismen zu ihrer eigenen Archivierung bei. Beispiele hierfür sind etwa die bei Marvel vorkommenden Fußnoten, die mit Verweisen auf ältere Hefte der Kontextualisierung laufender Handlungen dienen, und explizite Verweise auf die Serienvergangenheit durch die Figuren selbst. Auch narrative Formate wie Metaerzählungen, Parodien und Metalepsen führen laut Stein zur Selbstarchivierung von Comics, da hier die Kenntnis der Serienvergangenheit vorausgesetzt wird.

Verlage nutzen diese Mechanismen der Selbstarchivierung der Comics kommerziell: Reprints machen die Serienvergangenheit auch für Neulinge verfügbar, die nicht über eine langjährig aufgebaute eigene Sammlung verfügen. Gleichzeitig werden die Verlage durch die unvermeidbare Selektion bei den Reprints (nach kommerziellen Kriterien) zu Akteuren in einem Kanonisierungsprozess, der wiederum ständig neu verhandelbar ist: Was kommt in den Kanon? Was gilt als so wichtig, dass es überliefert werden soll? Und wer hat die Autorität, dies zu entscheiden?

Außer Frage steht, dass Sammler im Archivierungsprozess der Comics eine essentielle Rolle spielen. Comics sind als Teil der Populärkultur a priori nur zum Einmalgebrauch konzipiert, was sich vor allem in der Anfangsphase in der billigen Produktion niederschlägt: Durch die archivarische Aktivität von Amateuren wird zu archivieren versucht, was nicht für die Aufbewahrung bestimmt ist.

Vitrinenpräsentation ‘SuperheldInnen’ – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Lizenz: CC BY-SA-NC 3.0

Abschließend wollte Carola Pohlmann von Daniel Stein noch wissen, was er sich als Comic-Forscher von der Staatsbibliothek wünsche. Seine Antwort: Neben der Sicherung existierender Bestände sei insbesondere ein ständiger Dialog zwischen Forschern, Sammlern und Bibliothekaren wesentlich. Nur so könne in stetem Austausch immer wieder neu gefragt werden: Was ist wichtig? Was brauchen wir?

In der Staatsbibliothek geht es nun erst einmal an die Katalogisierung der neu hinzugekommenen Comics, damit nach und nach die gesamte Sammlung zugänglich gemacht werden kann. Die kostbaren Hefte stecken – verstärkt durch passgenaue Pappen – einzeln in speziellen Magazinhüllen, die wiederum zu jeweils 100–150 Heften in säurefreien Boxen gelagert werden. Interessierten Nutzerinnen und Nutzern wird dieses empfindliche Material nach der Einarbeitung im Lesesaal der Kinder- und Jugendbuchabteilung zur Verfügung gestellt.

 

Ein Beitrag von Jonas Dehn, wissenschaftlicher Assistent (in Fortbildung) in der  Stiftung Preußischer Kulturbesitz