Tag der Provenienzforschung 2026 | #spurensuche
Am 8. April 2026 findet zum achten Mal der „Internationale Tag der Provenienzforschung“ statt. Viele Kultureinrichtungen in Berlin arbeiten seit geraumer Zeit daran, die Herkunft ihrer Bestände zu erforschen bzw. ihre Sammlungen nach Objekten aus Unrechtskontexten zu durchsuchen. Der 2019 vom Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. ins Leben gerufene Aktionstag rückt diese Arbeit in den Fokus der Öffentlichkeit.
Provenienz [pʁoveˈni̯ɛnt͡s], von lateinisch ‚provenire‘, zu Deutsch: ‚herkommen‘, bezeichnet die Herkunft einer Person oder Sache. Durch Merkmale an den Objekten wird versucht, die Vorbesitzer:innen zu bestimmen: Solche Provenienzmerkmale können z.B. Stempel, Etiketten, Exlibris oder auch handschriftliche Notizen sein.
In öffentlichen Einrichtungen hat Provenienzforschung das vorrangige Ziel, Objekte aus Unrechtskontexten in den Beständen zu identifizieren, die Vorbesitzer:innen zu ermitteln und die Objekte nach Möglichkeit an heute noch lebende erbberechtigte Personen oder Rechtsnachfolger:innen zurückzugeben.
Zum Tag der Provenienzforschung 2026 präsentieren die Akademie der Künste, das Deutsche Historische Museum (DHM), das Jüdische Museum Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, die Stiftung Stadtmuseum Berlin, die Stiftung Topographie des Terrors, das Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin ein gemeinsames Programm.
Angeboten werden vier geführte Provenienzspaziergänge, die auf unterschiedlichen Routen vor allem entlang der Straße Unter den Linden, aber auch der Kurstraße und der Wilhelmstraße Einblicke in die Arbeit der Provenienzforscher:innen in unterschiedlichen Kulturinstitutionen gewähren. Gleichzeitig zeigen verschiedene Stationen im heutigen Berliner Stadtbild die noch sichtbaren Spuren der NS-Herrschaft und der Entwicklungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowie die Schicksale von verfolgten Menschen und Institutionen.
Programm
Provenienzspaziergang | 10 Uhr
Der Provenienzspaziergang beginnt am Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, wo Sie erfahren, warum die Geheime Staatspolizei und der Sicherheitsdienst der SS Millionen Bücher raubten und was sie damit machten. Danach geht es zur Bibliothek des Jüdischen Museums Berlin, wo Sie am Beispiel der 1987 vom Museum erworbenen Bibliothek des Sammlers Eli Stern erfahren, welchen Weg diese Bücher nach dem Krieg nahmen.
Dauer: 1:45 h
Anmerkungen: Für Selbstfahrer:innen nicht barrierefrei.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Treffpunkt: Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin, vor den Treppen zum Dokumentationszentrum (bei starkem Regen im Foyer)
Hinweis: Um eine Abgabe der Jacken, Mäntel und Taschen an der Garderobe der Bibliothek des Jüdischen Museums wird gebeten.
Provenienzspaziergang | 12:45 Uhr
Wir starten unseren Provenienzspaziergang vor dem Bode-Museum (Monbijoubrücke), von wo uns der Weg vor das Haus Am Kupfergraben 4 führt. Hier lebte und wirkte der Numismatiker und Antikenhändler Dr. Philipp Lederer (1872–1944), für den an dieser Stelle kürzlich ein Stolperstein verlegt wurde. Weiter geht der Weg zur James-Simon-Galerie, wo der „Liegende Löwe“ von August Gaul besichtigt und seine Geschichte erzählt wird. Die Kalksteinskulptur befand sich einst im Eigentum des Verlegers und Kunstsammlers Rudolf Mosse, der wie Lederer einen jüdischen Hintergrund hatte. Von der James-Simon-Galerie ist es ein Katzensprung zur Bibliothek des Deutschen Historischen Museums. Im historischen, mosaik-geschmückten Lesesaal geben die Provenienzforscher:innen einen Einblick in die Sammlungsgeschichte der drei Museumsinstitutionen – vom Zeughaus, über das Museum für Deutsche Geschichte bis zum Deutschen Historischen Museum – und die sich daraus ergebenden Schwerpunkte der Provenienzforschung. Anhand einiger Beispiele werden die Besonderheiten der Recherchen zu Kriegsverlusten, NS-Raubgut und Entzügen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR dargestellt.
