Beiträge, die auch im Stiftungskontext Relevanz haben können.

Staatsbibliothek entsendet „Götterfunken“ nach Wien und Bonn

„Keine Institution der Welt besitzt und pflegt so viele Kompositionen, Briefe, Konversationshefte und anderes Handschriftliches von Ludwig van Beethoven wie die Staatsbibliothek zu Berlin“ erklärt Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf, und weiter „diese unikalen Schätze wollen wir im Beethoven-Jahr 2020 möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Im Finale der 9. Sinfonie singt der Chor von weltumspannender Brüderlichkeit und gegenseitiger Inspiration – mögen viele Besucher in Wien und Bonn sich diesen Gedanken freudig anschließen und sich von der originalen Handschrift Beethovens faszinieren lassen.“

Unter den herausragenden Exponaten des Beethoven-Jahres 2020 ist die Originalpartitur der Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125. Seit dem Jahr 1901 gehört die nahezu vollständige Partitur der einst Königlichen Bibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Dank des Umstandes, dass die Partitur in sechs Teile gefasst ist – einen Hauptband der Sätze I bis III mit 137 Seiten sowie fünf schmale Bände des Finalsatzes mit 67 Seiten – ist es der Staatsbibliothek möglich, mehrere Leihgaben parallel zu entsenden. So können schon zum Beginn des Jubiläumsjahres viele Menschen an dem UNESCO-Weltkulturerbe teilhaben. Nachdem die Staatsbibliothek zu Berlin schon im Lauf des Jahres 2019 sämtliche Materialien ihrer überaus reichen Beethoven-Sammlung in bester Auflösung und gut erschlossen online verfügbar machte, folgen nun Ausstellungen mit den seltenen Gelegenheiten, Beethovens Schaffen nahe zu kommen.

 

Leihgaben nach Wien und Bonn

Nach Wien, in die Ausstellung „Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken“ der Österreichischen Nationalbibliothek, wird in diesen Tagen eines der fünf Faszikel des Finalsatzes entsendet. Wien war der wesentliche Ort im Leben und Schaffen Ludwig van Beethovens, eben dort wurde 1824 seine 9. Sinfonie uraufgeführt. Ab dem 19. Dezember kann das Publikum eine Doppelseite des berühmten Finales betrachten. Zu sehen ist jener Höhepunkt, auf dem Beethoven die beiden musikalischen und ideellen Hauptthemen – Freude und weltumspannende Brüderlichkeit unter den Menschen – in kontrapunktischer Verflechtung gleichzeitig erklingen lässt. Zwischen dem Notensystem notierte er die Textzeilen „Freude schöner Götterfunken“ und „Seid umschlungen Millionen“.

Im Finale seiner Sinfonie Nr. 9 lässt Ludwig van Beethoven den Chor “Seid umschlungen, Millionen” und “Freude schöner Götterfunken” intonieren, gut erkennbar unten auf der Seite

In der Bundeskunsthalle in Bonn, dem Ort seiner Geburt und Jugendjahre, sind seit heute in der Ausstellung „Beethoven.Welt.Bürger.Musik“ ein weiteres Faszikel des Finalsatzes der 9. Sinfonie sowie von der Hand des Komponisten 19 weitere Stücke zu sehen, etwa die Missa solemnis, eines seiner Konversationshefte, ein annotierter Kalender sowie das Orchesterwerk Wellingtons Sieg.

 

In Berlin „Diesen Kuß der ganzen Welt!“ ab 11. März 2020

 Die Staatsbibliothek zu Berlin wird in ihrem Haus Unter den Linden vom 11. März  – 30. April 2020 die Ausstellung „Diesen Kuß der ganzen Welt!“ zeigen. Zum ersten Mal werden dann alle Sätze seiner berühmtesten Sinfonie, der Neunten, gleichzeitig ausgestellt sein. Der Hauptband sowie vier Faszikel des Finalsatzes werden nebeneinander aufgeschlagen und erlauben so einen tiefen Einblick in die Erschaffung dieses Meisterwerkes.

