Handschriftenportal-Summer School 2026
Handschriftenforschung und ihr Weg ins Digitale. Kulturelles Erbe erschließen und als Forschungsdaten bereitstellen
Vom 29. September bis 2. Oktober 2026 führen wir in Berlin eine Handschriftenportal-Summer School durch. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Master-Studierende sowie Promovierende mediävistischer Fächer, die vertiefende Kenntnisse in den Bereichen Kodikologie und Paläographie sowie Digital Humanities und Forschungsdaten erwerben möchten. Sie bietet den Teilnehmenden die Gelegenheit, in der Praxis den gesamten Prozess von der Erschließung einer Handschrift bis hin zur Dateneingabe und Verknüpfung mit Linked Open Data im Handschriftenportal anhand von Originalfragmenten aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin zu erproben und einzuüben.
Ausschreibung
Ab sofort können Sie sich für die Summer School bewerben!
Teilnahmevoraussetzungen
- Studium eines geisteswissenschaftlichen Fachs mit mediävistischem Schwerpunkt; M.A. oder kurz vor Masterabschluss stehend
- Erwünscht: Grundkenntnisse des Mittelhochdeutschen und des Lateinischen
Bewerbungsunterlagen
- ein kurzes Motivationsschreiben (max. eine halbe Seite) mit Ihren Kontaktdaten
- einen aktuellen tabellarischen Lebenslauf
- Abiturzeugnis und akademische Abschlusszeugnisse oder Leistungsnachweise
Es werden keine spezifischen technischen bzw. IT-Kenntnisse vorausgesetzt.
Die Teilnehmenden erhalten einen Unterbringungs- und Reisekostenzuschuss.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung als pdf bis einschließlich 3.5.2026 an nicole.eichenberger@sbb.spk-berlin.de. Die Auswahl erfolgt nach Qualifikation. Eine Nachricht über die Auswahlentscheidung erhalten Sie bis 8.6.2026.
Zum Hintergrund und Format des Kurses
Die Erforschung von Handschriften als physische Objekte hat in den letzten Jahrzehnten – ausgehend von Ansätzen wie New Philology und Material turn – einen großen Aufschwung erlebt. So wird die handschriftliche Überlieferung in mediävistischen Disziplinen heute nicht mehr nur für textgenetische Fragen herangezogen, sondern auch als zentraler Faktor für das Verständnis der Texte selbst, ihrer Verbreitung und ihrer zeitgenössischen Rezeptionskontexte wahrgenommen. Zudem ist der Zugang zu Handschriften, zumindest in Form von Reproduktionen, durch die digitale Transformation sehr viel leichter und in größerem Umfang möglich geworden. In diesem Umstand liegen zugleich immense Chancen als auch neue Herausforderungen für die Mittelalterforschung. Denn die Arbeit mit Handschriften – in analoger wie digitaler Dimension – erfordert zunächst vertiefte kodikologische Kenntnisse, die in akademischen Curricula oft nur marginal vertreten sind. Darüber hinaus ist die Handschriftenforschung inzwischen von digitalen Methoden (TEI-Codierung, automatische Texterkennung) und Infrastrukturen (Handschriftendatenbanken, Linked Open Data) geprägt, sodass ein Grundverständnis von Digital Humanities-Aspekten für eine wissenschaftliche Tätigkeit in diesem Bereich ebenfalls unabdingbar ist – ein weiterer Baustein, der in der mediävistischen Ausbildung oft fehlt. Diese beiden Desiderate werden in der Handschriftenportal-Summer School adressiert. Organisiert wird die Veranstaltung von drei am Handschriftenportal-Projekt beteiligten Institutionen, der Staatsbibliothek zu Berlin, der Bayerischen Staatsbibliothek München und der Universitätsbibliothek Leipzig, sowie dem Konsortium 4Memory der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).
Der Kurs beinhaltet Impulsreferate zu Handschriftenkatalogisierung, Kodikologie, Paläographie und Schreibsprachenbestimmung, zum Handschriftenportal und seiner technischen Grundlage sowie zu TEI-XML-Codierung und Linked Open Data. Dazwischen liegen Phasen praktischer Arbeit mit den Originalfragmenten und mit dem Katalogisierungsmodul des Handschriftenportals. Vorträge von Fachexpert:innen aus den Bereichen Handschriftenforschung und Digital Humanities runden das Programm ab.
Programm
Dienstag, 29.9.2026
| 9.30-10 Uhr | Begrüßung |
| 10-11 Uhr | Impuls Kodikologie & Begegnung mit Originalen |
| 11-11.30 Uhr | Pause |
| 11.30-13 Uhr | Impuls Kodikologie (Fragmente) & Arbeit an Originalen |
| 13-14 Uhr | Pause |
| 14-15.30 Uhr | Impuls Handschriftenportal-Recherche und Handschriftenbeschreibung |
| 15.30-16 Uhr | Pause |
| 16-17.30 Uhr | Arbeit an Originalen |
Mittwoch, 30.9.2026
| 9-10.30 Uhr | Impuls Paläographie |
| 10.30-11 Uhr | Pause |
| 11-12.30 Uhr | Impuls Schreibsprache |
| 12.30-13.30 Uhr | Pause |
| 13.30-15 Uhr | Arbeit an Originalen |
| 15-15.30 Uhr | Pause |
| 15.30-17.30 Uhr | Impuls Handschriftenportal (Katalogisierungsmodul) / Eingabe |
| 17.30-18 Uhr | Pause |
| 18 Uhr | Abendvortrag von Prof. Dr. Cornelia Herberichs (Universität Freiburg Schweiz): „Geschriebene Heiligkeit: Hagiographie in kodikologischer und digitaler Perspektive“ |
Donnerstag, 1.10.2026
| 9-10.30 Uhr | Arbeit an Originalen / Eingabe |
| 10.30-11 Uhr | Pause |
| 11-12.30 Uhr | Impuls Technologie Katalogisierungsmodul des Handschriftenportals |
| 12.30-13.30 Uhr | Pause |
| 13.30-15 Uhr | Impuls TEI-XML und Linked Open Data |
| 15-15.30 Uhr | Pause |
| 15.30-17.30 Uhr | Arbeit an Originalen / Eingabe |
| 17.30-18 Uhr | Pause |
| 18 Uhr | Abendvortrag von Prof. Dr. Michael Schonhardt (Technische Universität Darmstadt) |
Freitag, 2.10.2026
| 9-10.30 Uhr | Arbeit an Originalen / Eingabe |
| 10.30-11 Uhr | Pause |
| 11-12.30 Uhr | Ergebnispräsentation |
| 12.30-13.30 Uhr | Round-up, Feedbackrunde |
Als Ergänzung zur Handschriftenportal-Summer School empfehlen wir den Besuch des 10. Sommerkurses für Handschriftenkultur an der Universitätsbibliothek Leipzig „Mittelalterliche Handschriften verstehen lernen“, der vom 23. bis 29. August 2026 in Leipzig stattfindet und stärker grundwissenschaftlich ausgerichtet ist. Informationen dazu unter: https://www.ub.uni-leipzig.de/forschungsbibliothek/sommerkurs-handschriftenkultur
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