Dauer: 1:20 h
Anmerkungen: Nicht barrierefrei.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Treffpunkt: Bode-Museum (Monbijoubrücke)
Hinweis: Taschen und Rucksäcke (größer als DIN A4-Format) sowie Mäntel bitte in den Garderobenschränken im Eingangsbereich (DHM-Bibliothek) einschließen.
Provenienzspaziergang | 14:45 Uhr
In der Staatsbibliothek tauchen Sie ein wenig ein in die Geschichte der Preußischen Staatsbibliothek, so der Name der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin, in der Zeit des Nationalsozialismus. Vor dem Kulturwerk der Stabi, umgeben von einer thematischen Poster-Ausstellung, erfahren Sie von der Büchersammlung des Verlegers Rudolf Mosse, deren Beschlagnahme und „Verwertung“ u.a. durch das Antiquariat Agnes Straub, der Rolle der Reichstauschstelle bis 1945 und der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände bis 1990 bei der Weiterverteilung von geraubten Büchern, aber auch von geglückten Buchfunden und Restitutionen, etwa an die Nachkommen des französischen Politikers Georges Mandel oder der Berliner Büchersammlerin Hedwig Hesse. Weiter führt der Weg entlang der Straße Unter den Linden zur Akademie der Künste am Pariser Platz, wo Sie etwas über die dortige Provenienzforschung erfahren. In einer Sonderführung können Sie anschließend im Bilderkeller der Akademie künstlerische Spuren von ehemaligen Meisterschülern aus den 1950er Jahren entdecken.
Dauer: 1:25 h + 0:45 h
Anmerkungen: Nicht barrierefrei, Sonderführung ist enthalten.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Treffpunkt: Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden 8, Lindenhalle
Hinweis: Taschen und Rücksäcke (größer als DIN A4 Format) sind vor Besuch des Bilderkellers einzuschließen.
Provenienzspaziergang | 17 Uhr
Das Humboldt-Forum ist Startpunkt des vierten Provenienzspaziergangs. Dort erfahren Sie von der wechselhaften Geschichte des Berliner Stadtschlosses und der Transformation der Berliner Mitte nach 1945. Von hier geht es vorbei an der Friedrichswerderschen Kirche hinein in die Kurstraße, wo einst die Reichsbank stand. Forschungen der Stiftung Stadtmuseum zur Herkunft wertvoller historischer Möbel im Bestand des Märkischen Museums zeigen: Deren Geschichte erweist sich als deutsch-sowjetisch-französischer Forschungskrimi im Kalten Krieg und ist eng verknüpft mit der Baugeschichte der Reichsbank und ihrem Erweiterungsbau in der Kurstraße 36/51. Die Spurensuche führt sogar zurück bis in die Zeit der deutschen Besatzung von Paris 1940–1944 und in ein französisches Schloss. Über die Neumannsgasse geht es zur Breiten Straße, wo an Nr. 11 einst das Ermelerhaus stand, in dem sich von Juli 1945 bis Mai 1946 auch die Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken des Magistrats befand. Den Abschluss bildet der Besuch der Zentral- und Landesbibliothek, wo dessen Provenienzforschungsteam anhand von Praxisbeispielen einen Einblick in die NS-Raubgutforschung und die Restitutionsbemühungen dieser Bibliothek gibt.
Dauer: 1:45 h
Anmerkungen: Nicht barrierefrei
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Treffpunkt: Humboldtforum / westlicher Haupteingang (Kuppel)
Provenienzspaziergang | jederzeit
Keine Zeit am Spaziergang teilzunehmen? Sie können auch auf eigene Faust auf Spurensuche gehen. Informationen zu Stationen im heutigen Berliner Stadtbild finden Sie unter #spurensuche – Provenienz-Spaziergang durch Berlin.
Partner:innen
Akademie der Künste Berlin
Deutsches Historisches Museum
Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Stiftung Stadtmuseum Berlin
Stiftung Topographie des Terrors
Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Während der Veranstaltung werden Video- und Bildaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Staatsbibliothek zu Berlin angefertigt. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie der Veröffentlichung zu nichtkommerziellen Zwecken zu.



© David Konecny (links), Inês Gomes Ferreira (rechts)