Zur Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek gehören viele weitere große Werke – etwa die Sinfonien Nr. 4, 5, 7 und 8, die Klavierkonzerte 1-3 und 5, die Oper Leonore/Fidelio, die Missa solemnis – wie auch der Brief an die Unsterbliche Geliebte, 380 weitere Briefe und mit 137 nahezu alle seiner überlieferten Konversationshefte. Vieles davon wird in der Ausstellung vorgestellt.

 

 HINTERGRUND

Das Autograph der 9. Sinfonie von L. v. Beethoven

Im Frühjahr 1824 hatte Ludwig von Beethoven (1770-1827) die Arbeit an seiner 9. Sinfonie abgeschlossen. Die Partitur lag als ein Packen von mehr als 200 unbeschnittenen Notenblättern vor. Das Papier war nicht durchweg von einheitlichem Format: Zwar hatte Beethoven seine Komposition zum überwiegenden Teil auf 16-zeiligem Notenpapier im Querformat niedergeschrieben; für einige Abschnitte des Finalsatzes aber, in denen das Solistenquartett, der Chor und das groß besetzte Orchester zusammenwirken, musste er auf Blätter im Hochformat mit 23 Notensystemen zurückgreifen.

Sein Manuskript war eine Arbeitspartitur, die mit ihren überaus zahlreichen, auch heftigen Streichungen, Rasuren, Überschreibungen und Verweisungen augenfällig die Spuren des Kompositionsprozesses trägt. Für Aufführungszwecke stellten versierte, mit Beethovens Handschrift und seinen Notierungsgewohnheiten vertraute Kopisten Abschriften her. Die erste Aufführung der Sinfonie fand am 7. Mai 1824 in Wien statt.

Nach Beethovens Tod befand sich die Original-Partitur der 9. Sinfonie im Besitz seines Gehilfen und Sekretärs Anton Schindler. Nach eigenem Bekunden hatte er sie im Februar 1827, wenige Wochen vor dem Tod Beethovens, von diesem als Geschenk erhalten. Jedoch war das Werk unvollständig: Vorhanden waren nur die Sätze 1 bis 3, vom Finalsatz hingegen nur ein kleinerer Teil.

Aus der ohnehin schon fragmentarischen Partitur sandte Schindler im September 1827 zwei Blätter nach London an den Komponisten Ignaz Moscheles, der in Wien mit Beethoven befreundet gewesen war. Beide Blätter gelangten 1956 in das Bonner Beethoven-Haus. An einen unbekannten Empfänger wurden, vermutlich ebenfalls durch Schindler, drei Blätter aus dem Finalsatz weitergegeben. Sie liegen heute in der Bibliothèque Nationale in Paris.

Im Jahr 1846 vermachte Schindler seine überaus wertvolle Beethoven-Sammlung der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute Staatsbibliothek zu Berlin), der Preußische Staat zahlte ihm dafür eine Leibrente. Die 137 Blätter des Hauptkorpus – fünf Blätter fehlten, s. o. – wurden in der Bibliothek mit rotem Halbleder eingefasst.

Die ersten drei Sätze der Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 von Ludwig van Beethoven sind, eingebunden in rotes Leder, im Hauptband vereint; dieser wird durch fünf Faszikel des Finales, dem vierten Satz, ergänzt || Abbildung aus der Digitalen Bibliothek der SBB-PK

Die die Partitur ergänzenden Teile des Finalsatzes fanden sich in Beethovens Nachlass, der zu großen Teilen 1827 vom Wiener Verleger Domenico Artaria ersteigert wurde. 1901 gelang es der Berliner Bibliothek, auch diese hochbedeutende Musikhandschriftensammlung zu erwerben. So kamen, zusammen mit allen anderen Beethoven-Objekten, nun auch die fehlenden Abschnitte des Finalsatzes nach Berlin, die insgesamt 67 Blätter waren in fünf Faszikeln gefasst und wurden in eben dieser Aufteilung ebenfalls in rotes Halbleder eingebunden.

Zum ersten Mal seit Beethovens Tod war im Jahr 1901 das Autograph seiner 9. Sinfonie mit den insgesamt 204 Blättern in einem Hauptband und fünf Faszikeln fast vollständig an einem Ort vereint. Doch schon nach vier Jahrzehnten wurde die Sinfonie erneut geteilt: Um die kostbaren Bestände vor Schäden durch den Zweiten Weltkrieg zu schützen, teilte die Bibliothek sie 1941 in drei Partien und brachte sie an weit auseinanderliegende Orte. In den Osten kehrten 1946 vom Finalsatz die Faszikel I-III in das Haus Unter den Linden der Bibliothek zurück, der Hauptband folgte 1977. Die Faszikel IV und V kamen 1967 in die Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach West-Berlin. Somit verlief bis zur Wiedervereinigung Deutschlands die wahrhaft symbolische Teilung mitten durch den Chorgesang des Finales. Die Sinfonie war zu einem Monument des Kalten Krieges geworden, da der „Schnitt“ mitten durch die Doppelfuge des Schlusssatzes ging, mit der Beethoven die musikalischen und ideellen Hauptthemen – Freude und weltumspannende Brüderlichkeit unter den Menschen – in kontrapunktischer Verflechtung gleichzeitig erklingen lässt.

Im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung wurden die beiden Berliner Staatsbibliotheken 1992 unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammengeführt. Damit fanden – 50 Jahre nach ihrer zweiten Teilung – im Haus Unter den Linden der Hauptband und die fünf Faszikel des Finalsatzes der 9. Sinfonie wieder zueinander.

Das Autograph der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven gehört zu den kostbarsten Schätzen des musikalischen Erbes der Menschheit. 2001 erklärte die UNESCO dieses Herzstück der großen Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz zum Weltdokumentenerbe.

Orient-Digital wird großzügig von Deutscher Forschungsgemeinschaft gefördert

Staatsbibliothek zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz
Bayerische Staatsbibliothek
Universität Erfurt – Forschungsbibliothek Gotha
Universität Leipzig

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert in den kommenden drei Jahren den Aufbau eines Verbundkatalogs und eines Portals “Orient-Digital” für orientalische Handschriften. Dabei sollen gemeinsame Erschließungsstandards etabliert, gedruckte Kataloge in elektronische konvertiert sowie alle bestehenden elektronischen Nachweise zusammengeführt werden. Unter Leitung der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin arbeiten die Forschungsbibliothek Gotha, die Bayerische Staatsbibliothek München und das Universitätsrechenzentrum Leipzig eng zusammen. Wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland beherbergen umfangreiche und vielfältige Sammlungen orientalischer Handschriften. Sie sind wesentlicher Bestandteil des schriftlichen Welterbes und als Primärquellen für verschiedene Wissenschaften von höchster Bedeutung.

 

Qualitätsvolle Bestände und Erschließungsdaten sichtbarer machen

Im internationalen Vergleich ist die bereits erreichte Qualität der wissenschaftlichen Erschließung der Bestände sehr hoch, zu danken ist dies der sehr guten Qualität der älteren Kataloge und vor allem dem seit 1958 Jahren laufenden Akademie-Projekt „Katalogisierung der orientalischen Handschriften in Deutschland“ (Akademie der Wissenschaften Göttingen). Für die aktuelle internationale Forschung ist allerdings von Nachteil, dass die historischen und neueren gedruckten Kataloge sowie die Nachweise in lokalen Bibliothekssystemen und isolierten Datenbankanwendungen nur schwer zugänglich sind. Mit dem nun von der DFG bewilligten Förderprojekt werden die Metadaten arabischer, persischer und türkischer Handschriften von 20 kooperierenden Einrichtungen in die Datenbank „Orient-Digital“ (http://orient-digital.de) eingebunden sowie Verknüpfungen zu Digitalisaten erstellt. Im Förderzeitraum werden Erfassungsstandards etabliert und die Daten aus den gedruckten Altkatalogen der teilnehmenden deutschen Institutionen normgerecht erfasst. Mit Abschluss des Projektes sollen die Nachweise zu ca. 22.000 Handschriften im Portal zu finden sein.

 

Weiterentwicklung der MyCoRe-Datenbank

Die IT-Infrastruktur der vorhandenen elektronischen Nachweise orientalischer Handschriften wird vom URZ Leipzig angepasst, um einen optimalen Datenaustausch zu ermöglichen und um allen interessierten Einrichtungen mit großen oder kleinen Sammlungen orientalischer Handschriften zukünftig zur Nutzung offen zu stehen. Dazu wird in Harmonisierung der derzeit unterschiedlichen Nachweissysteme und Datenmodelle eine zentrale Portallösung mit gemeinsamem Index aufgebaut, in die die vereinheitlichten Metadaten und Daten weiterer externer Systeme integriert werden können. Die Aktivitäten werden in enger Abstimmung mit dem ebenfalls von der DFG geförderten Handschriftenportal (https://handschriftenportal.de) durchgeführt, um eine größtmögliche Vereinheitlichung der technischen und bibliothekarischen Standards zu erreichen. Das Projektteam von Orient-Digital wird im Frühjahr 2020 seine Arbeit aufnehmen. In einer zweiten Projektphase ist das Einbinden weiterer asiatischer und afrikanischer Sprachgruppen geplant.

 

Weitere Kooperationspartner deutschlandweit sind

  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
  • Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
  • Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • Universitätsbibliothek Freiburg
  • Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Akademie der Wissenschaften Göttingen, KOHD
  • Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
  • Deutsche Morgenländische Gesellschaft
  • Archiv der Franckeschen Stiftungen Halle/S.
  • Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky Hamburg
  • Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Universität zu Köln, Orientalisches Seminar
  • Universitätsbibliothek Leipzig
  • Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
  • Universitätsbibliothek der Philipps-Universität Marburg
  • Universitätsbibliothek Potsdam
  • Universitätsbibliothek Rostock
  • Universitätsbibliothek Tübingen
  • Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Visionen der Bauhausbücher. Werkstattgespräch am 16.12.

Visionen der Bauhausbücher – Einblicke in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft visueller Experimente im Grafikdesign



Visuelle Systeme – interdisziplinäre Perspektiven auf Schrift und Typografie. © 2019 Fritz Grögel


Werkstattgespräch mit Johannes Rinkenburger, Bauhaus-Universität Weimar
Fachliche Betreuung: Dr. Christian Mathieu

Die Bauhausbücher – sie sind nicht nur irgendeine Buchreihe der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie verschaffen uns Einblicke in die Gedanken, Herangehensweisen und Visionen der künstlerischen Avantgarde rund um den Bauhaus-Ideenkreis und beinhalten nicht selten schon Ideen von dessen, was wir heute als Grafikdesign bezeichnen.
In der vorgestellten Publikation Visions of the Bauhaus Books – Exploring Connections to Contemporary Graphic Design Practice werden die Inhalte der Bauhausbücher (1925–1930) sowie deren Entstehungsweisen und Kontexte erforscht, deren Wechselwirkungen mit gegenwärtigen Designströmungen festgestellt und darauf basierend Ästhetiken, Techniken und Methoden des gegenwärtigen Grafikdesigns erkundet.

Begleitveranstaltung:

P/Review: Bauhausbücher,14+1
16. Dezember 2019, 16:30 Uhr
Seminarraum der Kunstbibliothek
Staatliche Museen zu Berlin
Kulturforum, Matthäikirchplatz 6
(Treffpunkt: Foyer der Kunstbibliothek, 1. OG)

Eine Veranstaltung der gemeinsam mit der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin organisierten Vortragsreihe Visuelle Systeme – interdisziplinäre Perspektiven auf Schrift und Typografie

Weitere Termine der Wissenswerkstatt.